. */y f 'in-' '" i..' 1 Ihm &0 W Redigirt von Dr. II. Potonie, Doeenten der Pflanzenpalaeontologie an der Kgl. Bergakademie zu lierlin und Geologen an der Kgl. Preuss. geologischen Landesanstalt. ~&m<- EUNTER BAND - (Januar bis December 1894). TgpT BERLIN. Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung. Inhalts-Verzeiehniss. Die Original-Abhandlungen, -Mittheilungen und -Abbildungen sind durch die Beifgung der Abkrzung Orig." gekenn zeichnet; ausserdem sind viele Autoren an den Referaten ber ihre Arbeiten dadurch betheiligt gewesen, dass sie die Correcturen gelesen haben. Seite Allgemeines und Verschiedenes. Haacke, Schpfung und Wesen der Organismenformen (( big.) .... 385 Hennig, Zur Sintfluth und Eiszeit- Frage (Orig.) 255, 404 Kerner, Aus der Geschichte der Ges. Deutscher Naturforscher und Aerzte 535 Lucks, Noch einmal ber die Ursache des natrlichen Todes (Orig.) . . 318 Maas, Bemerkungen zu Hennig's Zur Sintfluth und Eiszeit-Frage" (Orig.). 367 Petzoldt. Begriff der Entwickelung und einige Anwendungen desselben (Orig.) 77 Schwalbe und Field, Wissenschaft- liche Fachliteratur und die Mittel, dieselbe allgemein und leicht zugng- lich zu machen .261 Philosophie. Klein, Aesthctik auf naturwissenschaft- licher Grundlage (Orig.) .... 301 Klein, Philosophie der reinen Erfah- rung (Orig. mit Urig.-Abb.) ... 1 Mach, Frincip der Vergleichung in der Physik 535 Sc he 11 wien, Bemerkungen zu Klein's Aufsatz Philosophie der reinen Er- fahrung" (Orig.) 490 Philosophische Gesellschaft in Berlin . 187 Anthropologie. Bartels, Geburt von Siebenlingen . 553 Bancalari, Hausforschung in Oester- reich . 505 Finsch, Ethnologische Erfahrungen aus der Sdsee 127 Flechsig, Hirnphysiologie .... 635 Glck, Einfluss der Religion auf Tto- wirungen 480 Herr mann, Geruchssinn 504 Hildebrandt, Urgeschichtsforschung in Schweden 489 Ho er nes, Chronologie der Grber von St. Lucia 490 Kaltenegger, Geschichtliche Ent- wickelung der Riliderrassen . . . 502 Lbisch, Ernhrungsfrage .... 501 Maschka u. Krziz, Mammuth und Mensch 503 Mies, Gehirngewicht 504 Seite Montelius, Kupferzeit in Schweden 503 , Aelteste Geschichte des Wohn- hauses 505 Movessiantz, Armenisches Bauern- haus 505 Preyer, Graphologie vom psycho-phy- siologischen Standpunkt .... 330 Ranke, Aufrechter Gang von Affen . 504 Reber, Vorhistorische Sculptursteine der Schweiz 490 Schaefer, Farbige Begriffs-Bilder (Orig.) 108 , Entwicklungsgeschichte derBogen- gnge (Orig.) 253 Szouibathy, Prhistorische Forschung in ( testerreich 489 Toi dt, Somatologie der Tiroler . . 488 Virchow, H., Knochen- und Muskel- system 218 Virchow, R., Frage nach der Ent- stehung des Menschen 488 , Zwergrassen 504 Wald ey er, Gehirne der Bevlkerung Ostafrikas 504 Wieser, Urgeschichtsforschung in Tyrol 488 Deutscher Antropologen-Congress in Innsbruck 488 Gefahr der Hypnose 480, 506 Zoologie. Aurivillius. Maskirung von Deka- poden 211 Bardeleben, Knochen und Muskeln von Hand und Fuss 612 Bolau, Der erste erwachsene Orang- Utan in Deutschland 418 Braun, A. u. O. Ehrhardt, Ent- wickelung der Holostomiden . . . 369 Child, Die Ohren" der Kerfe ... 516 Dahl, Leuchtende Copepoden . . . 452 D rn er , Kern- und Zellendegeneration 393 D b o i s, Krebspest 86 Eisen, Anatomische Studien an Ocne- rodrilus 139 Emery, Arbeiterstand der Ameisen . 96 Gott seh aldt, Synascidien von Spitz- bergen 405 Goverts u. Reichenow, Picus major (Orig.) 123 Guerne, Muschel-Verbreitung durch Wirbelthiere 6 Haacke, Entstehung des Sugethieres 47 , Geschichte des Sugethieres (mit Abb.) 242 Seite Hertwig, Experimente ber das Ke- generations- und Gestaltungs- Ver- mgen G05 Hess, Ruberisches Leben der After- skorpione 626 H ey m o n s , Entstehung der Geschlechts- zellen bei Insecten 60 , Fortpflanzung der < (hrwrmer (mit Orig.-Abb.) 194 Hickson, Hagen u. a., Aufenthalt von Afterskorpionen 233 Ijima, Fauna von Tsushima .... 113 Kienitz -G er 1 off, Der Thierschutz in der Natur (Orig. mit z. Th. Org.- Abb.) 569 Kolbe, Aus der Insectenkunde (mit Abb.) 65 Lenssen, Buteo ferox in der Rhein- provinz 6 Linden, Schwimmen der Schnecken . 150 Littledale, Wilde Kameele .... 637 Lucet, Neumann, Railliet, Trou- essart, Milben auf Sugern . . 196 Lucks, Eine Erscheinung; aus dem Leben der Saatkrhe (Orig.) . 492 v. Martens, Das Schwimmen der Schnecken an der Wasserflche (Orig.) 624 Matschi, Anthropopithecus erectus (Orig.) 122 , Die Kuhantilopen (I >rig. mit Orig.- Abb.) ............ 329 , Zoogeographisehe Ergebnisse der Expedition O. Neumann's (Orig.) . 417 Me.helv, Verbreitung der Kreuzotter 524 Mbius, Geographische Verbreitung u. Lebensweise der nutzbaren Walfische 565 Moritz, Ueber die Reblaus .... 576 Nagel, Geruchs- und Geschmackssinn und ihre Organe 608 N e h r i n g , Der seh warzbrst ige Hamster in Ost-Bulgarien (Orig.) .... 193 , Verbreitung des Hamsters in Deutsch- land 10S , Kegelrobbe des Berliner Aquariums (Orig.) . 540 Oudemans, Die grosse Seeschlange . 564 Philippi, Europische und chilenische Crustaceen 626 Planta, Herkunft der Ameisensure im Honig 7 Kaillet u. Mo rot, Schmarotzer in der Bauchspeicheldrse 71 Raymond, Subalpine Mollusken der Sierra Nevada 189 Reh, Vererbung erworbener Eigen schatten . . ' - - 211 3 8319 IV [nhalts-Verzeichniss. Seite Ritzema Bos, Ineestzucht 136 , Pflanzenfressende Laufkfer . . . 553 S eli a u il inn , Systematische Stellung and Fortpflanzung von Hyalopusn. g. (Orig. mit Orig.-Abb.) 169 . Fortpflanzung der Foraminiferen . 340 , Kei'ntheilung mit Krpertheilung bei Amoeba erystalligera . . 588, 615 Sehewiak of f, Fortschreitende Bewe- gung der Gregarinen 636 See] iger, Segmontation" des Ruder- sehwanzes der Appendicularien . 370 Sem on, Die Thierwelt Nord-Austra- liens 319 , Ceratodus Forsten 600 Wasniaiin. Emerv, Ritzema-Bos, Sociale Beziehungen der Ameisen . 515 Wegener, Statische Labyrinth theorie (Orig.) 189 Werner, Gerche der Thiere . . . 601 Winogradoff, Neues Distomum beim Menschen 341 Biologische Station zu Pln .... 602 Erhaltung der Fauna Neu-Seelands . 38 Ornithologisches Centralbureau in Un- garn 87 Sugethiere aus Togoland 137 Verschlagene Landvgel auf hoher See 611 Botanik. Ainelung, Bltheiibihlung im Finstern 485 Artault, Spaltpilze in Hhnereiern . 61 Aschers on, Herkunft des Namens Lilium convallium" (Orig.) 241, 310 , Zwei Nachtschattenarten des nord- ainerikanischen Prairiegebietes als Adventivpflanze in Europa (Orig. mit Orig.-Abbildungen) 17 und Wittmack, Ueber Anthoxan- thum Puellii 296 Baenitz, Herbarium Europaeum . . 567 Bail, Das Auftreten der einfach- und doppelt-gefiederten Bltter der Gle- ditschia 321 Behrens, Zur Geschichte des ent- deckten Geheimnisses der Natur" (Orig.) 629 Bolle, Ueber Fagus Sieboldii und silvatica (Orig.) 281 Brandegee, Flora der Cap - Region von Baja California 139 Burgerstein, Anatomie des Fichten- und Lrchenholzes 137 Colin, Kalk- und Kiesel-Abstze ge- bildet durch Pflanzen 99 , Thermogene Bacterien 331 Conwentz, Fossiles Vorkommen von Trapa natans und im Schwinden be- griffene Waldbume 199 Dodel, Bedeutung der Synergiden . 93 Dreyfuss, Cellulose in Bacillen u. s.w. 36 Dubois, Leuchtbacterien 47 Engler, Vegetation von Usambara . 440 Farn in tzin, Chlorophyllkrner der Samen und Keimlinge ..... 225 Gilg, Reduction im Pflanzenreich und ihre Verwerthung fr ein System der Gewchse (Orig.) 581 Gbel, Biologie von Genlisea . . . 160 Graebner, Insectenfang durch Sym- phytum ofticinale 296 Haberlandt, Wassersecernirende und absorbirende Organe an tropischen Laubblttern 333, 601 u. Wiesner, Nutzen dm- Reizbar- keit von Mimosa pudica 225 Harschb erger, Studie ber Mais . 51 Hennings, Exotische Pilze in den Gewchshusern des Berliner botan. Gartens (Orig.) 295 Hock, Vergleich der Bueheubegleiter und ihrer Verwandten in ihrer Ver- breitung mit der der Fageen (Orig.) 277 .Seite Holle, Neue Kautschukpflanzen . . 160 Ihne, Einfluss der] geographischen Lnge auf die Aufbltlierzeit von Holzpflanzen 310 Untersuchung in der Blthenentfal- tung 1S92 und 1893 (Orig.) ... 177 Jonescou, Weitere Untersuchungen ber die Blitzschlge in Bume . 356 Karsten, Ursprung der Centrosomen 72 Klebs, Hvdrodictyon utriculatuin (mit Orig.-Nachb.) 41 Knuth, Blumen und Insecten auf den Halligen . 196 Khne, Ueber Fagus Sieboldii und sil- vatica (Orig.) 280 , Zur Nomenclatur-Frage 333 Lindau, BlthenstaubderAcanthaceen 516 , Die Organismen im Saftflusse der Bume (Orig.) . . . ' 631 Miyoshi, Chemotropismus derPollen- schluche 333 Mller, Hymenolichenen 35 Molisch, Zur Physiologie des Pollens 71 Nawaschin, Chalazogamie und ihre Deutung (mit Abb.) 525 Neubauer, Schwefelregen" (Orig.) . 273 Neumeister, Vorkommen und Bedeu- tung eines Eiweiss lsenden En- zyms in jugendlichen Pflanzen . . 273 Otto, Einfluss von Strychninsalzlsun- gen auf die Entwickelung von Pflanzen im Sand und Humus (Orig.) 625 Peter, Kulturversuche mit ruhenden Samen 123 Philippson, Vorkommen der Ross- kastanie und der Buche in Nord- griechenland (Orig. mit Orig.-Karte) 421 P o t o n i e , Insectenfang durch die Laub- bltter von Symphytum und von Des- modium trii|uetrum 296 , Pseudo-Viviparie an Juncus bnfonius (mit Abb.) 485 Prantl, System der Monocotyledonen 99 Rosen, Tinktion. Unterscheid, ver- schied. Kernbestand, u. der Sexual- kerne bei Pflanzen 7 Schleichert, Diastatisches Ferment der Pflanzen 481 , Versuche ber Wasserleitung u. Transpiration der Gewchse (Orig.) . 622 Seh w ende ner u. Krabbe, Turgor- dehnung und Lngenzunahme wach- sender Organe 110 Stahl, Transpiration u. Assimilation der Pflanzen 540 Taubert, Neue Physostigma-Art . . 224 Wiesner, Klebs, Vchting, Ame- lung, Potoni e, Einfluss des Lichts auf die Pflanzen 475 Wittmack, In Eis keimender Roggen (Orig.) 283 Ziegenbein, Eiweisszerfall bei Aus- schluss atmosphrischen Sauerstoffs (Orig. mit Orig.-Abb.) 222 Botanische Grten 62, 87 Botanischer Verein der Provinz Branden- burg, LX. Hauptversammlung . . 277 Palaeontologie. Fuchs, Pflanzenhnliche Fossilien her- vorgebracht durch rinnendes Wasser (Orig. mit z. Th. Orig.-Nachb.) . . 229 Nathorst, Ueber pflanzenhnliche Fossilien" durch rinnendes Wasser hervorgebracht (Orig.) 313 , Palozoische Flora der arktischen Zone 470 , Eine Probe aus dem Torflager von Lauenburg an der Elbe (Orig.) . . 533 P o t o n i e , Folliculites Websteri (Orig.) 22 1 , Ueber foss. Pflanzen (Orig.) . . . 220 , Art der fossilen Pflanzenreste und Spuren (Orig.) J 527 Raciborski, Fossiles Lebermoos . . Zimmermann, Weiteres ber ange- zweifelte Versteinerungen (Spiro- phyton und Chondrites) (Orig.) . Anthropopithecus erectus .... Seit 99 361 59 Mineralogie und Geologie. Andreae, Geysire 97 A s c h 1 ey, Biegungsveringcn von Felsen 139 Cremer, Conglomerate d. westflischen Carbons (mit Orig.-Nachb.) ... 182 Da mos, Fltzformation Helgolands D4 Fiebelkorn, Alter der Festlnder (Orig.) 129 , Geologische Ausflge in die Um- gegend von Berlin (Orig. mit z. Th. Orig.- Abbild.) .... 349,497, 509 Gill, Griechenlands Erdbeben auf der Cap-Sternwarte bemerkbar . . . 321 Harle,Fossilrestedergestreiften Hyne 406 Hauchecorne, Tiefstes Bohrloch der Erde 221 Heim, Absolutes Alter dt r Eiszeit . 482 Herz, Zonarstruetur der Plagioklase . 111 Houssay, Zur Geologie Vorderasiens mit Karte 380 Jan nasch und Locke, Chemische Untersuchungen der Topase . . . 334 Kot, Erdbeben in Centraljapan 1891 113 Linck, Krystallgefiige des Meteor- eisens 127 Lindgren, Eruptivgesteine aus Mon- tana 139 , Geologie und Petrographie von Baja California 139 Michael, Cenoman, Turon, Senon bei Cudowa 99 Ochsenius und Potonie, Bildung der Steinkohlen (z. Th. Orig.) .... 183 Partseh, Vergletscherung des Riesen- gebirges 342 Regel, Glacialwirkungen in Ober- schwaben und im Bodenseegebiet (Orig. mit Orig.-Abbild.) . . . . 179 Reyer, Condensation kosmischer Kr- per (Orig.) 373 Rinne, Ueber Skolezit 493 Rousseau, Knstliche Darstellung der Diamanten 69 Schenck, Geologisches aus Deutsch- Sd-West-Afrika 161 Tenne, Gesteine der aethiopischen Vulkanreihe 36 Toula, Miocn von Kralitz .... 127 Traube, Py roelektrisehe Eigenschaften und Krystallform des Prehnits . . 589 Traut seh old, Bewegung des Erd- oceans 99 Ule, Die Katastrophe an den Mans- felder Seen (Orig.) 325 Wahnschaffe, Entstehung des nord- deutschen Flachlandes (Orig.) . . 218 , Geologische Reisebilder aus den Ver- einigten Staaten von Nord-Amerika (Orig. mit z. Th. Orig.-Abb.) I. Washington und seino Umge- bung 117 IL Von Washington nach dem Felsengebirge 155 III. Der YellowstoneNational- Park 201 Physik. Elster und Geitel, Lichtelektrische Versuche 442 Klimpert, Oberflchenspannung und ihre Umsetzung in kinetische Energie (Orig. mit Orig.-Abb.) 132 Koppen, Zu Klimpert's Aufsatz ber Oberflchenspannung (Orig.) . . . 231 Lpke, Aus der Theorie und Praxis der Elektrochemie 220 Inhalts -Verzeichniss. van der Mensbrugghe, Kritische Bemerkungen zu Klimpert's Aufsatz Ueber < >berflchenspannung" (Orig.) 316 Pietzker, Dynamische Erzeugung elektrischer Strme ohne Vorwon- dung von Eisen 493 Rubens, Neuere Versuche auf elektro- dynamischem Gebiet (Orig.) . . . 219 Sczymanski, Versuche auf dorn Ge- biete der Optik, Electricitt, des Magnetismus, der Mechanik und Akustik (Orig.) 219 Wobei-, Atmosph. Elektricitt ... 12 Tesla's elektrische Versuche .... 451 Mathematik. S c li u b c r t , Mathematische Spielereien in kritischer und historischer Be- leuchtung. IX. Umfllungsaufgaben (Orig.) 104 , Dasselbe. X. Problem der 15 Christen und 15 Trken (Orig.) 165 , Dasselbe. XI. Die Euler'schen Wanderungs - Aufgaben (Orig. mit Orig.-Abb.) 314 , Dasselbe. XII. Die Hamilton'sehe Rundreise-Aufgabe (Orig. mit Orig.- Abb.) 433 Deutsche Mathematiker-Voreinigung . 62 Astronomie. Cerulli, Enke'scher Komet .... 566 Oppolzer, Ursache der Sonnenflecken 12 Pfeil, Graf von, Atmosphre und ( Iberflche des Mars (Orig.) ... 101 Scheiner, Oberflchentemperatur der Sonne und der Fixsterne .... 2S6 - und Stete feldt, Bewohnbarkeit der Planeten 405 Wilsing, Doppelstern 61 Cygni . . 237 Marsopposition 442 Neuentdeckte AVeltkrper 186 Neuer Komet 226 Vertheilung der Nebelflecke und Stern- haufen 517 Meteorologie. Berson, Luftfahrt dos Ballon Ph- nix" vom 4. Deccmber d. J. . . . 637 Blenck, Zunahme der Blitzgefahr . 612 Brnstein, Elektrische Beobachtungen bei 2 Ballonfahrten 345 Ekholm und Arnherius, Einfluss des Mondes auf den elektrischen Zu- stand der Erde 614 Hennig, Klterckflle im Spt- frhling (Orig.) 341 , Mondregenbogen-Beobachtung (Orig.) 450 Hess, Hagelschlge in der Schweiz 18831893 597 Janssen und Richard, Meteorograph von sehr langem Gang 626 Pfeil-Burghauss, Less und Hen- nig, Ueber Hagelfall (Orig.). 357, 452 Ballon Cirrus" 517 Meteorologische Station in Peru . . 126 Witterungs-Berichte; . . . 506, 553, 602 Chemie. Baker, Einfluss der Feuchtigkeit auf Reactionen 49 Bayer, A., Chemische Constitution und optische Activitt 286 Bayer, K. J., Ein neues Element . . 322 Brand, Maltol 251 Cohn, Verhalten einiger Pyridin-, Naphtalin- und Chinoiinderivate im thierischen Organismus 638 Galitzine, Zustand der Materie in der Nhe des kritischen Punktes ... 11 Seite Gernhardt, Vorrichtung zur Ver- htung des Siedeverzugos .... 345 Guntz, Gewinnung metallischen Li- thiums 61 Helm, Mauerfrass und Salpeterbildung 211 Jahns, Trigonellin 345 Kciser, Atomgewicht des Palladiums 197 Laire und Tiomann, Iridin ... 24 Lobry de B ruyn und Franchimont, KrystallisirteAmmoniakdoiidatovon Kohlehydraten ....... 284 Pictet, Einfluss der tiefen Temperatur 37 Prever, Eigenschaften der organischen Elemente 234 Purdieund Walker, Chemie im Raum 10 Rayleigh und Ramscy, Entdeckung eines Gases 453 Rosenfeld, Einwirkung von Na auf ILO 162 Smith u. Co., (lonoskopin 10 Tiemann und Krger, Veilchen- aroina 72 Geographie und Verwandtes. Boys, Newton's Constante der Gravi- tation 526 Dofforges, Anomalien der Erd- schwere 196 Fisher, Physikalische Eigenschaften der Erdkruste 171 Forster, Temperatur der Flsse Mitteleuropas 585 Koto u. a.. Das mitteljapanische Erd- beben von 1891 (mit Original-Nach- bildungen) 289 Krasnow, Steppen des sdlichen Russland 283 Mller, Aus Sa. Catharina, Brasilien (Orig. mit ( >rig.-Abb.) 1. Blumenau als geeigneter Ort fr eine botanisch-zoologische Tro- penstation . 445 2. Vom Stadtplatz" Blumenau . . 617 Neh ring, Steppen des sdlichen Russ- lands (Orig.) 333 Pouch et und Diguet, Farbe des Meeres 137 Preston, Vernderlichkeit der geo- graphischen Breite 86 Regel, Baumann's Reise durch Deutsch- Massailand und zur Quelle des Ka- gera-Nil 7 Semon, Reise nach Australien und dem Malayischen Archipel 23 Bericht der Cominission fr wissen- schaftlich eLandeskunde vonDeutsch- land 261 Expeditionen, Reisen 62, 322 Unterricht. Popov, Geschichte des Physiologi- schen Instituts zu Moskau .... 369 Schwalbe, Methodik des physiologi- schen Unterrichts (Orig.) .... 217 Vogel, Entwurf zu einem Lehrplan fr das Knigstdtische Real-Gym nasium 555 Errichtung einer Filiale des Wissen- schaftlichen Theaters Urania" in Berlin 299 Ferienkurse, naturwissenschaftliche, fr Lehrer hherer Schulen . 151, 217 339 Ferienkurse in Jena 261 Gruppe Unterricht und Erziehung" der Berlin. Gewerbe-Ausstellung 1896 26, 482 Schulhygienisches 548 Medizin, Hygiene und Verwandtes. Albu, Function der Schilddrse und ihre Strungen (Orig.) 271 Behring, Diphtherieheilserum . . . 557 Seite Borchardt, Pfeiffer's Influenza Ba cillus 46 Buttersack, Bacterie der Pocken Erisman, La lutte contre la morl ."> 1 7 Esmarsch, Sonnendesinfection . . . 260 Gaule, Trophische Eigenschaften der Nerven :i7 Gerhardt, Ueber Syphilis .... 171 Gruber, Metschmkoff, Pertik, Eisner, Ueber Cholera '.|s Hubert, Die sogenannten Doppel- Empfindungen (Orig.) 233 Hirt, Epidemie von hysterischen Krmpfen 99 llueppe, Nachweis des Choleragiftes beim Menschen . 429 Hueppe und Fajans, Culturen im Hhnerei und Anaerobiose der Cho- lerabacterien 429 J er sin, Pestbacillus 548 Kraepelin, Ueber geistige Arbeit . :'.17 Lewin, Geschmacksverbesserung von Medicamenten und Saturationen. . 505 Leyden, Van Swioten und die mo- derne Klinik 593 Leyden und Koranyi, Versorgung tuberculoser Kranker 549 Lindner, Zur Kenntniss der parasiti- schen Eigenschaften stielloser Vorti- cellen (Orig.) (7;; Loeffler, Roux, Aronson u. a., Ueber Diphtherie 546 Loos, Wenig bekannter Parasit des Menschen 636 Matz, Pfeilgifte (Orig.) ;;75 , Das Diphtherieheilserum (Orig.) . 557 Neisser, Psorospermosen der Haut . 98 Neumann, Laelaps stabularis als Pseudoparasit 35 Philipp, Desinfection durch Formal- dehyd 635 Sabrazes und Chambretont, Mi- kroben-Weg bei Puerperal-Infection 108 Schffer, Hygienische Reiseeindrcke aus Hamburg (Orig.) 53 Schuschny, Langenau, Kotel- mann, Cohn u. a.. Schulhygic- nisches 548 Traube, Verfahren, Wasser in grossen Mengen keimfrei zu inachen . . . lll Weizmann und Zirn, Seifige Milch. '_'"' 1 Masern auf Samoa 392 Landwirthschaft und Verwandtes. Ba.b, Aberglauben der Griechen und Rmer im Feld- u. Gartenbau (Orig.) 192 Bruhne, Neuer Schdling der Gersten- pflanze 588 Elschnig, Herstellung wasserfreien Celloidins 250 Hahn, Aufforstungen in Schleswig- Holstein 1-".' Moritz sowie M. von Ritter, Reb- laus-Bekmpfung und Desinfection von Setzreben 576 Sorauer, Bacteriose Gummosis der Zuckerrben (Orig.) 46 Wittmack, Die Moorwiesen in der Kniglichen < (berfrsterei Zehdenick und die Vernderung ihres Be- standes (Orig.) 281 Wollnv, Permeabilitt de.- Bodens fr Luft" Iio Technik und Instruineiiteiikunde. Blum, Formol als Conservirungsflssig keit Boltzmann, Luftschifffahrt . . . . 633 Ltzen, Lichtquellen der Projections- lampen (Orig. mit Abb.) .... 551 Neumann, Die Schutzwirkung des Blitzableiters (Orig. mit Orig. -Aldi.) 337 VI Inhalts-Verzeichniss. Seite Neumann, Flugtechnische Aufgaben (Orig.) 521 Rhle, Gleichstrom, Wechselstrom, Drehstrom (Orig. mit Orig.- Abb.) . 457 Valenta, Photographie in natrlichen Farben 297 Gruppe Wissenscbaftl. Instrumente" der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1S96 62 Geschichtliches, Biographieen, Nekrologe, Personalien. lliippe, Semmelweiss 546 Preyer. Romanes t (< rig.) .... 309 Regel, Zum Gedchtniss Emin Pascha's (Orig. mit Orig.- Abb.) 29 , Zum 60. Geburtstag von E. Hckel (Orig.) . ._ . . . . . . _. . . 141 Schalow, Emin Pascha's ornitholo- gische Thtigkeit (Orig.) .... 153 VV n s che, Goethe als Naturfreund und als Naturforseher 259 Brehm-Schlegel-Denkmal 49 Chareot-Denkmal 62 Haeckel-Feier 111 Helmholtz f 469 Liebe-Denkmal 394 Middendorf f 126 Mitscherlich-Denkmal 602 Personalien, kurze Angaben von Er- nennungen, Jubilen, Todesfllen, Versetzungen u. dgl. 12, 25, 38, 49, 61, 73. 87, 98, 111, 126, 138, 150, 162, 174, 186, 197, 213, 226, 238, 251, 261, 274, 286, 298, 311, 322, 334, 345, 358, 370, 382, 394. 406, 430. 442, 454, 470, 482. 494, 506, 517, 528, 542, 554, 566, 579, 590, 602, 614, 626, 638. Vereinswesen, Museen etc. Anthropologen-Congress, Deutscher, in Innsbruck 488 Ausstellungen 26, 151 Botanischer Verein der Provinz Branden- burg 277 Congresse, Wissenschaftliche Versamm- lungen 98, 126, 162,197,214,238,251, 261, 277, 311, 322, 334, 345, 382, 394, 406, 454, 482, 488, 535, 545, 567. Deutsche Gesellschaft fr volkstm- liche Naturkunde 554 Internationaler Congress fr Hygiene und Demographie 545 Internationaler Geologen-Congress . . 126 Landessternwarte in Heidelberg . . . 214 Museum in Para 261 Museum in Wernigerode 87 Naturwissenschaftliche Ferienkurse fr Lehrer an hheren Schulen . . 217, 339 Preis-Aufgaben ......... 138, 334 Versammlung der Gesellschaft Deut- scher Naturforscher und Aerzte 251, 535 Zoologischer Garten zu Berlin, 50jhrige Jubelfeier 469 Litteratur. Andree's allgemeiner Handatlas . . 50 Arendt's naturhistorischer Schul- atlas 26 Arnold, Repetitorium der Chemie . 639 Bachmann, Leitfaden fr mikrosko- pische Dauerprparate 198 Baer, Der Verbrecher 431 Bail, Leitfaden der Botanik .... 359 Bardey, Formeln quadratischer Glei- chungen 543 Bebber, Meteorologie 38 Bechhold's Handlexikon der Natur- wissenschaft und Medicin .... 13 Seite Beetz, Physik 215 Behla, Abstammungslehre .... 322 Behine, Geologischer Fhrer v. Goslar 627 Behrens, H., Mikroskopische Gefge der Metalle und Legirungen . . . 591 Behrens, W. J., Botanik 383 Bernard, Palontologie . . . 174, 626 Bcrthelot, Thermochem. Messungen 443 Bertram. Flora von Braunschweig . 395 Beyrich, Stoff- und Weltther . . 638 Bezold, August Kundt 615 Blasius, Seeschiffe und Orkane . . 518 Blas ins, Strme und moderne Meteo- rologie 112 Boas, Zoologie 383 Brner, Experimentalphysik .... 112 Boltzmann, Maxwell's Theorie der Elektricitt und des Lichtes . . . 215 Borinski. Artikul. Phonetik ... 238 Born t raege r, Desinfection .... 49 Bourdeau, Histoire de l'alimentation 482 Brass, Atlas zur Zoologie und Ana- tomie 98 Brauns, Mineralogie 215 Br es lieh u. Koepert, Bilder aus Thier- und Pflanzenreich .... 346 Bremer, Naturlehre 50 Brockhaus' Convorsations - Lexikon 13, 127, 311, 482, 638 Brcke, Farbenwechsel des Cham- leons 299 Buchenau, Flora von Bremen und Oldenburg 335, 371 Bchner. E., Mammalia Przewalskiana 518 Bchner, L., Darwinismus und Socia- lismus 73 Cantor, Vorlesungen ber Geschichte der Mathematik 274 Caro, Entwickelung der Theerfarben- Industrie 443 Clapeyron, Bewegende Kraft der Wrme 495 Coup in, L'amateur des Coleoptcres . 383 Credner, Rgen 13 Cundill, Dictionnaire des explosifs . 198 Daffner, Voralpenpflanzen .... 13 Damm er, O., Handbuch der anorga- nischen Chemie 50 Dammer. U., Anleitung fr Pflanzen- sammler 615 Darwin's Reise 138 Darwin, Fr., Charles Darwin . . . 345 Dary, Elektrochem. Untersuchungen 311 David, Rathgeber fr Anfnger im Photographiren , . 335 David & Scolik, Photographischc Notizen und Nachlagebuch . . . 323 Descartes, Geometrie 323 Dippel, Laubholzkunde 214 Dodel, Biologischer Atlas der Botanik 87 Du rege, Theorie der Functionen einer completten vernderlichen Grsse . 198 E n g 1 e r u. P r a n 1 1 , Natrli che Pflanzen- familien .... 13, 138. 174, 299, 443 Epstein. Electrotechnik 627 Faulmann, Im Reiche des Geistes . 238 Favarger, Electricitt und ihre Ver- werthung zur Zeitmessung .... 359 Fischer, Handbuch der chemischen Technologie 51 Fletscher, Die optische Indicatrix . 127 Florschtz, Fontes Mattiaci . . . 554 Folin, Peches et chasses 73 Forsyth, Differenzialgleichungeu . . 138 Fort u. Schl hmilch, Analytische Geometrie 455 Fricker, Antarctisches Treibeis . . 38 Friedrich, Die Biber an der Elbe . 626 Fuss u.Hensold, Lehrbuch der Physik fr den Schul- und Selbstunterricht 639 Galvani, Elektricitt und Muskelbe- wegung 470 Gauss, Intensive der erdmagnetischen Kraft 603 Seite Gay-Lussac, Dalton, Dulong, Petit, Rudberg, Magnus, Reg- it ault, Das Ausdehnungsgesetz der Gase 286 Gbel, Pflanzenbiologische Schilde- rungen ......... 163, 431 Goursat, Integration der partiellen Differenzial-Gleichungen 1. Ordnung 113 Grulich, Bibliothek.? -Kathalog der Leopoldina 113 Gnther, Bakteriologie 26 Gutzmann, Bericht ber Polyklinik fr Sprachstrungen 39 Haeckel, Indische Reisebriefe . . . 197 Haacke, Gestaltung und Vererbung . 151 , Schpfung der Thierwelt .... 26 Haas, Sturm- und Drangperiode der Erde 286 Hagen, Synopsis der Mathematik . 347 Hart leben 's Reisebcher 26 Hauptmann, Metaphysik in der mo- dernen Physiologie 506 Hayek, Zoologie 431 Hecht, Krystallberechnung .... 395 Hegar, Geschlechtstrieb 554 Hehn, Culturpflanzen und Hausthiere 371 Heim, Sehen und Zeichnen .... 454 Hertwig, Prformation oder Epigo- ne seV 418 Hertz, Principien der Mechanik . . 590 v. Hbl, Collodium-Emulsion . . . 287 H bne r's geographisch-statistische Ta- bellen 74 Humboldt u. Gay-Lussac, Volum- gesetze gasfrmiger Verbindungen . 27 Huyghens, Ursache der Schwere . 495 Ih n e , Beschreibende Naturwissenschaft und Chemie 383 Jaoger, Natur- und Menschenleben . 197 Jolly, Irrthum und Irrsein .... 26 Kmpfe, Tafel des Integrals u. s. w. 323 Kaerger, Knstliche Bewsserung in den wrmeren Erdstrichen und ihre Anwendbarkeit in Deutsch-! Istafrika 406 Kafka, Recente und fossile Nagethiere Bhmens 227 Kahl bum, Theophrastus Paracelsus 470 Karsch, Vademecum botanicum . . 518 Keilhack, Geologische Schriften und Karten von Preussen stlich der Elbe 74 Kerville, Leuchtende Thiere und Pflanzen 73 Keyserling, Tagebuchbltter . . . 603 Kirchhoff, Vorlesungen ber mathe- matische Physik 239 Klobs, Verhltnisse des mnnlichen und weiblichen Geschlechts . . . 359 Klein, H., Astronomie 74 , H., Mathematische Geographie . . 322 , J., Chemie 567 Knuth, Blumen und Insekten auf den nordfriesischen Inseln 112 , Blthen-Biologie 543 Koken, Vorwelt 50 Korn, Gravitation und elektrische Er- scheinungen 519 Kraepelin, Leitfaden fr den bota- nischen Unterricht 543 Krass u. Landois, Lehrbuch der Botanik 38 K rause, Nordische Herkunft derTroja- sage 214 Krebs, Erhaltung der Mansfelder Seen 431 K r s s , Specielle Methoden der Analyse 50 Lainer, Anleitung zur Ausbung der Photographie 287 Lassar-Cohn, Arbeitsmethoden fr organisch-chemische Laboratorien . 73 Lauenstein, Festigkeitslehre . . . 286 Lie, Continuirliche Gruppen mit geo- metrischen u. s. w. Anwendungen . 98 Linnaei Systema naturae 518 Linstow, Giftthiere . 554 Lwe, Gebirgsbildende Felsarten . . 443 Inhalts -Verzeichniss. VII Seite Lombroo u. Ferrero, Das Weib als Verbrecherin u. Prostituirte . . . 274 Lddecke, Beobachtunga-Unterricht iu Naturwissenschaft etc 162 Mach, Grundriss der Physik .... 395 Marischier, Teplitzer Tief bohrungen 287 Mars hall, Neu erffnetes, wunder- sames Arzeneikstlein 174 Merkel, Molluskenfauna von Schlesien 383 Michaelis, Der Kaffee 286 Mich eisen , Bestimmung algebraischer Gleichungen des 1. bis 4. Grades . 14 Mietlie, Grundzge der Photographie 639 Moldenhauer, Gold des Nordens . 543 Mller, J., Anatomie von Compositen 50 , Lehrbuch der kosmischen Physik 323 Mnch, Physik 39 Nebel, Kfer von Anhalt 383 Neu haus, Photographie auf For- schungsreisen und Wolkenphoto- graphie 287 , Mikrophotographie und Projection 555 Neumann, Vorlesungen ber mathema- tische Physik 274 ( ) e 1 1 e 1 , Anleitung zu elektrochemischen Versuchen 275 Ostwald, Chemische Energie ... 14 , Physiko-chemische Messungen . . 38 , Klassiker der exaeten Wissen- schaften 27 , Wissenschaftliche Grundlagen der analytischen Chemie 603 Partsch, Vergletscherung des Kiesen- gebirges 274 Picard, Traite d'analyse 27 Pilling, Fingerzeige beim Unterricht in der Botanik 359 Piper, Idiotie 62 Pizzighelli, Anleitung zur Photogra- phie fr Anfnger 639 Planck, H. Rud. Hertz 335 Poincare, Theorie mathematique de la lumiere 199 , Theorie des tourbillons 215 , Thermodynamik 163 Poincare, Uscillations electriques . 519 Pokorny, Thier- und Pflanzenreich . 371 Potonie, Elemente der Botanik . . 226 Potonie, Flora des Rothliegenden von Thringen 197 Prantl-Pax, Lehrbuch der Botanik . 227 Quatrefages, Emules de Darwin . . 346 Rabonhorst's Kryptogamenflora . . 518 Ranke, Der Mensch 226, 382 R a w i t z , Histologie 226 Reichel, Magnetismus und seine Ph- nomene 528 Reinheimer, Leitfaden der Botanik 38 Richter, M., M. , Lehre von der Wellenberuhigung 322 Richter, Benzinbrnde 443 Rivinus, Was ist Krankheit? . . . 431 Rottger, Nahrungsmittel-Chemie . . 627 Rosenkranz, Pflanzen und Volks- aberglauben 214 Roser, Wie behtet mau seine Kinder? 335 Roulo, L'embryologie comparee . . 615 >S ad t ler, Organ. -technische Chemie . 627 Scheffler, Technische Hochschulen und Bergakademieen 407 Schnauss, Photographisches Taschen- Lexikon 1 12 Schlei chert. Botanische Beobach- tungen und pflanzenphysiologische Experimente (103 Schnellinger, 5 stellige Tafeln fr die lOner Logarithmen 359 Schrank, Urheberrecht an Photo- graphieen 286 Schreiber, Klimatographie des Knig- reichs Sachsen 238 Sehroeter, Pilze 98, 335 Schubert, Park von Abazzia . . . 286 Schulze, Flora germaniae .... 359 Schult ze, Zeitgeist in Deutschland . 418 Seite Schumann, Lehrbuch der Systematik. Phytopalaeontologie und Phyto- geographie 638 Schweiger - Lerchen feld , Grotten und Hhlen des Karst 26 Sievers, Amerika 138 Sprengel, Entdeckte Geheimnisse der Natur 151, 214 Stentzel, Weltschpfung 494 Sturmhoefel, Akustik des Bau- meisters 542 Sumpf-Papst, Physik . ... 39, 627 Timm, Das Wetter 174 Traube, Physikalisch-chemische Me- thode . 113 Trinius, Alldeutschland 112 Tyndall, Die Wrme 543 Ule, Mansfelder Seen u. s. w. ... 198 Ungar, Schutzimpfungen 87 Valenta, Photographie in natrlichen Farben 287 Vetter, Moderne Weltanschauung . 370 Vilmorin's Blumengrttferei .... 261 Vi olle, Akustik 51 Virchow, Grndung der Berliner Uni- versitt 26 Voigt, Vogelstimmen 359 Weidefeld, Elementare Rechnungen aus der mathematischen Geographie 406 Weierstrass, Gesammelte mathe- matische Werke 251 Weiler, Spannungselektricitt ... 74 Weinert, Grundbegriffe der Chemie . 38 Weismann, Allmacht der Natur- zchtung 482 W e i s m a n n , Aeusscre Einflsse als Entwickelungsreize 507 Weiss, Flora von Bayern (bezw.) Deutschland 529 Westermaier, Allgemeine Botanik . 163 Weyl, Studien zur Strassenhygiene . 174 Wiebe, Tafeln ber die Spannkraft des Wasserdampfes 443 Wiedeman n, Lehre von der Elektricitt 347 Wies engrund, Elektricitt .... 627 Wilbrnd, Grundzge der Chemie . 38 Willkomm, Supplementum prodromi florae Hisp. 394 Winkelmann, Handbuch der Physik 14, 347 Wittwer, Grundzge der Molekular- physik u. der mathematischen Chemie 175 Wrzburg, Nahrungsmittel- Gesetz- gebung 512 Ziegler, Naturwissenschaft und social- demokratische Theorie 334 Annalen des k. k. Naturwissenschaft- lichen Hofmuseums 127 Archiv der Mathematik und Physik . 199 Atti della Reale Accademia dei Lincei 603 Ausland 39 Beitrge zur Geophysik 199 Bergmannstag, der fnfte allgemeine deutsche, 114 Berichte der naturforschenden Gesell- schaft zu Freiburg i. B 175 Berichte ber die Verhandlungen der kniglich schsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig . . 591 Berichte ber die Verwaltung der natur- historischen, archaeologischen und ethnologischen Sammlung des west- preussischen Provinzial-Museums . 199 Bericht ber die 3. Versammlung des Vereins zur Frderung des Unter- richts in der Mathematik und der Naturwissenschaft 579 Bericht ber die Senkenberg'sche natur- forschende Gesellschaft in Frank- furt a. M 543 Bcher und Abhandlungen, Liste im Buchhandel erschienener 14, 39, 51, 63, 87, 114, 151. 215, 227, 239, 263, 287, 335, 347, 359, 371, 407, 419, 431, 443, 483, 495, 507, 519, 531,543, 555, 603, 627, 639. Seite Bulletin de Pacademie de science des St. Pctersbourg 433 Calendar Year 18921893 Universitt Japan 51 Comntes rendus hebdomadaires des seances de PAcademie des Sciences G15 Contributions from the botanical I ratory of the University of Pennsyl- vania ..... 5i Das Thierreich, eine Zusammenstellung und Kennzeichnung der recenten Thierformen 275 Die Botanisehen Anstalten Wiens 1894 Forschungsberichte aus der biologischen Station zu Pln ....... IST. 215 Fortschritte der Physik U:i Illustrirtes Jahrbuch fr Kleinthier- zchter 335 Jahrbuch der Chemie |:;i Jahrbuch der Knigliehen Preussischen geologischen Land. sanstalt und Berg- akademie 227 Jahrbuch fr Photographie und Repro- duetionstechnik 419 Jahresbericht der geographischen! resell- schaft zu Greifswald 39 Jahresbericht der naturforschenden 1 re Seilschaft in Emden 7.1 Jahresbericht der schlesischen Gesell- schaft fr vaterlndische Kultur 98, 507 Jahresbericht, des Vereins fr Natur- wissenschaft zu Braunschweig . . 27 Journal College Science Imperial Uni- versity Japan 113 Journal fr reine und angewandte Mathematik 495 Journal-Revue 495 Kataloge ber Bcher, Sammlungen und Apparate 27, 151. 175, 187, 3->, 495, 627 Knig!. Svenska Vetenskaps - Akade- miens Handlingar 470 Mrkisches Provinzial-Museum ... 74 Mathematische Litteratur . . 455, 4S3 Mittheilungen der naturforschenden Gc- sellschaft in Bern G3 Nachrichten her Geophysik .... 114 North American Fauna 346 Philosophische Litteratur 495 Proceedings California Acadeiny Science 139 Repertoire bibliographique des sciences mathematiques 483 Schriften des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien 531 Sitzungsbericht der kais. Akademie der Wissenschaften zu Wien .... 455 Sitzungsbericht der knigl. Preussischen Akademie der Wissenschaften . . 407 Sitzungsbericht der mathematisch-physi- kalischen Classe der knigl. Bayer. Akademie der Wissenschaften zu Mnchen 555 Unser Hausarzt 603 Verhandlungen der Gesellschaft dem scher Naturforscher und Aerzte 74, 323, 627 Weltkarte, deutsche, mit Meerestiefen u. s. w 14 Wissenschaftliehe Mittheilungen :iu;- Bosnien und der Herzegowina . . 311 Zeitschrift fr Naturwissenschaft . . :171 Zeitschrift, fr praktische Geologie . 63 Zoologisches Centralblatt 99 Verzeichniss der Abbildungen. Amauris maria (Orig.) 575 Ameisenigel 245 Amphidasis betularia (Orig.-Nachb.) . .'.71 ApparatzuZiegenbein's Untersuchungen ber Eiweisszerfall (Orig.) .... 223 Bad Lands in Nord-Amerika (Orig.) 159 Beehive Geyser 208 VIII Inhalts - Verzeichnis. Seite Benzingeblsebrenner 552 Beutelthiere 246 Blumenau (Orig.) .... 617, 618, 620 Caloptenus italicus 82 Calopteron bifasciatum (Orig.) . . . 574 Calosoma 66 Canon des Yellowstone River (< >rig.- Nachb.) 210 Carabus aronitens, Tracheenstamm . 69 Cerambyx heres, Larve 66 Ceratites nodosus 354 Chalazogame Ovula 526 Danais chrysippus (Orig.) 575 Delta im glacialen Stausee bei Ravens- burg (Orig.) 181 Dictyomenia volubilis (Orig.) .... 362 Duftorgane von Insecten 84 Echidna 245 Encrinus liliiformis . . _ 354 Figuren zu Schubert'* Artikel Die Euler'schen Wanderungsaufzhlun- gen" (Orig.) 314, 316 Flyschfucoiden in ihrer natrlichen Lage 365 Frassgnge von Xvleborus 366 Gebude mit Blitzableiter (Orig.) 337, 338 Gervillia socialis 354 Gespenstheuschrecke (Phasmide) (Orig.) 571 Harpyia vinula (Orig.-Nachb.) . . . 573 Hartebeeste (Bubalis buselaphus) in der sdafrikanischen Boga (Orig.) . . 329 Helgoland 94, 95 Hyalopus Dujardinii (Orig.) .... 169 Hydrodictyon utrieulatum (Orig.-Nachb.) 42 Hypolimnas misippus (Orig.) .... 575 Imbauben und Bananen-Gruppe (Orig.) 621 Insecten-Lngsschnitt 67 Inseeten-Tracneen-System 68 Inselchen im Itajahyfluss (Orig.) . . . 448 Juncus bufonius mit pseudo-viviparen Sprossen 486 Jupiter- Terrasse der Mammoth Hot Springs (Orig.) 202 Kailima Inaehis (Orig.) 573 Karte der Baum Verschiebung 1891 in Umehara (Orig.-Nachb.) 292 Karte des Gebirgs- und Thalsystems im nrdlichen Mino (Orig.-Nachb.) . 290 Seite Karte der Gegend nrdlich Takatomi (Orig.-Nachb.) 292 Karte der Riidersdorfer Kalksteinbrche (Orig.) 353 Karte der Verschiebung der Ackerdmme bei Nishikatabira (Orig.-Nachb.) . . 291 Karte der Verwerfung von 1891 im Fujitani (Orig.-Nachb.) 293 Karte des Braunkohlengebirges in der Mark Brandenburg 500 Karte des Hauptschttegebiets von 1891 in Centraljapan (Orig.-Nachb.) . . 289 Karte des Mississippi bei Minneapolis (Orig.) 158 Karte des nordamerikanischen Glacial- gebietes (Orig.) 156 Karte des sdlichen Theils der grossen Verwerfungen beim japanischen Erd- beben (Orig.-Nachb.) 290 Karte des Yellowstone National-Parks (Orig.) 201 Karte mit Uebersicht der Bohrlcher von Berlin und Spandau (Orig.) . 498 Karte von Nord-Griechenland mit An- gabe des Vorkommens der Rosska- stanie und der Buche (Orig.) . . . 422 Karte zur Geologie Vorderasiens (Orig.- Nachb.) 381 Katzenfell-Zeichnungen 247 Leda Deshayesiana (Orig.) 500 Lima striata 354 Locusta viridissima, Mundwerkzeuge 66, 83 Locustiden-Kopf 66 Lophonocerus histicornus (Orig.) . . 574 Markgrafenstein, der kleine, (Orig.) . 512 Minerva - Terrasse des Mammoth Hot Springs (Orig.) 203 Mller, Dr. Fritz (Orig.) 445 Myophoria orbicularis 354 Myophnria vulgaris 354 Narwal 248 ( (brwrmer 194 Old Faithful-Geyser (Orig.) 206 PalaeochondritesMeunieri (Orig.-Nachb.) 365 Papilio merope (Orig.) 576 PHanzenhnliche Fossilien" (z. Th. Orig.-Nachb.) 229, 230 Seite Phyllium (wandelndes Blatt) (Orig.) . 572 Phyllopteryx eques (Naehb.) .... 571 Pionia lycoides (Orig.) 574 Plan des National-Museums in Washing- ton (Orig.) H8 Portrt von Emin Pascha 29 Portrt von Riehard Avenarius (Orig.) 4 Potomac-Unterlauf (Orig.) 119 Profil der Gegend von Essendorf (Orig.) 180 Profil der localen Grundmorne bei Rdersdorf 353 Profil des mrkischen Tertirs . . . 500 Profil eines Steinbruchs mit Spirophyten 364 Profile durch Braunkohlenschchte (Orig.-Nachb.) . . 510 Profile durch den Untergrund Berlins und Spandaus (Orig.) 499 Profile des westflischen Carbons (Orig.- Nachb.) 183 Profil in derThongrube am Scharmtzel- see bei Rauen (Orig.) 512 Projectionslampe 551 Rhein thal unterhalb Schaff hausen, Profil, (Orig.) 181 Riella helieophylla (Orig.-Nachb.) . . 364 Schemata zu Klimpert's Oberflchen- spannungen" (Orig.) 144 Schemata zu Rhle's Gleichstrom, Wechselstrom, Drehstrom". (Orig.) 457, 459 Schemata zu Schubert: Hamilton'sche Rundreise-Aufgaben (Orig.)" . . . 433 Schwbische Terrassenlandschaft, Pro- fil, (Orig.) 180 Sesia apiformis (Orig.) 574 Sinterkegel des Castle-Geysers . . . 209 Sinterkegel des Old Faithful-Geysers . 207 Smithsonian Institution (Orig.) . . . 119 Solanum rostratum (Orig.) 18 Spirophyton Eifeliense (Orig.-Nachb. und Orig.) 361 Stauropus fagi (Orig.-Nachb.) .... 573 Terebratula vulgaris 354 Thalassiophyllum clathrus (Orig.-Nach- bild.) 363 Tropidosoma Spencii (< )rig.) .... 574 Volucella (Orig.) 574 4# Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. IX. Band. Sonntag, den 7. Januar 1894. Nr. 1. Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- v Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 40 -. Grssere Auftrge ent- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 4. d sprechenden Rabatt. Beilagennach Uebereinkunft. Inseratenannahme Bringegeld bei der Post 15 4 extra Postzeitungsliste Nr. 4575. JL bei allen Annoucenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Die Philosophie der reinen Erfahrung. Von Dr. Maximilian Klein*). I. Einleitung und Uebersieht. Noch nicht gar lange ist es her, seit die Philosophie in Naturforscher-Kreisen wieder zu besserem Ansehen ge- langt ist, als sie es in den mittleren Jahrzehnten unseres Jahrhunderts genoss. Die metaphysische Struwwel- peterei der ersten Jahrzehnte wirkte lange nach und zwar um so mehr, als die Naturforscher sich an jenem Treiben, bei dem die ungezgelte Phantasie ihre Orgien feierte, mitbeteiligt hatten und als Folge einen heftigen Katzenjammer davon trugen. Dass sie aus solcher Stim- mung heraus ber die bse Urheberin, die speculative Philosophie, das schrfste Urtheil fllten, ist selbstver- stndlich und auch begreiflich, dass sie dies absprechende Urtheil zu weit ausdehnten, ja sogar schliesslich soweit, dass alle Philosophie verworfen wurde, dass man die Philosophie fr vllig berflssig erklrte und mit allem Nachdruck, ja mit Fanatismus die Ansicht vertrat, dass die Naturwissenschaft allein genge, und die Hineintragung philosophischer Errterungen in dieselbe nur schdlich wirken knne. Man hielt flschlicherweise Philosophie *) Es ist den Naturforschern nicht sehr zu verdenken, wenn sie es seit der Mitte unseres Jahrhunderts verschmht haben, sich ein- gehender mit den Werken der echten" Philosophen zu beschf- tigen, und wenn auch noch heute die ineisten derselben sich nicht sonderlich um die Thiitigkeit auf dem Gebiete der Philosophie kmmern, sind doch die Resultate der Pliilosophieen, wie sie sich gestaltet haben, mit den Errungenschaften der Naturwissen- schaften vielfach nicht in Einklang zu bringen, und gehen doch die zur Zeit herrschenden Philosophen oft von Grundlagen aus, die nicht diejenigen der Naturforschng sind. Es giebt nur eine Naturwissenschaft, aber es giebt viele Pliilosophieen: fr den Natur- forscher Grund genug, dass das, was man heute im Allgemeinen wenigstens unter Philosophie" versteht, keine Wissenschaft sein kann. Die Geschichte der Naturwissenschaft hat noch krzlich gelehrt, dass eine weitgehende Bercksichtigung philosophischer Hypothesen nicht zum Vortheil der Entwic'kelung der .Natur- wissenschaft ausgeschlagen ist, ja dass dieselbe, wenn ein.' solche Freundschaft mit der Philosophie geschlossen worden war. hier- unter stark gelitten hat und in ihrem Fortschritt aufgehalten werden ist. Jcli brauche ja nur an die Oken'sche Naturphilo- sophie zu erinnern. Bei dieser Sachlage ist es wahrlieh begreif- und Metaphysik fr identisch, ignorirte die Erfahrungs- Philosophie, sah hinweg ber die Thatsache, dass eine Reihe der grssten Naturforscher zugleich Philosophen ge- wesen waren. Diese der Philosophie so ungnstige Str- mung wurde besonders von den Materialisten gepflegt, die oft die Ausdrcke Philosoph" und konfuser Kopf- fr ziemlich gleichbedeutend erklrten. Der Materialismus, der besonders um die Mitte des Jahrhunderts herum sich stark auszubreiten begann, wurde fr lange eine Lieblingsanschauung- in Naturforscher- Kreisen. Seine Grundlehren die Materie allein ist der Trger und Inbegriff alles Wirklichen, aus ihr gehen auch die geistigen Zustnde hervor, die Verdoppelung des Menschen (der Seelenglaube) und die Verdoppelung der. Natur (der Gottesglaube) sind ebenso wie die Annahme der Willensfreiheit", d. h. der grundlosen Willkr des Handelns zu verwerfen, dagegen die Gesetzmssigkeit des Geschehens, die eiserne Nothwendigkeit" als Haupt- grundsatz fr die Naturbetrachtung aufzustellen diese Lehren sind anscheinend so einfach, sie und zwar be- lich, wenn von Seiten der Naturforscher eine Verfolgung der wissenschaftlichen" Thiitigkeit der Philosophen im Allgemi inen als eine rnssige Sache angesehen wird. Es ist deshalb auch nicht wunderbar, dass die Naturforschng bisher noch so gut wie keine Nntiz von den letzten, seit 1S88 erschienenen genialen Werken von Richard Avenarius, o. Prof. der Philosophie an der l'niver- sitt Zrich, genommen hat. Es ist diesem Gelehrten gelungen, den Weg aus dem ungeheuren Labyrinthe vorgefasster Meinungen, eingefleischter aber wissenschaftlieh unbegrndeter Ansichten zu finden. Wir haben in seinen seit 1888 erschienenen Werken end- lich eine Grundlegung der einzigen Philosophie erhalten, die zu suchen auch die Naturwissenschaft auf dem langen Wege ist. Bewundernd steht derjenige, dem durch eifriges Studium der Werke des genannten Philosophen die ersehnte Mrgenrthe zu dmmern beginnt, vor dem geschaffenen, fest und gewaltig gefgten Lehr gebude, das endlich einmal ein Heim der exakten Wissenschaff werden muss. Mit dem obigen und den folgenden Artikeln aus der Feder eines der ersten Schler von Avenarius soll dem Leser kreise der Naturw. Woehensehr." der Inhalt der genannten Werke nahe gerckt und das Studium derselben erleichfc rt worden. P. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1 wegtragen ausgegebe gleichzeitig sonders die starke Betonung des Wirklichkeits- und Er- fahrungs-Charakters dieser Lehre sind dem Denken des strengwissenschaftlichen" Forschers so zusagend, dass die Verbreitung des Materialismus in Naturforscherkreisen nicht Wunder "nehmen darf. Diese Verbreitung ist aber auch ein Zeichen mehr fr den leider nicht zu selten vor- handenen Mangel an logischer Vor- und Durchbildung der Naturforscher. Logisch geschultere Kpfe mussten doch Anstoss nehmen an dem vllig unklaren Begriff der Materie (die bezglichen Lehren sind in Wirklichkeit die reinste Metaphysik, da die ..Materie" doch nichts Gege- benes ist, sondern nur als der Trger" des Gegebenen erschlossen" wird!), au dem unklaren Begriff der Kraft" und der hchst unklaren Verkuppelung derselben mit der Materie, mussten insbesondere auch Anstoss nehmen an der vllig verworrenen Ableitung des seelischen Lebens aus der Materie. Wurden doch die seelischen Vorgnge bunt durcheinander (so z. B. von L. Bchner) bald als krperliche Bewegungen, bald als Wirkungen von Be- bak! als unlsbar verknpft mit Bewegungen (trotz dieser starken Verwirrung wurde aber immer wacker ber die Philosophen als un- klare Kpfe hergezogen)! Man denke auch an das plumpe Uebersehen des principiellen Unterschiedes von krper- lichen und seelischen Thatsachen in dem bekannten Aus- spruche von Karl Vogt, dass die Gedanken vom Ge- hirn ebenso abgesondert werden, wie der Urin von den Nieren! Alle diese Schnitzer durften doch nicht ber- sehen werden ber den ja sicher anerkennenswerthen Stzen vom Ausschluss des ber die Erfahrung Hinaus- gehenden und von der Gesetzmssigkeit smmtlichen Ge- schehens. Der erstgenannte Einwand insbesondere trifft auch diejenige Abart des Materialismus, die sich in der letzten Zeit unter dem Namen ..Monismus" geltend zu machen gesucht hat. Denn die von dieser Lehre angenommene Weltsubstanz (bezw. Materie oder Weltstoff) ist ja auch ein vllig unvollziehbarer, weil ber die Erfahrung hinaus- gehender, metaphysicher Begriff. Er ist eine reine Con- struetion und zwar eine wegen der ihm beigeleg- ten Eigenschaften (absolut, unendlich, qualittslos) eine widerspruchsvolle, unklare, unausdenkbare. Kurz: der Materialismus ist meines Erachtens, wie ich im Laufe meiner Ausfhrungen noch nher zeigen werde, in jeder seiner Formen eine durchaus dogmatische und metaphy- sische Anschauung. Die Einsicht in die Schwchen des Materialismus und das erneute Aufleben des Kant-Studiums riefen bei uns in den sechziger Jahren die Reaetion des ideali- stischen Neukantianismus (idealistischen Positi- vismus) hervor, der dem Materialismus viel Boden ab- gewann. Insbesondere seit der geistvolle und mit umfassendsten naturwissenschaftlichen Kenntnissen aus- gerstete Friedrich Albert Lange seine prchtige Geschichte des Materialismus" verffentlicht hatte, ge- wann der Neukantianismus auch unter den Naturforschern Anhang. Seine Hauptstze waren ja zwar weniger ein- fach, schienen aber von so zwingender Logik zu zeugen, dass sich insbesondere die feineren Kpfe unter den Naturforschern (man denke an Helmholtz, Tyndall und Wundt) in mehr oder minder hohem Grade der Kantischen Richtung zuwandten. Die bezglichen Hauptstze des von Lange vertretenen neukautischen Idealismus waren nun die folgenden. Es werden den Aussendingen nicht nur mit den Atomistikern die sog. sekundren sinnlichen Qualitten (Farben, Tne, Gerche u. s. w.) abgesprochen und die lebenden Wesen als die wahren Farben- und Tonschpfer bezeichnet, sondern es wird auch geltend gemacht, dass smmtliehe Eigenschaften der Dinge, also auch die rumlichen, im Grunde nur Beschaffenheiten gewisser Zustnde unseres Bewusstseins seien. Die Dinge sind hier- nach also nur Komplexe bestimmter wirklicher oder mg- licher Empfindungen unsererseits, und wir knnen nie von etwas anderem als von unseren eigenen Empfindungen (Bewusstseinszustuden) ein unmittelbares Bewusstsein haben. Kurz: wir knnen mit unserem Denken gar nicht zur Realitt, zum Sein gelangen. Das Denken bleibt'also ewig .drinnen' und die Dinge ewig ,draussen', und beide - wenn sie auch noch so starke Sehnsucht nach ein- ander haben knnen einander nie erreichen. Unsere Empfindungen bieten uns eben nur unsere eigenen Zu- stnde; alles (so auch die ganze Materie, Raum und Zeit, und der ganze Zusammenhang in der Natur) ist also durch unsere geistig-krperliche Organisation bedingt. Wir knnen mit unserer Erkenntniss doch nicht den Kreis der Subjektivitt durchbrechen: wir knnen uns selbst sogar nicht so erkennen, wie wir sind, sondern nur so, wie wir uns erscheinen. Die Dinge au sich (die Noumena) sind fr uns vllig unerreichbar. Die ganze Aussenwelt be- steht also nur aus Vorstellungen" oder Erscheinungen." Diese Ansicht, die wegen ihrer anscheinend tzend scharfen Logik, ihres wissenschaftlichen Gewandes und des idealen Zaubers, der sie umgab (wenigstens in der Lauge'schcn Darstellung), viel Beifall auch in Natur- forscherkreisen erntete, scheitert meines Erachtens ein- fach schon an ihren Konsequenzen. Denn die noth- wendige Folgerung aus dieser Ansicht ist die, dass wir von dem Dasein anderer Dinge ausser unserm eignen Ich, also auch von der Existenz unserer Nebenmenschen, kein Wissen haben: nur dass ich selber und meine seelischen Zustnde (ego ipse solus) existiren, weiss ich sicher. Diese radikal- idealistische Ansicht Solipscismus nennt man sie gewhnlich ist so widersprechend mit den Anforderungen des Lebens (zu denen doch die An- erkennung der Existenz unserer Mitmenschen in erster Reihe gehrt), dass sie allein dadurch vllig gerichtet ist. Denn die Brauchbarkeit im Leben ist der hchste Maassstab fr unsere Ansichten, den wir besitzen. Sehr richtig ist, was der ltere Fichte (im 5. Briefe an Rein- hold) hierber sagt: Der hchste Trieb des Menschen geht auf absolute Uebereinstimmuug mit sich selbst, des theoretischen und praktischen Vermgens, des Kopfes und Herzens: anerkenne ich praktisch nicht, was ich theo- retisch anerkennen muss, so versetze ich mich in klaren Widerspruch mit mir selbst." Und damit ist denn der Idealismus durch die Forderungen des Lebens allein schon abgethan. Dazu kommen dann aber noch eine Reihe schwerer Widersprche und Unklarheiten, die uns weiterhin noch eingehender beschftigen werden. Hier mag vorlufig kurz vermerkt werden, dass es zunchst ganz unbe- rechtigt ist, die Farben, Tne u. s. w. den Dingen" ab- zusprechen; wir finden sie doch vor, also mssen wir sie, wenu anders wir uns streng beschreibend verhalten wollen, den Dingen zuschreiben und nicht uns! Dann ist die ganze Bewusstseinslehre, d. h. die Ansicht, dass das uns unmittelbar Gegebene das Bewusstsein" sei, entschieden zurckzuweisen: die Krperwelt ist uns genau so un- mittelbar gegeben! Vor allem aber ist der (allerdings nur bei manchen Neukantianern vorkommende) Begriff des Dinges an sich" unvollziehbar. Es wird damit eine Unweit, etwas Absolutes statuirt, das zu beschreiben, zu begreifen oder auch nur denkbar zu machen uns nicht weniger denn alle Mittel fehlen. Der Begriff des Absoluten ist unvollziehbar; wir kennen nur Relatives. Und im be- sonderen lsst sich das Causalittspriucip nur auf Er- fahruugsthatsachen anwenden, nicht aber zur Erschliessung Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 3 oder auch nur Verauthung von Dingen an sich" benutzen. Entweder Solipscism us oder Dinge an sich": das ist nun aber die Alternative, vor die der Idealismus sich ge- stellt sieht. Erstem - (der Solipscismus) ist aber die Ver- neinung des practischen Lebens, und andererseits der Begriff des Dinges an sich ein vllig unvollziehbarer! Gegen letzte- ren mchten wir nur noch ein lustiges Jugendgedicht des Zrcher Philosophen Richard Avenarius (welcher uns dessen Abdruck auf unser besonderes Ersuchen hin gtigst gestattete) citiren; es lautet: Das Ding an sich. Eine tragiphosopische Geschichte. 1. 's war Einer, dem's zu Herzen ging, zu Herzen t;ing, Dass er nicht kannt' an sich das Ding, an sich das Ding Das Ding an sich dahinten. Ja, ja, ho, ho! ja, ja, ho, ho! Das Ding an sich dahinten. 2. Er hatte just beim Kant entdeckt, beim Kant entdeckt. Dass hinter der Erscheinung steckt, Erscheinung steckt, Das Ding an sieh dahinter etc. 3. Er rief: verdammt Noumenon! Noumenon Ich komme noch dahinter schon, dahinter schon! Ja, Ding an sich, dahinter etc. 4. Doch ach! wohin er kam, da fand er kam, da fand Er der Erscheinung Scheidewand ja Scheidewand Das Ding an sich dahinter etc. 5. Es ward die ganze Aussenwelt, ha Aussenwelt Als Vorstellung ihm vorgestellt, ja vorgestellt Das Ding an sich blieb hinten etc. ti. Er wendet sich zum eignen Ich, ha eignes Ich! Und sucht das Ding an sich in sich, an sich in sich - Das Ding an sich dahinten cte. 7. Doch fand auch auf der Seele Grund, ha Seele Grund, Er vor nur der Erscheinung Schund, Erscheinung Schund, Das Ding an sich blieb hinten etc. 8. Wie er sich wendet, wie sich dreht, ha ha sich dreht, Stets hinter der Erscheinung steht, Erscheinung steht, Das Ding an sich ganz hinten etc. 9. Er dreht sich rechts, er dreht sich links, ha ha sich links, Er wurde nicht gewahr des Dings, gewahr des Dings, Des Dings an sich dahinten etc. 10. Er dreht sich frh, er dreht sich spt, ja frh und spt, Er wurde schliesslich selbst verdreht, ha ha verdreht, Das Ding an sich blieb hinten etc. 11. An der Erscheinung Scheidewand, ja Scheidewand Hat da den Kopf er eingerannt, ha eingerannt, Ding an sich dahinter! etc. 12. Ein Weiser lsst das weislich sein, lsst's weislich sein, Zeigt lieber sich, von vornherein, von vornherein Dem Ding an sich von hinten! etc. Die bezeichneten Mngel und Gebrechen des Idealismus (Subjectivismus, Spiritualismus) und seiner Spielarten (auch der Positivismns gebort im wesentlichen wegen seines subjectivistischen Charakters hierher), die wenigstens theil- weise bald mit mehr oder minder Glck aufgedeckt wurden, trieben viele, die auch dem Materialismus keinen Ge- schmack abgewinnen konnten, dem Skepticismus in die Arme. Dessen Lehre wir sind von einer Flle von Rthseln umgeben, eine sichere Entscheidung zwischen Wahrheit und Irrthum, eine Autheilung der Weltrthsel, und zwar am allermeisten bezglich der wichtigsten Fra- gen, ist unmglich, wir wissen ber sie nichts und werden auch nichts wissen (ignorabimus!) schien den Vor- sichtigeren das rettende Schiff zu sein und der Skepti- cismus hat denn, besonders in etwas verwsserter Form, auch in Naturforscherkreisen auf Kosten des Materialismus und Idealismus einige Verbreitung erlangt. Jedoch auch er ist fr den schrfer Zublickenden unhaltbar. Gegen ihn lsst sich zunchst theilweise das verwerthen, was gegen den Idealismus gesagt ist. Denn auch der Skepticismus hat ein stark subjeetivistisches Geprge. Auch nach ihm soll das Innere (das Wesen) der Natur" fr uus nicht zu entrthscln sein. Ignorabimus, sagt E. Du Bois-Reymoud. Abgesehen von dem starken Dogmatismus, der in diesem Ausspruche steckt, ist er nicht annehmbar, weil hier wieder die Idee eines Ab- soluten, die Idee von Dingen an sich auftaucht, die das Wesen" der Natur bilden sollen. Fr den wirklich un- befangenen Naturforscher aber zeigt die Natur kein solch vllig verborgenes Wesen; fr ihn besteht das Wesen in der Gesammtheit aller Beziehungen zwischen den Natur Thatsachen. Wrden diese Beziehungen ermittelt und auf Gesetze gebracht sein, dann htten wir damit das Wesen" der Natur erkannt. Und demzufolge sind wir auf dem besten Wege, das Wesen der Natur zu entschleiern: wir besitzen bereits heutigen Tags ein gut Stck Erkenntniss desselben, und es ist nicht einzusehen, warum es fr uns in diesem Erkennen eine Grenze geben soll. Msset im Naturbetrachten Immer ein's wie alles achten! Nichts ist drinnen, nichts ist draussen, Denn was innen, das ist aussen". . . Natur hat weder Kern noch Schale. Alles ist sie mit einem Male." I' the.| Ferner wird von vielen Skeptikern zu sehr das In- dividuell-verschiedene betont, das Allgemein-menschliche aber vernachlssigt oder bersehen. Auch wird nicht darauf geachtet, dass die Gewinnung von Wahrheiten" erst ein Ergebniss der Entwickelung ist: erst letztere zeigt uns, welche Einsichten und Ansichten haltbar (weil brauchbar) sind, und damit, welche Meinungen wir als ..Wahrheiten" anzuerkennen haben. Und dass ^tatschlich dies Herausbilden von halt- baren Ansichten, d. h. von Wahrheiten, stetig stattfindet, zeigt uns die bisherige Entwickelung der Menschheit. Der Skepticismus bersieht eben gnzlich den biologischen Charakter der Wahrheit, d. h. den Zusammenhang derselben mit unserem Erhaltungsstreben, mit unserem Streben nach unserer Erhaltung gnstigen Dauerzustnden. Auch auf diese Punkte werden wir weiterhin noch fter zurckzukommen Gelegenheit haben. Das Gesagte mge vorlufig gengen zur Begrndung unserer Ansicht, dass auch diese dritte in den Natur- forscherkreisen der Gegenwart verbreitete Philosophie keine haltbare ist und nicht die Anerkennung verdient, die ihr oft gezollt wird, und zwar um so weniger, als in letzter Reihe jeglicher Skepticismus mehr oder minder lhmend auf das Naturforschen wie auf alles Vorwrtsstreben wirkt. Anzuerkennen am Skepticismus ist wesentlich nur der oft hervorgekehrte Relativismus, d. h. die Betonung, dass in letzter Linie alles Wahre, Gute und Schne relativ, d. i. von uns Mensehen abhngig' sei, dass es also ein absolut" Wahres, Gutes und Schnes nicht gebe. Die geschilderten und krilisirten Weltanschauungen und Forschungsrichtungen sind von uns als durchaus un- haltbar abgelehnt, da sie theils an groben inneren Wider- sprchen und Unklarheiten leiden, theils mit dem Lehen in Widerspruch stehen, theils die Ergebnisse der so mch- tigen naturwissenschaftlichen Umwlzung unserer Zeit nicht gebhrend in Betracht gezogen haben, theils ber die Er- fahrung hinausgehen (Metaphysik sind). Eine Philosophie, die es verdienen wrde, in natur- wissenschaftlichen Kreisen die herrschende zu werden, msste durchaus drei Anforderungen gerecht erden, nmlich: 1. die reichen Ergebnisse der naturwissenschaft- lichen Forschung unserer Zeit, insbesondere der Ent- wickelungsgeschichte, der Biologie und Physiologie, ge- bhrend verwerthen; 2. mit dem unbefangenen, durch Theorien nicht getrbten Denken und so auch mit den Anforderungen des Lehens in Einklang stehen, und :'.. sich dementsprechend streng an das Vorgefundene, an die Wirklichkeit halten, im strengsten Sinne eine Philosophie der reinen Erfahrung, der strengen Beschreibung sein. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1 Eine solche Philosophie thte der noch so sehr an Methaphysik leidenden Naturwissenschaft, wie unserer Zeit berhaupt noth; und mit Freude und Stolz drfen wir es sagen unsere Zeit, unser Volk hat eine solche hervorgebracht! In der Philosophie der reinen Er- fahrung (Empiriokriticismus") von Richard Avena- rius (zur Zeit in Zrich lebend) besitzen wir ein System, das jenen Anforderungen in der vorzglichsten Weise gerecht wird. In ihm scheint sich die naturwissenschaftliche Bildung unserer Zeit in geklrter Form geradezu concentrirt zu haben; in ihm kommt die natrliche Weltansicht wieder zu ihrem unverj hrlichen Rechte; in ihm feiert die Methode der stren- gen Beschreibung ihre schnsten Triumphe. Die Philosophie von Rieh. Avenarius, reich an lichtvollen, ganze Forschungs- gebiete erhellenden Gedanken, ist eine wahrhaft bahn- brechende Leistung, mit der in der Geschichte der Philosophie eine neue Periode sich einfhrt! Es soll nun in folgendem unsere Aufgabe sein, den Lesern der Naturw. Wochen- schrift" in grossen Zgen die Hauptgedanken der Avenarius- schen Philosophie erluternd vorzufhren*). Bevor wir aber in die einzelnen Gedanken- kreise eintreten, wollen wir eine kurze Lebensbeschreibung von Avenarius und eine ber- sichtliche Vorfhrung der Hauptstze seiner Philosophie bringen. Zunchst also einiges aus dem Leben von Avenarius, der vor einigen Wochen seinen 50. Geburtstag gefeiert hat. Richard Avenarius, vter- licherseits ans einer alten Theologen - Familie i Haber- mann), mtterlicherseits aus einer angesehenen knstleri- schen Familie stammend (seine Mutter war eine Halbschwester Richard Waguer's, wurde am 19. November 1843 zu Paris geboren. Er genoss den grss- ten Theil seines Jugendunter- richts in Berlin, erwarb dann in Leipzig, wo sein schon vor Jahren verstorbener Vater Buch- hndler war, das Reifezeugniss am St. Nicolai-Gymnasium. Av. sollte ursprnglich wie sein Vater Buchhndler wer- den. Aber innere Neigung trieb ihn zur Philosophie, deren .Studium, sowie dem der Physiologie und Psy- chiatrie, er in Zrich, Berlin und Leipzig oblag. Er promovirte an letzterer Hochschule 1868, habilitirte sich ebendaselbst 187G und folgte 1877 einem Rufe als ordentlicher Professor der induetiven Philosophie au die Zricher Hochschule. Im selben Jahre heirathetc er Maria Semper, ans der bekannten Hamburger Familie stam- mend, die ihm eine treue, aufopfernde Lebensgefhrtin wurde und an seiner wissenschaftlichen Arbeit, sowie an seiner akademischen Lehrthtigkeit den regsten und treuesten Antheil nimmt; ihr ist sein (unten genanntes) letztes, die philosophischen Principienfragen behandelndes Werk ge- sophensitz in der Klossbachstrasse in der Zricher Vorstadt Hottingen aufgeschlagen, wo er neben seinen Vorlesungen im Laufe der Jahre, insbesondere auch durch die von ihm geleiteten philosophischen Abende" (Systematischer Abend" und Philosophische Gesellschaft") sich einen Kreis von warmen Verehrern seiner Philosophie herangezogen hat, besonders von Deutschen, wie auch Amerikanern, Polen, Bussen u. s. w., von denen einige begonnen haben, die von Av. eingeleitete Richtung schriftstellerisch zu vertreten, zum Theil in eigenen Schriften, zum Theil in Aufstzen, so in der von Av. 1876 im Verein mit C. Gbring, M. Heinzc und W. Wundt begrndeten Vierteljahrsschrift fr wissen- schaftliche Philosophie", die Av. seitdem ununterbrochen leitete (XVIII. Avenarius' Jahrg., eigene ... ' Il&^ ' widmet. Seit Jahren hat er seinen gemthlichen Philo- *) Ganz kurze Hinweise auf die Avenarins'sche Philosophie Bind selx.n erfolgt: Bd. VII, S. 10G f. u. Bd. VIII, S. 45 ff. u. 162 f. Leipzig 1894). Werke sind die folgenden: 1. Ueber die beiden ersten Phasen des Spinozischen Pantheismus und das Ver- hltniss der zweiten zur dritten Phase. Nebst einem Anhang: Ueber Reihen- folge und Abfassungszeit der lteren Schriften Spi- noza's. Leipzig 1868. 2. Philosophie als Denken der Welt gemss dem Prin- cip des kleinsten Kraft- maasses. Prolegomena zu eiuer Kritik der reinen Er- fahrung. Leipzig 1876. 3. Kritik der reinen Erfah- rung. 2 Bnde. Leipzig 1888-1890. 4. Der menschliche Weltbe- griff. Leipzig 1891. Die beiden letzteren sind es, in denen er die Ergeb- nisse seiner langjhrigen For- schungen niedergelegt hat. Dieselben, von den Anhngern der alten Richtungen bis- her mglichst todtgeschwiegen, beginnen trotzdem langsam, aber sicher sieh Bahn zu brechen und werden das lsst sich schon jetzt mit unbedingter Sicherheit voraus- sagen auf Philosophie und Naturwissenschaften eine tief- greifende, ja theilweise gerade- zu umwlzende Wirkung ausben. Als diese Wirkung etwas verzgernd, darf man die Knappheit der Darstellung (die ja von einem andern Gesichtspunkte aus be- trachtet ein Vorzug von Av.'s Werken ist) und die leider doch zu sehr gehuften Fremdwrter bezeichnen, an denen man merkt, dass die Werke in einem deutschen Grcnzlandc geschrieben wurden. Jedoch wollen wir andererseits aner- kennen, dass die neue Terminologie, wenn sie auch dem Anfnger Schwierigkeiten bereitet und auch vom vater- lndischen Standpunkte aus nicht zu billigen ist, doch ab- gesehen davon als eine sehr geschickte bezeichnet werden muss. Die Gliederung ist ungemein klar und scharf logisch, die Ausdrucksweise sauber und alles Ueberflssige vermeidend. Soviel ber Leben und Werke von Avenarius. Die Hauptstze seiner in der Kritik der reinen Er- fahrung" und im Menschlichen Weltbegriffe" niedergelegten Weltanschauung siud die folgenden: 1. Das Verfahren (Methode) ist das beschrei- bende, descriptive. Wir sollen es maehen, wie die alten Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Philosophen: uns auf den Markt des Lehens stellen, beob- achten und das Gegebene und seine Zusammenhnge so beschreiben, wie sie von uns vorgefunden werden. Da- mit fllt fr uns weg die Methode der Metaphysiker, das Erschliessen mittelst des reinen Denkens", das uns nichts als leere Phantastereien liefert. Fr uns giebt es also nicht zwei Erkenntnissarten: sinnliche Wahrnehmung und Denken, sondern nur eine: die auf planmssige Wahr- nehmung gesttzte Beschreibung des Vorgefundenen. Und dies Vorgefundene bildet unsere Erfahrung. Dieselbe ist reine" Erfahrung berall da, wo der Aussagende selbst dem Inhalte seiner Aussage den Charakter der Er- fahrung, des Vorgefundenen - und nur diesen - - (still- schweigend oder ausdrcklich) beilegt, wo also eine reine blosse Kenntnissnahme erfolgt. 2. Der Ausgangspunkt ist der natrliche Welt- begriff, d. h. die Weltansicht des unbefangenen Men- schen, nicht das Bewusstsein". Das sog. unmittelbare Gegebensein des Bewusstseins ist nichts anderes als der Ausfluss einer allmhlich entstandenen Theorie. Vom Bewusstsein oder dem Denken . . . ausgehen, heisst im besten Falle also, um nicht einen drastischeren Vergleich zu gebrauchen, beim Ende anfangen! 1 ' (Kritik I, S. VIII.) Damit ist dem Idealismus (Subjectivismus) von vornherein der Boden entzogen, auf dem er einzig gedeihen kann. 3. Der leitende Gesichtspunkt, der uns den tiefsten Einblick in das Weltgetriebe gestattet, ist das Streben nach Ruhe- und Dauerzustnden, die die Erhal- tung der Systeme am besten gewhrleisten. Das ganze Streben des menschlichen Organismus oder genauer jedes Theilsy stemes desselben ist dementsprechend dahin ge- richtet, die durch die Umgebung verursachten Strungen der Systemruhe (die Vitaldifferenzen) zu beseitigen und die Systemruhe und damit den Standpunkt fr die best- mgliche Erhaltung unseres Systemes wiederzugewinnen. Zu beachten ist, dass in unserem Organismus, der ein System von Systemen ist, bis zu einem gewissen Grade die einzelnen Systeme fr sich wirtschaften, etwa so, wie in einem Bundesstaate die einzelnen Staaten, Provinzen u.s.w. ihre eignen Interessen oft selbst auf Kosten des Ganzen befriedigen oder zu befriedigen trachten. Dieser Zustand tritt im Organismus z. B. im Zustande der Leidenschaft ein. 4. Die Reihen von Vorgngen i nervser und seelischer Art), die dazu dienen, die gesetzten Strungen (die Vital- differenzen) und das durch sie verursachte Nicht-Gleich- gewicht zwischen den beiden Grundvorgngen in unserem Organismus, zwischen Arbeit und Ernhrung, wieder auf- zuheben, werden als Vital reihen bezeichnet, und von den unabhngigen Vitalreihen (den Vorgngen im Centralnervensystem) die abhngigen Vitalreihen (die seelischen Vorgnge oder in der Av.'schen Sprache: die Aussage-Inhalte oder E- Werthe*) unterschieden**). Die E n t w i e k 1 n n g geht aus a u f mgli chs t voll k o m m e n e und darum haltbare Vitalreihen. -- Der Begriff der Vitalreihe ist einer der wichtigsten des Systems und dient in vorzglichster Weise zur klaren Erfassung auch der verwickeltsten Vorgnge nervser oder seelischer Art, Av. entwirft einen Schematismus der Ilirnthtigkeit, der als erster seiner Art die hchste Beachtung verdient. 5. Krperliche Vorgnge und seelische Vorgnge (Aussage-Inhalte) sind sauber auseinander zu halten; es besteht aber zwischen ihnen kein Dualismus: Sachen und Gedanken sind nicht Miliig andersartig i heterogen), sondern lassen sich miteinander vergleichen: *) Ich gebrauche das Wort seelisch" nur aus Bequemlichkeit in Anlehnung an den alten Sprachgebrauch. Av. vermeidet es vllig. **) Dass gerade die seelischen Vorgnge als abhngige Vitalreihen bezeichnet werden, ist aus rein methodologischen Rcksichten erfolgt. so z. B. das Gedankenbild eines Freundes von mir mit dem vor mir liegenden Lichtbilde desselben. Zwischen hei den Vorgangsreihen besteht eine Funktionalbeziehung, d. h. ndert sich die eine Reihe, so ndert sich auch die andere. Der Ausdruck ..Funktion- ist hier also nicht im physiologischen Sinne gehraucht, also nicht etwa gemeint, dass die Aussage-Inhalte (die seelischen Vorgnge) eine Hirn Verrichtung seien, sondern es ist Funktion" im mathe- matischen Sinne gemeint: beide Grssen stehen in einem Abhngigkeitsverhltnisse zu einander, so das-, wenn die eine von beiden sich ndert, sich auch die andere ndert. Es ist zwischen beiden Grssen eine gewisse Proportionalitt oder Korrespondenz vorhanden; man kann auch sagen: eine Art von Parallelismus. Wir knnen unsere Ansicht auch so ausdrcken: die seelischen Werthc (die Aussage Inhalte) sind eine mathematische Funktion der physiolo- gischen Funktion des Centralnervensystems. Av. hat nun in weitgebender und oft ungemein licht- voller Weise den Versuch gemacht, die Beziehungen zwischen beiden Vorgangsreihen nachzuweisen . also im einzelnen zu zeigen, welche nervsen und seelischen Vor- gnge zusammengehren. Er gewinnt auf diese W eis, auch eine treffliche, manch neuen Gesichtspunkt bietende Eintheilung der seelischen Werthe. 6. Von ungemeiner Bedeutung fr unser Leben ist insbesondere die Uebung. Das Auftreten nicht gebter Werthe ergiebt die Aussage-Inhalte: fraglich, zweifelhaft, beunruhigend, rthselhaft u. s. w., und damit ..Probleme-, die ais Vitaldifferenzen den Anfangsahschnitt einer Vitalreihe bilden. Diese Probleme werden zu lsen ge- sucht durch Sammeln von Erfahrungen u. s. w.: dies bildet den mittleren Abschnitt der Vitalreihen. Endlich im Schlussabschnitte derselben wird das Problem und damit die Vitaldifferenz) aufgehoben durch die inzwischen erlangten Erkenntnisse", Wahrheiten" u. s. w. Da es ja auf die Uebung (die Ererbte und die erworbene; ankommt, so knnen alle mglichen Aussage-Inhalte als Probleme gesetzt oder auch als Problemlsungen benutzt werden. Und auch gerade die entgegengesetztesten Aus- sage-Inhalte knnen von verschiedenen Personen oder auch von derselben Person in verschiedenen Lebensaltern als Problemlsung angesehen werden. Was z. B. das Ver- hltniss von Gott "und Mensch anbetrifft, so meinen die einen, Gott habe <\cn Menschen nach seinem Bilde ge- schaffen, whrend die anderen behaupten, die Mensehen haben Gott (bezw. die Gtter) nach ihrem Bilde geschaffen. Und so fort! Die Begriffe Wahrheit, Erkenntniss u. s. w. sind etwas durchaus von der Uebung abhngiges, d. h. etwas relatives. Von einer absoluten Wahrheit zureden, ist ein Unding. Die dauerhaftesten, die stabilsten An- sichten, das sind die grssten Wahrheiten*). 7. Von etwas Absolutem kann von .ledern, der sich auf den Boden der Erfahrung stellt, berhaupt nicht ge- sprochen werden, weil ein solches nicht erfahren werden kann. Zur Erfahrung gehrt immer eine Beziehung, eine Principialco Ordination", deren eines verhltnissmssig bestndiges Glied, das Centralglied, das ..leb- ist, deren anderes, verhltnissmssig wechselndes Glied, das Gegen- glied, ein mgebungsbestandtbeil ist. Letzterer wird er- fahren. Zur Erfahrung gehren aber unbedingt beide Glieder: Ich und Umgebungsbestandtheil. Centralglied und Gegenglied. Beide sind unzertrennlich und gleichwertig. Ich kann also nur einen Umgebungsbestandtheil erfahren und beschreiben, der Gegenglied in einer Principial- *) Vergl. hierzu den Aufsatz des Herausgebers dieser Zeit- schrift, Dr. II. Potonie, in No. 1.".. Bd W (1891) Ueber die Entstehung der Denkfor n", der manches hierher gehrige ent- hlt. Ich gedenke in einem spteren Artikel ausfhrlich auf die Auslassungen des Herrn Potonie einzugehi < Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1 coordination ist, deren Centralglied ich selber bin. Da nun ein Absolutes nicht Gegenglied sein kann (das wider- spricht dem Begriffe!), so ist damit gesagt, dass wir ein Absolutes weder positiv noch auch negativ bestimmen knnen: denn das wrde heissen: etwas Undenkbares durch Denkbarkeiten zu bestimmen versuchen. (Welt- begriff, S. 129 ff.) Die Umgebungsbestandtheile habe ich so, wie ich sie vorfinde, zu beschreiben: also auch als farbig, tnend u. s. w., wenngleich zuzugeben ist, dass diese Eigen- schaften der Dinge nicht so geeignet zu einer interindividuell (allmenschlich) gltigen Beschreibung derselben sind, wie etwa die Schwingungen der Luft u.s. w. Aber ikrSeinswerth ist ein genau so grosser, wie der letzterer. Und keineswegs sind etwa zwar die Schwingungen ein Seiendes, aber die durch sie erwirkten" Tne u. s. w. ein Schein! Vielmehr ist unbedingt daran festzuhalten, dass Schwingungen und Tne (Farben) in gleicher Weise ein Seiendes, in gleicher Weise Eigenschaften der Umgebungsbestandtheile sind. Was brigens den Begriff des Seins anbetrifft, so bedeutet er, soweit er das Seiende des gewhnlichen philosophischen Sprachgebrauches anbetrifft (er hat aber strenggenommen eine andere, spter anzumerkende Be- deutung), vom Av. 'sehen Standpunkte aus: Gegenglicd einer Principialcoordination sein; d. h. : es giebt nur ein relatives, aber kein absolutes Sein. 8. Die widerspruchsvollen (geflschten") Weltbegriffe sind auf Introjection" (Einlegung) zurckzufhren. Hierunter versteht Av. jenes der unbefangenen Erfahrung widersprechende Verhalten, durch das die eine Thatsache, nmlich die wahrgenommenen Sachen, in zwei gespalten werden, in Sache und Wahrnehmung. Die Sachen hatte ich vor mir" wahrgenommen. Nun aber wird aus dem vor mir" ein in mir", aus dem Vorgefundenen ein Vorgestelltes, aus der Sache eine Empfindung, (Wahr- nehmung) oder Vorstellung. Sache und Wahrnehmung, (Vorstellung), treten nun auseinander und gegeneinander. Und zu den Wahrnehmungen im Innern" des Menschen wird auch ein Trger derselben (Seele, Geist, Bewusstsein) in den Menschen hineingelegt. Die unbefangene Erfahrung hatte uns nichts derartiges gezeigt. Diese Hineinlegung (Introjection) der Wahrnehmung in den Menschen ist von den weittragendsten Folgen : es entsteht der Gegensatz von Innenwelt und Aussenwelt, es erwchst der Glaube an Seelen, Geister, Gtter, es bilden sich die idealistisch- subjeetivistischen Weltanschauungen, die in den durch In- trojection in den Menschen hineingelegten Wahrnehmungen das einzige unmittelbar sichere Sein, dagegen in den Um- gebungsbestandtheilen mindestens ein geringeres Sein, weiterhin aber nur einen Schein erblicken. Auch die neue Erkenntnissart, das Erschliessen mittelst des reinen Denkens", stellt sich hier ein. U. a. m. Die Beseitigung der Introjection wrde auch zur Be- seitigung des Idealismus, wie berhaupt der widerspruchs- vollen Weltbegriffe fhren 9. Letztes Ziel der Entwickelung*) ist die Erreichung von stabilen Verhltnissen, von Dauerzustnden, die fr die Erhaltung die denkbar gnstigsten sind. Dieser Gesichtspunkt gilt fr die theoretische, wie fr die praktische Philosophie. Wir suchen einerseits Dauer- zustnde auf theoretischem Wege zu erreichen: dies sind die (ewigen") Wahrheiten; wir suchen andererseits Dauer- zustnde auf praktischem Gebiete zu erreichen: durch Bildung sozialer Verbnde (Congregalsysteme), deren ein- zelne Systeme hierdurch die denkbar gnstigsten Erhaltungs- bedingungen erlangen. Ein Fortschritt in der Rich- tung auf das letzte Ziel der Entwickelung findet unbedingt statt, und, sofern keine Strungen von anderen Welt- systemen aus erfolgen, wird auch hchstwahrscheinlich einst jenes Ziel erreicht werden. 10. Zu den Co n Sequenzen der angefhrten Lehren Av.'s gehren einerseits die Beseitigung der Metaphysik und Speculation, die Beseitigung der sog. Weltrthsel (es giebt nur lsbare Weltprobleme!) und andererseits in prak- tischer Hinsicht Beseitigung der Unduldsamkeit und ein gut begrndeter Optimismus. Gute Fingerzeige findet der Naturforscher berhaupt, wie im Besonderen der Psychologe, der Aesthetiker, der Logiker, der Sprach- forscher (fr eine Theorie des Wesens der Sprache), ferner auch der Politiker, der Jurist, der Pdagoge, u. s. w., u. s. w. Die ganze geschichtliche Betrachtung, insbeson- dere der Entwickelung der Philosophie, wrde eine andere werden: die einzelnen Systeme wrden als Stufen in der sich stetig vollziehenden Annherung an den idealen Dauer- zustand anzusehen sein! Diesen Standpunkt bewahrt Av. auch gegenber seinem eigenen Systeme, das er natrlich nicht etwa fr den Gipfel der Vollkommenheit, sondern durchaus fr weiter vervollkommnuugsfhig hlt. Dies also wren die Hauptpunkte der Av. 'sehen Philo- sophie, deren nhere Ausfhrung, Begrndung und Be- leuchtung die Aufgabe weiterer Aufstze sein soll. ax. *) Ueber den Begriff der Entwickelung wird die Naturw. Wochenschr." demnchst aus der Feder des Herrn Dr. J. Petzoldt einen Aufsatz bringen. Bed. Weitere Mittbeilungen ber die seit 1878 durch Ch. Darwin bekannt gewordene Verbreitung von Muscheln durch Wirbelthiere verdanken wir Jules de Guerne. Dissemiuation des Pelecypodes d'eau douce par les Ver- tebres. (Soc. Biol. Paris T. 5, 1893. S. 625). Sphaerimn corneum L. wurde festgeklemmt an einer Zehe sowohl einer Krte als auch einer Bekassine in England ge- funden. Sphaerimn ist ovovivipar, kann seine Muskeln lange contrahirt halten und trotzt geraume Zeit der Aus- trockinnu ('. M. Buteo ferox in der Rbeinprovinz erlegt. Am 5. October dieses Jahres, schreibt Robert Lenssen in den Ornithol. Monatsber. (Red. A. Reicheuow), empfing ich von dem frstl. Salm Krautheimschen Frster W. Cba- teau in Hackenbroich bei Dormagen (zwischen Dsseldorf und Kln) ein Packet mit der Angabe: Theilen Sie mir bitte mit, ob der Vogel der Mhe des Versendens werth war." Zu meinem Erstaunen fand ich ein junges Mnnchen von B. ferox vor, welche Art meines Wissens bisher in Deutschland noch nicht erbeutet wurde. Umgehend erbat ich mir nhere Auskunft ber die Erlegung des Vogels und erfuhr, dass derselbe bereits seit Aufgang der Hhnerjagd in dem betr. Reviere beobachtet worden sei. Der 15jhrige Sohn des Frsters htte ihn Abends auf dem Anstnde in einem kleinen Felsgeblz angeschossen und am nchsten Morgen erst gefunden. DieMaasse des Adlerbussards sind folgende: Totallnge 62 cm, Breite 142 cm, Schwanz berragt die Flgel um 4 cm, Schwanz 25 cm, Flgel vom Bug bis zur Spitze 46 cm. Iris hochgelb mit einem Stich ins Braune 14 mm Durchmesser; Sehnabel grauschwarz; Wachshaut grn- gelb; Fnss gelb; Krallen tiefschwarz. Im Magen fand ich 4 Feldmuse i A. arvalis) unver- sehrt vor. Das Gefieder ist auf Kopf, Hals und Brust gelblich- weiss mit ganz feinen braunen Schaftstrichen. Nach dem Bauche zu sind die Schaftstriche viel breiter und mehr rostroth. Hosen rostrotlibraun mit ganz dunklen sehr feinen Schaftstrichen. Rcken rostgelb, jede Feder mit Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. sehr breiten braunen Schaftflecken und breit rostgelb ge- kantet (hnlich wie bei Milvus regalis), Schwingen grau- braun. Obere Schwanzdeckfedern rostfarbig', untere gelb- lichweiss. Schwanz schmutzig graubraun, nur am Ende der usseren Steuerfeder eine Spur von Querbinden, im Gegensatz zu Riesenthal's Angabe: zahlreiche braune Querbinden", aber alle Federn dem Schafte entlang sehmal dunkelbraun gefleckt. Auf der Unterseite nur grauweiss. Ich stopfte den Vogel fr meine Sammlung aus. Sollte Buteo ferox hier gebrtet haben? Es ist dies fast wahrscheinlicher, als dass der junge Vogel sieh von Russ- land aus bereits Ende August hierher verflogen haben sollte: und wenn dies der Fall wre, sollte ein so wander- lustiger Gesell ca. 5 Wochen lang in demselben Reviere geblieben sein'.- 1 Die Herkunft der Ameisensure im Honig ist Gegenstand eines Vortrags von A. v. Planta in der Naturforschenden Gesellschaft Graubndens (Sitzungsber. 1893. S. 65) gewesen. Nach diesem Autor kann die Sure nicht von aussen, etwa im Neetar, dem Honig zugefhrt werden. Denn, wenn man Honig von Bienen untersucht, die noch nicht ausgeflogen und mit reiner Zuckerlsung gefttert waren, so enthlt auch dieser in den verdeckelten Zellen unzweifelhaft, in den unverdeckelten nicht so deut- lich nachweisbar Ameisensaure. -- Die Bienen im Stocke geben durch bald willkrliehe, bald unwillkrliche Ent- leerung der Giftdrsen immer etwas Sure ab, die alsbald verdunstet. Da nun Zuekerlsungen aus der Luft Ameisen- sure zu absorbiren vermgen, so bte sieh in diesem Zu- sammenhange eine einfache Erklrung des Problems, wenn nicht der Suregehalt der Luft des Stockes ein viel zu geringer wre. Zur Desinfection ist er allerdings aus- reichend und sehr zweckmssig. - - Es bleibt nach dem Gesagten nur die Annahme brig, dass die Sure den Bienen selbst entstammt; jedoch auch nicht in der Weise, wie Mllenhof sieh dies vorstellt. Dieser sagte (Eich- stdter Bienenzeilung 1884, No. 6): Ist die Zelle unge- fhr gefllt, so wird, wenn der Honig nicht fr den augen- blicklichen Gebrauch bestimmt ist, ein Tropfen von dem Secret der Giftdrse hinzugefgt, sodann wird die Zelle, nach Auftragen von reinem Wachse auf die Prismenseite und darauf folgendes Zusammenbiegen dieser Zellenrnder zunchst halb geschlossen, alsdann wird die Zelle gefllt und schliesslich durch Vervollstndigung des Zellendeekels ringsum geschlossen. Dieser hermetische Abschluss be- wirkt, dass der Honig vor Verdunstung geschtzt ist." Dieser Auffassung kann nun nach Planta die Wirklichkeit nicht entsprechen. Denn wenn man in mglichst getreuer Nachahmung derselben soviel Arbeiterzellen, wie zu 100 gr. Honig gehren, mit je einem Tropfen Ameisensure von der ungefhren Concentration der Bienensure im Gift- stachel beschickt, so ergiebt sich ein den natrlichen um das Zweihundertfache bersteigender Gehalt des Honigs au Ameisensure. Seh. Mit der tinktionellen Unterscheidung verschiedener Kernbestaiidtheile und der Sexualkerne bei Pflanzen hat sich F. Rosen (Cohn's Zeitschr. zur Biol. der Pfl.) beschftigt. Leopold Auerbach zeigte in seiner Zur Kenntniss der thierisehen Zellen" betitelten Abhandlung ivergl. Naturw. Wochenschr. VI. S. 425), dass in den ruhenden, d. h. nicht in mitotischer Vermehrung begriffenen Zell- kernen der Amphibien sich zweierlei Nucleolen unter- scheiden lassen, welche er als erythrophile" und kyano- phile" bezeichnete. Diese Benennung bezieht sich darauf, dass die zweierlei Nucleolen neben anderen Unterschieden bei Doppelfrbungen eine tinktionelle Differenz zeigen, derart, dass, wenn ihnen gleichzeitig oder nacheinander ein rother und ein blauer Farbstoff geboten wird, gewisse Nucleolen sich roth, andere sieh blau frben. Rosen kommt nun nach seinen Untersuchungen an Pflanzen zu dem Resultat: In den vegetativen Kernen von Scilla sibirica lassen sich zweierlei Kernkrperehen unterscheiden, von welchen die einen erythrophil sind (Eunucleolen), die anderen kya nophil (Pseudonucleolen). Diese letzeren gehren zu dem chromatischen Gerst des Kernes oder vertreten dasselbe. Das chromatische Kerngerst, sowie seine Producte, der Kernfaden und die Trennungsfden ", sind kyanophil; die (Eu-) Nucleolen, die Spindel- und Verbindungsfden, sowie die Zellplatte sind erythrophil; ebenso das Cyto- plasma. Der generative Kern des Pollenkorns ist kyanophil, wie die Spermatozoenkpfe bei den Wirbelthieren; er ist auch im Bau sehr verschieden von dem sogenannten vegetativen Kern des Pollenkorns, welcher erythrophil ist. Der Eikern, sowie alle Kerne im Embryosack sind erythrophil. Die Erythrophilie macht sich schon an dem Kern der Embryosack-Mutterzellc deutlich kenntlich. Es besteht in Bezug auf die Chromatophilie eine vollkommene Uebereinstimmung zwischen den Sexualkernen der untersuchten Liliaceen und denen der von L. Auer- bach studirten Wirbelthiere. Dr. Oskar Baumann's letzte grosse Reise Durch Deutsch-Massailand und zur Quelle des Kagera-Nil". (Nach seinem am 24. November in der Geographischen Gesellschaft zu Jena gehalteneu Vortrag, *'mitgetheilt von Prof. Fr. Regel.) Auf die grosse Bedeutung der letzten und grssten Reise des verdienten Geographen und Topo- graphen wurde in diesen Blttern bereits ganz kurz hin- gewiesen (vgl. Naturw. Wochenschr." No. 14). Dr. Bau- mann hat inzwischen die Originalkarte seiner ber 4000 km umfassenden Routenaufnahmen bei Justus Perthes in Gotha eingereicht; Dr. Bruno Hassenstein leitet die Herausgabe und ist namentlich bemht, alles erreichbare Material fr diese grosse Karte zu verwerthen, welche einem Er- gnzungsheft zu Petermann's Mittheilungen und etwa gleich- zeitig dem bei Dietrich Reimer erscheinenden Reisewerk Baumann's beigegeben werden soll. Namentlich stehen fr dieselbe werthvolle Aufnahmen und Positionsbestim- mungen zur Verfgung, welche Capitn Spring in Bruch- sal im Sden und Sdsdosten des Victoriasees unlngst ausgefhrt hat. Durch seine und Baumann's Arbeiten sind nunmehr endlich zuverlssige Grundlagen ge- schaffen, um auch ltere Reisen, wie z. B. diejenige von Dr. Fischer (1883), genauer kartographisch fixiren zu knnen. Bei der hervorragenden Bedeutung von Bau- mann's Reise fr die Kenntniss des Massailandes, der Gebiete im Ostendes Victoriasees, und vor allem fr die end- giltige Lsung des Nilquellenproblems gehen wir hier auf dieselbe etwas nher ein. (Bei dem krzlich in Jena ge- haltenen Vortrage waren zum ersten Male ffentlich nach der Originalkarte Baumann's die kartographischen Ergeb- nisse von ihm und Dr. Hassenstein auf die von der Deutsehen Kolonialgesellschaft herausgegebene Karte von Ostafrika dargestellt. Wir knnen hier jedoch auf die vorlufige Skizze hinweisen, welche in den Verb. d. Ges. fr Erdkunde zu Berlin, 1893, No. 5, verffentlicht ist. Der dort niedergelegte Bericht ist fr das Folgende mit verwerthet worden.) I. Die Anregung zu Baumann's Expedition ging aus von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, zur Durch- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1 fhrung wurde sie jedoch gebracht vom Deutschen Anti- sklaverei-Comite. Der Auftrag lautete auf Erforschung der deutschen Massai-Gebiete, jener wenig bekannten Landstriche zwischen den Kstengebirgen und Dnyamwesi, und auf Gewinnung einer mglichst directen Route nach dem Victoriasee. Baumann verliess Europa im Oktober 1891, warb auf Grund seiner zahlreichen Verbindungen von frheren Reisen in Ostafrika, ohne Vermittelung von Zwischen- hndlern, rasch die erforderliche Anzahl von 200 Mann (60 Soldaten und 14<) Trgern) an und war am lf>. Januar 1892 in Tanga marschbereit. Zunchst zog die Expedition lngst des Nordfusses von Usambara nach Kisuani im Pare-Gebirge; den niedrigen Sattel zwischen Mittel- und Nord-Pare bersteigend, gelangte sie nach Uriter-Arusha, von wo der Maisch in die Massai-Stcppc beginnen sollte. B. hatte sich bereits auf der Herreise mglichst mit Proviant, besonders Getreide und Hlsenfrchten versorgt, welcher nunmehr in Scken auf krftige Lastescl verpackt wurde. Hierzu nthigten die eigentmlichen Verhltnisse im Massailande: die Massai, ausschliesslich Vieh-Nomaden, haben durch eine in ganz Ostafrika auftretende Rinder- seuche fast ihren ganzen Viehstand verloren und sind daher, nur von Fleischnahrung lebend, von einer furcht- baren Hungersnoth heimgesucht, sie verlassen vielfach die weiten von ihnen durchstreiften Gebiete und siedeln sich an den Rndern der Steppe an, auf das Almosen der ackerbautreibenden Stmme angewiesen, oder sie stellen mit den flchtigen Waudorobbo gemeinsam dem Wild nach. Durchziehende Karawanen treffen daher ent- weder gar keine Massai, oder sie werden von Ver- hungernden, meist Weibern und Kindern verfolgt, welche selbst Hilfe suchen und natrlich keinen Proviant ge- whren knnen. Am 18. Februar begann die Durchquerung der Steppe; bereits am folgenden Tage wurde der Rand des Massaiplateaus erreicht, welches hier allmhlich ansteigt. Aus der buschbedeckten Landschaft erheben sich insel- artig die kristallinischen Bergkuppen. Jede Spur eines Weges fehlt: das frhzeitige Einsetzen der Regenzeit hatte die Ebene stellenweise in einen schwer zu passireu- den Sumpf umgewandelt. Nur einige flchtige Waudorobbo und sehr wenige, zu Skeletten abgemagerte Massai wurden auf dem 13tgigen Marsche bemerkt. Am 2. April wurde die Landschaft Umbugwe er- reicht : ihr Dorfgebiet dehnt sich mit den niedrigen, kaum ber einen Meter hohen, flachen Temben von 20 30 qm in vllig baumloser Ebene aus. Jenseit der letzteren er- hebt sich ein 400 600 m hoher, nordsdlich verlaufen- der Steilabfall, der Rand des grossen ostafiikanischen Grabens, welcher eine der merkwrdigsten Terrain- bildungen Afrikas darstellt. Die Eingeborenen von Umbugwe sprechen zwar Bantu, haben jedoch hchst- wahrscheinlich nrdliche (hamitischc oder nilotische) Bei- mischungen; sie sind ein schner krftiger Menschenschlag, mit welchem die Expedition in Folge Verweigerung des Mahongo (Weggeldes) heftige Kmpfe zu bestehen hatte; bei denselben wurden jedoch ber 200 Rinder erbeutet. Ein Jahr spter waren sie aus Feinden gute Freunde geworden. Den breiten, wasserreichen Kwoufluss berschreitend, erreichte B. das Sdende des Manyara- Sees und ver- folgte 4 Tagereisen lang sein Westufer: der See ist ein Salzbecken, dessen Wasser ganz ungeniessbar ist. Das Ostufer ist flach und wstenhaft; hinter dem mit ppiger Vegetation bedeckten Westufer erhebt sich der krystalli- nische Steilabfall, dem zahlreiche Bche entstrmen. Im Norden des Manyara begann nach Passirung einer den Kalkregion die mhsame Ersteigung des hier voll- kommen basaltischen Plateau- Abfalls. Auf der Hhe breitete sich ein leicht gewelltes, von vielen Rchen durchzogenes, theils grasiges, theils dicht mit hoch- stmmigem Bergwald bestandenes Land aus, das Plateau von Mutiek Heber den Kessel des Ngorongoro- Secs gelangte die Karawane zum Nairobi-Plateau, einem Hochland von 2000 m Hhe. Hier war es so khl, dass Nachts Temperaturen von 5 C. vorkamen. Kalte Winde, eine zarte Grasvegetation und knorrige, flechten- bedeckte Bume erinnern hier an die Alpen. Die hier lebenden Stmme waren nicht so von der Viehseuche betroffen. Die Massai leben ausschliesslich von Fleisch und Milch. Ehe sie letztere gemessen drfen, nehmen sie ein Brechmittel. Mit einem eigenartig geformten Speer lassen sie den Rindern zur Ader, saugen Blut und unter- binden dann geschickt die Wunde. Die Trger waren von der ihnen ungewohnten, an- dauernden Fleischnahrung zum Theil erkrankt, so dass B. nach dem Victoriasee weiter eilen musste. Am 23. Mrz gelangte er pltzlich und vllig unerwartet an das Nord- ende einer ungeheuren Spalte, welche von einem grossen See erfllt war, dessen blauer Spiegel wohl 1000 m unter dem Reisenden lag, dessen Sdende am Horizont ver- schwamm; die Massai nennen den bis jetzt gnzlich un- bekannten See den Ei'assi. Am nchsten Tage wurde in steilem Abstieg das Seeufer erreicht; das Wasser erwies sich ebenfalls durch Salz ganz ungeniessbar. Auf das Plateau zurckgekehrt, wurde der Marsch nach NW. fortgesetzt: Das Land senkt sich hier zu der weiten baumlosen Serengeti-Ebene ab, aus welcher einzelne Granitkuppen emporragen. Ein starker, wohlgenhrter Waudorobbo -Stamm durchstreift dieselbe. Am 31. Mrz wurde der Oberlauf der Simiyu berschritten, am 2. April das bewohnte Gebiet von Ikoma erreicht, welches die ackerbautreibenden Was- hashi bevlkern; ihre Sprache ist nchstverwandt mit jener von Usindja und Ussui (nach Dr. Stuhlmann identisch mit Unyoro), Am 12. April wurde endlich Katoto am Speke-Golf des Viktoria -Nyansa erreicht, woselbst B. seinen ermdeten Leuten eine lngere Er- holung gnnte, weil hier vegetabilische Lebensmittel in Flle zu haben waren. Er selbst unternahm mit Com- pagniefhrer Langheld einen Ausflug ber den herr- lichen, von Granitufern und ppiger Vegetation einge- sumten See nach der deutschen Station Mwansa. II. Am 6. Mai brach B. von Katoto auf zur Er- forschung der Gebiete stlich vom Viktoria- Nyansa. Nach Ueberschreitung des schmalen Rugedzi- Canales gelangte er nach der waldreichen, starkbewohnten Ukerewe-Insel. Von hier aus wurde die Insel Ukara besucht, deren grosse, sehr tiefstehende Neger ihm kriegerisch begegneten. Ueber die Grantbei nach Nagita bersetzend, fand B. hier eine tiefe, fjordartig landein- wrts sieh ziehende Bucht von vielen hohen und be- wohnten Inseln durchsetzt, welche fast dem Speke-Golf gleichkommt. Er gebrauchte 6 Tage, um diese Bucht (welche seinen Namen fhren wird) zu umgehen. Gegen- ber den Kunisu-Inseln gelangte er wieder an den offenen Nyansa. In den folgenden Tagen waren blutige, aber glck- liche Gefechte mit den Waruri und Wogaya zu be- stehen, ehe sie nach den von den Washashi bewohnten Gebieten gelangten. Letztere sind bergig, die Drfer liegen malerisch zwischen Granitblcken. In Ngoroi'ne tritt vulkanisches Gestein auf; hier beginnt bereits der Westrand der Massai-Steppe. Im N. fliesst der Ngare- dabash vorbei, welcher sich mit dem Mora identisch Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 9 erwies. Im S. wurden nun die offenen, grasigen Land- schaften Nata hier entspringt der Ruvanafluss , Ikoina und das nrdliche Usukuma durchzogen. Die Wasukuma sind bereits Wanyamwesi, gehen fast unbe- kleidet, sprechen jedoch vielfach Swahili und haben gute Felder. Nach Uebersehreitung des Simiyuflusses wurde Meatu, der usserst Vorposten der Wasukuma gegen die Steppe erreicht; hier besitzen einige Elefantenjger von der Kste ein befestigtes Lager. Ein viertgiger Vorstoss in die Steppe fhrte B. bis zu dem den, vege- tatiousleeren Nyarasa- (Wemberre-) Graben, der sdlichen Fortsetzung des Ei'assi - Sees. Diese Ebene durchstrmt der salzige Simbiti, welcher in den E'iassi mndet. Nach Meatu zurckgekehrt, marschirte B. sodann nach Mwansa am Beikumbi-Golf des Viktoriasees. III. Die Expedition war so vorzglich im Gang, dass B. seiner Instruction zuwider sieh nunmehr speciell dem Nil quellen prob lern zuwandte. Speke hatte wohl die uralte Frage in der Hauptsache gelst, indem er den Zusammenhang mit den beiden grossen Seebcckeu nach- wies und auch bereits den Kagera als den bedeutendsten Zufluss des- riesigen Viktoriasees bezeichnete. Stanley hatte den von ihm Alexandra-Nil u genannten Kagera viele Tagereisen weit vorfolgt, aber noch war der auf dem Quellgebiet liegende Schleier zu lften. Baumann gelang es, die Quellen des Kagera-Nils zu finden und damit die Nilquellenfrage zu lsen! Am 8. August bersetzte er den Bakumbi-Golf und betrat nun die bananenreiche, von schmiedekundiger Be- vlkerung bewohnte Landschaft Usindja. Am 21. August wurden die papyrusreichen Ufer des Viktoria-Nyansa ver- lassen, es begann der Vormarsch nach Westen, zunchst in die Landschaft Ussui; sie ist ziemlich dicht bewohnt, das echte Bild eines afrikanischen Despoteustaates, dessen Oberhaupt Kassusura nicht nur ber Leben und Tod seiner zahlreichen Untergebenen verfgt, sondern auch alleiniger Grundbesitzer des weiten Gebietes ist. Vermag der Reisende sich mit ihm gut zu stellen, so stehen ihm die smmtlichen reichen Hilfsquellen des Landes zur Verfgung. Baumann wurde hier die glnzendste Gast- freundschaft gewhrt: Boten eilten seiner Expedition voran; sobald er das Lager bezog, waren schon Vorrthe fr ihn angekauft, welche ihm Kassusura spendete. Das westliche Ussui steht unter Yavigamba. Am 5. September wurde der hier tief eingeschnittene Kagera- Nil hier Ruvuvu genannt erreicht, welcher seine braunen Wogen zwischen steilen, von Vegetation um- rankten Granitfelsen nach Norden wlzt. Er bildet die Grenze gegen Urundi. Letzteres ist ein bislang gnz- lich abgeschlossenes Bergland mit vielfach steilen, grasigen Hngen, au denen die zahlreichen Drfer mit Bananen- hainen und Gruppen jener glnzendblttrigen Bume zerstreut sind, aus denen das Rindenzeug gewonnen wird. Hier sieht man kein einziges europisches Er- zeugniss mehr, sondern nur Producte einheimischer In- dustrie. Hier erwartete die Bevlkerung in grossen Schaaren den von Norden kommenden Reisenden mit einer ihm natrlich zunchst ganz unverstndlichen Be- geisterung: sie fhrten ihm zu Ehren Tnze auf, die Weiber breiteten zu seinem Empfang die Arme aus, die alten Leute streuten Gras auf den Weg, Tausende von Eingeborenen begleiteten schliesslich unablssig die Ex- pedition. Endlich wurde durch einen Dolmetscher diese seltsame Begeisterung, welche natrlich bald sehr lstig wurde und nur mit Aufbietung aller Krfte dem Reise- fhrer die ununterbrochene Fortfhrung der topogra- phischen Arbeiten gestattete, aufgeklrt: die Warundi waren von einem hellfarbigen (haniitischen) Knigs- geschlecht Jahrhunderte hindurch regiert worden, dessen letzter Sprosse noch leben und einst von Norden in ihr Land kommen sollte. In Baumanu glaubten nun die Warundi den ersehnten Abkmmling der Mwesi Monde) glcklich gefunden zu haben! Die Ueberzeugung, dass seine Berechnung sie von dem lstigen Ungeziefer, dem Sandflohe, befreien wrde, veranlasste ein fortwhrendes, ungestmes Hindrngen nach der Person des Reisefhrers, welches auch durch energisches Zurckweisen nicht ab- gestellt werden konnte. Am 11. September bersetzte die Expedition in Cauoes den breiten papyrusreichen Akanyarifluss, welcher hier mehr einem Sumpfe gleicht, und machte einen Vorstoss nach Ruanda, dessen Bewohner von Watusi beherrschte Warundi sind; alle stehen unter dem grossen Despoten Kigere. Die Warundi wollten die Rckkehr nach Urundi nicht ohne Erlaubnis Kigeres gestatten, welcher weit entfernt am Mfumbiro residiren soll. Letzteren aufzusuchen, lag jedoch nicht in Baumann's Absicht, vielmehr setzte er abermals ber den Akanyari und betrat wieder das merkwrdige Urundi, hier ein hohes, grasiges Plateauland, welches gegen ein hohes Waldgebirge ansteigt. An der Grenze fand ein naiver Angriff von 15 Kriegern statt, welche die Rckkehr nach Urundi verhindern wollten und von der Wirkung der 200 Gewehre und zugehrigen Munition, ber welche die Expedition verfgte, gar keine Vorstellung hatten. Ein Luftschuss gengte, um sie in die wildeste Flucht zu jagen. Am 18. September erreichte B. wieder den Kagera, hier nur noch ein klarer, rasch fliessender Bach und ver- folgte ihn bis dahin, wo er in einer engen Schlucht des Waldgebirges seinen Ursprung nimmt. Diese Quelle des Nil (Kagera-Nil) betrachten die Eingeborenen mit aber- glubischer Scheu. Sie begruben hier ihre verstorbe- nen Knige, die Mwesi (Monde) und nennen das Ge- birgeMisosiya, BergederMwesi, Mondberge. Vonder Nhe des riesigen Tanganikasees hatten jedoch die Einge- borenen selbst keine Ahnung, da sie ihr Land nie verlassen; es gewhrte daher dem Reisenden, welcher ber dieselbe natrlich unterrichtet war, eine hohe Befriedigung, als ei- sernen Leuten in den nchsten Tagen nach Uebersteigung der au 3000 m hohen, theils bewaldeten, theils mit Bambus bedeckten Bergkette in der Feine den schimmern- den Spiegel des Tanganika zeigen konnte. Die Berge fallen nach Westen gegen den breiten Graben ab, den der Rusitsi durchstrmt und der im Sden vom Tanganika erfllt ist. Am 25. September wurde bei Usige das Nordufer erreicht. Mit seiner mchtigen Brandung, seiuen von Oel- palmen umsumten Ufern und den steilen Randbergen von Urundi einerseits und Ushi andererseits gewhrt derselbe einen ungemein grossartigen Anblick. IV. Der Rckmarsch zur Ostkste erfolgte ebenfalls auf theilweise ganz neuer Route; vom Tanganika wurde zunchst wiederum die Hhe des Urundi -Plateaus ge- wonnen, welches hier grasig und von den sdlichsten Kagera-Zuflsseu durchstrmt wird. Die Watusi frchteten Sklavenraub und traten daher ohne Anlass der Expedition von vorneherein kriegerisch entgegen; es waren daher verschiedene Gefechte zu bestehen. Dann gelangte B. in das Gebiet des Mlagarasi, welches von der waldreichen Landschaft Uha eingenommen wird. Die Waha sind den Warundi nahe verwandt. Am 25. Oktober wurde Ki- rambo und damit das westliche Unyamwesi mit schnen Drfern und Feldern, mit freundlichen gewerbthtigen 10 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1 Bewohnern, welche weite Reisen bis Ungoro und bis zur Kste unternehmen, erreicht. Einige Tage wurden in der gastlichen Mission Urambo zugebracht, wo Mr. Schaw nun schon 10 Jahre lang abgeschlossen lebt, aber keine Bekehrungserfolge aufzuweisen hat, da die Wanyamwesi wohl alle mglichen Kulturverbesserungen gern annehmen, in religiser Be- ziehung aber indifferent sind, ganz anders wie die Wa- ganda, welche mit Eifer fr eine bestimmte christliche Konfession Partei ergreifen und Andersglubige fanatisch bekmpfen. Am 7. November wurde Tabora erreicht, welches mit seinen staubigen Pltzen und vernachlssigten arabi- schen Temben die Spuren des Verfalls zeigt, lieber Uyui weiterziehend, erreichte B. durch ein wasserarmes Granit- gebiet vordringend Tambarale (Mwana Tombolos). Der Huptling hatte von Sicke in Tabora die Weisung, den nchsten Europer niederzumachen, wobei es auf eine von der Kste erwartete Munitions- Kolonne abgesehen war. Der Befehl wurde ohne Rcksicht darauf, dass B. von einer anderen Richtung anlangte, wrtlich genommen und so war ein ernstlicher Zusammenstoss unvermeidlich. In- folge der guten Bewaffnung der Gegner fhrte gleich der erste Versuch, den Ort zu nehmen, zu erheblichen Ver- lusten, so dass erst am Abend eine regelrechte Beschickung des Platzes erfolgte. Der AViderstand Hess erst um 2 Uhr Nachts nach und es konnte gegen Morgen zum erfolg- reichen Sturmangriff geschritten werden. B. erhielt selbst eine schwere Verwundung am Oberarm und musste sich im Sden von Usongo Erholung gnnen. Als die Heilung der Wunde halbwegs fortgeschritten war, brach er durch die hier schmale Wainbere-Steppe nach Usure, dem st- lichsten Platze von Unyamwesi auf. Von dort gelangte er nach dem sandigen Turuplateau, welches sehr niedrig- stehende, nackte Eingeborene bewohnen. Am 20. Dezember war wiederum der Steilabfall des grossen Grabens erreicht. Von Uuyangauyi, einer An- siedlung in der Sohle desselben, unternahm er sodann einen Ausflug nach Usandari, deren merkwrdige Be- wohner Schnalzlaute gebrauchen. In der Araberkolonie in Irangi fand B. Ende Dezember eine sehr gastliche Aufnahme. Im Norden von Irangi liegt die Plateau-Land- schaft Uassi, deren boshafte, in Temben hausende Be- vlkerung eine eigenartige Sprache hat, welche weder dem Bantu noch dem nilotischen Komplex augehrt. Durch schnes Waldland wurde der Altfall des Uassi- Plateaus gegen den grossen Graben erreicht, dessen Sohle hier der schne Maitsimba-See einnimmt; an seinen Ufern liegt die Landschaft Ufiomi; die Ein- geborenen kleiden sich in Leder und legen in ihren Htten unterirdische Schlupfwinkel an, in welchen sie im Kriegs- fall ihre Weiber und ihr Kleinvieh verbergen; es sind dies lange, dachsbauartige Gnge mit Erweiterungen, welche durch je einen Luftschacht mit der Oberwelt in Ver- bindung stehen. Auch jetzt war Alles in diese Kessel geflchtet; durch Freilegung einiger Luftschacbte konnte mau erst das weibliehe Geschlecht dieser Gegend zu Ge- sicht bekommen. Im Januar 1893 fand B., diesmal in Umbugwe, freundliche Aufnahme. Er unternahm von hier "einen Ausflug auf das Iraku-Plateau; die Bewohner gehren theils den Wataturu, theils den Wairaku an. Letztere sind dadurch merkwrdig, dass sie ganz in unterirdischen Rumen wohnen, welche sie in die Lehmwnde ein- schneiden; sie treiben neben Viehzucht auch Ackerbau und sind von gutmtigem Charakter. An einem Basalt- kegel von ber 3000 m, dem Gurui- Berge, vorber erfolgte der Rckmarsch durch Mangati mit dem kleinen Salzsee Balangata nach Umbugwe. In Eilmrschen wurde Anfang Februar die Massai-Steppe passirt, am 15. wurde Unguru und am 21. Februar Pangani an der Ostkste erreicht. Weitere Mittheilungen ber Gonoskopiu von T. und H. Smith & Co. (Pharm. Jouru. and Trans. 52, 794.) Das Gnoskopin hat sich durch die Untersuchung reinen Materials als C 2 2H 23 N0 7 , also isomer mit Xarcotin, er- wiesen. Von diesem unterscheidet es sich durch den um 50 hheren Schmelzpunkt (228), ferner durch die weit geringere Lslichkeit in kochendem Alkohol, aus welchem es sich beim Erkalten fast vollstndig in Form langer Nadeln abscheidet, und durch die Krystallisationsart des Chlorhydrats; dieses scheidet sich aus schwach ange- suerter wsseriger Lsung in flachen, farblosen, glas- glnzenden Prismen aus, whrend das Salz des Narcotins unter gleichen Umstnden harte Krusten, aus weissen, nadeifrmigen Krystallen bestehend, bildet. Das Gnoskopiu- chlorhydrat, C 22 H 2S NO, HCl 4- 3 H 2 ( >, verliert sein Krystall- wasser beim Stehen an der Luft; bei 120 schwellen die Krystalle auf, und es hinterbleibt die freie Base als schwammige Masse. Mit Schwefelsure und Salpetersure giebt Gnoskopin dieselben Reactionen wie Narcotin, mit Braunstein und Schwefelsure dieselben Oxydations-Pro- duete. Narcotin kauu durch Erhitzen mit Eis-Essig im geschlossenen Rohre auf 130 theilweise in Gnoskopin verwandelt werden. Sp. Zur Chemie im Raum haben, wie wir dem Journal of Chemical Society entnehmen, die Herren Punlie und Walker einen sehr bemerkenswerthen Beitrag geliefert, van't HofT hat bekanntlich festgestellt, dass in jeder op- tisch activen Substanz ein sog. asymmetrisches Kohlen- stoffatom vorhanden sein muss, d. h. ein solches, bei welchem die vier Valenzen in verschiedener Weise, durch verschiedene Elemente oder Radikale, abgesttigt sind. Umgekehrt kann man von der Existenz eines solchen Kohlenstoffatoms auf die optische Activitt der Substanz schliessen. Findet sich nun ein optisch inactiver Krper, welcher ein asymmetrisches Kohlenstoffatom enthlt, so steht nach den Ausfhrungen van't lloff's zu erwarten, dass derselbe ein Gemisch zweier activen isomeren Sub- stanzen, welche sieh in ihrer Wirksamkeit gegenseitig autheben, darstellt. In seinem klassischen Werk S. 3037 fhrt er des Nheren aus, wie man sich diese optische Neutralisation, oder, wie er sich ausdrckt, das Eintreten des neutralen Falls zu denken habe, andererseits bemerkt er (S. 41), wie ausserordentlich schwierig die Trennung zweier solcher in einer optisch inactiven Mischung befind- lichen mit entgegengesetztem Drehungsvernigen begabten Isomeren sei, er weist darauf hin, wie problematisch sich eine solche Aufgabe bei der vollkommenen Uebereiustim- mung des chemischen Charakters der beiden Isomeren gestaltet, und weiss nur ein Beispiel einer solchen Tren- nung, nmlich die Zerlegung der Traubensure in die beiden activen Weinsuren anzufhren. Um so ver- dienstlicher ist die oben erwhnte Arbeit, durch welche die Natur der optisch inactiven Milchsure in vollkom- mener Weise aufgeklrt wird. Diese Ghrungsmilchsure CHaCHOHCO.H enthlt, wie man sieht, ein asymmetrisches Koidenstotfatoin, ohne jedoch die Ebene des polarisirten Lichtstrahls abzulenken. Die Autoren sind also von der rich- tigen Ansicht ausgegangen, dass hier auch ein Complex zweier activen Isomeren vorliege, und haben diese Hypothese durch den Versuch glnzend besttigt gefunden. Die Chemie kennt zur Scheidung derartiger Substanzen im Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 11 allgemeinen drei Wege, 1. fractionirte Krystallisation, 2. Darstellung der Strychnin- oder Zinkoninsalze, welclic sich durch verschiedene Eigenschaften unterscheiden, 3. die Aussaat von Schizomyceten. Purdie und Walker haben die beiden ersten Methoden in eleganter Weise coru- binirt und folgendes Verfahren eingeschlagen: Kufliche Milchsure wurde in Wasser gelsst und aufgekocht, um das vorhandene Anhydrid ca. 31 " ,, in die Sure berzufhren. In eine genau berechnete Menge dieser Sure wurden 460 gr. Strychnin eingetragen, und die so erhaltene neutrale Lsung der fractionirteu Krystallisation unterworfen. Es wurden drei Portionen Krystalle erhalten, welche wieder getrennt von einander in Wasser gelst und mit einem geringen Ucberschnss Ammoniak versetzt wurden. Die tiltrirten Lsungen wurden auf dieselbe Koncentration gebracht und gaben im 200 mm Rohr Ablenkungen von -4- 5,46, -f- 4,83, und 1,33. Die erste Lsung wurde mit Zinkoxyd gekocht und fr sieh wieder zur fractionirteu Krystallisation stehen gelassen. Diese erste Portion erwies sich hierbei als reines Zinksalz der Linksmilchsure und gab eine speci- fische Drehung von (a) = -f- 5,63. Die Drehung der Sure erfolgt in entgegengesetzter Richtung zu derjenigen ihrer Salze. Aus den Mutterlaugen wurden ebenfalls die Zinksalze gewonnen; durch successive Krystallisation wurde reines rechtsmilchsaures Zink erhalten von der speeifischen Drehung () = 5,71. Als die Autoren gleich Gewichtsmengen der beiden Zinksalze lsten und mit einander mischten, erhielten sie, wie zu erwarten stand, eine optisch inactive Flssigkeit, welche beim Stehen Krystalle von gewhnlichem Zinklaktat absetzte. Es ist also auf das deutlichste der Beweis erbracht worden, dass die gewhnliche Milchsure, welche optisch inactiv ist, aus zwei isomeren Componenten von gleich starkem, aber entgegengesetztem Drehungsvermgen be- steht. Dr. Kuh. Ueber den Zustand der Materie in der Nhe des kritischen" Punktes hat krzlich B. Galitzine (An- malen der Physik und Chemie, 1893, No. 11, S. 521 ff.) eine interessante Mittheilung verffentlicht. Als kritische" Temperatur bezeichnete man bisher diejenige Temperatur, bei welcher die Dichte einer Flssig- keit, welche unter dem Drucke ihres gesttigten Dampfes steht, der Dampfdichte ihres gesttigten Dampfes gleich ist. Diese Temperatur stellt die untere Grenze des Zu- standes dar, fr welchen eine Volumenverminderung un- bedingt eine Zunahme des Druckes erfordert. Die Bestimmung der kritischen Temperatur nahm mau nach dem Vorgange von Cagniard de la Tour gewhn- lich in folgender Weise vor: Eine gewisse Menge Flssig- keit wurde in einem zugeschmolzenen Rhrehen allmh- lich erwrmt, bis die Trennungsflche zwischen Flssig- keit und Dampf verschwand, und der Rohrinhalt homogen erschien. Hierauf khlte man das Rohr langsam ab, bis eine eigentmliche Nebelbildung im Rohre eintrat und der Meniskus pltzlich wieder erschien. Beide Tempera- turen sollten nicht nur, wie man stillschweigend annahm, einander gleich sein, sondern auch zugleich die kritische Temperatur des untersuchten Stoffes darstellen. Von verschiedeneu Seiten wurden jedoch auf Grund neuerer Untersuchungen Zweifel an der Zuverlssigkeit dieser optischen Methode erhoben. Battelli (Ann. de Cheni. et de Phys. (6) 29, S. 400, 1893) z. B. zog aus seinen eigenen Untersuchungen den wichtigen Schluss, dass bei der kritischen Temperatur die eigentliche Ver- dampfung nicht aufhrt, obgleich die Cohsion zwischen den einzelnen FlUssigkeitstheileben schon so sehr abge- nommen hat, dass dieselben keine zusammenhngende Masse mebr bilden knnen, sondern sich in dem gegen berliegenden Dampfraum mehr und mehr ausbreiten mssen. Diese Verdampfung oberhalb der kritischen Temperatur ist als eine Auflsung, als eine Disso- ciation von grsseren Moleclcomplexen in klei- nere aufzufassen. Battelli glaubte sich zu dieser Annahme einer ver- schiedenen molekularen Beschaffenheit desselben Krpers im flssigen und im gasfrmigen Zustande umsomehr be- rechtigt, als dieselbe mit den neueren Thatsachen der modernen Chemie sowie auch mit den von ihm untersuchten thermischen Eigenschaften derDmpfe in Uebereinstimmung zu stehen scheint. Wenn die Sache sich wirklich so verhlt, so kann ein gesttigter Dampf, der in Berhrung mit der ihm entsprechenden Flssigkeit steht, eine Anzahl Flssig- keitsmolekle enthalten, und seine Dichte muss, je nach der Anzahl derselben, eine vernderliche Grsse sein. Galitzine hat nun bei seinen mit gewhnlichem Aethyl-Aether angestellten Versuchen in der That ge- funden, dass die Stelle des Meniskus im Versuchsrohr so- gar bei genau derselben Temperatur keineswegs con- stant ist, sondern sich mit der Zeit ndert. Sollte es sich auch bei anderen Flssigkeiten herausstellen, dass die Flssigkeit verschiedene Dichtigkeiten bei dem- selben Drucke annehmen kann, so bedrfte die gewhn- liche Theorie des kritischen Zustandes auf jeden Fall einer Erweiterung und Vervollstndigung. Galitzine fasst das Gesammtergebniss seiner Unter- suchungen in folgende Stze zusammen: 1. Die Temperatur r c des wirklichen Erscheinens des Meniskus bei Abkhlung muss tiefer, und zwar betrcht- lich tiefer, als die wahre kritische Temperatur des Stoffes T c liegen; folglich muss die optische Methode in ihrer gewhnlichen Anwendung (Beobachtung der Nebel- bildung) zu unrichtigen Werthen der kritischen Temperatur fhren. 2. Bei sehr langsamem und regelmssigem Abkhlen ist die vielbesprochene eigentmliche Nebelbildung keine nothwendige Bedingung der Erscheinung. 3. Die Temperatur, bei welcher der Meniskus wirk- lich erscheint, und die Temperatur t' c , bei welcher die letzten Spuren von Unhomogenitten verschwinden, sind wohl als unabhngig von der Substanzmenge im Rohre anzunehmen. 4. Die Dichtigkeit q einer Flssigkeit (in Berhrung mit ihrem Dampf) und die Dichte # ihres gesttigten Dampfes ndern sich bei genau derselben Temperatur mit der Zeit und mit mehrmaligem Erwrmen ber die kri- tische Temperatur hinaus, wobei q ah und $ zunimmt. 5. Beide Grssen q und # werden folglich nicht durch die Temperatur einzig und allein vollkommen ein- deutig bestimmt. 6. Bei Temperaturen, welche betrchtlich hher als die kritische Temperatur liegen, kann ein Krper, bei fast genau demselben Drucke, zwei (oder vielleicht mehrere) verschiedene Dichtigkeiten haben. Die Dichtig- keitsunterschiede knnen 21 25 Proc. betragen. 7. Die von verschiedenen Experimentatoren beob- achteten sonderbaren Anomalien, welche mit der gewhn- lichen Theorie des kritischen Zustandes schwerlich in Ein- klang zu bringen sind, lassen sich jedoch auf Grund der neueren Anschauungen ber die Molekularvorgnge in Flssigkeit und Dampf ganz gut bersehen und recht- fertigen. Robt. Mittmann. 12 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. Ueber atmosphrische Elektricitt hat Professor L. Weber neuerdings experimentelle Untersuchungen (vergl. Elektrotechn. Zeitschrift 1892, Heft 19) angestellt, die einige beachtenswerte Ergebnisse lieferten. Galvano- metrische Beobachtungen an einer lngeren, isolirt in Luft endenden Leitung, deren anderes Ende zur Erde abgeleitet war, zeigten einen bestndigen Abfluss von Elektricitt, namentlich bei Nhe von Gewittern. Den Ver- suchen, dadurch Messungen ber die atmosphrische Elek- tricitt zu gewinnen, stellten sich allerdings in Folge der nicht absoluten Isolirung der Telegraphenleitung unber- windliche Hindernisse entgegen, doch lsst sich auf diesem Wege wenigstens das Vorzeichen der Luftelektricitt im Durchschnitt eines grsseren Terrains bequemer und sicherer ermitteln, als mittelst der bisher blichen elektro- statischen Methoden. Ferner konnte der genannte For- scher an einem grossflchigen, isolirt aufgehngten Con- ducton wenn er denselben durch das Galvanometer mit der Wasserleitung verband, das Auftreten elektrischer Stauungen und Stromstsse in dem Rhrensystem gleich- zeitig mit einschlagenden Blitzen constatiren. Gelegent- lich zeigten sich bei Nahgewittern auch dauernde Strme von hoher Spannung, deren Existenz bei der Anlage von Blitzableitern zu bercksichtigen sein wrde. Weber hat endlich auch einen photographischen Registrirapparat fr Entladungen in Blitzableitern construirt, der jedoch zunchst noch keine Gelegenheit gefunden hat, in dei beabsichtigten Weise zu funetioniren. F. Kbr. TJeber die Ursache der Sonnenflecken hat E. von Oppolzer vor Kurzem eine Theorie aufgestellt (Sitzungs- berichte der Akademie der Wissenschaften in Wien. Math.- naturw. Classe. Bd. CIL Abth. IIa. April 1893), die sich wesentlich auf einige eigentmliche Beobachtungen der jngsten Zeit sttzt. Bezglich des Sonnenfleck en- spectrums, das bisher vornehmlich als durch allgemeine Absorption abgeschwcht galt, ist es nmlich Duner ge- lungen nachzuweisen, dass sich die scheinbar allgemeine Absorption in ein zahlloses Heer von feinen, dicht gedrngt stehenden Linien auflsen lsst. Damit wre constatirt, dass die Flecken Gasmassen sind, deren Absorption ver- mutlich in Folge niedrigerer Temperatur verstrkt ist. Weiter haben neuere Beobachtungen sicher festgestellt, dass die Fleckenkerne in Vertiefungen der Photosphre liegen, die zur Zeit des Fleckenmaximums am ausgeprgte- sten sind. Von besonderer Wichtigkeit fr die Erkennt- niss der Ursache der Fleckenbildung ist endlich nach v. Oppolzer die von Haie mit dem Spectroheliographen gemachte Entdeckung, dass ber den Fleckenkernen in der Sonnenatmosphre eine Temperaturumkehr statthaben muss, indem der khlere Fleckenkrper von abnorm heissen Gasschichten berlagert wird, eine Thatsache, die mit thermischen Beobachtungen von Langley und Frost aufs Schnste bereinstimmt. Die Temperaturumkehr ber eiuem Fleck lsst nun die hier vorliegende Erscheinung als ein Analogon der so hufig bei uns auftretenden und von Haun sorgfltig unter- suchten winterlichen Temperaturumkehr in der Erdatmo- sphre erscheinen, die durch einen absteigenden und sich dadurch nach Gesetzen der mechanischen Wrmetheorie erwrmenden Luftstrom zu Stande kommt. Dieser ab- steigende Luftstrom bringt nmlich Ruhe und Klarheit der Atmosphre mit sich und diese wird eine abnorme Ausstrahlung und dadurch bedingte Abkhlung der Erd- oberflche hervorrufen, v. Oppolzer fasst sonach die Sonnenflecken in Anlehnung an bereits von Zllner ge- hegte Ansichten als Strahlungsphnomene auf. Die Ent- stehung eines Flecks schildert er in folgender Weise: Durch dynamische Ursachen, die in der Circulation der Sonnenatmosphre, etwa in aufsteigenden Strmen, begrndet sind, hervorgerufen, bildet sich ber der Photo- sphre eine herabsinkende Bewegung; in Folge des mit der Tiefe zunehmenden Druckes werden sich die herab- sinkenden Massen erhitzen und mit hoher Temperatur an der Oberflche der Photosphre anlangen; ist nun die dynamische Ursache noch gengend krftig, so wird sich die Bewegung noch in die Photosphre hinein fortsetzen und in Folge der grossen Hitze die hier lagernden Con- densationsproduete auflsen. Durch die grosse Erhitzung der sinkenden Massen wird ein Auftrieb derselben wach- gerufen, der der dynamischen Wirkung entgegentritt. Die Folge davon wird sein, dass die vertical abwrts gerichtete Bewegung schliesslich aufhrt und die oben nachdrngen- den Massen gezwungen sind, ihren Weg seitwrts in horizontalen Bahnen zu nehmen. Es schwebt also gleich- sam ein anormal heisser Gaskrper unmittelbar an der Oberflche der Photosphre, der den hier lagernden, usserst feinen, stark absorbirenden photosprischen Dunst auflst, damit Klarheit erzeugt, dadurch die Strahlung der unteren Schichten wesentlich befrdert und die Ursache zu einem Flecken giebt." Die interessante Untersuchung mit welcher der Sohn des unvergesslichen Theodor v. Oppolzer zum ersten Mal vor die Oeffentlichkeit tritt, ist zweifellos hchst beachtenswerth. Uebrigens werden in derselben nebenbei auch noch manche Fragen gestreift und durch theoretische Entwickelungen gefrdert, die wir oben nicht erwhnten; so wird beispielsweise abgeleitet, dass die Temperatur der Photosphrenoberflche wahr- scheinlich zwischen 20 000 und 100 000 liegen drfte. In wie weit alle diese Einzelbehauptungen unwider- sprochen bleiben werden , und welche Beachtung die Oppolzer'sehen Ansichten bei Fachgenossen finden werden, muss freilich heut noch dahingestellt bleiben. Die oben skizzirte Theorie der Fleckenbildung hat jedenfalls etwas Bestechendes und drfte mit derMehrzahl unserer heutigen Beobachtungen im Einklang stehen. Wird sie aber auch allen in Zukunft noch zu Tage tretenden Erscheinungen gegenber Stand halten'? Wer vermchte dies heute zu entscheiden? In allen Naturwissenschaften pflegen die Hypothesen mit dem Stande des Wissens derart ver- knpft zu sein, dass sie nur temporre Giltigkeit haben und beim Fortschritt des thatschlichen Wissens durch neue verdrngt werden; gute Hypothesen werden aber trotzdem stets als Leitbahnen fr die Forschung von unberechenbarem Werthe sein. F. Kbr. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Es wurden ernannt: Der ausserordentliche Professor Medicinal- Rath Dr. Franz Tuczek zum Leiter der Universitts-Irrcnklinik in Marburg. Der Direetor des Kgl. Botanischen Gartens und Museums in Berlin Professor Dr. Adolf Engler zum Geheimen Regierungs-Rath. Der Privatdocent an der Universitt Marburg Dr. Reinhold Brauns zum Professor fr Mineralogie an der Technischen Hochschule in Darmstadt. Der ordentliche Pro- fessor fr Augenheilkunde an der Universitt Innsbruck Dr. B o n - griekiewiezs zum Professor an der Universitt Graz. Der ausserordentliche Professor Dr. Wilhelm Czermak zum Ordi- narius fr Augenheilkunde an der Universitt Innsbruck. Der Physiker Dr. Emil Arnold Budde, Mitdirector der Charlotten- burger Werke der Firma Siemens und Halske, zum Professor. Dr. Adamy, ausserordentlicher Professor der Thierzuchtlehre an der Universitt Krakau, zum Ordinarius. Dr. J. Rssel Rey- nolds zum Prsidenten des Royal College of Physicians in London. Der Professor der Chemie an der Kgl. Forst-Akademie zu Eberswalde Dr. Remele zum Geheimen Regierungs-Rath. Der ordentliche Professor der Philosophie an der Universitt Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 10 o Mnchen Dr. Karl Stumpf zum Ordinarius an der Universitt Berlin. Es hat sich habilitirt: Dr. Hermann Stroebe, Assistent am Pathologischen Institut der Universitt Freiburg, fr pathologische Anatomie daselbst. Geheimrath Dr. Pettenkofer, Professor an der Universitt und Technischen Hochschule in Mnchen, legt die Professur fr Hygiene an der Technischen Hochschule nieder. Der ordent- liche Professor fr allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie an der Universitt Dorpat Dr. Richard Thoma legt sein Amt nieder. Unser Mitarbeiter der Chemiker an der Kgl. Preuss. Geolog. Landesanstalt Dr. H. Haefcke vertauscht seine Stellung mit der eines Assistenten an dem neu eingerichteten Versuchslaboratorium der Deutschen Land wirf hschaftsgcsellschaft. Es sind gestorben: Der Herausgeber der Deutschen Medicini- schen Wochenschrift Geheimer Sanitts-Rath Dr. Samuel Gutt- mann in Berlin. Der ordentliche Professor fr Staatsarznei- kunde etc. an der Universitt Halle Geheimer Medicinal - Rath Dr. Ludwig Krahmer in Halle. Der Biologe Dr. Chabry in Paris. Der Professor der Physiologie an der Universitt Odessa Dr. P. A. Spiro. -- Der Mineraloge und Vorsteher des Naturalien - Cabinets der Grossherzog]. Technischen Hochschule in Darmstadt Geheimer Hofrath Professor Dr. Adolph Knop in Karlsruhe. L i 1 1 e r a t u r. Brockhaus' Conversations - Lexikon, 14. vollst, neubearb. Aufl. In 16 Bnden. 8. Bd. Gilde Held. Mit 48 Tafeln, darunter 7 Chromotafeln, 12 Karten u. Plnen u. 216 Textabb. F. A. Block- haus in Leipzig, Berlin u. Wien. 1893. Preis 10 M. Nunmehr liegt die Hlfte des auf 16 Bnde berechneten Werkes vor. Wie uns die Verlagshandlung mittheilt, liegen be- reits 3260 Kritiken von Brockhaus' Konversations-Lexikon vor, die, mit Ausnahme von 4, bereinstimmen in dein Urtheil, dass in den bisher erschienenen Bnden das Programm in allen Theilen musterhaft durchgefhrt ist. Wir haben ja schon mehrfach dar- auf hingewiesen, dass in der That das Menschenmgliche ge- leistet worden ist. Wir haben, wie schon in den frheren Bn- den, wieder einige naturwissenschaftliche Stichworte aufgesucht und sind von dem Text vollauf befriedigt worden, wenn man eben nie vergisst, dass ein Lexikon eigentlich selbstverstndlich Spezialwerke natrlich nicht ersetzen kann und will. Sehr hbsch sind wieder die Bilder und Karten, unter diesen auch wieder, in guter Auswahl, Stdteplne wie Graz, Halle a. S., Hamburg und Hannover, von Hamburg ein Stadtplan und ein Plan Hamburg und Umgegend". Sehr geschickt ist immer das Zeitgemsse be- handelt. Dass Brockhans' Conversations-Lexikon nach allem durch- aus zu empfehlen ist, haben wir wiederholt betont. Bechhold's Handlexikon der Naturwissenschaften und Me- dicin. Verlag von H. Bechhold. Frankfurt a. M. 1891 1893. Preis 14,40 M. Auf den ersten Lieferungen wurden als Verfasser des Lexikons angegeben: A. Velde, Dr. W. Schauf, Dr. v. Lwenthal und Dr. J. Bechhold, von Lief. 5 ab kommen hinzu : Dr. G. Pulver- macher und Dr. C. Eckstein und von Lief. 9 ab noch Dr. L. Mehler und G. Arends. Es ist keine Frage, dass ein gutes Hand- lexikon der Naturw. u. Med. Bedrfhiss wre; denn von wem kann man heutzutage verlangen, dass er alle die gerade in neuester Zeit geschaffenen Termini kennt, von denen hoffentlich das Meiste bald wieder verschwindet. Aber es ist doch nothwendig, sie zur Zeit zu kennen oder doch leicht ihre Definition finden zu knnen. Deshalb htten die Verfasser gerade auf diese Seite ihr besonderes Augenmerk richten sollen. Von den Termini, die gerade heut- zutage die Litteratur unheimlich machen, deren Verstnndniss zu untersttzen, doch gerade ein Lexikon der Naturw. u. Med. ge- schaffen wird, fehlen aber leider sehr sehr viele. So vermissen wir die Ausdrcke Mikrosom (Mikrosomie wird erklrt), Centro- som, Cytoplasma, Pseudovum, Amphimixis, Siphonogam, Zoidiogam und viele andere; dafr wren gewiss Stich worte wie Leuchten" und ..leuchtende Flamme" entbehrlich gewesen. Freilich muss man irgend wo Halt machen, um nicht ein unendlich langes Buch zu schreiben; in einem Werk von 1127 Seiten wie das vorliegende kann natrlich nicht Alles stehen, aber dem Ref. scheint, dass speciell die gerade heute von hervorragenden Richtungen angewendeten Termini in einem Buch, das zeitgemss sein will, nicht fehlen drften. Geschickt findet Ref., dass alle diejenigen Worte in den Be- schreibungen, die noch besonders definirt an der alphabetisch ent- sprechenden Stelle zu finden sind, cursiv gedruckt wurden. Was den wissenschaftlichen Inhalt anbetrifft, so lsst er vielfach zu wnschen brig, namentlich scheint diesbezglich die Botanik verhltniss- mssig schlecht weggekommen zu sein. So ist die echte Rose von Jericho nicht Anastatica Hierochuntica sondern Asteriseus pyg- maeus, die bei Jericho viel vorkommt, whrend Anastatica in der Umgebung dieser Stadt, nicht zu finden ist (vergl. Naturw schaftl. Wochenschr. I S. 178). Asplenium ist keine Ordnung, sondern eine Gattung der Polvpodiaceen; es knnte sich hier um einen Schreibfehler handeln, aber die Behandlung der botani- schen Artikel berhaupt lsst schnell durchblicken, dass ein eigent- licher Fachmann hier nicht thtig gewesen ist u. s. w. Die Ar- tikel aus anderen Disciplinen sind zweifellos besser gearbeitet. In manchen Fllen drfte daher das Buch in Ermangelung eines besseren immerhin Dienste leisten. Dr. Franz T affner. Die Voralpenpflanzen, Bume Strucher, Kruter, Arzneipflanzen, Pilze, Kulturpflanzen, ihre Beschrei- bung, Verwerthung und Sagen. Wilhelm Engelmann. Leipzig 1893. Preis 8 M. Der Verf. steht mit der Botanik auf sehr gespanntem Fusse: das Buch ist daher durchaus verfehlt. Nur einige, ganz wenige, begrndende Bemerkungen. Die Nomenclatur ist stellenweise ganz ntiquirt: Picea excelsa wird pinus abies sive abies excelsa" genannt u. s. w. Die Nadeln dieser Pflanze sind nur in der Ju- gend hellgrn, spter sind sie dunkel- bis sogar schwrzlich-grn. Die jugendlichen Stengel nennt Verf. Stiele". Die Zapfen der Coniferon erklrt Verf. nach alter Weise fr Fruchtstnde oder Sammelfrchte'' ; er behauptet unter jeder Schuppe . ._. liegen zwei kleine Samenkrnlein". Die Schuppen (von Aspidium filix mas) entstehen lesen wir auf S. 305 aus den mehrzelligen, namentlich den gestrahlten Haaren durch Verbreiterung und seit- liches Zusammenwachsen der sie bildenden Zellen" u. s. w. u. s. w. Es wird in dem Buche vieles wrtlich anderen Bchern entlehnt. Wenn schon der Verf. so wenig botanisches Selbst-Urtheil besitzt, dass er sogar ganz elementare Dinge abschreiben muss , dann htte er sich wenigstens bemhen mssen, die neuesten und besten Quellen zu benutzen, aber er kennt die Literatur gar nicht, wie aus der Liste der hauptschlich benutzten Bcher hervorgeht. Ein unerquickliches Buch, das man bedauernd aus der Hand legt. A. Engler u. K. Prantl, Die natrlichen Pflanzenfamilien. Fortges. von A Engler. III. Theil. 7. Abtheilung. Mit 1011 Ein- zelbildern in 108 Figuren. Wilhelm Engelmann. Leipzig 1893. Preis 15 (in Subscription 7,50) M. Mit dem Erscheinen der 96. Lieferung des schnen Werkes ist die im Titel bezeichnete 7. Abtheilung zum Abschluss gelangt (Lief. 72, 81, 87/88 (zum Theil), 94 und 96). Da die zuletzt erschienene Liefe- rung anstatt 3 nur 2 Bogen und 4 Seiten nmfasst, ist derselben ein in Heliogravre ausgefhrtes Ergnzungsblatt Nr. 1 zum III. Theil, 1. Abtheilung beigegeben, das eine Gruppe der Proteacee Leu- cadendron ai-genteum R. Br., des Silberbaumes (Silver tree), vom Wynberg Hill am Fuss des Tafelberges unweit Kapstadt darstellt, beigegeben worden. Der vorliegende Theil enthlt die Lythraceen (bearb. von E. Koehne), die Blattiaceen, Punicaceen, Leeythidaceen (F. Niedenzu), Rhizophoraceen (A. F. W. Schimper), Myrtaceen (Niedenzu), Combretaceen (D. Brandis) , Melastomaceen (Fried. Krasser), Onagraceen, Hydroearyaceen (R. Raimann) und Halor- rhagidaceen (O. G. Petersen). Gleichzeitig theilen wir das Erscheinen von Lief. 95 mit, welche den Schluss der Stachyuraceen (E. Gilg) und den Anfang der Guttiferen (A. Engler) bringt. Prof. Dr. Rudolf Credner, Rgen. Eine Inselstudie (Forsch, zur deutsch. Landes- u. Volksk. herausg. v. Prof. A. Kirchhoff. VII. Bd. Heft 5). Mit 2 Karten, 3 Lichtdrucktafeln, 8 geolog. und 6 Hhenprofilen. J. Engelhorn. Stuttgart 1893. Preis 9 Mark. Die vorliegende Monographie bespricht nach einer Einleitung, in der die Lagen-Verhltnisse, die Gliederung der Kstenumrisse und die Grundzge der Oberflchengestaltung Rgens erlutert weiden, den geologischen Bau (obere Kreide, Diluvium, Alluvium) und die Beziehungen der Oberflchen-Gestaltung der Insel zu deren geologischem Bau. Verf. kommt zu dem Resultat, dass Rgen einst ein Archipel war, der oben zu dem geschlossenen Inselkomplex des heutigen Rgen verschmolzen" worden ist. Die topographischen Verhltnisse werden wesentlich von einer Menge Bruchlinien bestimmt. Sturmrluthen haben oft grosse Stcke der Insel fortgerissen; Landzuwachs findet auch jetzt durch An- schwemmungen stetig statt. Das Heft mchten wir auch dem naturwissenschaftlich an- gehauchten Laien zur Belehrung bei einem Besuch der schnen Insel empfehlen : bei einer Vertiefung in die Natur-Eigenthmlich- keiten eines zur Erholung besuchten Punktes erwchst doppelter Genuss. Die gut ausgefhrten Liehtdruck-Photographieen ge- 14 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. Whren Ansichten der bemerkenswerthesten Kreidefelsen Rgens. Die eine Karte bietet eine orographische Uebersicht der Insel im Maassstab um 1:150000, die andere eine Darstellung der Ober- echen-Gliederung der Hall. -Insel Jasmund in 1:75000; beide sinil vorzglich in Farbendruck ausgefhrt. Deutsche Weltkarte zur Uebersicht der Meerestiefen und Hhenschichten, unterseeischen Telegraphen-Kabel u TJeber- land - Telegraphen, sowie der Kohlenstationen und Docks. Herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt, Nautische Ab- teilung. Deutsche Admiralitts - Karte. No. 7. Ausgabe mit Meerestiefen. 3 Bl. zusammengesetzt 0,90:1,71 Meter. Geo- graphische Verlagshandlung u. Globenfabrik Dietrich Reimer in Berlin, Inhaber: Hoefer & Vohsen. 1893. Preis in Umschlag !-' Mark. Die vorliegende Ausgabe mit Meerestiefen, welche in fnf- facher blauer Frbung wiedergegeben, whrend die Lnder nur mit einem gelben Ton berdruckt sind, dient hauptschlich hydro- graphischen Zwecken. Sie giebt eine genaue Uebersicht der unterseeischen und hauptschlichsten Ueberlaud-Telegraphen, die durch verschiedene Signaturen als deutsche, englische u. s. w. kenntlich gemacht werden, der Eisenbahnlinien sowie der Kohlen- stationen und Docks. Sie zeigt alle diejenigen Hfen der Erde, welche fr die Schiffahrt und besonders den Dampferverkehr zur Einnahme von Kohlen und zur Ausbesserung von Schden wichtig sind. Bei der Angabe der Kohlenstationen werden durch besondere Signatur unterschieden: Stationen mit weniger als 500 Tonnen, solche von 500 bis 1000, von mehr als 1000 Tonnen und solche mit schneller Uebernahme. Die politischen Grenzen sind fein punktirt eingestochen. Fr solche Kufer, welchen es auf eine deutliche Uebersicht der politischen Eintheilung der Erde ankommt, ist die Verlagshandlung erbtig. Exemplare nach den eingestochenen Grenzlinien zum Preise von 3 Mark koloriren zu lassen. Die Karte ist wie alle Karten des rhmlichst bekannten Verlages vorzglich klar ausgefhrt. Prof. Dr. Wilh. Ostwald, Lehrbuch der allgemeinen Chemie. II. Bd. 1. Theil: Chemische Energie. 2. umgearb. Aufl. Mit 77 Textfig. Wilhelm Engelmann. Leipzig 1893. Preis 3t M. Von dem gewaltigen Werk liegt ein incl. dem Register nicht weniger als 1104S. umfassender Theil der 2. Auflage vor, die der Autor trefflich, soweit sich Referent zu Orientiren vermochte, den neuesten Fortschritten anzupassen gewusst hat. Man darf wohl den in dem vorliegenden Theil behandelten Gegenstand als den interessantesten des ganzen Werkes bezeichnen. Gerade auf diesem Gebiete hat die Wissenschaft neuerdings vieles geleistet, und so sehen wir denn das von Ostwald gebotene Material gegen die 1. Auflage um das Doppelte vermehrt. Vllig neu sind die Abschnitte ber chemische Energie und ber Elektrochemie, welcher letztere nicht weniger als 500 S. einnimmt. Dass das Werk keine blosse Compilation sondern eine geistige That ist, braucht kaum betont zu werden. Der Gelehrte wird dasselbe nicht mir als Nachsehlagebuch benutzen knnen, sondern er wird aus ihm Anschauungen des Verfassers, die in manchen Punkten eigentmlich sind, kennen lernen mssen. Es ist unmglich auf diese Punkte im Einzelnen an dieser Stelle einzugehen, wir wollen nur noch die Disposition des Buches mittheilen. In der Einleitung werden besprochen Kaum, Zeit und Materie, die Energie und die Geschichte der Energetik. Es folgt dann der in 3 ,, Bcher" zer- fallende Haupttheil, nmlich 1, Buch Thermochemie, 2. Buch Elektrochemie, 3. Photochemie. Ein Autoren- und Sach-Register beschliessl die fleissige Arbeit. Handbuch der Physik. Herausg. v. Prof. Dr. A. Winkelmann. Mit Holzschnitten. 15 17 Lief. Eduard Trewendt. Breslau 1893. Villi dem Handbuche der Physik liegen wiederum drei Lieferungen (1517) vor, von denen das 15. und 17. Heft dem Bande 11 (Optik), die Lieferung 16 dagegen dem Bande III (Elektricitt und Magnetismus) angehren. Von einer eingehenderen Besprechung vor Absehluss eines Bandes nehmen wir Abstal und geben zur Orientirung nur kurz den Inhalt der Lieferung an. Es enthalten Lieferungen 15 und 17: Dioptrik in Med mit continuirlich variablem Brechungsindex. Scintillation, Spectra analyse, Photometrie, Fluorescenz, Phosphorescenz, chemiscl Wirkungen des Lichts, Interferenz des Lichts, Beugung i Lichts. Die Lieferung 16 behandelt: Elektrische Endosmose i Strmiuvsstriiine. Polarisation. Accumulatoren, Sach- und Namei register zu Band III erste Abtheilung; Magnetismus, Magnetiscl Messungen. G. F. Michelsen, Die bestimmten algebraischen Gleichungen de ersten bis vierten Grades. Nebst einem Anhang: Unbestimmt Gleichungen. Fr hhere Unterrichtsanstalten sowie fr de Selbstunterricht. Verlag von Carl Meyer (Gustav Prior). Hai nover 1893. Preis 4M. Das gute Buch bringt ausser der klaren methodischen l)ai Stellung des Gegenstandes auch eine Sammlung methodiscl geordneter Uebungsaufgaben. Jeder Reihe von Aufgaben geh eine Darstellung der zur Behandlung gelangten Gleichungsartei nach ihren wichtigsten Eigentmlichkeiten voraus, besonder erden immer die einfachsten Auflsungsmethoden zunchs theoretisch errtert. Einzig richtig erscheint dem Referentei fr ein Lehrbuch, dass die theoretischen, abstrakten Auseinander Setzungen an der Hand von Beispielen erlutert werden. & Brasch, Dr. Mor., Leipziger Philosophen. Leipzig. 5,20 M. Brass. Dr. Arnold, Atlas zur allgemeinen Zoologie und ver- gleichenden Anatomie. Leipzig. 16 M. Buddeberg, Dr., Bemerkungen ber Mnnchen von Apion ausi der Gruppe des Aaevigatum Payk. Wiesbaden. 0,40 M. Caspari II, Lehr. W.. Einiges ber Apatura Iris und ihre Ver- wandten. Wiesbaden. 0,40 M. Credner, H Zur Histologie der Faltenzhne palozoischer Stego- cephalen. Leipzig. 4 AI. Gerhardi, Dr. Karl Aug., Ueber die Ewigkeit der Ursachen aller Bewegung, einschliesslich der menschlichen Gedanken und Handlungen. Bielefeld. 1,50 M. Hellmannj Prof. Dr. G., Schneekrystalle. Berlin. 6 M. Knuth, Dr. Paul, Blthenbiologische Beobachtungen auf der Insel Capri. Kiel. 1 M. Koch, Dir. Dr. J. L. A Laienpsychiatrie. Ravensburg. 1 M. Kraus, Prof. Dir. Greg., Der botanische Garten der Universitt Halle. 2. Hft. Leipzig. 8 M. Geschichte der Prlanzeneinfhrungen in die europischen bo- tanischen Grten. Leipzig. 3 M. Kunze, Will. E , Ueber die quantitative Bestimmung und Trennung der Cacao Alkaloide. Wiesbaden. 1,20 M. Lang, Vikt. v., Krystallographisch-optische Bestimmungen IV. Wien. 1,20 M. Leonhard. Ch., Pflanzenphnologische Beobachtungen zu Wies- baden. Wiesbaden. 0,40 M. Marcuse, Dr. Adf., Die hawaiischen Inseln. Berlin. 9 M. Mller, G. E., u. F. Schumann, Experimentelle Beitrge zur Untersuchung des Gedchtnisses. Hamburg. ."> M. Pagenstecher, Dr. Arnold, Beitrge zur Lepidopteren-Fauna des malayischen Archipels. Wiesbaden. 2 M. Peter, Bruno v., III. Astronomische Ortsbestimmungen. Berlin. 22 M. Pfeffer, W., Druck- und Arbeitsleistung durch wachsende Pflanzen. Leipzig. 8 M. Reiss, W., u. A. Stbel, Reisen in Sd-Amerika. Berlin. Rmer, Conserv. Aug., ('atalog der Skelette- und Schdel-Samm- lung des naturhistorischen Museums zu Wiesbaden. Wiesbaden] 0,60 M. Sandberger, Dr. F. v., Zur Geologie der Gegend von Homburg v. d. Hhe. Wiesbaden. 0,80 M. Seitz, Dir. Dr. A., Eine lepidopterologische Reise um die Welt. Wiesbaden. 1.20 M. lerl h 1 : Inhalt: Dr. Maximilian Klein: Die Philosophie der reinen Erfahrung. (Mit einem Portrait). Verbreitung von Muscheln j durch Wirbelthiere. Buteo ferox in der Rheinprovinz erlegt. -- Die Herkunft der Ameisensure im Honig. Die tink-1 tionelle Unterscheidung verschiedener Kernbestandtheile und der Sexualkerne bei Pflanzen. Dr. Oskar Baumann's letzte I grosse Reise Durch Deutsch-Massailand und zur Quelle des Kagera-Nil." Weitere Mittheilungen ber Gnoskopin von T. undl 1. Smith & Co. Zur Chemie im Rl i. - Ueber den Zustand der Materie in der Nhe des kritischen" Punktes. Uebei atmosphrische Eloktricitt. - Ueber die Ursache der Sonnenflecken. -- Aus dem wissenschaftlichen Leben. -- Litteratur: Brockhaua' Conversations-Lexikon. Bechhold's Handlexikon der Naturwissenschaften und Medicin. Dr. Franz Daffnerl Die Voralpenpflanzen, Bume, Struche, Kruter, Arzneipflanzen, Pilze. Kulturpflanzen, ihre Beschreibung, Verwerthung und] Sagen. A. Engler u. K. Prantl: Die natrlichen Pflanzenfamilien. -- Prof. Dr. Rudolf Credner : Rgen. Deutsche Weltkarte zur Uebersicht ihr Meerestiefen und Hhenschichten, unterseeischen Telegraphen-Kabel und Ueberland-Telegraphen, sowie ,1er Kohlen-Stationen und Docks. Prof. Dr. Wilh. Oetwald: Lehrbuch der allgemeinen Chemie. II. Bd. 1. Theil: Chemische Energie. Handbuch der Physik. P. Michelsen: Die, bestimmten algebraischen Gleichungen des ersten bis vierten ( '.lade-. Liste. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift, 15 188 sag Die Insekten-Brse jetzt vereinigt mit Sammler -Brse" : Offertenbtatt ist fr Eutouioloireir' und Sammler' das hervorragendste Blatt, welches wegen der belehrenden Artikel sowie seiner internationalen und grossen Verbreitung betreffs Ankauf, Verkauf und Umtausch aller Objekte die weitgehendsten Erwartungen erfllt wie ein Probeabonnement lehren drfte. Zu beziehen durch diePost(ZeitungslisteNo.3135) und die Verlags-Buehhandlung Frankenstein & Wagner, Leipzig, Augustusplatz 1. Abonnement bei Zusendung unter Kreuzband in Deutschland u. Oesterreich 1 Mk., nach anderen Lndern dos Weltpostvereins 1 Mk. 20 Pfg. = 1 Shilling 2 Pence = 1 Fr. 50 Cent. JMS >'W? JMS m >MS >'W? *MS JMJ W >.MS So? >MS SO? >.MS SO? >;--x >:;< :'ms So? JMS I I I I I I I I I I II I I I I I I I | I I I I I | | | L Vor Kurzem erschien: Protuberanzen, Meteoriten, Weltennebel I und Kometen. Von L. Graf von Pfeil. 33 Seiten gr. 8". 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Beilagennach Uebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Zwei Nachtschattenarten des nordamerikanischen Prairiegebiets als Adventivpflanzen in Europa. Von P. Ascher so n. Der sich (trotz aller Schutzzolltarife) ber stets wei- tere Kreise erstreckende Welthandel begnstigt auch den Austausch von Pflanzen (und Thieren) der entlegensten Gebiete in einein frher nicht geahntem Maasse. Waren frher nur verhltnissmssig werthvolle Pro- duete, deren hoher Preis ein sorgfltiges Einsammeln und Reinigen an Ort und Stelle erforderte und lohnend machte, Gegenstand des internationalen Verkehrs, so er- halten wir jetzt in ungezhlten Schiffs- und Waggon- ladungen die Rohstoffe unserer Kleidung und tglichen Nahrung aus entfernten Welttheilen. Vor allen anderen kommen hierbei zwei Waarengattungeu in Betracht: Wolle und Getreide. Die reiche Adventivflora, welche an Pltzen erscheint, wo die nach ihrer physikalischen Beschaffenheit so sehr zum Auffangen und Festhalten von Pflanzenfrchten und -Samen, auch solchen, die nicht mit besonderen (Klett-) Vor- richtungen versehen sind, geeignete Schafwolle gereinigt wird, erregte schon in der ersten Hlfte des Jahrhunderts die Aufmerksamkeit sdfranzsischer Botaniker. Delile, der hochverdiente Erforscher der gyptischen Flora, be- schrieb whrend seiner langjhrigen Lehrthtigkeit in Montpellier in den Samenkatalogen des dortigen botanischen Gartens zahlreiche neue Arten von den Wolhvaschpltzen des Port Juvenal, deren orientalische oder sdamerika- nische Heimath vielfach erst spter nachgewiesen wurde, oder deren Herkunft zum Theil noch heut unermittelt ist, Spter haben sich Floristen ersten Ranges wie Godron*) und Cosson**) mit dieser P^lorula Juvenalis" beschftigt, die jetzt allerdings seit Jahrzehnten verschwunden ist. Schon 1879 fand ich keine Spur derselben mehr. *) Florula Juvenalis. Montpellier 1853. **) Bull. Soc. Bot. France 1859, S. 605 ff. Vgl. auch ber die Adventivtfora des benachbarten Agde G. Lespinasse et A. Theveneau 1. c. S. 648 u. ff. Was aber an den sonnigen Gestaden des Mittelmeers nur noch in der Erinnerung Fortlebt, sollte unerwarteter Weise im Herzen unseres Vaterlandes wieder auferstehen. Ich meine hier nicht das seit Decennien in den Tuchfabrikstdten der Lausitz und der angrenzenden Theile Sachsens, der Mark und Schlesiens seit 1835, sowie auch gleichzeitig bei Aachen und Verviers beobachtete vereinzelte Auftreten von Xanthium spinosum*), mehrerer Medicago-Artcn und anderer Wollkletten"**), sondern die erstaunlich reiche Flora der Dhrener Wollwscherei bei Hannover, aus der erst einige der hervorragendsten Neuigkeiten in den Floren- berichten der Deutscheu Botanischen Gesellschaft seit 1889 mitgetheilt worden sind. Nicht minder bekannt sind seit 23 Jahrzehnten die zahlreichen fremden Ankmmlinge, welche an Pltzen er- scheinen, wo fremdes Getreide ausgeladen, aufgespeichert, gereinigt oder wohin die Abflle dieser Operationen ver- bracht werden. An den Gterbahnhfen und Hafen- anlagen der grossen Verkehrsmittelpunkte, wie Mnchen, Zrich, Mannheim, Hamburg, in den Umgebungen grsserer und kleinerer Mhlen (selbst an bescheidenen Windmhlen, wie der Bassumer, zu der mich vor Jahren Freund Beck- mann fhrte), hat sich an zahlreichen Orten Mittel Europas eine bunte Pflanzengesellschaft eingefunden, deren Mitglieder das gesainmte Gebiet vertreten, welches den Ueberschuss seiner Getreideernten, namentlich von Roggen und Weizen, auf unsere Mrkte wirft. Die Pflanzen des sdosteuropischeu Steppengebiets, aus Ungarn und Sd- russland bildeten anfangs die Gesamnitheit und bilden auch heut noch die tonangebende Mehrzahl dieser Ad- ventivflora. Indess vermehren sich von Jahr zu Jahr die *) Weimann in Yerhandl. Schles. Ges. 1835, S. 102 und Natur 1859, S. 256. **) Wittmack. Verhandl. bot. Ver. Brandeub. 1875, Sitzungs- ber. S. 11. 18 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2 fremden Gste, die ihre Heimath in viel weiter entlegenen berseeischen Gebieten haben. Die bei Hamburg' ge- fundenen Trigonella hamosa L. *) und T. laciniata L.*) sind an den Ufern des Nils zu Hause; die eben dort beobachtete Arenaria (Lepyrodiclis) holosteoides (C.A.Mey.) Edgew. *) und der bei Mannheim und Berlin beobachtete Asphodelus tenuifolius Cav., dessen Samen Wittmack und ich schon vorher unter indischem Weizen erkannt hatten und die bei Rdersdorf unweit Berlin aufgetretene Poa diaphora Triu. (songorica Boiss.)**) deuten wohl auf Nordwestindien, die bei Mannheim, Hamburg und Oranien- burg 1893 gefundene Amsinckia angustifolia Lehm.***) auf Chile. Schon vor 10 Jahren traten in Mannheim eine An- zahl californischer Pflanzen auff). Erst in neuester Zeit indess legen die in der Ueberschrift gemeinten beiden Solanum-Arten davon Zeugniss ab, dass die Steppenland- schaften im Herzen des nordamerikanischen Festlandes, welche meine Altersgenossen wohl zuerst aus den Er- zhlungen Cooper's als die Jagdgrnde der Chirokesen und Pawnees, als die Tum- melpltze des Bison und des Prairiehundes" kennen ge- lernt haben, gegenwrtig bei der Versorgung Europas mit Brotkorn eine von Jahr zu Jahr bedeutsamer werdende Rolle spielen. Zunchst zwar hat sich fr das bezeichnete Gebiet die Einbeziehung in den Welt- verkehr durch das verw- stende Auftreten eines euro- pischen Unkrautes ff) aufs empfindlichste fhlbar ge- macht, wie denn berhaupt die europischen Acker- und Schuttpflanzen, die sogenann- ten Unkruter" nicht minder an Lebenskraft und Vermehr- ungsfhigkeit sich den in Amerika einheimischen ber- legen zeigen, als der euro- pische Mensch sich dem amerikanischen gegenber bewiesen hat. Indess wre es nicht ganz unmglich, dass wenigstens die eine der beiden Solanum-Arten bestimmt ist, diese Schdigung ihrer Heimath an dem Vaterlande der russischen Distel" sofort nach dem Princip des jus talionis heimzuzahlen. Betrachten wir in- dess zunchst die bis jetzt festgestellten Thatsachen. Um mindestens ein oder vielleicht einige Jahre frher drfte die weniger auffllige und harmlosere der beiden Arten, Solanum trifiormn Nutt. zu uns gelangt sein. Solanum rostratum Dun. Ein Zwei der Pflanze, etwa /, der natrlichen Grsse. Nach der Natur nach dem Exemplar des Herrn Apotheker Rave in Billerbeck. Links oben Seitenansicht der Bliithe (etwas verkleinert) nach R. v. Wettstein in Engler-Prantl, Nat. Pflanzen- familien IV. S. 22. *) Timm in Ber. D. Bot. Ges. 1887, S. CHI, 1888, S. CXXIII. **) Behrendsen, Abh. Bot. Ver. Brandenb. 1888, S. 284. Ascherson a. a. 0., S. 286. ***) Ascherson bei Mez, Ber. D. Bot. Ges. 1886. S. CLXXXV. Timm a. a. 0. 1887. S. CHI. t) Ascherson, Verh Bot. Ver. Brandenb. 1888. S. XXXI. tt) Eine von der in unserer mrkischen Heimath vorkommen- den kaum zu unterscheidende Form von Salsola Kali L. ist als russi- seheDistel", neuerdings ein Schrecken der amerikanischen Landwirt he geworden; vergl. L. H. Dewey, The Russian Thistle and other troublesome -\veeds in the wheat regions of Minnesota and North and South Dakota. U. S. Departement of Agrioulture. Farmer's Bulletin No. 10. 1893. Bemerkenswertherweise ist in der krzlich erschienenen Flora des Minnesota-Flussgebietes vonConway Mac Mi 1 lau (The Metaspermae of the Minnesota Valley 1892, p. 213) eine andere Variett der S. Kali, var. caroliniana (Walt.) Nutt. als einheimisch angefhrt Uebrigens ist Salsola Kali auch in den russischen Steppen ein zuweilen recht lstiges Unkraut Vergl. Krnicke und Werner, Handbuch des Getreidebaues I. Seite 389. Diese Pflanze gehrt, wie unser allgemein bekannter, kos- mopolitischer schwarzer Nachtschatten, S. nigruni L. in die Gruppe Morella Dun. der Section Pachystemonum Dun. und ist im Bau der Blthen und Frchte nicht wesent- lich von dieser Art verschieden. Die sprlich, an den Blthenstnden etwas dichter behaarte Pflanze unterscheidet sich allerdings auffllig von derselben durch die mehr an die mancher Crueiferen und Cichoraceen, z. B. des ge- meinen Lwenzahns erinnernde Blattform. Die lang- gestielten, im Umriss lnglichen Bltter sind tief- fieder- spaltig, die ziemlich entfernten durch stumpfe Buchten getrennten, lnglich-lauzettliehen, spitzen Abschnitte ganz- randig oder mehr oder weniger gezhnt. Die Blthen- stnde sind viel armblthiger als bei S. nigruni; die durch den Artnamen angedeutete Dreizahl ist das Maximum, das aber hutig auf die 2- oder 1-Zahl herabsinkt; die Blthenstielchen sind zur Fruchtzeit, wie bei Galium tricorne With. hakenfrmig zurckgekrmmt; die reifen Beeren grn, betrchtlich grs- ser als bei S. nigruni. Als Hei- mathgebiet dieser Art werden von A s a G ray Synoptical Flora of North America. Vol. II, Part. I, 1878, S. 227, die Hochebenen vom Saskatchawan bis Neu- Mexico angegeben und die Pflanze als ein besonders in der Nhe bewohnter Orte und auf cultivirtem Boden vorkommen- des Unkraut bezeichnet. In der neueren, mir nur durch den bota- nischen Jahresbericht von Just- K o e h n e (im Folgenden B. J. ab- gekrzt) zugnglichen Littera- tur habe ich nur eine Angabe gefunden, nach welcher die- selbe auch dort durch ihre zu- nehmende Verbreitung sich bemerkbar gemacht hat: F. W. Anderson: Solanum tri- florum (Botanical Gazette XII, 1887, S. 296) bemerkt, dass diese Art seit 5 Jahren immer hufiger im nrdlichen Montana auftritt. (B. J.XV, II, S.241). In Deutschland, und soviel mir bekannt, in Europa wurde S. triflorum zuerst in der oben erwhnten Dhrener Woll- wscherei im Oktober 1890 vom Seminarlehrer F. Alpers beobachtet, der unter den zahlreichen Freunden der ein- heimischen Flora in Hannover am eifrigsten auf die dor- tigen fremden Gste fahndet. 1891 sammelte dasselbe Lehrer A. Junge in Hamburg bei Winterhude, und im Herbst 1892 Lehrer K. Bahr im Hafengebiet bei Mannheim (vergl. Ascherson, Ber. D. Bot. Ges. 1892, S. (82), (86). Ungleich bemerkenswerther in jeder Beziehung ist die zweite zu besprechende Art, Solanum rostratum Dun., von welcher der hier gegebene Holzschnitt eine hin- reichende Vorstellung gewhren wird. Diese Art gehrt in die Section Nycterium Vent. und ist sehr nahe verwandt mit der als Zierpflanze in unseren Grten befindlichen, hier und da in Europa*) auch ver- *) Deutschland: Potsdam : Bornstedt Matz nach Bttner. Abh. Bot. V Brandenb. 1883, S. 46; Kottbus: Branitz Frst Pckler; Boitzenburg i. d. Uckermark, Zander; Kreuznach Ascherson, Fl. der Prov. Brandenburg I (1864), S. 454. Oester- reich-Ungarn: Pola in Sd-Dtrien an zwei Stellen 1874Freyn, Abh. Zool. Bot. Ges. Wien 1877, S. 384. Ragusa Sodiro nach Visiani, Suppl. Fl. Dalmat. (1872), S. 125. Italien: Florenz 1862, Bolle nach Caruel Prodr. Fl. Toscana, S. 469 (1863). Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 19 wildert vorgekommenen Art, die mein unvergesslieher Lehrer A. Braun im Samenkatalog' des Freiburger Gartens 1849 unter dem sehr bezeichnenden Namen S. citrulli- folium beschrieb, die aber, wie schon Visiani a. a. 0. vermuthete und A. Gray (Synopt. Flora II, I, S. 231) bestimmt behauptet, mit dem frher beschriebenen S. hete- rodoxum Dun. zusammenfallt. Beide Arten unterscheiden sich indess schon auf den ersten Blick durch die Farbe der Blumenkrone, die bei S. heterodoxum schn blau, bei S. rostratum aber lebhaft gelb ist; ausserdem auch durch die Behaarung, die bei der ersteren Art grsstenteils aus einfachen rsenhaareu, bei der letzteren ausschliess- lich aus Sternhaaren besteht. Im brigen haben beide Arten die meisten Merkmale gemein. Sie haben einen bis 1 m hohen, stigen Stengel, langgesticlte, unregelmssig, zuweilen unterbrochen-fiedertheilige bis -schnittige Bltter mit am Grunde verschmlerten, oben breiten stumpfen, genherten Abschnitten, die gleichfalls durch gerundete Buchten getrennt sind, reichbltliige, trugdoldige Blthen- stnde, ansehnliche Blthen mit zygomorpher Blumenkrone und vllig freien, sehr ungleichen Antheren, von denen vier gleich lang sind, whrend die fnfte, etwas ge- krmmte sie fast um das Doppelte berragt. Das nur um ein Jahr jngere Synonym des S. rostratum, S. hete- randrum Pursli bezieht sich auf diese Eigenthmlichkeit. Die ganze Pflanze, besonders dicht aber der Stengel und der Kelch, welcher nach der Blthe weiter wchst und die beerenartige Frucht vollstndig einschliesst, sind mit nadeifrmigen, gelblichen Stacheln bedeckt. Bei S. rostra- tum sind die Bltter meist nur einfach -fiedertheilig, die Abschnitte sind aber fters getheilt, so dass das Blatt fast doppelt-fiedertheilig erscheint, wie dies bei S. hete- rodoxum, dessen Bltter allerdings auffllig an die der Wassermelone erinnern, die Regel ist. Beide Arten be- wohnen Mexico und die angrenzenden Prairieen von Neu- Mcxico und Texas; das Wohngebiet des S. rostratum er- streckt sieh aber viel weiter nach Norden, nach A. Gray (a. a, 0. 1878, S. 231) bis Nebraska, Es ist brigens noch in den Vorbergen des stlichen Colorado gemein nach N. L. Britton (Notes on the Autumn Flora of Sou- thern Wyoming and Eastern Colorado. Bull. Torr. Bot. Club IX, 1882, S. 156 nach B. J. X, II, S. 416). Indess scheint die Pflanze ihr Gebiet durch eine rasch vor- schreitende Wanderung nach Osten auszudehnen. Ob die- selbe in dem unmittelbar stlich an Nebraska grenzen- den Staate Iowa einheimisch oder erst neuerdings ein- gewandert ist, darber sind die einheimischen Beobachter selbst verschiedener Meinung. B. . Halsted (Prelimi- nary List of the weeds of Iowa in Bull. Botan. Dep. of the" State Agric. Coli. Arnes. Ia. 1888; nach Bot. Centr. XXXVI, bezw. B. J. XVI, II, S. 152) giebt das Erstere an, L. H. Pammel (Report of the Dep. of Bot. etc. 1888 and 1889 nach Bull. Torrey Bot. Club XVII, S. 224 bezw. B. J. XVII, II, S. 113) das Letztere. Sicher ist dagegen die Einwanderung nach Missouri, wo bereits 1882 Frank Bush (Notes from Independence, Mo. Bot. Gaz. VII, S. 24 nach B. J. X. II., S. 415) diese Art, die schon ganz wie einheimisch erscheine, eine wahre Pest an Wegen und Strassen nennt. 1890 sagen Sereno Watson und Coulter in der von ihnen besorgten 6. Auflage von A. Gray's Manual of the Botany of the Northern States, S. 374, dass S. rostr. sich ostwrts bis Illinois und Tennessee verbreite. In letzterem Staate wird es schon 1877 von Th. Median (Proc. Acad. Sc. Philadelphia, S. 277 nach B. J. VI, S. 1030) erwhnt, welcher angiebt, dass er zu- erst stlich vom Mississippi bei Nashville beobachtet worden sei. Aber auch in den atlantischen Staaten ist es in den letzten Jahren mehrfach beobachtet worden, so im st- lichen Massachusetts von C. N. S. Homer (Notes on some introduced plants in Eastern Massachusetts Bull. Torr Bot Ol. XIV 1887, S. 219 nach B. J. XV. II., s. 234) und bei Waverley, New- York von C. F. Milspaugh (Sola- num rostratum a. a. O.XVI, 1889, S. 1 :'(', nach 15. J . X \ II. II., S. HO). Dass die Pflanze in den westliehen Staaten stellenweise ein sehr lstiges Unkraut ist, wird auch ausser der erwhnten Aeusserung von Bush noch mehr- fach bezeugt. So bezeichnet sie Halsted a. a. < . als ein sehr schdliches Unkraut in Iowa, und erwhnt sie noch einmal in einer besonderen Verffentlichung ber die schlimmsten Unkruter der ganzen Vereinigten Staaten (Our worst weeds. Bot. Gaz. XIV, 1889, S.6971 nach B. J. XVII. II., S. 103). Nach 0. E. Bessey A Few Notable Weeds of the Nebraska Plains. Amer. Natural. XXII 1888, S. 11141117 nach B. J. XVII, II., S. 114 be- deckt sie namentlich im sdlichen Mittel-Nebraska weite Strecken und ist dort als Buffalo bur (Bffelklette) be- kannt. Wir sehen aus dem Vorstehenden, dass S. rostratum ein ungemein verbreitetes und sehr expansionsfhiges [H kraut in den westlichen Staaten der Union und neuer- dings auch im Mississippi -Thale geworden ist. Es kann daher nicht befremden, dass dasselbe auch den Weg nach Europa gefunden hat, seitdem gerade diese Gebiete in den Bereich des dorthin gerichteten Exporthandels ge- zogen sind. Dass eine so auffllige Pflanze sofort bei ihrem ersten Auftreten bemerkt wurde, ist gleichfalls fast selbstverstndlich. Dass aber eine so grosse Anzahl von Fundorten (in den kaum drei Monaten, seitdem unsere Aufmerksamkeit auf die Pflanze gerichtet ist, sind deren schon neun zusammen gekommen) so schnell zu unserer Kenntniss gelangt ist, verdanken wir hauptschlich der von dem hochgeschtzten Herausgeber dieser Zeitschrift mit der ihm eigenen Energie durchgefhrten Einrichtung der Pflan- zenbestimmungen". Seit einer Reihe von Jahren ertheilt derselbe den Lesern der Pharmaceutischen Zeitung" (Berlin) Auskunft ber eingesandte Gegenstnde aus dem Pflanzen- reiche, und in anschaulicher und zutreffender Weise hat Herr Dr. H. Potonie in einer von ihm in der genannten Zeitschrift ber das Auftreten des S. rostratum verffent- lichten vorlufigen Mittheilung*) dargelegt, wie durch diese Einsendungen von Botanophilen, die, mit Vorkenntnissen ausgestattet, neue Erscheinungen und Seltenheiten zu be- urtheilen verstehen", jhrlich eine Anzahl der wissenschaft- lich werthvollsten Thatsachen an eine Centralstelle gelangt. Ich rechne es mir zu hoher Ehre, zuweilen an der Beant- wortung dieser Anfragen mich betheiligen zu drfen, und habe dankbar der Aufforderung meines verehrten Freundes entsprochen, die Bearbeitung des interessant gewordenen Falles" zu bernehmen. Ich muss indess vorausschicken, dass mein verehrter College Professor K. Schumann es war, der das fragliche Solanum, das Herrn Dr. Potonie von vier verschiedenen Orten aus West-Deutsch- land zugesandt worden war, zuerst richtig bestimmt hat; ich selbst fand es alsdann in zwei Proben, denen sich in den letzten Wochen noch eine dritte beigesellte, unter den mir von verschiedenen Seiten zur Bestim- mung zugesandten Adventivpflanzen. Die unmittelbare Folge von Dr. Potonie's Verffentlichung war sodann die Bekanntgabe des Auftretens derselben Art in Dne- mark in dem dortigen Blatt des Apothekergehlfen- vereins"**), sowie die Einsendung der Pflanze an mich von noch einer Oertlichkcit des Oberrheingebiets. *) H. Potonie, Die ursprngliche Wirthspflanze des Colorado- kfers wandert bei uns ein! (Pliarmacoutische Zeitung, XXXVlll. Jahrg., No. 84, 21. October 1893, S. 653, 654.) **) 0. Gelert, En ny Ukrudtsplante fra Amerika. (Bind fr Pharmaceutisk Medhjaelperforening, 4de Aargang, No. 3, 1. No- vember 1893, S. 40, 41.) 20 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2 Die bis jetzt bekannten neuen Fundorte lassen sich ungezwungen in drei Gruppen eintheilen, von denen die erste das Oberrheingebiet, die zweite das niederrheinisch- westflische Industriegebiet, die dritte die Umgebungen der Nord- und Ostseehfen umfasst. I. Oberrheingebiet. 1. Als die Einbruchsstelle" der Einwanderung muss jedenfalls das auch sonst durch Reichthum an Ad- ventivptlanzen (s. oben S. 18) ausgezeichnete Mann- heimer Hafengebiet betrachtet werden. Hier fand Lehrer K. Bahr die Pflanze zuerst 1891 in ver- einzelten Exemplaren und sandte sie sodann im folgenden Jahre an mich ein; 1893 ist die Pflanze im ganzen Hafengebiet in grosser Menge zu sehen gewesen. Dies ist bis jetzt die einzige Stelle, an der die Pflanze mehrere Jahre hinter einander beob- achtet worden ist, und wo anscheinend eine Re- produetion aus hier gereiftem Samen stattgefunden haben drfte. Freilich ist auch hier die Mg- lichkeit einer wiederholten Einschleppung, auf der ja vielfach die scheinbare Constanz der Adventiv- floren beruhen drfte*), keineswegs ausgeschlossen. 2. A ehern im Grossherzogthum Baden, Anfangs Sep- tember 1893 in einem Exemplare auf einer Wiese vom Apotheker Otto Leibin ger gefunden und au Dr. Potonie eingesandt. 3. Darm Stadt. Im August 1893 bei Eberstadt vom Chemiker Dr. Rahn gleichfalls vereinzelt gefun- den, von dem Procuristen der Firma E. Merck, E. Lettermann, mit Bezugnahme auf den Potonie- schen Artikel in der Pharm. Zeit, au mich gesandt. 4. St. Goarshausen a. Rh., im September 1893 vom Apotheker G. Kaiser au Dr. Potonie gesandt, frher dort noch nicht gesehen. II. Nie d errheinisch- westflischer Industriebezirk. 5. Oberhausen a. d. Ruhr. Mitte August 1893 Herrn Oberlehrer F. Meyer von seinen Schlern gebracht und von demselben mir bersandt. G. Kettwig, Anfang September 1893 vom Lehrer Griesang an der dortigen evangelischen Volks- schule in einem Exemplare auf einem gepflasterten Wege an der Ruhr gefunden, vom Apotheker H. Du ring an Dr. Potonie gesandt. 7. Billerbeck, R.-B. Mnster. Diesen Fundort glaube ich, obwohl nicht gerade im Industriegebiet ge- legen, an diese Gruppe anreihen zu mssen, fr welche er dann die lteste Beobachtung darstellt. Apotheker Ad. Rave fand die Pflanze im Spt- sommer 1892 einzeln verwildert" und sandte sie an Dr. Potonie ein. (Vergl. die Figur.) III. Nord- und Ostseehfen. 8. Hamburg. Von Dr. Dietrich im Sommer 1893, anscheinend auch nur in einem Exemplare bei Eppendorf gefunden, mir vom Oberstabsarzt Dr. P. Prahl zur Ansicht eingesandt. 9. Kopenhagen. Voustud.mag.Ostenfeldt-Hansen auf der Insel Amager (auf der bekanntlich ein Theil der dnischen Hauptstadt steht) beobachtet, von 0. Gelert in Folge der Potonie'schen Mittheilung erkannt (0. Gelert a. a. 0.). Zweifellos wird mit den mitgetheilten Beobachtungen die Zahl der gemachten Wahrnehmungen noch nicht er- S. 134 ) Vergl. P. Ascherson, Abb. Bot. Ver. Brandenb. 1890, schpft sein und ebenso unzweifelhaft werden manche An- siedlungen des neuen Ankmmlings von keinem Botaniker bemerkt worden sein. Ebenso zweifellos scheint es, dass wir auch in den nchsten Jahren noch fter von dem Auftauchen der Bffelklette" in Europa hren werden. Eine andere Frage ist es aber, ob wirklich, worauf Dr. Potonie wenigstens hypothetisch die Aussicht erffnet, die Gefahr droht, dass unsere Pflanze auch bei uns sich als Unkraut lstig machen knnte, so dass er sogar schon an Vertilgungsmaassregeln denkt. Es ist natrlich stets ein missliches Ding, den Propheten zu spielen. Indess glaube ich mich doch berechtigt, diese Befrchtungen fr einigermaassen verfrht zu halten. Vorlufig sorgen die botanischen Beobachter noch dafr, dass der auffllige Gast, wo er sich blicken lsst, dadurch unschdlich ge- macht wird, dass er in ihre Herbarien wandert. Wo das nicht durch erwachsene Botanophilen geschieht, wird die wissbegierige oder selbst die muthwillige Jugend der fremdartigen Pflanze den Garaus machen. Das Beispiel des nahe verwandten S. hetorodoxum, das unseres Wissens von allen den oben erwhnten Stellen bald wieder ver- schwunden ist, stellt der Einbrgerung des S. rostratum kein allzu gnstiges Prognostikon. Allerdings reicht die Heimath der blaublthigen Art um einige Breitengrade weniger weit nrdlich als die der gelbblhenden. Indess auch diese bedarf, um ihre Samen zu reifen, eines heissen, trocknen Sptsommers, wie er im continentalen Innern von Nordamerika herrscht, bei uns aber in den seltensten Fllen geboten wird. Eher wre fr eine solche Ein- brgerung im Mittelmeergebiet, wo unsere Pflanze meines Wissens noch nicht aufgetreten ist, Aussicht. Sie knnte sich dort dem sdafrikanischen gleichfalls stachligen S. sodomaeum L. beigesellen. Mehr als Mittel- und Nord- Europa drften auch Ungarn und Sdrussland bedroht sein, wo das bei uns an unzhligen Orten aufgetretene aber nirgends festen Fuss fassende Xanthium spinosum*) eine Landplage geworden ist. Wenn das Beispiel des S. heterodoxum nicht ganz zutreffend sein sollte, so darf ich wohl an die in den 60er und 70er Jahren stellenweise unter amerikanischem Rothklee massenhaft aufgetretene Ambrosia artemisiifolia L.**) erinnern, die gleichfalls spt blhend und schwer ihre Samen reifend, sich kaum irgend- wo mehrere Jahre hinter einander erhalten hat. Ob der Mannheimer Fall eine andere Perspective erffnet, mssen weitere Beobachtungen lehren. Jedenfalls, und darin hat Dr. Potonie sicher Recht, sollte die Pflanze dennoch eine gefahrdrohende Ausbreitung zeigen, so wrde es ver- hltnissmssig leicht sein, sie wieder auszurotten, da sie bei ihrem fremdartigen Aussehen schon frhzeitig von allen einheimischen Pflanzen leicht unterschieden werden kann und so spt zur Blthe bezw. Samenreife gelangt. Uebrigens ist S. rostratum noch in mehrfacher anderer Hinsicht als wegen seines Auftretens als Wanderpflanze und lstiges Unkraut bemerkenswerth. Wie Freund Potonie im Titel seiner Mittheilung angedeutet hat, ist diese Pflanze, die, wie wir ja oben sahen, bis in die Thler Colorados verbreitet ist, die ursprngliche Nhrpflanze des gefrch- teten Kfers, der von ihr, als die Besiedelung den Wohn- bereich des bisher unbeachteten Insects erreichte, auf die *) Vergl. Reissek in Abb. Zoolog. B. f. Ges. Wien, 1860, S. 105 ff. E. Ihne, XIX. Bor. Oberhess. Ges. f. Natur- u. Heil- kunde, 1880, S. 80 ff. V. v. Borbas, A szerbtvis hazja es vndorlasa (de origine et itineribus Xanthii spinosi oocultis). Math, es terinesz. kzlemenyek vonatkozolag a hazai viszonyokra. Kiadja a magyar tud. akad. math. es term. all. biz. XXV kiit. v. szam. Budapest 1893. Hoffentlich erfolgt bald eine deutsche Be- arbeitung dieser fleissigen und inhaltreichen Arbeit. **) Vergl. Wittmack, Annalen der Landwirthschaft in den Kgl. preuss. Staaten No. 68, 23. August 1873. P. Ascherson, Bot. Zeitung 1874, Sp. 769 ff. Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 21 Kartoffelfelder berging und bald, deu grssten Tlieil der Vereinigten Staaten berziehend, bei seiner beispiellosen Gefrssigkeit, Vermehrung und Lebenszhigkeit unsg- lichen Schaden anrichtete. Es ist in frischer Erinnerung, dass vor zwei Decennien auch Europa und speciell unser Vaterland durch das Eindringen dieses Schdlings in Schrecken versetzt wurde, dass es aber gelang, die schon weit gediehene Ansiedlung des Kfers am Rhein und in der Provinz Sachsen wieder zu vernichten. Mit Hinblick auf diese Thatsache sagte Th. Meehan (vergl. oben S. 19) von der ersten Ansiedlung des S. rostratum stlich vom Mississippi: Der Kartoffelkfer hat seine Nhrpflanze verlassen und diese folgt ihm jetzt nach", ein Ausspruch, der auf unsere Heimath glcklicher Weise keine Anwen- dung findet.*) Recht bemerkenswert!] sind auch die Bestubungsver- hltnisse in den Blthen unserer Pflanzen. Prof. J.E.Tod d** in Tabor, Iowa, hat den Vorgang bereits vor mehr als einem Jahrzehnt beschrieben. Die Blthen sind bei ihrer Entfaltung seitwrts gerichtet und der an der Spitze auf- wrts gekrmmte Griffel, der ungefhr ebenso lang ist als die lange, ebenso gekrmmte Anthere, wendet sich nach der dieser entgegengesetzten Seite der Mediane; in einigen Blthen steht die Anthere nach links, der Griffel nach rechts (wie in unserer Abbildung), in anderen umgekehrt. In einer Wickel sollen die gleichzeitig geffneten Blthen nach Todd stets gleichwendig, auf einem Stocke da- gegen rechts- und linksgrifflige Blthen annhernd in gleicher Anzahl vorhanden sein. Die Blthen werden von Pollen sammelnden Hummeln besucht, die sich auf den beiden langen Geschlechtsorganen niederlassen ; in einer Blthe, deren Griffel nach links gerichtet ist, behaftet sich die Hummel daher auf der rechten Hlfte ihrer Unter- seite mit Pollen, den sie beim Besuch einer rechtsgriff- ligen Blthe auf deren Narbe bertrgt. Auf diese Weise ist Kreuzliefruehtung mindestens unter Blthen ver- schiedener Inflorescenzen gesichert, Autogamie aber und Kreuzung von Blthen derselben Wickel unmglich. Der Pollen der vier kurzen Antheren wird von der Hummel eingesammelt und dient nicht der Bestubung. Ganz hn- lich doppelwendige Blthen besitzt Cassia Chamaecrista, bei der aber die lange Anthere durch ein einwrts ge- bogenes Blumenblatt vertreten wird, das dem Griffel gegenbersteht und auf welches whrend des Sammeins Pollenkrner fallen. Dieser Bestubungsvorgang hat unseren unvergessliehcn H. Mller, der sich damals gerade mit der Functionstheilung unter verschieden ge- bauten und gefrbten Staubblttern beschftigte, so inter- essirt, dass er kurz vor seinem Tode noch auf denselben zurckgekommen ist ***). Anhangsweise sei noch erwhnt, dass eine andere stachlige Solanum-Art, das in Sd-Amerika verbreitete S. sisymbrifoliumLam. f ), ebenfalls im Herbst 1893 aus dem rheinisch-westflischen Industriebezirk an Dr. Potonie ein- gesandt wurde. Apotheker Friedr. Kaeder fand auf ausgebaggertem Ruhrkies bei Steel e ein Exemplar dieser *) Wenig bekannt drfte sein, dass R. rostratum noch einen zweiten, nahe mit der Doryphora decemlineata verwandten Kfer ernhrt: Leptinotarsa undecimlineata Stl. Vergl. Duges in Ann. Soc. Entom. Belg. XXVIII (18S4) S. 1 ff. nach B. J. XIII. II, S. 582. **) On the flowers of Solanum rostratum and Cassia Chamae- crista (Amoric. Natural. Apr. 1882, S. 281 ff. nach B J. IX. I. S. 514). ***) Arbeitstheilung bei Slaubgefssen von Pollenblumen, Kosmos VII (1883), S. 241259 (nach B. J. XI. I. S. 173) f) Kerner, (Pflanzenleben II, S. 439), fhrt dies.. Art, ausser der schon erwhnten S. sodomaeum unter denjenigen Pflanzen auf, deren Frchte durch stachlige Hllen gegen Angriffe von Thieren geschtzt sind. Dies gilt natrlich auch fr S. rostra- tum und S. heterodoxum. stattlichen Pflanze, welche am Stengel, auf den grossen unten gefiederten, oben fiederschnittigen Blttern und den Blthenstielen und Kelchen zahlreiche schlankkegelfrmige feurig-gelbrothe Stacheln trgt. 1 *ie w rissen oder hellblauen Blthen enthalten 5 freie, aber gleich lange Antheren. Diese Art ist in den botanischen Grten verbreitet und wohl auch in denen einzelner Privater zu finden. Ausser ihrer eigenartigen Tracht empfiehlt sie sich auch durch die etwas suerlich aber nicht unangenehm schmecken- den, rothgelben Frchte. In diesem Falle ist es also nicht unwahrscheinlich, dass es sich um einen Garten- flchtling handelt, obwohl ein directer Import aus der Heimath auch nicht ausgeschlossen ist. Haben doch z. B. Dr. Prahl und andere Botaniker Hamburgs seit 1891 eine Adventivlocalitt bei den Altonaer Wasserwerken unterhalb Blankenese ausgebeutet, an der mit brasiliani- schen Kaffee- Abfllen zahlreiche sdamerikanische Pflanzen, u. a. auch zwei Solanum-Arten, S. guineense Lam. und S. nodiflorum Jacq., beide zur Gruppe Morella gehrig, aufgetreten sind*). Nachschrift. Vorstehende Zeilen waren bereits dem Druck ber- geben, als ich die Decembernummer 1893 der in New- York von Dr. Fr. Ho ff mann herausgegebenen Monats- schrift Pharmaceutische Rundschau 11 erhielt, in welcher sich S. 286, 287 ein vom Herausgeber verfasster Artikel Solanum rostratum und der Colorado-Kfer- findet. Die oben citirte vorlufige Mittheilung von Dr. Potonie hat also bereits jenseits des Oceans ein Echo hervor- gerufen. Aber dieser Widerhall ist kein harmonischer, sondern stellt eine scharf zugespitzte Polemik dar, die sich merkwrdiger Weise gegen eine Ansieht richtet, welche Dr. Potonie nicht einmal direkt ausgesprochen hat, son- dern welche nur mit einigem hermeneutischen Scharfsinn aus seinen Worten herausinterpretirt werden kann. Dr. Potonie sagt in jenem Artikel: die Auspicien sind fr die Pflanze gnstig, fr die Landwirthschaft demgemss ungnstig, denn abgesehen von der schon erwhnten Thatsache, dass sie die Nhrpflanze des Coloradokfers ist, der erst nachher auf die ihr verwandte Kartoffel bergegangen ist, ist sie in Nord-Amerika stellenweise ein lstiges, strendes Unkraut geworden." Hieraus folgert Dr. Hoffmann, dass Dr. Potonie Besorgniss hege, dass das sporadische Auftreten eines der Solaneen-Unkruter aus dem fernen Westen Nord-Amerikas an sich die Ge- fahr der Uebertragung des Coloradokfers involvire." Ich habe die citirten Worte Dr. Potonie's nicht so verstanden. aber gesetzt auch, dass mein verehrter Freund mit den- selben mehr beabsichtigt htte, als die Erinnerung an die Auffindung bezw. erste Nhrpflanze des gefrehteten Kfers wieder aufzufrischen, so erscheint diese Besoiu niss doch ganz nebenschlich gegenber der angedeuteten viel nher liegenden Gefahr der Einbrgerung eines neuen, mglicherweise lstig werdenden Unkrautes. Ob es daher ein sachgemsses Verfahren des Dr. Hoffmann war. ber diese herausinterpretirte Kfer-Besorgniss ohne Berck- sichtigung der deutlich ausgesprochenen weit aetuclleren Unkrautbefrchtung drei Gutachten von hoch autoritativen Stellen, nmlich von der entomologischen Abtheilung des landwirtschaftlichen Ministeriums der Vereinigten Staaten (E. A. Schwarz, Washington. 13. November 1893 vom Ackerbau-Departement der Dominion of Canada (Director William Saunders und Fntomologe und Botaniker James Fletcher Ottawa, d. 20. November 1893) und Dr. John M. Coulter, Professor der Botanik an der Lake Forest University 111. (den 12. November 1893) zu *) Ber. D. Bot. Ges. 1892, S. (86). 22 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2 extrahiren, berlasse ich dem Urthcile der Leser. Be- greiflicherweise kommen diese hochgeachteten Sachkenner, von denen Prof. Coulter auch in Europa als einer der besten Kenner der nordamerikanischen Flora und Mit- herausgeber des klassischen Asa Gray'schen Manual of the Botany of the Northern States rhmlich bekannt und, (fgen wir hinzu) eins der 30 Mitglieder der von dem Congress in Genua erwhlten Nomenklaturkommission ist, zu dem Ergebniss, dass gegenwrtig nicht der geringste Zusammenhang zwischen der massenhaften Verbreitung des Coloradokfers in Nord-Amerika und dem Solanum rostratum besteht, und dass das Auftreten des letzteren in Deutschland die Chancen der Einschleppung des ge- frchteten Kfers um nichts gesteigert hat. Gegen dies Sachverstndigen -Urtheil habe ich sicher nichts einzu- wenden, ich kann es aber nicht ohne Widerspruch hinnehmen, dass Prof. Coulter noch weiter geht und sich folgendermaassen ussert: Die Pflanze (S. rostratum) ist durchaus nicht der ursprngliche Nhrboden des Colorado- kfers; diesen Vorzug theilt sie hier beinahe mit jeder andern in den Unionsstaaten gedeihenden Solanee." Das Wrtchen hier" scheint allerdings darauf hinzudeuten, dass bei der Stellung der Frage, deren Beantwortung und vielleicht bei der Ucbersetzung der Antwort sich ein oder einige Missverstndnisse eingeschlichen haben, denn ich kann nicht annehmen, dass Prof. Coulter die historische Thatsache, dass Doryphora decemlineata zuerst auf So- lanum rostratum beobachtet wurde und von dieser erst auf die Kartoffel bezw. andere Solanaceen bergegangen ist, in Abrede stellen wollte. Wie mir Prof. Gerstcker schreibt, dessen im Auftrage des Kgl. preussischen land- wirthschaftlichen Ministeriums 1875 herausgegebenen popu- lren Schrift ber den Coloradokfer ich diese Angabe entnommen habe, kehrt diese Angabe in einer ganzen Reihe der aus Aulass der Coloradokfer -Calamitt in Amerika erschienenen Schriften wieder, so dass wir fr dieselbe mit um so grsserem Rechte die Notoriett in Anspruch nehmen knnen, als sie durch die oben S. 21 citirte wunderliche Aeusserung Meehans direct besttigt wird. Wenn Prof. Coulter ferner Solanum rostratum ein un- bedeutendes Unkraut" nennt, so hat er sich darber mit seinen Landsleuten Bush, Halsted und Pammel aus- einander zu setzen erwhnt haben. Erweist sich somit die Hoffmanu'sche Polemik min- destens zum grssten Theile als gegenstandslos, so finden sich doch in den mitgetheilten Gutachten einige That- sachen, die fr die Leser von Interesse sein drften. Nach den Angaben der canadischen Sachkenner hat sich Solanum rostratum auch seit etwa 12 Jahren inner- halb der Stadt Ottawa angesiedelt. Was den Colorado- kfer betrifft, so scheint man sich jetzt in Amerika an diese Landplage gewhnt bezw. Mittel gefunden zu haben, durch deren zweckmssige Anwendung der Kfer in Schranken gehalten werden kann. Pariser Grn und London-Purpur haben sich als zuverlssig bewhrt, diese und ihre Anwendung siud viel billiger und zeit- sparender und unsere Farmer mit dem Gebrauche dieser Giftpulver vollstndig vertraut geworden." Auch scheint hnlich wie es bei uns an der Wasserpest beobachtet wurde, die Vermehrung des Kfers nicht mehr so ausser- ordentlich stark und dessen Wandertrieb nicht mehr so entwickelt wie frher." Herr Schwarz hlt daher wohl deren Aeusserungen wir oben S. 19 mit Recht die Gefahr einer Verschleppung nach Europa fr geringer, als sie vor etwa 20 Jahren war. Unter den wildwachsenden Pflanzen, auf welche der Kfer in den stlichen Staaten bergegangen ist, nennt derselbe Solanum carolinense L. , eine nahe mit S. rostratum verwandte, gleichfalls stachlige, aber ausdauernde in den atlantischen Staaten verbreitete Art. In Canada bevorzugt der Kfer ausser der Kartoffel die Eierpflanze (Solanum Melon- gena L.), das Bittersss (S. Dulcamara L.), das Bilsen- kraut (Hyoscyamus niger), Nicotiana affinis hrt., und N. longiflora Cav. , whrend der Tabak (N. Tabacum L.) in allen seinen Varietten wenig von dem Kfer ange- griffen wird. Von der Tomate (Lycopersicum esculentum Mill.) werden zuweilen nur die jungen Pflauzen angegriffen und im Sptherbst, wenn die Kartoffelbltter verschwinden, auch die reifenden Frchte, sonst aber wird die Tomate von dem Coloradokfer wenig gesucht." Ich darf wohl mit der nachstehenden Mittheilung schliessen , die ich der Gte des Geheimraths Prof. Dr. L. Wittmack verdanke. Derselbe sandte mir folgenden Auszug aus dem Report of the Commissioner of Agri- culture for the year 1884, Washington", in welchem der Entomologe C. V. Biley in der Einleitung seines Special- berichts ber den Coloradokfer bemerkt: ... Es ist bisher nur bekannt gewesen, dass er allein auf der Gattung Solanum lebt, welche die Eierpflanze, die Pferdenessel (horse nettle) und einige wilde Arten westlich vom Mississippi umfasst, wie rostratum und cornutum, welche unter verschiedenen populren und Lokalnamen bekannt sind. Auf der Pferdenessel (S. carolinense), welche bei uns gemein, in Kansas aber meist durch das S. rostratum vertreten ist, scheint er (der Kfer) selbst lieber als auf der Kartoffel zu fressen und ich habe ihn ganz unschd- lich fr andere Arten derselben Gattung gefunden, so S. Warseewiczi, robustum Wendl., discolor und sieglinge (jedenfalls ein Druckfehler W.), welche oft wegen ihres ornamentalen Laubes gezogen werden.*) Die anderen Gattungen wie Physalis, Datura, Hyoscyamus, Nicandra, Nicotiana etc. scheinen ihm nicht recht zu behagen, ob- wohl er im Nothfalle sie alle fressen wird, besonders die erstgenannten. Cayenne-Pfeffer (Capsicum), in irgend welchem Umfange von ihm gefressen, wirkt giftig, wie wir von Dr. Le Baron erfahren. Unter diesen Umstnden ist es eine interessante That- sache (welche beweist, wie eine neue Gewohnheit unter gnstigen Umstnden erworben werden kann), dass dieses Insect vergangenen Sommer positiv auf Kohl fressend gefunden ist Sicher ist es, dass er Kohl verwstend gefunden wurde von Herrn H. H. Mc Affee, Superintendent der Wisconsin University Experimental Farm, whrend Frl. Mary E. Murtfeldt von Kirkwood, deren Zeugniss ich im hchsten Maasse vertrauen kann, fand, dass er in einem Theile von Nord-Illinois betrcht- lichen Schaden an wachsendem Kohl that und selbst in grosser Zahl darauf Eier legte". Aus obiger Mittheiluug geht wohl hervor, dass der Kfer seiner zuerst beobachteten Nhrpflanze, S. rostratum, auch jetzt noch nicht so vollstndig untreu geworden ist, als aus den bisherigen Nachrichten zu schliessen war. *) Diese und hnliche auch bei uns viel als Blattpflanzen gezogenen Formen bleiben wohl wegen der dichten Filzbeklei- dung verschont. P. A. Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 23 Die Forschungsreise des Professor J)r. Richard Semon (Jena) nach Australien und nach dem Malay- ischen Archipel (1891 1893). Nach fast zweijhriger Abwesenheit ist Prof. Semon im Mai vorigen Jahres von einer Reise zurckgekehrt, welche hauptschlich der nheren Erforschung der australischen Thierwelt, speziell der Eutwickclung des Ceratodus aus der Gruppe der Lurchfisclie, gewidmet war. Von den Mitteln der Paul von Ritter-Stiftung fr phylogenetische Zoologie" und weiteren Zuschssen des in Basel lebenden Stifters wurde diese Reise bestritten, welche fr die Aufhellung der Stammesgeschichte der Wirbelthiere ein ausserordent- lich werthvolles Material geliefert hat. Die Ergebnisse der smmtlich mit demselben vorzunehmenden Unter- suchungen sollen nach und nach in 5 Bnden in den Jenaer Denkschriften" verffentlicht werden; so wird der erste Band, welcher bereits unter der Presse ist, der Lebensweise und Ent wickclungsgeschichte des Ceratodus Forste ri gewidmet sein, ber welche erst diese Reise ein ausreichendes Material herbeigeschafft hat. Wie dasselbe im Innern des australischen Continents von Semon gewonnen wurde, kann vielleicht in einem spteren Artikel mitgetheilt werden, diesmal mge eine Episode, welche etwa 5'/ 2 Monate umfasst, aus dieser Reise Semon's eine Stelle finden; dieselbe hat das Thier- leben der Torresstrasse zum Gegenstand und be- schftigt sich mit einem Theil von Englisch-Neu- guinea; in einem am 5. November v. J. in der Geo- graphischen Gesellschaft zu Jena gehaltenen Vor- trag theilte Prof. Semon etwa Folgendes mit: Die Hinreise erfolgte im Sommer 1891 von Genua aus auf der Nrnberg", einem Schifte des Norddeutschen Lloyd, ber Ceylon, Adelaide, Melbourne, Sydney nach Brisbane. Von hier aus besteht nur zu Schiff Verbindung mit dein nrdlichen Queensland, der Halbinsel York und der Torresstrasse. Landschaftlich bieten diese Partieen wenig, die Kste Australiens ist auf weite Erstreckung vom Barriereriff umgeben, auf dessen Korallenboden ist nur ein drftiges Pflanzenleben vorhanden neben dem ppigeren Leben mariner Thiere. Von wirklicher Schn- heit ist jedoch die Wit-Sunday-Passage. An der Nord- spitze der Yorkhalbinsel bei Kap York hat sich ein Weisser (Mr. Jardine) durch besondere Energie und Ent- schlossenheit seit lngerer Zeit gegen die Eingeborenen behauptet; letztere sterben brigens jetzt rasch dahin und gehen dem gnzlichen Verschwinden entgegen. Mittelpunkt der Perlenfischerei oder vielmehr der Perlmutterfischerei ist Thursday-Island in der Torresstrasse, woselbst der Vortragende zunchst seinen Aufenthalt nahm. Zahlreiche kleinere Inseln ragen in der im ganzen seichten Meeresstrasse auf, welche trotz zahlreicher Vermessungen und trotz der englischen See- karten immer noch eine keineswegs gefahrlose Passage gestattet. Auf den Inseln, welche zum Theil nach den Wochentagen benannt wurden, befinden sich die Stationen der Perlfischer. Von den zahlreichen Abenteurern, welche sich hier aus allen mgliehen Gegenden zusammenfinden, werden brigens, wenn die Unternehmer nicht selbst strenge Aufsieht fhren, bei der Fischerei die Perlen meist gestohlen und nur das Perlmutter kommt dem Unternehmer selbst zu Gute. Das Tauchen geschieht in Taucheranzgen. Den Tauchern wird Luft zugepumpt, doch muss man sieh erst allmhlich an diese Thtigkeit gewhnen; bei unvorsichtigem Tauchen in grsseren Tiefen tritt sonst Bewusstlosigkeit ein infolge des be- deutenden Drucks der Wassersule. Das Leben ist hier kein angenehmes und auch keineswegs sehr sicher; Ver- brechen sind vielmehr hufig. Fr den Vortragenden war die Ausbeute hier nicht so lohnend, wie er gehofft, auch erwies sich die Beschaffung von brauchbaren Leuten schwierig, weil dieselben ihren leichten und sehr nuten Verdienst finden Neben der Perlmutterfischerei blht brigens auch die Erbeutung des Trepang (Holothurien . welche merkwrdigerweise bis jetzt nur nach China als geschtzter Leckerbissen gebracht werden, obwohl der Geschmack dieser Seegurken" ein ganz vortrefflicher ist und etwa dem einer leckeren Schildkrtensuppe gleich- kommt. Von hheren Thieren leben in der Torresstrasse namentlich die in ihrer systematischen Stellung immer noch rthselhaften Dugongs oder Seekhe" (Halicore), welche weder zu den Walen und Delphinen noch zu den Robben, eher vielleicht in die Nhe der Hufthiere gehren und ausschliesslich von Pflanzenkost leben. Im brigen stellt die sonstige Thier- wie die Pflanzenwelt dieser Inseln einen Uebergang dar zwischen Neuguinea und dem australischen Festland; zweifellos haben zwar diese beiden Lndergebiete in geologischer Vergangen- heit ein Ganzes gebildet, wie dies auch in der Verwandt- schaft der Flora und Fauna sich ausprgt, doch ist die Lostrennung von Neuguinea bereits eine so alte, dass eine selbststndige Entfaltung der pflanzlichen wie thieri- schen Bewohner in beiden Gebieten vor sich gehen konnte. Auch die Eingeborenen der Inseln stellen eine Mischung zwischen Australnegern und Papuas dar. Von der Thier- welt gedenkt der Vortragende noch der hier sehr hufigen Schildkrten; sowohl die grossen Suppenschildkrten von 5 6 Fuss Lnge als die Karettschildkrten, welche das echte Schildpatt liefern, beobachtete der Vortragende hufig. Sie kommen ans Land und legen jenseit der Fluthgrenze in eine selbstgewhlte Hhlung 100, ja 200 Eier ab, deren Eiweiss merkwrdigerweise auch bei noch so lang fortgesetztem Kochen nicht gerinnt. Auch Hai- tische sind ungemein verbreitet. Von hier aus unternahm nun Professor Semon nach einiger Zeit mit einem kleinen Segler von 10 Tonnen einen Ausflug nach Neuguinea; er engagirte einen Schotten (Mac Arthur) als Kapitn und 3 Leute als Matrosen, ausserdem sehloss sich noch der Neffe des Gouverneur von Thursday-Island, Mr. Douglas, der Ex- pedition an. Nach den Mangroveksten in der Nhe des Fly-River zu gehen, lag nicht in der Absicht, da hier die tropische Vegetation schwer erreichbar erst jenseit des breiten Mangrovegrtels anzutreffen ist; man Hess deshalb das Schiff mit dem NW.-Monsun an der Sdkste Neu- guineas entlang drei Tage in rascher Fahrt treiben, und hoffte spter in gleicher Weise mit dem SO.-Monsun in umgekehrter Richtung wieder zurckfahren zu knnen. Der Ausblick auf die mchtigen Gebirge Neuguineas, namentlich die Mount Owen Stanley Ketten, besonders den erst vor einigen Jahren vom Gouverneur Sir William Mac Gregor erstiegenen 4000 m hohen Mount Owen Stanley selbst, machte diese Fahrt zu einer interessanten und an Abwechselung reichen. Im Gebiet der katholischen Mission vom heiligen Herzen um den St. Joseplifluss wurde gelandet. Ausser den Katholiken sind in Englisch- Neuguinea hauptschlich protestantische Missionare der Englisch Church Missionary Society an der Sdkste ent- lang thtig sowohl nach . bis zur Ostspitze sowie nach W. hin bis zum Fly-River. Beide Gesellschaften arbeiten nach ganz verschiedenem System. Die Katholiken haben nur Weisse als Missionare angestellt; an der Spitze der Mission steht ein Erzbischof, ein Bischof, denen Missionare und Laienbrder unterstellt sind, d. h. Handwerker, welche jedoch bis jetzt wenig Einfluss auf die Eingeborenen zu erlangen vermochten. Die Anhnger der Londoner Missionsgesellschaft haben hingegen auf ihren Seminaren in der Sdsee namentlich eingeborene Sdseeinsulaner zu Missionaren herangezogen, welche, 24 Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. Nr. 2 wenn wie hier eine genaue Kontrolle ihrer Thtigkeit stattfindet, Gutes leisten. Es wurde eine Befahrung des St. Josephflusses unter- nommen auf einem Fahrzeug der Missionare, um die noch wenig von Weissen bewohnten Drfer der Eingeborenen flussaufwrts kennen zu lernen, doch erwies sich die starke Strmung infolge anhaltender Regengsse dem Unternehmen wenig forderlich. Die Colonisationsbestrebungen sind auch in dem eng- lischen Theil von Neu-Guinea noch in den ersten An- fngen. Das Studium der Papuas, welche im Gegensatz zu den Australnegern bereits eine gewisse Cultur, nament- lich eine entwickelte Fertigkeit im Huser- und Bootbau, sowie grosse Gewandtheit in der Verzierung ihrer Watten und ihrer sonstigen Gerthe besitzen, gewhrt ein hohes Interesse. Die Gesichtsbildung der Papuas ist bekannt- lich ebenfalls von derjenigen der Australneger ganz ver- schieden. Das krause Haar wird zu absonderlichen, kunstvollen Haartrachten aufgeputzt. Die Stellung der Frauen, denen hauptschlich der Anbau obliegt, ist eine weit bessere als bei den Australnegern, auch die Kinder haben fter eine berathende Stimme. Dabei finden sich jedoch nirgends grssere Staatswesen, daher treten auf relativ engem Raum zahlreiche verschiedene Dialecte, ja gnzlich verschiedene Sprachen auf, wodurch das Reisen natrlich sehr erschwert wird. Interessant sind manche Industrien, wie die Betreibung der Tpferei in Port- Moresby und ein regelmssiger, zum Theil weit aus- gedehnter Handelsverkehr zum Vertrieb und Eintausch der Landeserzeugnisse (die Sagofahrten u. a. m.). Die Zerspaltung in zahlreiche kleine Gemeinwesen fhrt jedoch zu hufigen kleinen Fehden; die erbeuteten Schdel der Feinde werden als begehrte Trophen in den Drfern aufgepflanzt, vielfach ist auch noch Kannibalismus blich, merkwrdigerweise hat sieh derselbe theilvveise erst neuer- dings eingebrgert. Die ausgestellten ethnographischen Gegenstnde geben dem Vortragenden Gelegenheit, die Kunstfertigkeit der Papuas an ihren Schnitzereien nher zu demonstriren ; er fand bei ihnen kaum irgend einen Gegenstand des tg- lichen Lebens ohne irgend welche kunstvolle Verzierungen ; letzere sind smmtlich mit Muschelschalen oder Steinwerk- zeugen hergestellt, denn eine Kenntniss der Metalle haben die Eingeborenen nicht; sie leben noch vollkommen auf der Culturstufe der fortgeschrittenen Steinzeit. Eine ausgebildete Religion haben sie ebenfalls nicht; ihre Todten bestatten sie unter den Pfahlhusern, in der Mei- nung, dass ihr Geist leichter zur Ruhe komme, wenn sie ber demselben schliefen. Eine aus hygienischen Grnden getroffene Verordnung des Gouverneurs, die Gestorbenen nicht mehr unter den Htten zu begraben, hatte daher grossen Unwillen und Aufregung erregt und drfte kaum durchfhrbar sein. Sehr interessant ist brigens in coloni- satorischer Hinsicht der Versuch des Gouverneurs von Port Moresby, die Interessen der Eingeborenen in jeder Beziehung in die erste Linie zu stellen, um sie allmhlich soweit zu bringen, der freien Conkurrenz mit den Euro- pern die Spitze bieten zu knnen. Es darf daher nur in ganz beschrnkter Weise Landerwerb stattfinden, und zwar nur dann, wenn die Eingeborenen selbst ganz genau wissen, warum es sich dabei handelt, auch ist der Handels- betrieb der Weissen mit ihnen ein beschrnkter, um sie gegen Uebervortbeilung zu schtzen, der Verkauf von Waffen und Spirituosen ist ganz verboten. Natrlich treffen den Gouverneur, Sir William Mac Gregor, einen Mann von grossem Organisationstalent, die heftigsten An- feindungen der Colonisten in Queensland, doch ist bis jetzt dieser interessante Versuch nicht erheblich gestrt worden. Kommt z. B. ein Mord vor, so verziehtet Mac Gregor, wenn der Thter gar nicht zu ermitteln ist, lieber auf die Bestrafung, als dass dafr ein ganzes Dorf oder gar ein Distrikt verantwortlich gemacht wird. Von hohem Interesse sind die 60 bis 80' hoch angelegten Baumhuser dieser Gegend, welche bei Angriffen als Zufluchtssttten und sonst als Depots von Waffen, Steinen und Mund- vorrthen dienen. Den echten Typus eines Pfahldorfes bietet der Ort Hula dar, eine innerhalb des Riffs im ruhigen Wasser angelegte Ansiedelung. Wird eine solche Kstansiedelung von den kriegerischen Bergbewohnern angegriffen, so gehen die Bewohner einfach auf ihren Fahrzeugen in See und berlassen das Dorf ihren ber- legenen Gegnern. Bis an die Kste reicht in diesen Gegenden der tro- pische Urwald, in welchen der Reisende auf einer fnf- tgigen Tour eindrang. Infolge eines Missverstndnisses waren keine Decken und keine ausreichenden Nahrungs- mittel mitgenommen worden. Der Fhrer, ein Chinese aus Kauton, verstand nur sehr wenig Englisch und hatte die Lage von Kala-, welches man aufsuchen wollte, dem Vortragenden nicht deutlich macheu knnen. Durch anhaltenden Regen und empfindlichen Nahrungsmangel wurde diese Tour eine sehr entbehrungsreiche, zumal die Fortbewegung in dem ganz durchweichten, von Nsse triefenden Urwald dem Europer ohne Nagelschuhe kaum mglieh ist. Das dem Sonnenlieht undurchdringliche 40 bis 60 Fuss hohe Bltterdach erzeugt brigens ein so dsteres Bild, dass es nur durch grosse Uebung mglich ist. die reich vertretene Vogelwelt, die Paradiesvgel, Kakadus u. s. w. wahrzunehmen, soweit sie sich nicht wie die Nashornvgel durch ihren geruschvollen Flug bemerklieh machen. Nach vieler Mhe gelang es daher erst, einigeParadiesvgel und einen sehr seltenen schwarzen Kakadu zu erlegen, sowie eine durch wunderbare Farben- pracht ausgezeichnete Taubenart von bedeutender Grsse zu erbeuten. Der Glanz der Farben ist auf Neu-Guinea nicht nur den hheren Thieren, sondern z. B. auch den Iusecten, namentlich den Kfern und Schmetterlingen, eigen; ein Schmetterling, wie der wundervoll grne Orni- thoptera Pegasus, versetzt nicht nur den Naturforscher in das grsste Entzcken und staunende Bewunderung. Die Rckfahrt hatte sodann mit grossen Widerwrtig- keiten zu kmpfen, da der gnstige SO. -Monsun nicht eintreten wollte und man gegen den Wind zu kreuzen versuchte. Nach 14tgigen vergebliehen Versuchen musste jedoch der Ausgangspunkt nochmals angelaufen werden, ehe die Rckkehr gelang. Prof. Fr. Regel. G. de Laire und Ferd. Tiemanu: Uefoer Iridin, das Glucosid der Veilcliemvurzel. (D. Chem. Ges. Ber. 26, S. 2010). Die Verfasser fanden in den Wurzelknollen von Iris florentina ein neues, durch Versetzen des alko- holischen Auszuges mit Wasser und einem Gemenge aus Aceton und Chloroform isolirbares, Glucosid. Sie nennen dasselbe Iridin. Es besitzt die Zusammensetzung Co 4 Hj ( ,N i:i und bildet feine, weisse, an feuchter Luft sich leicht hellgelb frbende. Nadeln vom Schmelzpunkt 208, kaum in Wasser, etwas leichter in Aceton lslieh. Durch verdnnte alkoholische Schwefelsure wird es bei 80 100 nach derGleichung C 24 H 26 13 + H 2 = C a H 12 B + C, 8 H 16 8 in Traubenzucker und eine gut krystallisirende, alslrigenin bezeichnete Verbindung, zerlegt. Das Irigenin, C 18 H 1(; 8 , zeigt die Eigenschaften eines Phenols mit zwei Hydroxylgruppen. Es spaltet sich beim Erhitzen mit concentrirter Alkalilauge nach der Gleichung: C 18 H 16 8 + 3H 2 = CH 2 + C.A^ + C 7 H 8 4 in Ameisensure, eine aromatische Oxysure (C^H^O), Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 25 Iridinsure genannt, und ein Phenol (C 7 H,,0 4 ), das mit dem Namen Iretol belegt wurde. Diese Spaltung muss unter Ausschluss der Luft geschehen. Iridinsure spaltet sich beim Erhitzen ber ihren Schmelzpunkt in Kohlensure und ein als Iridol be- zeichnetes Phenol. Beim Kochen mit Jodwasserstoffsure spaltet sie Jodmethyl und zwar in einer zwei Methoxyl- gruppen entsprechenden Quantitt ab. Ihre Formel kann sonach aufgelst werden in C 7 H 4 (OCH 3 ) 2 (OH)(C0 2 H). Dem Iridol muss danach die Formel C 7 H,(OCH 3 ) 2 Olli zukommen. Es wird durch Chloroform und Alkali- lauge beim Erhitzen in zwei isomere Aldehyde umge- wandelt. Durch Jodmethyl wird das Iridolnatrium ver- wandelt in Methyliridol , C 7 H 5 (OCH 3 ) 3 , welches durch Oxydation mit verdnnter Kaliumpermanganatlsung in Triniethylgallussure,_ C 6 H 2 (C0 2 H)(OCH 3 ) 3 , 3, 4, 5 ber geht die Contitution CH 3 Aus diesen Beobachtungen wird fr das Iridol H,CO Oll OCH 3 gefolgert, fr welche noch weitere Wahrscheinlichkeits- grilnde angefhrt werden. Fr die Iridinsure bleiben hiernach die folgenden Formeln : H 3 CO IL CH 3 C0 2 H HO,C Ho CO. / OH H,CO OH OCH 3 OCH 3 OCH und fr die Methyliridinsure die Formeln: I. II. CH 3 CH 2 C0 2 H III. CH 2 C0 2 H OH H.CO C( LH OCH, und HoCO ;OCHo \/ OCH 3 OCH 3 brig. Die weiteren Untersuchungen, insbesondere die Oxydir- barkeit der Methyliridinsure zu Trimetliylgallussure er- gab fr letztere die Formel II, also fr die Iridinsure die Formel III als die richtige. Das dritte Spaltungsproduct des Irigenins, das Iretol enthlt, wie die Behandlung mit Jodwasserstoffsure er- gab, eine Methoxylgruppe. Durch Benzoylirung lassen sich ferner drei Hydroxylgruppen darin nachweisen, so dass es als Methylther eines Tetroxybenzols, also als C B H 2 (OCH 3 )(OH) 3 erscheint. Seine Constitution wird voll- stndig dadurch aufgeklrt, dass es durch Reduction mittelst Natriumamalgams nach der Gleichung C 7 H 8 + -f- 2H = C 6 H 6 3 -+- CH :i OH in Phlorogluein und Methylalkohol bergeht, denn es kann ihm hiernach nur die Formel ( >CH, OH OH OH zukommen. Die Eigenschaften und Umsetzungen dieses Krpers, der ausser in der erwhnten Form C-OCH, HO.C HC C-OH OH C-OH auch in der tantomeren Form C OCH 3 HO C H 2 C CO CO CH 2 in Reaetion tritt, sind eingehend studirt worden. Aus den angefhrten Ergebnissen bezglich der Con- stitution der Spaltungspniducte sowie aus einer Unter- suchung der durch Hydrolyse entstehenden Krper wird dann fr Ingen in die Constitution H,CO neu. H,CO- >-CH,-C-CO XoA OH OH und fr das Iridin die Constitution H 3 CO OCHo HoCO-; ,0 CH 2 C CO OC 6 H n 5 OH gefolgert. Einige Betrachtungen ber wahrscheinliche physiolo- gische Beziehungen des Iridins, Irigenins und seiner Spaltungsproducte zu den Zuckerarten bilden den Sehluss Sp. der interessanten Untersuchung. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Es wurden ernannt: Dr. W a 1 1 e r Migula, Docent fr Botanik an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, zum Professor. Der Privatdocent der Botanik an der Universitt Moskau Dr. W. Laposchn ik of f zum Professor an der Universitt Tomsk in Sibirien. Der Geologe Oberlehrer Dr. Aurel Krause in Berlin zum Professor. Dr. Zelinka, Privatdocent der Zoologie an der Universitt Graz, zum ausserordentlichen Professor. An der Universitt Berlin Dr. Oskar Lassar, Privatdocent fr Haut- krankheiten, und Dr. Ernst Julius Remak, Privatdocent fr Nervenleiden, zu ausserordentlichen Professoren. Professor Dr. Fehling in Basel zum Director der Universitts-Frauenklinik und Professor an der Universitt Halle. Dr. Adolf Lindner ist als Chemiker in das Laboratorium der Kgl. Preuss. Geologischen Landesanstalt in Berlin eingetreten. Es sind gestorben: Robert Bentlev, ehemals Professor der Botanik an der Pharmacie-Schule der Pharmaceutical Society of Great Britain, in London. Der auf dem Gebiete der Botanik thtig gewesene Kaiserl. Russische Staats-Secretr und Wirkliche Geheime Rath a. 1). Baron Karl von Kster in Darmstadt. Der Afrikaforscher Sir Samuel White Baker auf seiner Be- sitzung Sandford, Newton Abbot. Der Privatdocent der Hygiene an der Universitt Wien Dr. Heider. Der Professor der Physik an der Universitt Bonn Dr. Heinrich Rudolf Hertz, Hof- 26 Naturwissenschaftliche Wochenschritt. Nr. 2 rath Dr. Johann Friedrich Jencke, Director des Taub- stammen-Instituts in Dresden. Der Botaniker Heinrich Schulze in Breslau. Der Entomologe Franz von Micklitz, k k. Forst- meister in Wien. Der Naturforscher H. J. Knik in Christiania. Der Forschungsreisende von Schnberger in Paris. Pro- fessor Dr. Eduard Strohl, frher Lehrer in der medicinischen Facultt der Universitt Strassburg, daselbst. Dr. Arthur Milnes Marshall, Professor der Zoologie am Owens College, in Folge Absturzes bei der Besteigung eines Berges. Gruppe XIX: Unterricht und Erziehung der Berliner Gewerbe-Ausstellung' 1896. In Verfolg unserer frheren Mit- theilung in Bd. VIII. S. 515 ist das Folgende zu berichten. Die Gruppe XIX ist in einer Sitzung der Arbeits-Koinmission am 2. December 1893 in etwas anderer Weise in Abtheilungen zer- legt worden, als 1. c. mitgetheilt und gleichzeitig die Vorsitzenden dieser Abtheilungen gewhlt worden. Die Gruppe zerfllt danach nunmehr in I. Einrichtung von Schulen; Schul-Hygiene (Vor- sitzender Prof. Baginsky). II. Lehr- und Unterrichtsmittel jeder Art. a) Physikalische, chemische und physiologische Apparate (Vors. Geh. Rath Landolt). b) Naturaliensammlungen, einschliesslich Abbil- dungen und Modelle (Vors. Geh. Rath Mbius). Diese Unterabtheilung ist bereits von dem Vorsitzenden zu einer Sitzung am 29. December 1893 zusammenberufen worden, in der Prof. L. Kny zum zweiten Vors., Dr. H. Potonie zum ersten und Ober- lehrer Dr. E. Schmidt zum zweiten Schriftfhrer gewhlt wurden. Wichtigere Beschlsse dieser Unterabiheilung, die die Leser der Naturw. Wochenschr.'" besonders interessiren muss, werden wir nicht verfehlen gelegentlich mitzutheilen. c) Geographie, geschichtliche und sonstige An- schauungsmittel (Vors. Prof. Trendelenburg). d) Bcher (Vors. Dr. H. Paetel). e) Turnapparate (Vors. Prof. Eckler). III. Technischer Unterricht (Vors. M. Lindemann- Frommel). IV. Handwerker-, Baugewerks-, Fortbildungs-, Kunstgewerbliche Schulen undAnst alten ( Vors . Dr. S z y - mnski). V. Korporative Ausstellungen (staatliche, stdti- sche Behrden) (Vors. Prof. Schwalbe). L i 1 1 e r a t u r. Prof. Dr. F. Jelly, lieber Irrthum und Irrsein. Rede, gehalten zur Feier des Stiftungstages der militrrztlichen Bildungs- anstalten am 2. Aug. 1893. August Hirschwald, Berlin 1893. Der Vortrag des Directors der psychiatrischen Klinik der Universitt Berlin hat ein weiteres Interesse und der Gegenstand ist auch allgemein-verstndlich zur Darstellung gekommen. Jolly erlutert das Vorgehen des Arztes bei der Untersuchung eines Menschen auf seinen Geisteszustand und weist die Meinung man- cher Laien, dass man schliesslich jeden fr geisteskrank erklren knne, entschieden zurck, der Arzt verfahre nach einer Methode, die zuverlssig sei. Das Genie unterscheidet sich nach dem Verf. von dem Alltagsmenschen dadurch, dass ersteres die durch Intuition gewonnenen Gedanken methodisch prft und induetiv zu beweisen sucht, jede dieser Kritik nicht Stand haltende Mei- nung aber verwirft, whrend sich schwchere Geister blenden lassen und dann handgreifliche Thatsachen, die entgegenstehen, unbeachtet lassen. Geisteskranke wirken durch Faseination 1 ' leicht auf Gesunde ein; nur zur Geisteskrankheit Disponirte leiden aber dauernd darunter (folie simultanee ou communiquee). Einen Ueborgang zum ganz gesunden Menschen bildet der epidemische Unsinn" sonst Gesunder, die falsche Ideen aufnehmen und aus Denk- faulheit beibehalten. Mag der Prophet einer solchen Gemeinde noch so krause Gedankensprnge machen, seine Anhnger leben in dem Vertrauen, dass er die Beweise fr dieselben noch in seinen Akten" habe, und in diesem Vertrauen verzichten sie auf eigenes Urtheil. Zum Glck fr die Menschheit steht der Neigung, Suggestionen zu unterliegen, die Fhigkeit gegenber, eine grosse Menge von Irrthmern aufnehmen zu knnen, ohne dass der psychische Mechanismus dadurch aus den Fugen gebracht wrde." Rudolf Virchow, Die Grndung der Berliner Universitt und der Uebergang aus dem philosophischen in das naturwissen- schaftliche Zeitalter. Rede, gehalten am 3. August 1893 in der Universitt Berlin. August Hirschwald. Berlin. Eine Rede aus Anlass des Geburtstages Knig Friedrich Wilhelms in., des Begrnders der Universitt Berlin, in der namentlich die philosophische Periode der Universitt Berck- sichtigung findet bis zum Auftreten A. v. Humboldt's und zu seinem Wirken fr die Universitt, womit die naturwissenschaft- liche Periode beginnt. Arendt's Naturhistorischer Schulatlas. R. venu. u. verb. Aufl. von Oberlehrer Dr. Friedr. Traumller: 76 Taf. mit 1099 Abb. in Holzschnitt und erluterndem Texte. F. A. Brockhaus, Leipzig, 1892. - Preis 2,50 M. Zu dem bezeichneten, ausserordentlich billigen Preise liefert die Verlagshandlung einen anregenden Atlas, der die ans anderen Verlags-Werken der Handlung entnommenen guten Abbildungen enthlt aus den Gebieten der Zoologie, der Botanik, der Minera- logie und Geologie. Das reiche Material drfte an der Hand eines geschickten Lehrers in der Schule vorzgliche Dienste leisten. Dr. Wilhelm Haacke, Die Schpfung der Thierwelt. Mit 469 Abbildungen im Text und auf 20 Tafeln in Farbendruck und Holzschnitt nebst 1 Karte. Bibliographisches Institut in Leipzig und Wien. 1893. Preis geb. 15 M. Das vorliegende Buch des Mitarbeiters an der neuen Auflage von Brehm's Thierleben ist in geschicktester Weise sowohl den Bedrfnissen des Gelehrten angepasst, der es in Fragen der Biologie (im engern Sinne) als treffliches Nachschlagebuch be- nutzen kann und wird, als auch den Anforderungen des Laien, dem kaum ein mit mehr Geist geschriebenes Buch aus den Ge- bieten der Zoologie, die diesen am meisten interessiren mssen, empfohlen werden kann. Klare Sprache, die es bedingt, dass nirgends irgend etwas zweifelhaft bleibt, vorzgliche und meister- haft ausgewhlte Abbildungen, gediegener Inhalt, eine Ausstattung vorzglich wie sie die bewhrte Verlagshandlung stets liefert, bei alle dem ein massiger Preis: das sind die Merkzeichen des Buches. Niemand wird es unbefriedigt lesen; jeder, auch der Gelehrteste, muss Anregungen daraus schpfen. Kennt doch der Verfasser nicht nur die freie Natur durch Reisen in entfernte Lnder grnd- lich, und hat er doch durch seine Thtigkeit als Director eines zoologischen Gartens auch in der Heimath Gelegenheit gehabt, sich eingehend um das Leben der Thiere zu kmmern, sondern hat er doch auch gezeigt, dass er die Studirstube, das Labora- torium, zu schtzen und zu benutzen weiss: ein ganzer Natur- forscher! Gewiss ist das Buch eine treffliche Ergnzung zu Brehm's Thierleben, das sich mit den Thieren der Gegenwart allein be- schftigt und in welchem zwar das Benehmen der Thiere zur an- ziehendsten Schilderung gelangt, aber die. eigentliche Biologie im engern Sinne nur untergeordnet bercksichtigt wird Zu einem Verstndniss des Thier-Systems ist die Betrachtung der fossilen Thierformen, wie Haacke das thut, unerlsslieh Wir werden nicht verfehlen, dem Leserkreise der Naturw. Wochenschrift" baldigst Proben der Abbildungen und des Textes aus dem schnen Buche vorzufhren. Dr. med. Carl Gnther, Einfhrung in das Studium der Bak- teriologie mit besonderer Bercksichtigung der mikroskopischen Technik. 3. verm. n. verb. Aufl. Mit 172 nach eigenen Prpa- raten vom Verf. hergestellten Photogrammen. Georg Thieme. Leipzig 1893. Preis 10 M. Schon wieder knnen wir ber eine neue Auflage des aus- gezeichneten Buches berichten; erst Bd. VII (1891) No. 58 der Naturw. Wochenschr. hat die 2. Aufl. Besprechung gefunden, die wir einzusehen bitten. Dass bei der so recht in der Entwickelung begriffenen Bakteriologie ein Lehrbuch dieser Disciplin, wenn es stets auf der Hhe stehen will, einer permanenten Verbesserung bedarf, ist klar: Verf. ist diesen zahlreichen Fortschritten berall und in der fachmnnischsten Weise gefolgt, sie haben eine gnz- liche Umarbeitung mehrerer Abschnitte bedingt. Auch eine Er- weiterung hat die vorliegende Aufl. erfahren. Die 2. umfasste 274, die vorliegende 3. bringt 376 Seiten bei gleichem Druck und gleichem Format. Von den 72 trefflichen Photogrammen sind 28 durch neue ersetzt worden. Gnther's Compendium gehrt zu den besten Bakteriologien, die wir kennen. A. Hartleben's Neue Reisebcher Unterwegs" Nr. 7: A. von Schweiger Lerchenfeld , Die Grotten und Hhlen des Karst. (Laibach Planina Adelsberg Divaca [St. Canzian] Nabresina [Duino, Timavo] Triest). Bearbeitet unter Mitwirkung des Regierungsrathes Franz Kraus. Mit 34 Abbildungen und sechs Karten. A. Hartleben's Verlag Wien, Pest und Leipzig. Preis 1 M. 80 Pf. Ueber das interessante Karst-Gebiet in geologischer Beziehung findet sich in der Naturw. Wochensch. Bd. III p. 155 ein Aufsatz. Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Das vorliegende, fr den Touristen berechnete Heft, betrachtet diesem Zweck entsprechend in erster Reihe die landschaftlichen Verhltnisse des Gebietes, giebt aber auch Aufschlsse ber seine Naturgeschichte. Die hbschen und gut ausgewhlten Abbildungen geben vorzgliche Anschauungen ber die Merkwrdigkeiten, wobei natrlich die Adelsberger Grotte, wie berhaupt die Hhlen besondere Bercksichtigung gefunden hallen. Die verschiedenen Abschnitte des Buches sind berschrieben: Der Karst und seine Unterwelt: 1. Die Adelsberger Grotte. Die Tropfsteinbil- dungen. Aus der Geschichte der Adelsberger Grotte. Die Grotte von Gross-Ottok. 2. Die Magdalenen-Grotte (erna Jama) und die Poik-Hhle (Piuka Jama). - - 3. Das Hhlenschloss Lueg. 4. Die Kleinhusel-Hhle. Das Planina-Thal. 5. Der Rakbach-Eessel und der Zirknitzer See. 6. Die Grotten und Hhlen von St. Canzian. Die grosse Doline. Die Reka- hhlen. 7. Von der Reka zum Timavus. Kacna Jama. Kronprinz Rudolf-Grotte. Grotte von Corgnale. Lindner- hhle. Duino und der Timavus. Durch die Mitwirkung des Hhlenforschers Franz Kraus, der den Verfasser mit Material versehen und die Revision des Textes besorgt hat, hat das Werk auch fr den Naturforscher Werth bekommen. Das Volumgesetz gasfrmiger Verbindungen. Abhandlung von Alex. v. Humboldt und J. F. Gay-Lussac (lSO 1S08). Herausg. von W. Ostwald (Ostwald's Klassiker der exacten Wissenschaften, No. 42). Wilhelm Engelmann. Leipzig 1893. Preis 0,60 M. In dem 38 Seiten umfassenden Heftchen werden die Abhand- lungen neu herausgegeben, in denen der wissenschaftlichen Welt die Thatsache, dass die Gase sich nach einfachen rationalen Volumverhltnissen verbinden und umsetzen, mitgetheilt worden ist Es sind das die Abhandlungen 1) A. v. Humboldt und Gay- Lussac's: Experiences sur les moyens endiometriques et sur 1a Proportion des principes constituants de l'atmosphere" (1805) und 2) Gay-Lussac: Memoire sur la combinaison des substances gazeuses, les unes avec les autres" (1808). Wie blich in den Klassi- kern der exacten Wissenschaften finden sich aus der Feder des Herausgebers Anmerkungen am Schlsse des Heftes Emile Picard, Traite d'analyse. Tome IL Fonctions harmo- niques et fonctions analytiques. Introduction a la theorie des equations differentielles, Integrales abcliennes et surfaces de Riemann. Gauthier-Yillars & fils. Paris 1893. Prix 15 frcs. Was wir hinsichtlich der Bedeutung des Picard'schen Werkes gelegentlich der Besprechung des ersten Bandes (Naturw. Wochen- schrift Bd. VII, S. 243) gesagt haben, gilt durchaus auch von dem nunmehr vollendet vorliegenden zweiten Bande: der Picard'sche Traite gehrt zu den bedeutendsten Erscheinungen der um the- matischen Litteratur und Gegenwart. Aus Vorlesungen hervor- gegangen, die der Herr Verfasser an der Sorbonne gehalten hat. stellt sich auch der zweite Band nicht gerade als Lehrbuch im engeren Sinne dar, welches ein abgeschlossenes Gebiet der hheren Mathematik im systematischen Aufbau vortrgt, sondern der be- wegt sich meist frei auf dem Felde der neueren und neuesten Forschungen, bald Bekanntes in originaler Darstellung bietend, bald neue Schlussfolgerungen und Stze entwickelnd. In dieser freien Bewegung und Behandlung liegt ein grosser Reiz, nament- lich fr diejenigen, welche selbst an den Forschungen betheiligt sind. Es wird das Picard'sche Buch daher auch in den Kreisen deutscher Mathematiker, von dem lteren Studenten bis zum ge- reiften Forscher, weiteste Verbreitung finden. Nach dem ursprnglichen Plane sollte der zweite Band haupt- schlich der Theorie der Ditforentialgleichungen gewidmet sein, indessen findet man ausser einem einleitenden Capitel nichts ber diese Theorie; der Herr Verfasser bemerkt hierber in seiner Vor- rede, dass sich der Plan des Werkes bei der Arbeit erweitert habe, und dass der dritte Band voraussichtlich der wichtigen Theorie der Differentialgleichungen vorbehalten bleiben werde. Der wesentliche Inhalt des gegenwrtigen Bandes wird durch den Untertitel angegeben, welcher lautet: Fonctions harmoniques et fontions analytiques; Introduction la theorie des equations differentielles, Integrales abcliennes et surfaces de Riemann Es ist jedoch manchem Leser gewiss erwnscht, nher ber den In- halt orientirt zu werden. Das Wichtigste, was uns der vorliegende Hand in seinem Theile bietet, ist das tiefgehende Studium der Laplace'schen Differentialgleichung, von der die ganze Theorie der analytischen Functionen abhngt. Hiermit ist das fr die mathematische Physik und die Analysis gleich wichtige sogenannte Dirichlet'sche Princip aufs engste verknpft und bei dem Beweise desselben (durch Neumann, Schwarz, Poincare) hat deshalb der Verfasser lange verweilt. Es mag bemerkt werden, dass dieser Theil denen von Werth sein wird, welche tiefer in die einschlgigen Untersuchungen des Herrn Verfassers, soweit dieselben in den Comptes Rendus und zwar meist in knapper Form, verffentlicht sind, einzudringen wnschen. Ein besonderes Interesse beansprucht auch das Ca- pitel ber die Anzahl der zwei simultanen Gleichungen gemein- samen Wurzeln. Die Bestimmung der Anzahl der in einem ge- gebenen Bereiche liegenden gemeinsamen Wurzeln zweier Gleichungen ist bereits von Kronecker aufgenommen und erledigt worden, und bekanntlich ist Kroneckers letzte Arbeit dem Nach- weise gewidmet, dass er entgegen der Behauptung des Herrn Picard die Lsung richtig und vollstndig gegeben habe. In dem in Rede stehenden Capitel geht nun Herr Picard auf diese Ar- beit nicht ein, sondern verharrt bei der Behauptung, dass Kro- neeker's Formel die Lsung nicht genau gebe. Dcingegetihe] muss Referent, welchem es vergnnt war, Kronecker in der letzten Zeit des Lebens bei seinen Arbeiten zu untersttzen, bemerken, dass Kronecker bis zum letzten Augenblicke festhielt an seiner Meinung und gewiss auch nach den vorliegenden Darlegungen Picard's nicht vom Gegentheil berzeugt wre. Es ist hier nicht der Ort, eine so subtile Frage nher zu errtern, doch wollten wir nicht unterlassen, auf diesen Punkt hinzuweisen, der seiner definitiven Erledigung noch harrt. Die weiteren Theile des vorliegenden Bandes beschftigen sich wesentlich mit den hheren Transcendenten, der Theorie der Differentialgleichungen und den Riemann'schen Flchen. Whrend man in Frankreich grossentheils noch heute an der Cauchy 'sehen Darstellung der mehrwerthigen Functionen festhlt, gebhrt dem Herrn Verfasser das Verdienst, einer der ersten unter denjenigen Mathematikern zu sein, welche den Riemann'schen Ideen in Frankreich Verbreitung zu geben suchen. Insofern schon bean- spruchen die bezglichen Theile unser Interesse; aber wir finden nicht nur eine klare Darstellung ber die Riemannjschen Flchen, sondern der Herr Verfasser hat vieles Neue hinzugefgt, wie das von einem so grndlichen und gedankenreichen Forscher nicht anders zu erwarten stand. Die Ausstattung des Bandes seitens der berhmten Verlags- buchhandlung ist ber alles Lob erhaben. A. G. 7. Jahresbericht des Vereins fr Naturwissenschaft zu Braunschweig fr das Vereinsjahr 1889/90 und 1890/91. Com- missions-Verlag der Schulbuchhandlung Braunschweig 1S93. Das Heft, IV und 224 Oktav-Seiten stark, bringt auf Seite 132 Be- richte ber Vereinsangelegenheiten und von Seite 33 bis zum Schluss den dritten Theil des Verzeichnisses der auf die Landes- kunde des Herzogthums Braunschweig bezglichen Literatur, und zwar V., 3 Damkhler: Mundartliches, Sprach- grenzen, Ortsnamen; V., 6 und 7 Blasius: Hygiene (einschliesslich Bevlkerungsstatistik a) Landesherrliche Gesetze, Verordnungen u. dergl ; b) Stdtische Statute, Reglements etc.; c) Hygienische Publicationen.) ; V.. S. d) Kybitz: Forst-, Jagd- und Fischerei- wesen; V., 8, e) und f) Landauer un d Fuchs: Industrie, Handel und Verkehrswesen: V, '.), b) und c) Koldewey: Landeskundliche Literatur auf dem Gebiete der Kirche und des Unterrichtswesens im Herzogthume Braunschweig; V., 9. d) Steinacker: Kunst im Herzogthume Brannschweig. Derselbe: Nachtrge und Berich- tigungen zur Literatur der Ortskunde. Die Wichtigkeit der artiger bibliographischer Nachweise bei der gegenwrtigen ge- waltigen literarischen Produktion, wobei oft wichtige Abhand- lungen in wenig verbreiteten, schwer zugnglichen Zeitschriften erscheinen, bedarf keines weiteren Coinmentars. Einen Antiquariats-Katalog von 40 Seiten Umfang ber Arbeiten aus dein Gebiete der Coleopteren-Kunde bringt die Buchhandlung von J. B. Bailliere et lils in Paris zur Versendung. Inhalt: P. Ascherson: Zwei Nachtschattenarten des nordamerikanischen Prairiegebiets als Adventivpflanzen in Europa. (Mit Abbild) Die Forschungsreise des Professor Dr. Richard Semon (Jena) nach Australien und nach dem Malayischen Arichipel (1891 1893). - G. de Laire und Ferd. Tiemann: Ueber Iridin. das Glucosid der Veilchenwurzel. Aus dem wissen- schaftlichen Leben. Litteratur: Prof. Dr. F. Jolly: Ueber Irrthum und Irrsein. -- Rudolf Virchow: Die Grndung der Berliner Universitt und der Uebergang aus dem philosophischen in das naturwissenschaftliche /.ritalter. Arendt's Natur- historischer Schulatlas. Dr. Wilhelm Haacke: Die Schpfung der Thierwelt. Dr. med. Carl Gnther: Einfhrung in das Studium der Bakteriologie. A. Hartleben's Neue Reisebcher Unterwegs" Nr. 7: A. von Schweiger-Lerchenfeld: Die Grotten und Hhlen des Karst. Das Volumgesetz gasfrmiger Verbindungen. -- Emile Picard: Traite d'analyse. 7. Jahresbericht des Vereins fr Naturwissenschaft zu Braunschweig. Antiquariats-Katalog. 28 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2. Zur Lieferung aller Arten preiswrdiger Uhren, besonders in verschiedenen Tempe- raturen und Lagen re- gulirter Ankeruliren, empfiehlt sich bei Zusicherung strenger Reellitt C. Baker, Uhrmacher in Nauen b. Berlin. Mitgl. d. Vereinig, v. Fr. d. Astronomie u. kosm. Physik. Goldene Herren- und Damenuhren unter Augalie des Goldgewichts der (lehuse. Unbekannte Besteller werden um gefl. Angabe von Referenzen gebeten. ,atent- u.techn. Bureau Fritz Schmidt BERLIN N., Chaussee-Str. 2a. Sauerstoff jin Stahlcylindei-n. Dr. Th. Elkan, i Berlin N., Tegeler Str. 15. atent-technisches und I Verwerthung Bureau Betche. Berlin S., Koniniandantenstr. 23. j 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1^ Z In Ferd. Dmmlers Verlags- Z buchhandlung in Berlin erschien: g = Einftii'Tj.rLg 1 I in die Kenntnis der Insekten \ von H. .. Kolbe, Kustos am ~ Knig). Museum fr Naturkunde Z in Berlin. Mil 324 Holzschnitten. 724 Seiten gr. 8". Preis 14 Mark. ~ . i i i i I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I r MaxSteGkelmann, westendoppiWennerTrockenplaltcn JII.Preisli5te(ber100Abb)gegenZ0 Pfw. ,a beiBesfcllung in Abrechnung gebracht. e N Empfehlens wertli : Columbus"-Camera mit Stativ und vollstndigem Laboratorium (9/12 cm Wcstendorp & Wehner"- Platten etc.) in guter Aus- fhrung. Besprochen ii Preis IVIk. 30,! Xaturw. Wochenschr." Bd. VIII. Nr. 49. Fremdlndische Zierfische Macropoden, Telescop- Schleierschwanz -Goldfische und andere Arten, sowie Wasserpflanzen fr Aquarien und Gartenbassins, fauch Einrichtung derselben), Durchlftungs-Apparate, Hlfsmittel, Fischfutter etc. empfiehlt Lankwitz a. d. BerL Anh. Bahn. Paul Matte, (Von Berlin in 12 Min. zu erreichen.) Zchterei fremd!. Zierfische. (Besichtigung ist gestattet.) Neu! Hectographen-Papier. Neu! Einfachstes und billigstes Vervielfltigungsverfahren. Kein Ab- waschen mehr! Ein Original liefert 100 gute Copien in schwarzer, rother, violetter oder grner Farbe. Prospecte und Schriftproben versendet gratis und franco die Fabrik von AUGUST RADICKE, BERLIN, Gneisenaustr. 61. TT i i i HF" mifvltonitt atbcihUriilTfe ittc-r. nUnu6RUCtl6n. Snigl. reufe. silberne StaatmebatHe. - i Beniner 18,50 Jif. ^robe 5 kg poftfret 2,80 3JH. ofliinol FIpicpIi ^iebaef juv ufiutfit oit ftiihucni, gafanen, UtSIluym-r IbIJsUi- Zaviitn. 3tr. 19 3JH. SroBe 5 kg pofrfr. 3 35. Berliner Huuclelcuciien-Fabrik J. Kayser in Tempelliof bei Berlin. In Ferd. Dmmlers Ver- lagsbuchhandlung in Berlin erschien: Stiien zur Astrometrie. Oosanmielto Abhandlungen von Wilhelm Foerster, Prof. u. Director der Kgl. Stern warte zu Berlin. Preis 7 Mark. lJgj(Spe'cialitT.) E'Hintze iUi ;3erliti,N.37 MetseV^MT /fyeiscff.urante grafisifranco. . Selbstthtige Spiritus - Geblse - Lampe, Colossale Hitzentwickelung (bis ifiOO Cels.), gefahrloser Betrieb, regulirbare Flammengrsse; fr alle Zwecke verwend- bar, geeignet besonders fr Spectral-Analysen, Polarisation etc. JPreis elegant vernickelt 15 Mark:. Kein Docht. Keine Ersatztheile. Th. Lehmbeck & Mecke. Metall waaren-Fabrik. Berlin NW., Spenerstr. 23. $0F" \K. Siehe Besprechung in der Naturwissensch. Wochenschr." Bd. VIII. 1893 Nr. 44 *?l """"""" '"'"'" V*J " ""'""'""""' $.. ... ml 19.III Illt ..4 ..... In Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12 !C erschien : Ein Ausflug nach Spitzbergen. Von Leo Cremer, Bergreferendar. IM Mit wissenschaftlichen Beitrgen von Prof. Dr. Holzapfel, | Dr. Karl Mller-Hallensis, Dr. F. Pax, Dr. H. Potonie und Prof. Dr. W. Zopf. S)' Mit I Portrait, 12 Abbildungen, I Tafel und l Karte. : i .1: 80 Seiten gr. 8. Preis 1,20 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. .lt !!!!!!!!!!!!'!!!!!''''!!'!'!'"!!!! itlt !!!!!!!!!!""!!!"!!!!"!!!!!!!!!!' *It 1K Soeben erschien in unserm Verlage: Lehrbuch der Differentialrechnung. Zum Gebrauch bei Vorlesungen an Universitten und technischen Hochschulen Dr. Harry Gravelius. 331 Seiten gr. 8". Preis broschirt 6 Mark, gebunden 7 Mark. PATENTE iMaxMylius,,;?, in allen Lnder durch Tneoflorovic & Ca BERLIN NW. Thurmstr. 14. ieit 1877 ber 1 1000 Patente. Hempel's Klassiker-Ausgaben. Ausfuhr!. Specialverzeichnisse gratis. Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandl. "k 5 Wumbrun, QuIUts & Co. BERLIN C, Niederlage eigener Glashttenwerke und Dampfschleifereien. Mechanische Werksttten, Schriftmalerei und Emaillir- Anstalt. 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Abdruck ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Zum Gedchtniss Emin Paschas. Von Professor Dr. Fritz Regel. Seit etwa einem Jahrzehnt hat kaum eine Persn- lichkeit die Tagespresse, die colonialcn und geographischen Kreise so lebhaft beschftigt, wie der Generalgouverneur der ehemaligen gyptischen Aequatorialprovinz Emin Pascha (Dr. Schnitzer). Auch diese Bltter haben wiederholt seiner gedacht (zuletzt abgesehen von spteren kurzen Notizen am 16. Juli 1893 in No. 29 d. v .J.). Die damals noch nicht hinreichend sichere Nachricht von seiner Niedermetzelung durch Ara- ber und Manyeinas scheint gegen- wrtig Zweifeln keinen Eaum mehr zu gestatten: Wir wollen daher auch in diesen Blttern das Andenken an den seltenen Mann, einen unserer begabte- sten und erfolgreichsten Afrikaforscher, durch einen kurzen Rckblick auf sein Leben und seine Leistungen ehren. I. Leben und Persnlichkeit.*) Geheimnissvoll tauchte sein Name erst auf, als er schon lngst im __; j i Sudan stand als gyptischer Beamter /f unter Gordou Pascha, und erst spter wurde bekannt, dass sich hinter dem Tr- ken Emin Bey Emin bedeutet der Ge- i 3 , in dem zehnten Abschnitte Quarz, Thon, Silikate, im elften die schweren Metalle und ihre Erze und im zwlften findet sich eine Uebersicht der wichtigsten Elemente und ihrer Verbindungen, sowie der wichtigsten Mineralien. Prof. W. Ostwald, Hand- und Hilfsbuch zur Ausfhrung physiko-chemischer Messungen. Mit 188 Textfiguren und 6 Tabellen. Wilhelm Engelmann in Leipzig 1893. Preis 8 M. Der rhrige Verf. bietet namentlich dem Chemiker aber auch dem Physiker durch sein Hand- und Hilfsbuch eine werthvolle Quelle, aus der er bei seinen Untersuchungen vortheilhaft schpfen kann. Dass Verf. die Beurtheilung der mglichen Fehler oder der erforderlichen Genauigkeit der Messungen und Rechnungen stets in den Vordergrund gestellt hat, ist durchaus am Platze und er- hht den wissenschaftlichen Werth des Buches. Die chemische Praxis findet in dem Werk treffliche Untersttzung, da die Dar- stellung der Hilfsmittel, der Handgriffe, berhaupt der prakti- schen Dinge in weitgehendem Maasse Bercksichtigung gefunden hat. So ist der Handhabung des Glases ein ganzes Capitel ge- widmet. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 39 Dr. Peter Mnch. Lehrbuch der Physik. Mit einem Anhange: Die Grundlehren der Chemie u. der mathemafhisehen Geographie. Mit '6'21 Abb. u. einer Spektraltafel. 10. verb. Aufl. Herder'sche Verlagshandlung. Freiburg im Breisgau. 1893. Preis 4 Mk. Das Buch ist fr ein Schulbuch ziemlich umfangreich; es umfasst incl. Register 452 Seiten. Die 10. Auflage, die es seit 1870 erlebt, hat es mit Recht verdient. Es ist trefflich geeignet als Lehrbuch zu dienen. Die neueste Auflage ist dem momen- tanen Stande der Wissenschaft gebhrend angepasst wurden. Von Neuerungen erwhnen wir die Aufnahme des absoluten Maass- systems und einer elementaren Behandlung der Potentialtheorie. Dr. K. Sumpfs Anfangsgrnde der Physik. 6. verb. Aufl. Bearbeitet von Dr. A. Pabst. Mit 305 Abbildungen und einer Spectralkarte in Farbendruck. August Lax, Hildesheim 1893. Preis 1,50 Mk. Das gute Buch enthalt ausser dem Lehrstoffe am Ende jedes einzelnen Paragraphen auch Uebungsstoff. Der Lehrstoff ist, um fr grssere Repetitionen die Uebersicht zu erleichtern, so geordnet und durch Druck so unterschieden, dass die Gesetze und Erklrungen (namentlich erstere) stark hervortreten: der Uebungsstoff ist in Frageform gegeben und soll den Schler zu eigenem Denken und zum Beobachten anregen. V. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft zu Greifs- wald. 1890 93. Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Prof. Dr. Rudolf Credner. Mit einer Karte und einer Profiltafel. Verlag und Druck von Julius Abel. Greifswald 1893. V on den Aufstzen seien hier genannt : D e e c k e : Ueber den Sarno in Unter-Italien (Provinz Neapel). Verfasser stellt Untersuchungen ber die Quelle des Sarno (Sarnus der Alten) an und kommt zu dem Resultat, dass nicht, wie auf der Kiepert'schen Karte an- gegeben wird, der wasserarme Bach, welcher nordstlich von Nocera im Thale von Solofra und Montoro superiore entspringt, als solche anzusehen ist, sondern dass der Fluss seinen Ursprung den zahlreichen starken Quellen verdankt, welche am West-Fusse des Apennins sdlich des Ortes Sarno zu Tage treten. Der auf Kiepert 's Karte (Maassstab 1:400 000) von Unter-Italien als Quell- fluss des Sarno angegebene Bach erreicht kaum die westlich No- cera gelegene Ebene, da seine Wasser in den aus vulkanischen Tuffen bestehenden Boden hineinsickern. Dietrich: Unter- suchungen ber die Bschungsverhltnisse der Sockel oceanischer Inseln. Ein Beitrag zur Morphologie des Meeresbodens. Diese Publication ist nur ein Theil einer demnchst zu verffentlichen grsseren Arbeit, Untersuchungen ber die Bschungsverhltnisse des Meeresbodens, und behandelt nur 1, telefonische Inseln (vulkanische Inseln und Bruchinseln isolirte Trmmer frheren Festlandes) und 2. Aufschttungsinseln (spociell die Ko- ralleninseln). Die Bschungswinkel der Sockel vu lkanischer In- seln schwanken zwischen 1 und 60 bei dem von Amsterdam sind sogar 80 gemessen worden ; indessen darf als Durchschnitts- grsse ein Winkel von 7'/ 2 13 3 / 4 angenommen werden. Die Bschung ist in den verschiedenen Tiefenstufen nicht gleichmssig. Nach einer flacheren Litteralzone beginnt zwischen 100 bis 'J00 m der Steilabfall, welcher sein Maximum zwischen 400 und 500 in erreicht, um dann mit zunehmender Tiefe wieder flacherer Nei- gung zu weichen, die zwischen 3000 und 4000 m wiederum eine geringe Steigerung erfhrt. Die Bschung des unterseeischen Sockels scheint regelmssig eine geringere zu sein als des aus dem Meere emporragenden Kegels. Das Verhalten der Bschungen scheint entgegen dem F. G. Hahn'schen Inselsystem nicht von dem Aufbau der Insel abhngig zu sein. Bei Vulkangruppen steigen die einzelnen Inseln nicht von einem gemeinsamen Sockel, sondern isolirt von dein Boden des Meeres auf. Bei den Bruchinselu liegen die Grenzen der beobachteten Bschungs- winkel zwischen 16' 20' (Sardinien, Sd-Sicilien und Sumatra) und 20 36 (Cuba, Capverden). Im Allgemeinen ist. die Bschung bis zur 100-Fadenlinie sanfter, im Durchschnitt 239' 255', wird dann steiler (ca. 522') und bleibt ziemlich constant bis zu 3500 m (5 614'). Die Sockel vieler Inseln dachen sich nach ver- schiedenen Seiten verschieden stark ab, und in einigen Fllen ist hierin eine Beziehung zur Tiefe des angrenzenden Meeres erkenn- bar; der steilere Abfall nach dem tieferen, der sanftere nach dem flacheren Meere zu (z. B. Sicilicn, Gran Canaria etc |. Palma und Gomera besitzen dagegen ziemlich gleichmssige Gesammt- bsehungen. Die mit Vulkanen besetzten Bruchinseln haben meist steilere Bschungen. Die Bruchinselu besitzen im Gegensatze zu den reinen Vulkaninseln im Allgemeinen durch alle Tiefen hin- durch sanftere Bschungen, was besonders schart' in der Litteral- zone ins Auge fllt (2'/ 2 3 zu 8^4 10'/.,). In manchen Fllen steigen die Bruchinseln einer Gruppe von einem gemeinsamen flacheren unterseeischen Sockel auf, in anderen fehlt ein solcher wieder ganz. Fr die Koralleninseln hat Verf. durchschnitt- lich steilere Bschungen constatirt (70 75 Maximum): inde seil kommen auch sehr sanfte (045' 1' bei den Bahamainseln) vor. Die Steilabstrze sind bei den Koralleninseln, mit Ausnahme einiger weniger Flle, auf die Zone bis zu 300350 m beschrnkt. Die herrschende Ansicht, dass die Korallen inseln Krnungen sub- mariner Erhebungen sind, wird durch des Verfassers I suchungen untersttzt. Von den zahlreichen Vortrgen, welche eingehend referirt worden sind, seien hier diejenigen erwhnt, welche der Versitzende der Gesellschaft, Professor Dr. R. Credner, ber seine Ausflge in den Vereinigten Staaten (Yellowstone u. National Park. Neu- Mexiko und Grand Canon des Colorado in Arizona) gelegentlich seiner Theilnahme am internationalen Geologen - Congress in Washington hielt. Den Schluss des IV u. 270 Seiten starken i letavheftes bilden Berichte ber Excursionen der Gesellschaft und die blichen anderen Vereinsmittheilungen. Ueber seine Polyklinik fr Sprachstrungen zu Berlin in den ersten Jahren ihres Bestehens 1891 und 1892 verffentlicht der Grnder und Leiter derselben, Dr. H. Gutzmann, in der Monatsschrift fr die gesammte Sprachheilkunde (Heft 8, 1893) einen Bericht, der wohl geeignet ist, einen Ueberblick ber das Gebiet der Sprachstrungen zu geben. Das Ausland", Wochenschrift fr Eni- und Vlkerkunde (Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung), zuletzt redigirt von Prof. Siegmund Gnther, hat mit dem 66. Jahrgange No. 52 des vorigen Jahres zu bestehen aufgehrt. Beyrich, Konr., Stoff und Weltther. Warmbrunn. 3 M. Bronn's, H. G., Thier-Reich. 6. Bd. 4. Abth. Vgel. 46.-49. Lfg. Leipzig, 1,50 M. Buchenau, Prof. Dr. Frz., Flora von Bremen und Oldenburg. Bremen. 3,20 M. Darwin, Francis, Charles Darwin. Stuttgart. 8 M. Elfstrand, M., Hieracia alpina aus den Hoehgebirgsgegenden des mittleren Skandinaviens. Upsala. 2 M. Feldt, Wold., Ueber das Verhalten von Hvdroxylamin zu einigen Metallsalzen. Berlin. 1,50 M. Finsch, Dr. 0., Ethnologische Erfahrungen und Belegstcke aus der Sdsee. Wien. 50 M. Gegenbauer, Leop., Das Additionstheorem der Funktionen C n (x). Wien. 0,30 M. . Eine Anwendung der Zahlentheorie auf die Integralrechnung. Wien. 0,40 M. Giberne, Agnes, Sonne. Mond und Sterne. Merlin. 4 M. Gumppenberg, C. Frhr. v., Systema Goometrarum zonae tompe- ratioris septentrionalis. Leipzig. 4 M. Haase, Dir. Dr. Erich, VIII. Untersuchungen ber die Mimicry auf Grundlage eines natrlichen Systems der Papilioniden. 9. 11. Lfg. '2. Tbl. Stuttgart. Holtermann, Carl, Beitrge zur Anatomie der Combretaceeu, Christiania. 2 M. Karte des I eutschen Reiches. 1 : 10O00O. 67. Stolp. - 94. Kslin. - 156. Naugard. 324. Kosten. Berlin. 1,50 M. topographische, des Knigreichs Sachsen. 1:25000. 106. Wal- tersdorf. 115. Zschopau. 145. Eibenstock. Dresden. 1,50 M. Keilhack, Landesgeol. Dr. Konr.. 14. Zusammenstellung der geologischen Schriften und Karten ber den ost-elbischen Theil des Knigr. Preussen, mit Ausschluss der Provinzen Schlesien und Schleswig-Holstein. Berlin. 4 M. Martin, Bath Friedl, Afrikanische Skizzen. Mnchen. 2,50 M Inhalt: Prof. Dr. Fr. Regel: Zum Gedchtniss Emin Pascha's. (Mit einem Portrait.) -- Pseudoparasitismus der Milbe Laelaps stabularis auf Menschen. Ueber die Gruppe der Hymenolichenen. Das Vorkommen von Cellulose in Bacillen, Schimmel- und anderen Pilzen. -- Ueber die Gesteine der thiopischen Vuleanreihe. -- Der Einfluss der tiefen Temperaturen in dem Gesammtgebiete der Chemie. Aus dem wissenschaftlichen Leben. -- Litteratur: A. Reinheimer: Leitfaden der Botanik. - Seminardire cto r Dr. M. Krass und Prof. Dr. 11. Landois: Lehrbuch fr den Unterricht in der Botanik. Dr. Karl Fricker: Die Entstehung und Verbreitung des arktischen Treibeises. -- Prof. Dr. W. J. van Bebbor: Katechismus der Meteorologie. K. Weinert: Die Grundbegriffe der Chemie. -- Dr. T. Wilbrand: Grundzge der Chemie in chemischen Untersuchungen. Prof. W. Ostwald: Hand- und Hilfsbuch zur Ausfhrung physiko-chemischer Messungen. Dr. K. Sumpfs Anfangsgrnde der Physik. Dr. Peter Mnch: Lehrbuch der Physik. V. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft zu Greifswald. 189093. Polyklinik fr Sprachstrungen zu Berlin. Das Ausland. Liste tl) Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. Zur Lieferung aller Arten preiswiirdiger Uhren, besonders in verschiedenen Tempe- raturen und Lagen re- gulirter Ankernhren, empfiehlt sich bei Zusicherung strenger Reellitt G. Baker, Uhrmacher in Nauen b. Berlin. Mitgl. d. Vereinig, v. Fr. d. Astronomie u. kosm. Physik. Goldene Herren- und Damenuhren nntor Angabe ilcs Goldgewichts der Gehuse. Unbekannte Besteller werden um gefl. Angabe von Referenzen gebeten. Sauerstoff |in Stahlcylindei'n.j Dr. Th. Elkan, j Berlin N., Tegeler Str. 15. j Vor Kurzem erschien und ist durch jede Buchhandlung gratis zu beziehen: Verlags- Katalog von Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung. 1808-1892. (Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12. Vor Kurzem erschien: System der 'formalen und realen Logik. Von Dr. Georg Ulrich. 91 Seiten gr. 8. Preis 1,80 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. atent-technisches und | Verwerthung-Bureau Betche. Berlin S., Kommandautenstr j 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 in i;i 1 1 1 1 1 1 imiiiiiiii = In Ferd. Dmmlers Verlags- _ - buchhandlung in Berlin erschien: -? Z Ein.fiilii'U.n.g 1 - in die Kenntnis der Insekten z - von H. J. Kolbc. Kustos am ~ Knigl. Museum fr Naturkunde ~ I in Berlin. Mit 324 Holzschnitten. - ^ 724 Seiten gr. 8 U . Preis 14 Mark, g ~l I I I I I I llilliililiiiilil II I llilili.lil r Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12. Soeben erschien in unserm Verlage : Lehrbuch der Differentialrechnung. Zum Gebrauch bei Vorlesungen an Universitten und technischen Hochschulen Dr. Harry Gravelius. 331 Seiten gr. 8". Preis broschirt 6 Mark, gebunden 7 Mark. Fr Laboratorien. Laboratorium-Lampen mit 1 2 blau brennenden und leicht regulirbaren Heizflammen. hnlich dem Bunsenbrenner, von ausser- ordentlich iutensiTer Hitze. Die Regulirung der Flammen ist ebenso leicht wie bei Kohlen- gas-Bunsenbrennern. Die Flammen verursachen weder Geruch noch Russablagerung. 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JII.Preisli5te(u'ber100Abb)qegen20PFw. mimmSm Empfehlens werth. : Columbus"-Camera mit Stativ und vollstndigem Laboratorium (9/12 cm Westeudorp & Wehner"- Platten etc.) in guter Aus- fhninir. esprochei in de Preis Mk. 30, ! Naturw. Wochenschr." Bd. VIII. Nr. 49. In Ferd. Dmmlers Ver- lagsbuchhandlung in Berlin erschien: Studien zur Astrometrie. flosauinolte Ahhandlnngon von Wilhelm Foerster, Prof. u. Director der Kgl. Stern warte zu Berlin. Preis 7 Mark. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch) Stuttgart. Soeben erschien: LliClilvS l/CirWllh dargestellt in auto- ^^ biographischen Capitel und in einer ausgewhlten Reihe seiner verffentlichten Briefe. Herausgegeben von seinem Sohne Francis Darwin. Aus dem Englischen von J. Victor Carus. Mit Portrait und Schriftprobe. Preis Mk. H., gebd. in Leinwand Mk. 9. ** '-" '"' " " " . . * " "*"!' ''' '" "'" " " "" j+i "'" " * " ""...."""" 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Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. IX. Band. Sonntag, den 28. Januar 1894. Nr. 4. Abonnement : Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- y anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 4. dp Bringegeld bei der Post 15 .4 extra. Postzeitungsliste Nr. 4575. JL Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 40 *V Grssere Auftrge ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Zur Naturgeschichte des Wassernetzes. In inneren, also der Forschung unzugnglichen Ur- sachen, erblickte man noch bis vor Kurzem den Grund fr die wechselweise auf ungeschlechtlichem und-ttuf ge- schlechtlichem Wege erfolgende Entstehungsweise der- jenigen Gebilde, welche bei der weitaus grsseren An- zahl von Algen die Fortpflanzung vermitteln. Erst in jngster Zeit hat Gg. Klebs*) diese als allgemein giltig betrachtete Annahme einer nheren Prfung unterworfen und durch ausgedehnte Cultur versuche mit dem gemeinen Wassernetz Hydrodictyon utriculatum den sicheren Nach- weis fhren knnen, dass die Bildung von Zoosporen und Gameten nicht von inneren, sondern vielmehr nur von usseren Ursachen abhngig ist. Denn es ist ihm ge- lungen, die notwendigen Bedingungen aufzufinden, unter denen die eine oder die andere Art der Fortpflanzung bei dieser Alge eintritt. Durch diese Entdeckung wurde das bisher nur von morphologischen und anatomischen Gesichtspunkten aus bearbeitete Gebiet der Fortpflan- zungsphysiologie erst der experimentellen Forschung zu unterwerfen begonnen und noch die weitgehendsten Aufschlsse ber die Organisationsverhltnisse, sowie ber die Fortpflanzungserscheinungen der verschieden- artigsten Lebewesen drften sich von allen Unter- suchungen, welche in dieser Richtung angestellt werden knnen, erwarten lassen; empfing ja hierdurch Klebs selbst bereits die Anregung, die Bildungs weise der Fort- pflanzungszellen beim Wassernetz**) von diesem neuen Standpunkte aus zu untersuchen, obgleich von verschie- denen Forschern, worunter u. a. Validier, Areschoug, AI. Braun, F. Gohn und Artary hier angefhrt werden mgen, sehr werthvolle Beobachtungen ber diesen Gegen- *) Gg. Klebs, lieber die Vermehrung von Hydrodictyon utri- culatum, Flora 1890. Vergl. No. 12, S. 116 u. ff. im Jahrgang 1890 dieses Blattes. **) Gg. Klebs, Ueber die Bildung der Fortpflanzung. Uen bei Hydrodictyon utriculatum, Bot. Ztg. 1891. stand vorliegen. Die von ihm hierbei gewonnenen Ergeb- nisse, welche er an einem anderen Orte ausfhrlich mit- getheilt hat, mgen in kurz gefasster Darstellung den Gegenstand des Nachfolgenden bilden. Der Bau der Zelle. Das Wassernetz erhielt sowohl seinen deutschen, als auch seinen dem Griechischen ent- lehnten wissenschaftlichen Namen von der netzfrmigen Anordnung seiner einzelnen Bestandteile (vergl. Fig. a und b auf Seite 117 Band V der Naturw. Wochenschr.). Ein jeder derselben besitzt im AVesentlichen den typischen Bau einer Pflanzenzelle. Er ist von einer ringsum ge- schlossenen Zellwand, welche nach den usseren Verhlt- nissen oder je nach dem Alter mehr oderminder starkverdickt sein kann, umgeben. Die usserste Lage derselben ist von cuticularer Beschaffenheit, wodurch sie selbst der Einwirkung von Schwefelsure auf lngere Dauer zu widerstehen vermag. Auf ihrer Innenseite ist sie in der Regel vollstndig glatt, und zeigt nur unter der Einwirkung verschiedener usserer Einflsse z. B. in Maltoselsung locale oft ganz unregelmssig gestaltete Verdickungen, welche in das Innere der Zelle hineinragen. Der Zellen- leib besteht aus einer grossen Zellsaftvacuolc und dem sie ringsum einschliessenden, dnnen Protoplasmabeleg, welcher aus drei unter gewhnlichen Umstnden erkenn- baren Schichten, der Haut- und der Plasmaschieht, sowie der Vacuolenwand (Tonoplast) besteht. Unter diesen bildet die mittlere die Hauptmasse, denn in ihr ist das Chlorophyll abgelagert, welches nach den lteren An- schauungen diffus vertheilt oder in feinkrniger Form ent- halten sein sollte, nach den neueren Arbeiten von Schmitz und Schimper aber auch hier an einen bestimmt geformten Kiiipcr, den Chromatophor, gebunden ist. Derselbe ist ziem- lich leicht in einer Umhllung von Protoplasma, welches der mittleren Schicht angehrt, zu erkennen, steht aber noch auf einer verhltnissmssig sehr niedrigen Stufe der Entwickelun2-; denn er besitzt noch keine bestimmt 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4 *S30 i 8& ausgeprgte Form, sondern bildet eine einzige zusammen- hngende Schicht, welche noch nicht einmal sich selbst- stndig und unabhngig zu vermehren im Stande ist, sondern bei der Fortpflanzung passiv in den Theiliingspro- eess des bri- gen Zellinhal- tes mit hinein- gezogen wird. Sie unterliegt hier wie alle anderen Be- standtheiledes Protoplasmas selbst dem Ein- fluss des Stoff- wechsels, in- dem sich der Ernhrungszu- stand der gan- zen Zelle in der Art ihrer Ausbildung er- kennen lsst. Denn bei un- vollstndiger Ernhrung bil- det sie ein gro- bes Netzwerk, mit grossen Maschen und schmalen Bal- ken, welches an seinen Kno- tenpunkten et- was verdickt ist (Figur 1), whrend sie in einem besser ernhrten Zu- stande sich als eine gleich- massige hin und wieder von helleren Stel- leu unterbro- chene Schicht darstellt (Fi- gur 2). Erst bei fortgesetz- ter Cultur in Nhrlsung lsst sie ihren eigentlichen Aufbau erken- nen, welcher in einer dichtge- drngten Ver- einigung ein- zelner unter sich lose ver- bundener und nur strecken- weise durch schmale und helle Spalten von einander getrennter Stckchen zu einer scheinbar einheitlichen Schicht besteht (Figur 3). Durch diese Anordnung empfngt das Ganze das Aus- sehen eines feinen Stickmusters und macht erst umsoinehr den Eindruck eines feineren oder grberen Netzwerkes, -.. - : je grsser die von farblosem Protoplasma erfllten Zwischen- rume sind, welche zwischen den einzelnen Bestandtheilen der Chlorophyllschicht entstehen. Jedenfalls die grsste Entwickelung, welche das Chromatophor berhaupt zu er- reichen ver- mag, lsst sich durch eine ln- gere Cultur der Zellen in einer 0,5 1,0 proc. Nhrlsung er- zielen. Die aus der assimilatori- schen Thtig- keit des Chlo- rophylls her- vorgehenden Amylonkerne, welche von Vaucher zum ersten Male erkannt, von AI. Braun aber erst richtig ge- deutet wurden, bestehen aus einem centra- len Theil, dem Pyrenoid und einem periphe- rischen , der Strkehlle, welche auf Be- handlung mit Jod oder mit quellenden Mitteln aus ein- zelnen Kr- nern zusarn- c Bezeichnung der Figuren. Fig. 1. Die Chlorophyllschicht nach 2'/ s monatlicher Dunkel- cultur. n = Zellkern. Die Chlorophyllschicht einer am Licht eultivirten Zelle, n Zellkern, a Pyrenoid. Die Chlorophyllschicht einer in 1 % Nhrlsung eultivirten Zelle, n Zellkern, a Pyrenoid. Die mittlere Plasmaschicht vor ihrer Zertheilung. Der Beginn der Spaltenbildung. Fig. 6. Die weitere Zertheilung der mittleren Plasmaschicht. 7. Der Zerfall der Theilstcke. 8. a b u. c die verschiedenen Stadien des Zerfalles. 9. Stck einer in Zoosporen zerfallenen Zelle, das Plasmafortstze in die hellen Rume der mitt- leren Plasmaschicht hineinsendet. 10. Die Anordnung der Zoosporen kurz vor ihrer Reife. lebendige teinkrystallen, was Schimper nher zu whrend Schmitz in ihnen activ kerne hnliche Organe erblickt, welche brigen Plasmabestandtheile durch sollen. Gegen die letztere Annahme spricht aber der Th eilung meugesetzt er- scheint. Das Pyrenoid bleibt nach er- folgter Aufl- sung der Str- kehlle als eine rundliche, nach innen sich vorwlbende Scheibe im Chlorophyll- krper zurck. Ueber die Na- tur desselben gehen unter den verschie- denen For- schern die An- sichten ausein- ander. Meyer hlt sie fr Re- servestoffe in Form von Pro- suchte, dem Zell- sich wie die vermehren begrnden Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 benierkenswerthe Umstand, dass sie zu gewissen Zeiten aufgelst und wieder neugebildet werden knnen, wo- gegen eine Theilung derselben noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen wurde. Ihre Bildung hngt nicht etwa mit der Ernhrung, sondern mit dem Wachsthuin der Zelle zusammen. Selbst die gnstigsten Ernhrungsbedingungen ben keinen merkbaren Einfluss auf die Entstellung neuer Pyreuoide aus, so lange die Zelle nicht wchst. Nur die Ausbildung derselben hngt zum Theil von der Ernhrung der Zelle ab, denn bei Culturen in Nhrlsungen nehmen sie gegen sonst an Grsse und Umfang erbeblich zu, so- lange das Licht seinen Einfluss dabei ausben kann. Bei Ausschluss desselben werden sie dagegen aufgebraucht, selbst wenn auch die sonstigen Bedingungen zu ihrer Aus- bildung die denkbar gnstigsten wren. Sie bleiben nur noch als unscheinbare Pnktchen im Chromatophor er- kennbar, welche nach kurzer Zeit bei Lichtzutritt zu ihrer ursprnglichen Grsse wieder heranwachsen knnen. Nur in einem bis jetzt ganz vereinzelt gebliebenen Falle wurde unter Lichtabschluss eine Ernhrung der Pyrenoide wahr- genommen, indem von Klebs in einer zwei Monate lang verdunkelt gewesenen Cultur von 4% Glycerin derartige zum Theil zu eckigen oder zu rhomboi'dischen Krperchen umgestaltete und von einer zarten Strkehlle umgebene Gebilde aufgefunden wurden. An die chlorophyllfhrende Schiebt legt sieh die- jenige Plasmalage an, in der sich die Zellkerne befinden. Die Kenntniss der letzteren verdanken wir AI. Braun, welcher sie in den bei der ungeschlechtlichen Fort- pflanzung bemerkbar werdenden hellen Flecken zu er- kennen glaubte. Strasburger gelang es, sie mit voller Sicherheit nachzuweisen. Sie sind in strkearmen Zellen durch Behandlung mit Jod schon als blschen- frmige Gebilde mit grossem Kernkrpcrchen bemerkbar, lassen sich jedoch mit Hilfe der gebruchlichen Frbe- mittel mit grsster Leichtigkeit nachweisen. Sie sind ber die ganze Zelle gleichmssig vertheilt. Obgleich sie in den Lcken des Chlorophyllnetzes am ehesten erkennbar sind, so kommen sie auch an anderen Stellen durch ihr strkeres Lichtbrechungsvermgen zum Vorschein. Aus dem einzigen in der Zoospore enthaltenen Kern sind bei dem allmhlichen Heranwachsen derselben die brigen hervor- gegangen und vermehren sich auch noch bei fernerer Ver- grsserung derselben in entsprechendem Maasse. Wie bei den PyrenoTden, so hngt also auch hier die Anzahl der neugebildeten Kerne von der Lebhaftigkeit des Wachs- thums der Zelle ab. Diese Regel besitzt hiernach all- gemeine Giltigkeit, aber auch sie steht nicht ohne Aus- nahmen da, welche indessen keine Zweifel an ihrer Richtigkeit aufkommen lassen. Bei Culturen in Nhr- lsungen kann nmlich trotz des hierdurch unterbrochenen Wachsthums dennoch eine sehr lebhafte Vermehrung der Zellkerne stattfinden. Diese Erscheinung bietet keines- wegs etwas sehr Auffallendes, denn sie steht nicht mit dem Wachsthum, sondern mit der Fortpflanzung im engsten Zusammenhang. Durch sie wird nmlich die Zoosporen- bildung eingeleitet, woraus sich die ausgesprochene Nei- gung der aus solchen Culturen stammenden Zellen zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung von selbst erklrt. Durch den Einfluss der Nhrsalzculturen werden in den Zellen des Wassernetzes eine Reihe von Structur- eigenthtnlichkeiten hervorgerufen, welche an dieser Stelle eine kurze Erwhnung finden mgen. Durch die Auf- lagerung zahlreicher neuer Lamellen erfhrt in diesem Falle die Zellwand eine mchtige Verdickung. Auf ihrer Innenseite bleibt sie auch nicht vollkommen glatt, sondern erhlt wellige Falten. Die wesentlichsten Vernderungen erfhrt aber der Chlorophyllkrper, in welchem ein grobes Netzwerk von schmalen, in der Mitte etwas angeschwollenen Balken von dunkelgrner Farbe auftritt, welches an seiner Innenseite anzuliegen scheint. Die Maschen desselben sind vnii Innen her von einer zuweilen durchlcherten Schicht bedeckt, deren Structur derjenigen der Chloro- phyllschicht sehr hnlich ist. Hiernach wre also das Chromatophor aus zwei Schichten zusammengesetzt, zwischen welchen durch die Netzleisten blasenfrmige Rume abgetheilt werden. Es lsen sich hierbei die smi>t der usseren Chlorophyllschicht angehrigen Amylonkernc von ihrer Unterlage los und rcken nach innen hin, wo sie von Zwischensubstanz allseitig umgeben, durch ein eigenes Netzwerk mit dicken, nach innen vortretenden Balken mit einander in Verbindung stehen. Ausserdem breitet sich auf der Innenseite der usseren Chlorophvll- schicht zuweilen noch ein weiteres Netz von Leisten aus, welche frei nach innen hin auszulaufen scheinen. Die grsseren oder kleineren Zwischenrume, welche von den beiden Chlorophyllschichten umschlossen werden, sind von einer flssigen Masse erfllt, ber deren Natur wir bis jetzt noch nicht nher unterrichtet sind. Eine derartige Ausbildung- des Chromatophors erstreckt sich keineswegs gleichmssig ber alle Theile der Zelle, sondern beschrnkt sich in mehr oder minder ausgesprochenem Maasse nur auf einzelne Stellen derselben. Wie bereits bemerkt wurde, gehen die Kerne in solchen Zellen, welche lngere Zeit in Nhrsalzlsungen zubringen, zuweilen in eine sehr lebhafte Theilung ber. Aber an gut fixirten und gefrbten Objecten zeigt sich weiterhin die auffallende Erscheinung, dass sie unter sich durch Strnge netzfrmig verbunden sind. Aus der nheren Untersuchung des Sachverhaltes ergab sich aber, dass dies nicht der Fall ist, sondern, dass wahrscheinlich durch die Chlorophyllleisten, auf denen die Kerne liegen, eine derartige Verbindung vorgetuscht wird. Die Anordnung der Kerne, auf den Strngen und in den Knotenpunkten des Leistennetzes, welche bei der weiteren Ausgestaltung des Chromatophores eine hchst verwickelte wird, legt den Gedanken nahe, dass dieselben einen Einfluss auf die Lage der Leisten auszuben im Staude wren. Alle die mitgetheilten Beobachtungen, welche der Forschung noch ein weites Feld erffnen, sprechen jeden- falls fr die unabweisbare Thatsache, dass durch die reichliche Zufuhr von Nhrsalzen im Verein mit der Kohlenstoffassimilation im Lichte in den Zellen des Wasser- netzes eine grosse Anhufung von protoplasmatischen Sub- stanzen stattfindet. Zum Einschluss des Zellsaftes dient die innere Plasma- schicht, welche bei der Plasmolyse zuweilen als ein feines, mit dem Protoplasten durch dnne Fden verbunden bleibendes Hutchen sichtbar wird. Unter gewhnlichen Umstnden ist es vollkommen glatt, bildet aber in Nhr- salzlsungen Ausstlpungen von solcher Ausdehnung, dass die ganze Vacuole dadurch in einzelne Fcher zerfllt, welche unter besonderen Verhltnissen wieder zurck- gebildet werden knnen. Ueber die chemische Beschaffen- heit des Zellsaftes, deren Kenntniss von hohem Werthe wre, sind wir bis jetzt noch nicht nher unterrichtet. Die Plasmolyse mittelst Salpeter oder Rohrzucker hat zur Folge, dass sich der ganze Protoplasmakrper von der Wand zurck- zieht, Es bleiben dabei feine Protoplasmafden /.wischen beiden ausgespannt. Dieselben gehen von einem an der Zellwand zurckgebliebenen feinen Plasmabeleg aus nach dem contrahirten Protoplasten hin, werden aber bei fort- gesetzter Einwirkung der wasserentziehenden Mittel zu- letzt eingezogen, worauf sich der letrere unter Zutritt einer gengenden Lichtmenge wieder mit einer neuen, aber sehr dnn bleibenden Zellwand umkleidet. Nicht selten wird besonders in langen Zellen der Plasmakrper durch eine allzuheftige Zusammenziehung in mehrere 44 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4 Stcke zertheilt, wovon sich ein jedes mit einer neuen Wand umgiebt. Dies geschieht jedoch nicht, sobald die Zelle geschnitten wird, weil der Protoplast sich gegen das von aussen eindringende Wasser nicht rasch genug zu schtzen vermag. Die Strkebildung. Die Ernhrung, von welcher der regelmssige Verlauf des Wachsthuuies und der Fort- pflanzung abhngt, wird auch bei Hydrodictyou utriculatum durch die assimilatorische Thtigkeit des Chlorophylles bewirkt. Bekanntlich entstehen hierbei die Kohlehydrate, welche mit den aufgenommenen Nhrsalzen unter Mit- wirkung des Sauerstoffes sich am Aufbau aller anderen Stoffe betheiligen. Die Bildung der Strke, welche unter allen Assimilationsprodueten ihre Entstehung am ehesten verrth, wurde von Sachs genauer erforscht und ihre Kenntnis in der jngsten Zeit sehr erheblich durch die Bhm'sche Entdeckung gefrdert, dass die Zelle ohne Kohlenstoffassimilation zur Bildung von Strke aus Zucker- lsungen befhigt ist. Hieraus scheint hervorzugehen, dass bei der Assimilation berhaupt zuckerartige Krper entstehen, welche bei gengender Concentration in Form von Strke aus ihrer Lsung ausgeschieden werden. In Folge des Umstaudes, dass Schimper die Abhngigkeit der Strkebildung von der Concentration der Glycose- lsung bei verschiedenen Pflanzen festgestellt und Bhm diesen Vorgang in den Zellen von Sedum speetabile durch einfache Erhhung der Concentration des Zellsaftes herbei- gefhrt hat, wre derselbe als ein sehr einfacher Pro- cess aufzufassen, welcher nur von der Grsse des Zucker- gehaltes, sowie der Sauerstoffzufuhr abhngig ist. Allein so einfach liegen beim Wassernetz die Verhltnisse doch nicht, denn durch Mangel einer Arbeitstheilung spielen sich bei den meisten niederen Organismen die verschiedenen Lebensvorgnge nur in einer einzigen Zelle ab, wodurch eine engere Verkettung derselben mit der Strkebildung bedingt wird. In den Zellen des Wassernetzes findet sich die Strke sowohl als Hlle um die Pyrenoi'de, als auch in anderer Form in dem brigen Theile der Chlorophyllschicht. Klebs nennt sie im einen Falle Pyrenoid-, im anderen Stroma- strke. Im Allgemeinen entspricht die letztere derjenigen, welche in den Chromatophoren der hheren Pflanzen ab- gelagert wird, und scheint nach ihrem ganzen Verhalten in unmittelbarer Beziehung zum Stoffwechsel zu stehen. Sie entsteht nmlich aus dem Ueberschuss der erzeugten Kohlenhydrate, weshalb die vorhandene Menge von dem Verhltniss abhngt, in welchem Ernhrung und Verbrauch zu einander stehen. Im Vergleich zu ihr zeigt die Pyrenoid- strke ein ganz anderes Verhalten. Sie tritt im vegetativen Zustande der Zelle niemals in den Stoffwechsel ein, wes- halb sie auch nach ihrer Bildung, selbst unter den gn- stigsten Ernhrungsbedingungen, kaum mehr irgend welche erheblichen Vernderungen erleidet. Nur bei lngerem Verweilen im Dunkeln wird auch sie zur Ernhrung der Zelle herangezogen, ein Fall, welcher sich in der freien Natur wohl kaum ereignen drfte. Die beiden Strkearten weisen auch in ihrem physio- logischen Verhalten noch sehr bemerkenswerthe Unter- schiede auf. Wenn die Zellen des Wassernetzes in eine 0,5 l,Oprocentige Knop'sche Nhrlsung versetzt werden, so erfahren die Amylonkerne dadurch keinerlei Vernde- rungen, whrend die Stromastrkc unter der Einwirkung des Lichtes in wenigen Tagen vollstndig gelst wird. Obgleich durch die ungestrt fortschreitende Assimilation eine Anhufung von Nhrstoffen in den Zellen stattfindet, so vollzieht sich die Auflsung der Strke dennoch in viel krzerer Zeit, als in verdunkelten Wasserculturen, trotz ihres ausschliesslichen Verbrauches von Strke durch den Athmungsprocess. Das Zustandekommen dieser paradoxen Erscheinung fhrt Klebs darauf zurck, dass in einer 0,5 l,Oprocentigen Nhrlsung durch den grossen Vor- rath von anorganischen Nhrsalzen, sowie durch die Er- zeugung von Kohlehydraten in Folge der ungehemmt fort- schreitenden Assimilation eine sehr ausgiebige Bildung von Proteinstoffen herbeigefhrt wird. Eine Anhufung von Strke kann daher bei dem nebenhergehenden Ver- brauch derselben zur Athmung und zur Zellhautbildung nicht stattfinden und man beobachtet anstatt dessen eine ausserordentliche Vermehrung der protoplasmatischen Sub- stanzen, worber schon an einer frheren Stelle nhere Mittheilungen gemacht wurden. Deswegen zeigen auch diejenigen Zellen, welche auf einige Zeit in einer Nhr- lsung verweilten, eine usserst lebhafte Neigung zur un- geschlechtlichen Fortpflanzung, weil die Zoosporenbilduug zuerst durch das Vorhandensein einer grsseren Menge von plastischen Substanzen begnstigt zu werden scheint. Die Erklrung, welche Klebs von diesen Vorgngen gegeben hat, steht keineswegs im Widerspruch zu den von Schimper auf Grund zahlreicher frherer Arbeiten festgestellten Thatsachen, dass die Synthese der Eiweiss- stoffe bei den grnen Pflanzen in den chlorophyllfhrenden Zellen der Bltter auch nur unter dem Einfluss des Lichtes vor sich gehen kann, weil sie auf eine Umsetzung von Sulfaten und Nitraten mit den Producten der Assimilation beruht, welche nur unter der Einwirkung des Lichtes zu Stande kommt. Im Gegensatz zur Stromastrke unterliegen die Amylon- kerne, sowohl die Pyrenoi'de, als auch die Strkehlle derselben, keinerlei Einflssen durch den Stoffwechsel, scheinen vielmehr in einer vollstndig unbekannten Weise vor Auflsung geschtzt zu sein. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Strkearten besteht hinsichtlich ihrer Bildung aus Zucker unter Ausschluss des Lichtes. Ent- strkte Pyrenoi'de knnen im Dunkeln aus Zucker ihre Strkehlle nicht bilden, wogegen die Stromastrke unter solchen Umstnden entstehen kann. Allein in Folge der Mitwirkung unbekannter Nebenumstnde nimmt dieser Process nicht selten den entgegengesetzten Verlauf und es tritt alsdann selbst in hochconceutrirten Lsungen sogar eine vllige Entstrkung der Zellen ein. Am sichersten gelingt die knstliche Strkebildung aus Zucker, wenn die Zellen nach lngerem Aufenthalt in Nhrsalzlsungen in eine verdunkelte Cultur mit Zuckerlsung gebracht werden oder wenn sie sich nach monatelangem Verweilen in derselben bei Lichtmangel sich zur Fortpflanzung an- schicken. Der Eintritt der Fortpflanzung ruft in den Zellen tief- greifende Vernderungen hervor, welche sich sogar auf das Verhalten der beiden Strkearten erstrecken. Die Stromastrke erscheint in fein vertheilter Form in den- jenigen Zellen, welche aus dem vegetativen Zustand zur Bildung von Zoosporen und Gameten bergehen, weil da- durch alle Hindernisse, welche vordem in Culturen mit Nhrsalz- und Zuckerlsungen ihre Entstehung unmglich machten, beseitigt zu werden scheinen. Selbst in solchen Zellen, die in Zucker im Dunkeln zur Gametenbildung bergehen, wird sie gebildet, so dass die in Cultur ge- nommenen Netze neben entstrkten vegetativen strke- reiche in Fortpflanzung begriffene Zellen besitzen. Im Gegensatz zu ihr wird jetzt die Pyrenoi'dstrke, welche im vegetativen Zustande der Zellen dem Einfluss des Stoff- wechsels entzogen blieb, aufgelst, ohne Rcksicht auf die Umstnde, unter denen die Fortpflanzung herbeigefhrt wurde. Aus diesem entgegengesetzten Verhalten der beiden Strkearten geht hervor, dass eine jede ihre eigene Rolle im Haushalte der Zelle spielt; die eine kommt im vege- tativen Zustande und die andere erst bei der Fortpflanzung der Zelle zur Verwendung. Es ist aber keineswegs aus- Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 15 geschlossen, dass beim Aushungern der Zelle durch lang- anhaltende Verdunkelung auch die Pyrenoi'dstrke schliess- lich der Auflsung anheimfallt, sobald die vorhandene Stromastrke aufgebraucht ist, weil zur Erhaltung des Lebens alle verwendbaren Bestandteile des Zellenleibes herangezogen werden. Die Pyrenoi'dstrke lsst sich in derselben Weise wie die Stromastrke auf knstlichem Wege innerhalb 2 bis 3 Tagen zur Auflsung bringen, sobald die Zellen im Dunkeln in Maltose eultivirt werden. Noch beschleunigen lsst sich dieser Vorgang, wenn man in Nhrlsung ge- wesene Netze bei einer Temperatur von 26 in ver- dunkelte Maltoselsung versetzt, worauf sie bereits in 24 Stunden grsstenteils verschwunden ist. Worauf die auflsende Wirkung der Maltose beruhen mag, ist bis jetzt noch nicht nher bekannt. Ihr Einfluss auf das Ver- halten der beiden Strkearten beschrnkt sich nicht blos auf die im vegetativen Zustande befindlichen, sondern auch auf die sich fortpflanzenden Zellen, indem sie sogar das Auftreten von Stromastrke, welches fr alle zur Zoosporen- oder zur Gametenbildung schreitenden Zellen usserst bezeichnend ist, verhindert und somit zur Bildung vollkommen strkefreier Fortpflanzungszellen fhrt. Wie bei der Maltose, so wird auch in verdnnten Lsungen organischer Suren sowohl im Lichte als auch im Dun- keln eine Auflsung der Pyrenoi'dstrke beobachtet, deren nhere Ursache sich ebenfalls unserer nheren Kenntnis entzieht. Die Zeit des Eintrittes der Fortpflanzung. Der Uebergang der Zellen aus ihrem vegetativen Zustand zur Fortpflanzung ist nicht an eine bestimmte Zeit des Jahres gebunden, sondern kann unter Mitwirkung usserer Umstnde, welche auf natrlichem sowie auf knstlichem Wege herbeigefhrt werden knnen, zu jeder Zeit er- folgen. Was die Einhaltung einer bestimmten Tageszeit anbelangt, so verhlt sich das Wassernetz ebenso wie die meisten anderen Algen, indem im Verlauf der Nacht die Bildung der Fortpflanzungszellen vor sich geht, welche mit dem Anbruch des Tages zum Ausschwrmen kommen. Wenn man also das Wassernetz aus einer Nhrlsung in Wasser bertrgt, so beobachtet man bei der Mehrzahl der Zellen am frhen Morgen der nchsten Tage die Ent- stehung junger Netze aus den gebildeten Zoosporen. Es fllt die Bildung derselben in die Nachtzeit. Da dieser Vorgang durch Verdunkelung in seinem Verlauf aufgehalten wird, so sollte man annehmen, dass durch den Wechsel von Tag und Nacht eine Unterbrechung desselben herbei- gefhrt werden msse. Dies geschieht zwar auch, aber nur in den ersten vorbereitenden Stadien, welche sich in der Regel auf den vorhergehenden Nachmittag verlegen und nur selten auf die Zeit nach dem Eintritt der Dunkel- heit sich verschieben. Wenn der Process einmal einge- leitet ist, so spielt er sich ohne irgend welche Strungen im Dunkeln ab und erreicht mit dem Anbruch des Tages sein Ende. Die Verlegung der Zoosporenbildung in der Nachtzeit ist nicht etwa als eine erblich tixirte Eigenschaft, sondern gleichsam als eine Gewohnheit der Algenzclle aufzufassen. Denn es ist Klebs gelungen, durch eine passende Wahl des Zeitpunktes, mit welchem er die Zellen mit ausgesprochener Neigung zu ungeschlechtlicher Fort- pflanzung in Maltoselsung brachte, den Eintritt der Zoosporenbildung auf eine andere Tageszeit zu verlegen. In weit geringerem Maasse scheint die Gametenbildung, besonders bei Culturcu in Zuckerlsungen, von dem Wechsel von Licht und Dunkelheit beeinflusst zu werden. Die Anfnge der Zoosporeubilduug. Die Zoosporenbildung verschliesst sich in ihrer ersten Anlage vollstndig der Beobachtung und tritt in ihrem weil Verlauf erst dann sichtbar in die Erscheinung, wenn von ihren Wirkungen der Protoplast in allen seinen Theilen erfasst wird. Dies liisst sich einzig und allein an der Vermehrung der Zellkerne sowie an der Vernderung der eingelagerten Strke erkennen, welche als die Folgen der bereits im Protoplasten vollzogenen Vorgnge aufzu- fassen sind. Beim Wassernetz hat Artari die Kerntheilung genauer untersucht und seine Beobachtungen befinden sieh in voll- stndiger Uebereinstimmung mit demjenigen, was Stras- burger bei anderen Beispielen gefunden hat. Sie ist an gut fixirten und gefrbten Objecten leicht wahrzunehmen. Wie bereits angefhrt worden ist, findet in vollster Un- abhngigkeit von der bevorstehenden Zoosporeubilduug eine lebhafte Vermehrung der Zellkerne in Nhrsalz- lsungen statt, wobei oftmals eine grssere Anzahl ge- bildet werden, als zur Bildung von Zoosporen erforderlich sind. Whrend unter gewhnlichen Umstnden auf 0,01 qmm im Durchschnitt zwanzig Zoosporen und also ebensoviel Zellkerne entfallen, so kann sich deren Anzahl bei Cul- turen in Nhrlsungen zuweilen um das Doppelte und das Dreifache sogar erhhen, als nachher Zoosporen dar- aus hervorgehen. Da eine jede einzelne Zoospore in der Regel nur einen einzigen Zellkern enthlt, so muss man wohl annehmen, dass bei der Bildung derselben eine Ver : minderung der Kerne durch Wiederverschmelzung herbei- gefhrt wird. Die Vernderungen, welche die Strke erleidet, sind im Allgemeinen der Beobachtung zugnglicher als die Kerntheilung. Die Stromastrke, welche im vegetativen Zustande als Krner von verschiedener Grsse und un- gleicher Vertheilung in der Zelle abgelagert war, wird jetzt in eine ganz gleichmssig in der Chlorophyllschicht vcrtheilte, feinkrnige Masse verwandelt, wodurch der Zellinhalt ein trbkrniges Aussehen empfngt. Wie schon an einer frheren Stelle erwhnt worden ist, lsst sich diese interessante Erscheinung beim Uebergang aus dem vegetativen Zustand zur Fortpflanzung auch in solchen Zellen beobachten, welche, solange sie in Nhrlsungen im Lieht oder in Zuckerlsung im Dunkeln verweilten, keine Strke enthielten. Nur in solchen Zellen, welche im Dunkeln in Maltoselsungeri eultivirt wurden, findet unter solchen Umstnden keine Strkebildung statt, worauf schon an einem frhereu Orte hingewiesen worden ist. Whrend die Pyrenoi'dstrke im vegetativen Zustande der Zelle von allen Stoffwechselvorgngen unberhrt ge- blieben ist, so ist fr sie mit dem Eintritt der Zoosporeu- bilduug der geeignete Zeitpunkt zu ihrer Verwendung gekommen. Sie fllt deshalb jetzt der Auflsung anheim. Die Strkehlle zerfllt in einzelne kleine Krnchen oder schmilzt nach und nach ab. Das Pyrenoid vermindert sich zusehends bis zum vlligen Verschwinden. Es ist dies deshalb noch besonders beachtenswerth, weil Schmitz in den Pyrenoiden activ lebendige Organe des Protoplasten erblickt, bei welchen er wohl eine Abnahme, aber niemals eine vllige Auflsung wahrgenommen hat. Gerade ihr Verhalten beim Wasseruetz spricht gegen diese An- nahme. Denn es steht ausser allem Zweifel, dass sie auf- gelst und neugebildet werden knnen, jedoch nur dann, wenn die Zelle zur Fortpflanzung schreitet. Es scheint aus dieser ihrer einseitigen Verwendung hervorzugehen, dass sie aus einer besonderen Form von Eiweissstoffen bestehen, welche von einer Strkehlle umschlossen wer- den. In welchen Beziehungen diese beiden Bestandteile der Amylonkerne zu einander stehen, ist bis jetzt noch nicht bekannt. (Schluss folgt.) 46 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4 Beobachtungen ber das Vorkommen des Pfeiffer- schen Inflnenzabacillus, ber den wir Bd. VII, S. 27 und 56 berichtet haben, verffentlicht Dr. M. Borchardt in der Berliner klinischen Wochenschrift. Seit Pfeiffer' Mittheilungen ber die Aetiologie der Influenza" sind nur sehr wenige Untersuchungen ber den neu entdeckten Bacillus verffentlicht worden, und diese wenigen stammen von Bactcriologeu oder Pathologen. Von klinischer Seite ist bisher weder eine Besttigung, uoch eine Widerlegung der Pfeifferschen Entdeckung erfolgt; es ist dies um so auffallender, wenn man bedenkt, dass die Influenza seit Pfeiffer's Verffentlichungen niemals vllig verschwunden ist, und andererseits gengend Gelegenheit gegeben war, seine Untersuchungen einer Nachprfung zu unterziehen. Bei der Anfertigung mikroskopischer Prparate ist die grsste Sorgfalt am Platze, wenn man nicht gelegent- lich durchaus trgerische Bilder empfangen will. Man muss nach Pfeiffer's Vorschriften ausschliesslich frisches Sputum verwenden, dasselbe durch Schwenken in wenn mglich sterilem - - Wasser von den oberflchlich an- haftenden acterieu befreien, und aus der Mitte des ge- reinigten Ballens mglichst dnne Deckglastrockenprparate herstellen; diese werden mit verdnnter Ziehl'scker L- sung (1 : 10 oder 1 : 20) gefrbt, einfach mit Wasser ab- gewaschen, oder in schwach essigsaurem Wasser entfrbt. Mit dieser Methode hat B. nach Pfeiffer's ersten Mit- theilungen hufig den Auswurf von Lungenkranken in influenzafreier Zeit untersucht, speciell die Sputa atypischer Pneumonien, die zu Anfang dieses Jahres in auffallend grosser Zahl zur Beobachtung kamen, genau durchmustert. Nur zwei oder drei Mal hat B. in geringer Anzahl Stb- chen gefunden, die morphologisch den Pfeifferschen glichen. Sonst wurden die Stbchen regelmssig vermisst. Desto berraschender waren die Befunde gleich zu Anfang der jetzigen Epidemie. Bei im Ganzen etwa 50 Influenzafllen hat B. in 35 Fllen die Pfeifferschen Stbchen nachweisen knnen. In der einen Reihe der Flle fanden sich neben ihnen noch andere Mikroorganismen, in der anderen fanden sie sieh in berwiegender Menge, oder so gut wie in Rein- cultur. In guten Prparaten sieht man die Stbehen ent- weder gleiehmssig durch das Gesichtsfeld vertheilt, meist freiliegend, vielfach aber auch in Zellen eingeschlossen, oder man findet sie in Schleimflocken wie kleine Fisch- schwrme angeordnet, oder in Colonnen aufinarschirt, charakteristische Bilder, wie man sie bei anderen Mikro- organismen im Sputum kaum findet. Die Stbchen Hessen sich in den Sputis der Kranken wochenlang nachweisen, in einem Falle waren sie am 28. Krankheitstage noch in Reincultur vorhanden. Im Allgemeinen zeichnen sich die Bacillen durch ihre Kleinheit aus, bisweilen jedoch wechselt ihr Lngen- und Dickendurchmesser nicht unbedeutend; dasselbe gilt fr ihre Frbbarkeit; meist sind die Pole strker tingirt als die Mitte, und diese Thatsache giebt, wie Pfeiffer mit Recht hervorhebt, leicht zu der Tuschung Veranlassung, dass man es mit ausserordentlich kleinen Diplococcen zu thun habe. In andern Fllen sind die Stbchen fast gleiehmssig gefrbt, hier und da erscheinen die Enden etwas zugespitzt oder abgerundet. Obwohl in Folge dieser Differenzen die Beurtheilung auch dem gebten Auge bisweilen schwierig wird, so ist doch in uncomplicirten Fllen das Bild ein so charakte- ristisches, dass es nicht wohl verkannt werden kann, und hufig fr den Eingeweihten die mikroskopische Unter- suchung allein gengt. Bevor uns aber die Morphologie des neuen Bacillus so in Fleisch und Blut bergegangen ist, wie die des Frnkel'schen Diplococcus, und solange uns eine speeifische heterogene Frbemethode fr den Influenzabacillus fehlt, mssen wir versuchen, ihn durch die Cultur zu identificiren. Die Reincultur der Influenza -Stbchen hat, obwohl sie von Pfeiffer genau beschrieben wurde, selbst namhaften Bac- teriologen grosse Schwierigkeit bereitet. Pfeiffer vertheilt eine sorgfltig ausgewhlte Sputumflocke in Bouillon, und impft von der trben Emulsion Platinsen auf Blutagar- rhren, die durch Ausstreichen von steril entnommenem Blut auf schrg erstarrtem Agar hergestellt sind. Nach 24 Stunden entwickeln sich schn isolirte, krystallhelle Intlueuzacolonien, whrend die entsprechend beschickten einfachen Agarrhrchen steril bleiben oder andere Colonien aufweisen. Streicht man die Sputumflocke direct auf Blut- agar aus, so entwickeln sich die Influenza-Colonien natur- gemss ppiger und bisweilen schon nach 1215 Stunden; allerdings finden sich neben ihnen dann noc Bacteriencolouien. Den 35 Beobachtungen, in denen die Pfeifferschen Ergebnisse bis in die Details besttigt werden konnten, stehen nur wenige gegenber, in welchen trotz der Diagnose Influenza die Stbchen nicht gefunden wurden. Es mag wohl sein, dass die Sputa dieser Kranken nicht mit der nthigen Sorgfalt untersucht worden sind. Ist die Akme der Erkrankung vorber, dann kann es vorkommen, dass sich nur noch sehr wenige oder gar keine Stbchen mehr finden; in solchen Fllen muss man den Auswurf zu wiederholten Malen untersuchen, ehe man ein sicheres Urtheil ber das Vorhandensein oder die gnzliche Ab- wesenheit der Bacillen abgeben kann. In 7 weiteren Fllen handelt es sich um die nervse Form der Influenza. In einem derartigen Fall, der mit grossem, leicht palpablem Milztumor einherging, wurde eine umfangreiche Blutaussaat gemacht. Smmtliche Rhren blieben steril. Das gleiche Resultat ergab sich bei der Blutuntersuchung von 4 anderen Patienten, die an der respiratorischen Form der Influenza erkrankt waren; die Ergebnisse, stimmen auch in diesem Punkte mit den Pfeiffer- schen vllig berein. Damit wird man natrlich das gelegentliche Vor- kommen der Bacillen im Blute nicht unbedingt leugnen knnen, aber man ist zu der Annahme berechtigt, dass die schweren Allgemcinerscheinungen bei Influenza nicht durch die Bacillen selbst, sondern durch die Resorption der von ihnen producirten Toxine verursacht werden. Der Pfeiffersche Bacillus kommt nahezu constant im Auswurf der Influenzakranken vor; in zweifelhaften Fllen ist sein Nachweis geeignet, die Diagnose sicher zu stellen. Die bacteriose (xuinmosis der Zuckerrben. In der Sitzung der Deutschen botanischen Gesellschaft vom 29. December v. J. konnte ich frisches Material von Zucker- rben vorlegen, die an einer bis dahin nicht bekannten Krankheit litten. Man bemerkt die Erkrankung erst bei dem Durchschneiden des Rbenkrpers, dessen Schnitt- flche eine anfangs rostrothe und spter schwrzliche Streifung annimmt. Diese Streifung entsteht entweder durch Verfrbung des Fleisches zwischen den Gefss- strngen oder der Gefssriuge selbst, wobei im letzteren Falle das Fleisch zwischen ihnen heller und nicht selten fast ganz gesund erscheinen kann. Aus den geschwrzten Ge- lassen sieht man bei strkerer Erkrankung hier und da kleine, sich schwrzende Trpfehen austreten, in denen nach kurzer Zeit eine sehr reichliche Bacterienvegetation sich nachweisen lsst. Wenn man derartige Rben mikro- chemisch untersucht, ergiebt sich, dass stellenweis eine grosse Anhufung von reducirenden Zuckerarten und an- deren Substanzen vorhanden ist, welche die Rohrzucker- Ausbeute schdigen. Wrde diese Erkrankung an Intensitt Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. zunehmen, wre dies fr unseren Zuckerrbenbau eine recht bedrohliche Erscheinung. Bis zu welchem Grade die Krankheit unter Umstnden sich ausbilden kann, zeigt eine mir vor drei Jahren aus Slavonien zugegangene Sendung kranker Futterrben. In dieser Sendung befanden sich Exemplare, welche schon usserlich durch ihre geschwrzten und geschrumpften Wurzelenden auffielen. Bei dem Durchschneiden derselben bemerkte man, dass der Rbenkrper eine speckige Be- schaffenheit angenommen hatte und gnzlich schwarz ge- frbt war. Die Schnittflche wurde binnen krzester Zeit glnzend durch Austritt einer siruphnlichen, bacterien- reichen Flssigkeit, die stellenweis so stark hervorfloss, dass sie in Tropfen herabrann. Reducirende Substanzen waren im Uebermaass vorhanden und der Rbenkrper vllig unbrauchbar. Was aber die Krankheit besonders bedeutsam machte, war der Umstand, dass auf der Be- sitzung, zu welcher die kranken Rbenfelder gehrten und auf welcher die weniger stark ergriffenen Exemplare verfttert worden waren, das Milchvieh in Folge dieses Futters erkrankte und in einzelnen Fllen sogar starb. Es musste also eine Zersetzung im Rbenkrper statt- gefunden haben, welche vergiftend auf den thierischeu Organismus wirkte. Wenn nun glcklicherweise auch bei uns in Deutsch- land die Krankheit in keiner so intensiven Form bisher bekannt geworden ist, so gengt doch schon die Fest- stellung der Thatsache, dass sie in ihren Anfngen gerade in unseren Zuckerrbengegeuden zu finden ist, um die Aufmerksamkeit der betheiligten Kreise in Anspruch zu nehmen, damit rechtzeitig Vorbeugungsmaassregeln ge- sucht und angewendet werden knnen. Zunchst handelt es sich darum, zu erfahren, ob die Krankheit von ge- wissen Boden- oder Witterungsverhltnissen und Ernhrungs- bedingungen abhngig ist. Deshalb wre es erwnscht, wenn alle diejenigen, welche Gelegenheit haben, Zucker- oder auch Futterrben untersuchen zu knnen, eine Pr- fung der Bestnde vornehmen wollten und Mittheilung von dem etwaigen Auftreten der Erkrankung und den Standortsverhltnissen der kranken Rben machten. Ein schnelleres Hervortreten der charakteristischen Merkmale erzielt man, wenn man das Durchschneiden der Rben in einem hellen, erwrmten Rume vornehmen lsst. Prof. Dr. Paul Sorauer. Einen Beitrag zur Naturgeschichte der Leucht- bacterien liefert Raphael Dubois. (Extinction de la luminosite du Photobacterium sarcophilum par la ruiniere. C. r. Soc. de Biol. de Paris, T. 5, 1893, S. 160.) Whrend es ihm schon frher gelungen war, auf See- fischen und Bohrmuscheln leuchtende Spaltpilze zu isoliren, lehrte er uns neuerdings einen auf einem todten Kaninchen aufgefundenen Leuchtpilz unter dem oben genannten Namen kennen. Es ist der erste, der auf Sugethier- fleisch reingezchtet worden ist. Die Culturen verloren, wenn sie dem Licht bis ca. 10 ausgesetzt wurden, ihre Leuchtfhigkeit fast gnzlich, gewinnen sie aber im Dunkeln wieder. C. M. Ueber die Entstehung des Sugethiers hat Wilh. Haacke (Biolog. Centralblatt XIII. Bd., No. 23, S. 719 ff.) krzlich eine bemerkenswerthe Hypothese verffentlicht. Durch fnf Jahre laug fortgesetzte tgliche Beob- achtungen an lebenden Thieren ist H. zu der Ueber- zeugung gelangt, dass Aufbau und Functionen der Or- ganismen in der Mehrzahl der Flle sich nur verstehen lassen auf Grund der Annahme einer Vererbung erwor- bener Eigenschaften, dass also die Organe des Thier- krpers ihren Ursprung in erster Linie den ererbten Wir- kungen des Gebrauchs und Nichtgebrauchs verdanken. H. glaubt deshalb, dass nur eine Rckkehr zu den Grund- zgen der Sehpfungstheorie Lamarck's die Biologie frdern wird, und dass man einem grossen Theile dei darwinistisehen Anschauungen den Abschied geben muss. Die Umbildung der Organismen erfolgt mii Hilfe der constit utionellen Zuchtwahl, d. h. derjenigen Art der Auslese, welche die Constitution der Organismen deren grssere oder geringere Widerstandsfhigkeit gegen ussere Einflsse betrifft. Da thatschlich vielmehr Individuen erzeugt werden, als zur Fortpflanzung gelangen, da somit irgend welche Art der natrlichen Auslese statt- finden muss, so drfen wir annehmen, dass diese Auslese in erster Linie die Constitution betrifft, zumal es haupt- schlich die Jugendstadien der Organismen sind, die am leichtesten zu Grunde gehen. Dieser Umstand beweist. dass es weniger diejenigen Eigenschaften sind, die sieb erst am erwachsenen oder nahezu erwachsenen Organis- mus zeigen, welche den Fortbestand der Arten garan- tiren oder in Frage stellen, als vielmehr die Eigenschaften der Jugendstadien. Die letzteren sind aber hauptschlich solche, welche die Constitution betreffen. Durch diese Art der Zuchtwahl muss sowohl die Grsse als auch die Form der Organismen im Laufe der Generationen verndert werden; die Organismen werden grsser und ihr Bau wird complicirter. Da die grossen Hauptabteilungen des Thierreichs und die Classen inner- halb jeder Hauptabtheilung sich schon sehr frhzeitig von einander gesondert haben, so wird es kaum mglich sein, die geologische Periode festzustellen, in welcher die Sugethiere entstanden sind-, denn es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die ltesten Sugethiere und ihre noch nicht als Suger zu bezeichnenden Vorfahren ausser- ordentlich kleine Thiere gewesen sind, kleiner vielleicht als unsere Zwergspitzmaus. Nach der Gastraea-Theorie knnen wir uus alle Thiere vorstellen als Nachkommen einer Urform, welche eine aus einer Zcllcnschicht bestehende Hohlkugel bildete. An dieser entstanden im Laufe der Entwickelung Einstlpungen und Faltenbildungen, welche die ersten Anlagen von Orgauen darstellen. Auf solche Weise entstand auch die Lunge der Wirbelthiere als ein Sack, in welchem sich Luft sammelte. Durch die Wechselwirkung, in welche seine Zellen und das ihn durchstrmende Blut mit der auf- genommenen Luft traten, wurde dieser aus einer Aus- stlpung des Darmrohrs hervorgegangene Sack zu einer Lunge umgebildet. An dieser traten in Folge der con- stitutionellen Zuchtwahl ebenfalls Faltenbildungen ein, welche schliesslich zur Entstehung eines schwammartigen Organs fhrten, wie es die Lunge der Vgel und Suge- thiere darstellt. Der Verbrennuugsprocess im Krper musste in Folge der ausgiebigen Luftzufuhr, die durch die Vergrsserung der Lungenoberflche ermglicht war, ein viel lebhafterer werden, und er hatte eine Erhhung der Bluttemperatur zur unmittelbaren Folge. Aus den kalt- bltigen Vorfahren der Sugethiere wurden somit Warm- blter. Dies konnte deshalb geschehen, weil die Vor- fahren der Suger sehr kleine Thiere waren, deren Lungen- oberflche im Verhltniss zur Krpergrsse eine sehr be- trchtliche Ausdehnung hatte, whrend bei denjenigen Reptilien, welche ebenfalls eine compactere Lunge er- hielten, der Krper viel zu grosse Dimensionen hatte und dadurch eine Erhhung der Bluttemperatur vereitelte. Das aus irgendwelchen Oberhautgebilden entstandene Haarkleid der Sugethiere lsst sich -- ebenso wie das Gefieder der Vgel auf die hhere Bluttemperatur zurckfhren. Denn der Reiz, welchen die ussere Haut 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4 durch die umgebende khlere Luft erfuhr, bewirkte eine strkere Durchblutung und lebhaftere Ernhrung der Haut- organe. Dass eine grosse Verschiedenheit zwischen der Temperatur des Blutes und der der Umgebung zu einer starken Entwicklung der Oberhautgebilde fuhren muss, hat Haacke dadurch bewiesen, dass er fnf Jahre lang viele Thiere tropischer Lnder auch im Winter, und so- gar auch an Tagen, wo das Thermometer 20 c Cels. zeigte, im Freien gehalten hat. Diese Thiere wurden viel strker behaart, als die Individuen derselben Arten in anderen zoologischen Grten, wo man die Thiere im Winter in zum Theil geheizten Husern hlt. Ausserdem wissen wir ja, dass Polarthiere einen viel dichteren Pelz haben, als Thiere wrmerer Gegenden. Da das Haarkleid seiner- seits den Krper vor zu starker Abkhlung schtzt, so unterliegt es kaum einem Zweifel, dass Warmbltigkeit und Haarkleid sich Hand in Hand entwickelt haben. Hchst wahrscheinlich lsst sich auch die Entstehung der Talgdrsen auf erhhte Bluttemperatur zurckfhren. Die von warmem Blut durchstrmte Haut wurde durch die khlere Luft strker gereizt, als die Haut eines Kalt- blters, und da der Stoffwechsel der Warmblter ohnedies ein lebhafterer ist, als der der Kaltblter, so werden die Talgdrsen schon von vorn herein eine grssere Thtig- keit entfaltet haben, als die ihnen entsprechenden Gebilde bei den kaltbltigen Vorfahren der Sugethiere. Wie der Krpersich die Sekrete verschiedener Drsen (z.B. der Leber) zu Nutze gemacht hat, so sind wahrscheinlich auch die Abscheidungen der Talgdrsen von grossem Nutzen fr das Haarkleid geworden, weil sie die Haare einfetten und dadurch vor den schdlichen I^inflssen der Nsse schtzen. Umgekehrt werden aber auch die Haare sich allmhlich den Eigenschaften der Talgdrsen angepasst haben. Wren keine Talgdrsen entstanden, so htten die Haare andere Eigenschaften angenommen; sie htten sich dann ebenfalls auf irgend eine Weise mit den Einflssen der Umgebung ins Gleichgewicht gesetzt und wrden nicht in Abhngigkeit von den Talgdrsen gerathen sein. Aehnliches gilt von den gleichfalls in Folge der Warmbltigkeit und des erhhten Stoffwechsels entstan- denen Schweissdrsen. Auch ihrem Sekrete und den durch dessen Verdunstung herbeigefhrten Wirkungen bat sich der Sugethierkrper angepasst. Die Vgel, denen sie fehlen, obwohl sie auch warmbltig sind, beweisen aber andererseits, dass der Krper sich mit seiner Um- gebung irgendwie abgefunden htte, wenn Schweissdrsen berhaupt nicht entstanden wren. Die Entstehung des Brutbeutels der niederen Sugethiere erklrt sich Haacke folgendermaassen- Wo wir unter den niederen Wirbelthieren (z. B. den Fischen und Amphibien) Frsorge fr die abgelegten Eier antreffen, ist es in den meisten Fllen das Mnnchen, das sich um sie kmmert, nicht aber das Weibehen. Die Entstehung dieser mnnlichen Brutpflege ist aber vom Boden der Zuchtwahllehre aus vllig unbe- greiflich. Wir mssen vielmehr annehmen, dass sich das Mnnchen in bewusster Weise um die Eier gekmmert hat. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass von den sich entwickelnden Eiern ein Duft ausgeht, hnlich dem des Weibchens, und dass das Mnnchen dabei angenehme Nervenerregung empfindet. Hierdurch wurde es veranlasst, die Eier zu bewachen oder mit sich herumzutragen. Es hat sich dann allmhlich au die so entstandene Brutpflege angepasst und die dadurch erworbenen krperlichen und geistigen Eigenschaften spter durch Vererbung auf das Weibchen bertragen. Das Mnnchen ist dem Weibchen in der Entwicklung vorausgegangen. Wo wir mnnliche Brutpflege unter den Vgeln finden, handelt es sich stets um tiefsteheude Reprsentanten der betreffenden Vogel- Ausbildung gruppe. Es ist daher wahrscheinlich, dass es bei den Vorfahren der Sugethiere auch die Mnnchen waren, die sich zuerst der von den Weibchen gelegten Eier annahmen. Hierzu stimmt auch, dass die Mammardrsen der mnn- lichen Echidna (Ameisenigel) ausserordentlich gross sind. Wren Brutpflege und Mammarorgane zuerst von den Weibchen erworben, und wren die Mammardrsen erst von diesen auf die Mnnchen vererbt worden, so wrde man grosse Mammardrsen am allerwenigsten bei den Mnnchen tiefstehender Sugethiere finden. Wie Haacke an anderer Stelle (Gestaltung und Ver- erbung. Leipzig 1893) nachzuweisen versucht hat, stammen die Suger von Thieren mit langen Hinterbeinen und kurzen Vorderbeinen ab, Geschpfen, die eine halb auf- rechte Krperhaltung, hnlich der des Eichktzchens, ein- nahmen. Wenn nun solche Thiere ihre Eier mit sich her- umtrugen, so werden sie dieselben an denjenigen Krper- stellen aufbewahrt haben, wo sie am wenigsten leicht verloren gehen konnten, und das wird am Unterleib der Fall gewesen sein. Bei hockender Stellung entstehen aber, wie man am eignen Krper beobachten kann, am Unter- leib leicht Falten, die bei den Vorfahren der Suger ge- eignet gewesen sein drften, die Eier einigermaassen fest- zuhalten. Waren sie das, so konnten sie sich durch fort- gesetzten Gebrauch und die Vererbung seiner Wirkungen zu einem Brutbeutel ausbilden. Der Brutbeutel wre dem- nach eine directe Erwerbung der Vorfahren der Suge- thiere; seine Entstehung ist im Lamarck'schen und nicht im Darwinschen Sinne zu erklren. In Folge der erhhten Hautthtigkeit, die durch die des Brutbeutels und den Aufenthalt der Jungen in ihm direct hervorgerufen wurde, entfalteten auch die in ihn ausmndenden Hautdrsen, besonders die Schweissdrsen, eine lebhaftere Thtigkeit. Ihre Aus- scheidungen wurden stark genug, um von den Jungen auf- geleckt zu werden, und diese letzteren haben sich all- mhlich an diese Art der ersten Ernhrung angepasst. Sie sind dadurch zu saugenden Thieren geworden, und da sie vermge der Gestalt des Brutbeutels, die eine ungleich- massige Verdunstung der Hautsekrete zur Folge haben musste, besonders an denjenigen Hautstellen leckten und spter sogen, wo die Verdunstung nicht schnell genug eintreten konnte, so sind die Mammardrsen hier localisirt worden. Durch den ausserordentlich grossen Reiz, welchen die saugenden Jungen auf die Drsen ausbten, wurde deren Absonderung eine immer strkere. Ihr Plasma lste sich gewissermaassen fortwhrend in seine Bestand- teile auf, wodurch eine rasche Ersetzung des Plasmas, eine starke Ernhrung der betreffenden Zellen herbei- gefhrt werden musste. Das Sekret konnte deshalb nhrende Eigenschaften annehmen, die sich durch fort- gesetzten Gebrauch der Drsen immer mehr ausbilden mussten. Dem von den Drsen ausgeschiedenen Sekret hat sich dann der Stoffwechsel der jungen Sugethiere allmhlich angepasst. Ein hnliches Verhalten wie die Schweissdrsen zeigten wahrscheinlich auch die im Brutbeutel befind- liehen Talgdrsen. Sie bildeten sich gleichfalls zu Mam- mardrsen aus und haben die Schweissdrsen sogar spter in der Entwickelung berholt. Der Brutbeutel und die Milchdrsen sind also auf den directen Gebrauch der Organe zurckzufhren; sie sind zuerst vom Mnnchen er- worben und spter durch Vererbung auf das Weibchen bertragen worden. Wahrscheinlich giebt es sogar heute noch Sugethiere mit mnnlicher Brutpflege. Ein solches Thier ist mglicher- weise der auf Neuseeland lebende Waitoteke, dessen man leider bisher noch nicht habhaft geworden ist. Durch die oben berhrten Momente, welche nach Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 4!' Haacke zur Entstehung des Sugethiers beigetragen haben, wird eine ganze Reihe von physiologischen Fragen erffnet, die der experimentellen Behandlung zugnglich sind. Man wird Beobachtungen darber anzustellen haben, in welcher Weise Organe durch neue Thtigkeiten, zu denen man sie experimentell zwingt, umgebildet werden, und man wird dabei die histologischen Vernderungen verfolgen mssen, welche sie erleiden. Aus der Beobach- tung lebender Thiere wird sich ferner eine vergleichende Entwickelungsgeschichtc der Lebensusserungen heraus- bilden. Die Phylogenie der Zukunft wird ihre Hauptaufgabe nicht in der hypothetischen Verknpfung grosser Thier- gruppen suchen, sondern einerseits die Verwandtschafts- verhltnisse innerhalb kleinerer Thiergruppen aufzuklren und durch die Aufstellung von Entwickelungsreihen zu Entwickelungsgesetzen zu gelangen trachten, andererseits sicli die Momente klar machen, die zur Ausbildung der Orgaue und ihrer Thtigkeit gefhrt haben. Sie wird dabei die wohlfeilen Erklrungsversuche des Darwinismus verschmhen und berall auf die bewirkenden Ursachen zurckgehen. R. M. Der Einfluss der Feuchtigkeit auf das Zustande- kommen chemischer Reactionen ist bereits vielfach constatirt und es ist besonders mehrfach hervorgehoben worden, dass Gase wie Schwefelwasserstoff, wenn voll- kommen trocken, die ihnen gewhnlich zukommenden, empfindlichen Reactionen nicht zeigen. Neuerdings hat H. Brereton Baker (Chem. Soc. Proc. 1893,94, 129) in einer vorlufigen Mittheilung einige weitere Belege fr die auch schon frher (Chem, Soc. Trans. 1885; Phil. Trans. 1888) von ihm beobachtete Inactivitt vollstndig trockener Gase erbracht. So zeigen vollkommen ge- trocknetes Ammoniak- und Salzsuregas beim Zusammen- tritt weder die blichen weissen Nebel noch Contraction, whrend beides sofort nach Zutritt von wenig feuchter Luft eintritt. Das vollkommene Trocknen des Ammoniak- gases schien Schwierigkeiten zu bereiten, da dasselbe von Phosphorsure, die hierfr nothwendig ist, verschluckt wird. Es zeigte sich aber, dass diese Absorption kaum noch merklich ist, wenn das Gas zuvor durch frisch geglhten Kalk getrocknet wurde. In hnlicher Weise konnten dem Salzsuregas durch Phosphorsure die letzten Spuren Feuchtigkeit entzogen werden, wenn es zuvor durch Schwefelsure getrocknet war. Es ergaben ferner Versuche mit vollkommen trocke- nem Schwefeltrioxyd, dass dasselbe weder durch Kalk, noch durch Baryt, noch durch Kupferoxyd absorbirt wird. Stickoxyd und Sauerstoff sollen im trockenen Zustand sich ohne jede Rothfrbung, also ohne Bildung von Unter- salpetersure, mischen. Der letzteren Angabe ist indessen von W. Barns ay (Chem. Soc. Proc. 1893/94, 165) widersprochen worden. Derselbe hatte trotz sorgfltigsten Trocknens der Gase beim Zusammentritt von Stickoxyd und Sauerstoff stets Rothfrbung beobachtet. Er schliesst daraus, dass auch eine andere Substanz als Wasserdampf im Stande sein muss, derartige Vereinigungen herbeizufhren. Sp. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Es wurden ernannt: Professor Dr. Fink ler zum Leiter des neu errichteten hygienischen Laboratoriums an der Universitt Bonn. Der k. k. Hofgarteninspector Anton Umlauft in Schn- brunn zum Hofgartendirector. Der Professor der Geologie an der Universitt Mnchen Dr. Karl von Zittel zum Geheimen Rath. Professor Dr. Friedrich Paulsen zum Ordinarius fr Philosophie an der Universitt Berlin. Dr. Victor Eberhard, Privatdocent fr Mathematik an der Universitt Knigsberg, zum Professor. Der Director des hygienischen [nstitutes der Uni- versitt Breslau Professor Dr. Karl Flgge zun leimen Mediemalrath. Dr.Wilhelm Prausnitz, Privatdoci Universitt Mnchen, zum Professor der Hygiene an der I sitt Graz. Der Professor der Mathematik an der Universitt Bonn Dr. Hermann Minkowski zum Professor an der Univer- sitt Knigsberg. Professor Dr. Zschokke in Aarau zum Pro- fessor fr Zoologie an der Universitt Basel Der Privatdocent fr Augenheilkunde an der Bhmischen Universitl Prag Dr. Deyl zum ausserordentlichen Professor. Der Privatdocent fr i sehe Chemie an der Technischen Hochschule in Wien Dr F. Ulzer zum ausserordentlichen Professor. Der ausserordentlich! Pro fessor der Frauenheilkunde an der Deutschen Universitt Prag Dr. Rosthorn zum Ordinarius. Profe r Dr. Heubu Leipzig zum Leiter der Universitts-Kinder-KHnik in Berlin. Es hat sich habilitirt: Dr. Bischler fr Chemie an der Universitt Zrich. . Der Professor der Geographie an der Universitt Brssel Elisce Reclus hat seine Entlassung nachgesucht. Der ordent- liche Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie an der Universitt Basel Dr. Ludwig Rtimeyer beabsichtigt von seiner Lehrthtigkeit zurckzutreten. Der Professor der Augen- heilkunde ander Universitt Wien, Dr. K. St eil wag von Carion, legt sein Amt nieder. Es sind gestorben: Der Begrnder der Deutschen Seewarte Dr. Wilhelm Ihno Adolf von Fronden in Bonn. Le Paule, Director der Obstbaumschule in Vincennes und General- inspector der ffentlichen Promenaden und Anlagen in Paris. Marine-Oberstabsarzt Dr. Georg Thrner in Wiesbaden. Der um die Schiffshygiene vordiente Arzt Dr. Roewer an seinen im Duell erhaltenen Wunden in Berlin. Bergrath Carl Kekert, Salinendirector in Salzungen. Dr. Gottlieb Adler, ausser' ordentlicher Professor fr mathematische Physik an der Univer- sitt Wien, daselbst. Der Professor fr Embryologie an der Universitt Kiew Peter Iwanowitsch Peremesch'ko. Als im Herbste 1891 aus der Mitte der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg die Anregung zur Er- richtung eines gemeinsamen Denkmals fr die drei Alten- burgischen Landeskinder, die namhaften Naturforscher und Ornitho- Iogen Chr. L. Brehm, Alfred Brehm und Hermann Schlegel*) gegeben wurde, fand dieser Gedanke so lebhaften Anklang, dass zahlreiche Beitrge aus dem In- und Auslnde bei uns einliefen. Erfreulicherweise ist neuerdings unser Plan dadurch seiner Ausfhrung wesentlich nher gerckt, dass in der am 19. December 1893 abgehaltenen Coinitesitzung beschlossen wurde, den vom Architekten Herrn Goldmann hier entworfenen geschmackvollen stattlichen Obelisken zur Ausfhrung gelangen zu lassen, dessen Granitwrfel die drei vom Bildhauer Herrn Pfretzschner in Charlottenburg modellirten, broncenen Portrt- medaillons zieren werden. Da aber die verfgbaren Mittel zur Fertigstellung des Denkmals in dieser Form noch nicht ausreichen, so richten wir an alle Verehrer der drei Forscher, sowie an die naturwissenschaftlichen und ornithologischen Gesellschaften und Vereine die dringende Bitte, dem Comite weitere Spenden gtigst zukommen zu lassen, welche Dr. Kpert in Altenburg ent- gegenzunehmen gern bereit ist. Das Comite zur Errichtung' eines Brehm-Schlegel-Denkmals in Altenburg: Moritz Prinz von Sachsen- Altenburg. Prof. Dr. R. Bla- sius, Braunschweig. Realgymnasialdirector Prof. Plemming, Altenburg. Major A. v. Homeyer, Greifswald. Kommerzienrath Hugo Khler, Altenburg. Dr. Kpert, Altenburg. Dr. med. Leverkhn, Sofia. Hofrath Prof. Dr. Liebe, Gera. Prof. Dr. Pilling, Altenburg. Dr. A. Reichenow, Berlin. Med.- Rath Dr. Rothe, Altenburg. Ritter von Tschusi zu Schmid- hoffen, Hallein. Dr. Voretsch. Altenburg. Litteratur. Kreisphysikus Dr. J. Borntraeger, Desinfection oder Verhtung und Vertreibung ansteckender Krankheiten Fr Aerzte, Verwaltungsbeamte und Gebildete jeden Berufes. II. Hrtung & Sohn (G. M. Herzog). Leipzig 1893. Preis 2,40 M. Das Heft ist veranlasst durch die Cholera-Epidemie in Ham- burg von 1892. Es will namentlich dem Volk Aufschluss ber alles geben, was an Verhaltungsmaassregeln bei ansteckenden Krank- heiten zu vermeiden ist. Es ist diesem Zweck gut ahgepasst; aber es steht doch dabei in dem Heft genug, sodass es auch dem Arzt von Nutzen sein muss. Yergl. Naturw. Wochenschr." 1892, Bd. VII, S. 438. Rod. 50 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4 Johannes Mller, Beitrge zur Anatomie holziger und succu- lenter Compositen. Mit 14 Tafeln. R. Friedlnder & Sohn. Berlin 1893. Preis 3 M. Die Arbeit ist wohl geeignet, ber den Gegenstand zu orien- tiren. Verf. kommt zu dem Schluss, dass bei den in Rede stehenden Compositen, wie anderwrts, systematisch ferner stehende Arten auch in anatomischer Beziehung in den Hauptmerkmalen" gerin- gere Aehnlichkeit besitzen, dagegen morphologisch nahe ver- wandte Arten" in ihrem inneren Bau mehr bereinstimmen. Hier- bei ist unter Morphologie" die ussere Gestaltung der Pflanze gemeint. Somit sieht Verfasser mit anderen die Blthenorgani- satiori als brauchbarstes Eintheilungsprincip an. G. Krss, Specielle Methoden der Analyse. Anleitung zur An- wendung physikalischer Methoden in der Chemie. Mit 35 Textabi. 2., dnrchges. u. verm. Aufl. Leopold Voss, Hamburg 1893. Preis 3,50 M. Der Untertitel der Schrift giebt gengenden Aufschluss ber ihren Zweck. Dem Chemiker muss es angenehm sein, einen Leit- faden ber das Gebiet zu besitzen aus der Feder eines Fachgenossen, der die Bedrfnisse des Faches am besten kennt. Wir finden behandelt die specifische Gewichtsbestimmung fester und flssiger Krper, die Methoden der Molekulargewichtsbestimmung, zur Bestimmung der specifischen Wrme, der qualitativen Spectralanalyse, der Koloriemetrie und qualitativen Spectralanalyse und endlich der Polarisitionsanalyse. In einem Anhang finden sich Tabellen ber spec. Gew. des H 2 bei verschiedener Temperatur, der Spannkraft des H 2 Dampfes u. s. w., im Ganzen 10 Stck. Professor Dr. Ernst Koken, Die Vorwelt und ihre Entwicke- lungsgeschichte. Mit 117 Abbildungen im Text und 2 lieber- sichtskarten. F. (). Weigel Nachfolger (Chr. Herrn. Tauchnitz). Leipzig 1893. Preis 14 M. Mit dem vorliegenden Werke hat die populre naturwissen- schaftliche Litteratur eine werthvolle Bereicherung erfahren. Seinen eigentlichen Inhalt bildet eine gemeinverstndliche um- fassende Darstellung der historischen Geologie. Der Verfasser entwirft ein anschauliches Bild von dem Auftreten der Lebewesen in den einzelnen Epochen der Erde, namentlich der Thierwelt, und nicht allein der Laie wird seiner meisterhaften Schilderung, welche sich durch formvollendete Sprache auszeichnet, aufmerk- samst folgen, sondern auch der Fachmann wird sich gern und mit Nutzen der Lectro des Buches hingeben und besonders den Ab- schnitten ber die Wirbelthiere volles Interesse entgegenbringen, ist doch der Autor selbst Autoritt auf diesem Gebiete. Das Werk kennzeichnet den sorgsamst prfenden, scharf abwgenden Forscher und Gelehrten, welcher, nicht von abstracten Theorien ausgehend , von vornherein in seinen Untersuchungen eine Be- sttigung fr dieselben finden will, sondern die Resultate seiner Arbeiten sorgfltig sammelt, zu einem Gesammtbilde zusammen- fgt und dieses erst mit den im Umlaufe befindlichen Ansichten vergleicht. Dass es mit den letzteren nicht an allen Stellen ber- einstimmt, ist nicht zu verwundern, da einerseits die Theorieen vorlufig noch weiter nichts als eben Theorieen sind, die wohl grosse Wahrscheinlichkeit fr sich haben, aber noch nicht durch die Wissenschaft in allen Theilen gengend gesttzt werden; anderer- seits gerade die Geologie und Palontologie, wie kaum eine andere Disciplin so grosse, durch die Natur selbst bedingte, ge- waltige, wohl niemals ausfllbare Lcken aufweisen, dass sie der Entwickelungstheorie kaum je ein vllig festes, lckenloses Fundament werden bieten knnen. Der Verfasser hebt dies auch im Schlusskapitel hervor und betont den wie er meint sich immer schrfer ergebenden Widerspruch gegen die Annahmen des Darwinismus." Hierin geht er zu weit; indessen wird dies den Fachmann nicht stren. Die Eintheilung des Stoffes ist eine zweckentsprechende, bersichtliche. Nachdem der Verfasser in den ersten 3 Kapiteln die Entstehung unseres Planeten und den jetzigen Zustand seines Innern und seiner Erstarrungsrinde, die Gebirgsbildung und den Zeitbegriff in der Geologie behandelt hat, werden im 4. bis 12. Abschnitte die einzelnen Formations - Systeme hinsichtlich ihrer Entstehung, ihrer Verbreitung, ihrer Fauna und ihrer Flora be- sprochen und die fr sie charakteristischen Vertreter der Thier- und Pflanzenwelt bildlich dargestellt. Der Autor beginnt mit dem Cambrischen System, welches er als Ganzes fr sich allein im 4. Abschnitt bespricht. Dann folgen das silurische (5. Abschn.), devonische System und seine Fauna (6. Abschn.), das carbonische und permische System (7. Abschn.) u. s f. bis zur Quartr- und Eiszeit", worber das 12. Capitel handelt. Das 13. enthlt die Beschreibung der Thierwelt des Quartrs, und im Schlusscapitel wirft der Verfasser einen Rckblick auf die Geschichte der Vor- welt und stellt die sich ihm aus dem Studium derselben fr die Entwicklungsgeschichte ergebenden Resultate dar. Zum Schluss noch einige allgemeine Worte ber das Buch! Dasselbe ist kein populr-wissenschaftliches Werk, was man fr gewhnlich darunter zu verstehen gewohnt ist; vielmehr erfordert sein richtiges Verstndniss eine nicht unbedeutende naturwissen- schaftliche Vorbildung, und namentlich gilt dies von den 3 ersten Capiteln. welche die sogenannte allgemeine Geologie zum Gegen- stande haben. Was die Ausstattung des 656 u. VIII. Seiten starken Bandes anbetrifft, so ist darber nur Rhmendes zu sagen. Papier, Druck und Abbildungen sind vorzglich. Zwei Karten gewhren eine Vorstellung von dem Aussehen der Erde zur Kreide- und Tertir- zeit; ein ausfhrliches Sachregister, sowie endlich ein alphabetisches Verzeichniss der gebrauchten Fachausdrucke und ihre Erklrung dienen dem Verstndniss des Lesers und erleichtern dasselbe wesentlich. Wir knnen nicht umhin, das Buch allen Freunden der Natur- wissenschaften wrmstens zu empfohlen und wnschen, dass ihrer recht viele es gern lesen mgen. F. K. Richard Andree's allgemeiner Handatlas. 3., vllig noubearb., stark vermehrte Aufl., herausgegeben von der Geographischen Anstalt von Velhagen & Klasing in Leipzig. 12 Abtheilungen. Preis 24 Mk. Von dieser schon mehrfach in der Naturw. Wochenschrift" erwhnten Neu-Auflage des mit Recht beliebten Atlanten liegt nunmehr der Schluss vor. Die Farbengebung ist berall sehr ge- schickt und erfllt ihren Zweck aufs beste; so braucht man, um nur ein Beispiel herauszugreifen, nur einen flchtigen Blick auf das Doppelblatt 7/8 zu werfen, um sofort ber die Colonialgebiete der europischen Staaten orientirt zu sein, die mit der Farbe des Mutterlandes bezeichnet sind. Ebenso gengt ein Moment, um sich ber die Verbreitung der wichtigsten Verkehrssprachen ber den Erdball Klarheit zu verschaffen. Wie sehr die Verlagshand- lung bemht gewesen ist, das Neueste, Beste zu bieten, erhellt daraus, dass dem Atlas ein Doppol-Ergnzungsblatt (117a, 118a) beigegeben worden ist, zu den in frheren Lieferungen gebotenen Karten ber Afrika. Die Ergnzung bringt eine vorzgliche Dar- stellung Mittel -Afrikas, in der die neuesten Ergebnisse Emin Pascha's und Stuhlmann's von 189092, Lugard's von 189192, Baumann's von 1892 93 u. s. w. sich eingetragen finden: eine im hohen Grade interessante Karte, die nicht nur dem Gelehrten ntzlich sein wird, sondern auch dem Laien, der ja alle Augen- blicke durch Zeitungs - Nachrichten Veranlassung hat, sich mit Afrika zu beschftigen. Inclusive der Ergnzungskarte bringt der Atlas nicht weniger als 142 Doppelbltter: eine reiche Fundgrube, die kaum den Anforderungen, die man an einen Handatlas stellt, unergiebig bleiben drfte. Sehr dankenswerth und wichtig ist die Beigabe des in demselben Format wie die Bltter (Gross- Folio) gedruckten Verzeichnisses eines alphabetischen Namen- Registers, in welchem die Karten und die Stellen auf denselben angegeben sind, wo die genannten Ortschaften zu finden sind, und ein Verzeichniss der Abkrzungen und Erklrungen geographischer Namen : eine kolossale Arbeit, fr die man dankbar sein muss. Um eine Vorstellung von dein Inhalt des Registers zu geben, wollen wir nur bemerken, dass dasselbe 166 (also Gross-Folio-) Seiten umfasst, in Petit gedruckt, jede Seite siebenspaltig; nach Angabe der Verlagshandlung bringt es circa 180 000 Namen. Dass dasselbe auch weitgehenden Ansprchen gengen muss, liegt auf der Hand. Bei dem Gebotenen ist der Atlas so billig, dass man darber nur staunen kann. Er ist ein wahrer Universal- Atlas. Wissenschaftlichen Bedrfnissen ist ebensowohl Rechnung ge- tragen wie kaufmnnischen; in letzter Beziehung finden wir An- gabe der Telegraphenkabel, Dampfschiffsrouten, deutschen Con- sulatssitze, Verbreitung der Kohlenfelder u. s. w. Dr. C. E. Brewer, Katechismus der Naturlehre oder Erklrung der wichtigsten physikalischen, meteorologischen und chemischen Erscheinungen des tglichen Lebens. Vierte, umgearbeitete Auflage. Mit 53 in den Text gedruckten Abbildungen. Verlag von J. J. Weber in Leipzig. Preis 3 M. Eine Sammlung von Fragen und Antworten. In der vor- liegenden Neubearbeitung ist die Anordnung eine neue und eine solche, dass die Fragen, die ihrem Inhalte nach zusammengehren, auch zusammenstehen. Der abgehandelte Stoff hat ebenfalls eine Aeuderung und Vermehrung erfahren. Dr. O. Dammer, Handbuch der anorganischen Chemie. Unter Mit- wirkung von Benedict, Gadebusch, Haitinger, Lorenz, Nernst, Philipp, Schellbach, v. Sominaruga, Sternenhaeen und Zeisel. III. Bd. Ferdinand Enke. Stuttgart 1893. Preis 25 M. Der Herausgeber ist ein bewhrter und als solcher lngst bekannter Redacteur von Handbchern. Wie alle von ihm unter- Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 51 nominellen Arbeiten trgt auch die vorliegende den Stempel der Ordnung, Gewissenhaftigkeit und Tchtigkeit. Das Bandbuch der anorganischen Chemie ist daher dem Chemiker und Naturforscher berhaupt eine wichtige und verlssliche Fundgrube. Der vor- liegende .". Bd. des umfangreichen Werkes behandelt in ausfhr- lichen Abschnitten: Yttrium, Cer, Lanthan, Neodym, Praseodym, Erbium, Holmium, Thulium, Dysprosium, Terbium, Gadolinium, Samarium, Decipiuui, Ytterbium, Bor, Aluminium, Glas, Mrtel. Thonwaaren, Ultramarin, Scandium, Gallium, Indium, Mangan, Eisen, Kobalt, Nickel, Chrom, Molybdn, Wolfram, Uran, Vana- dium, Tantal, Niobium, Gold, Platin, Ruthenium, Rhodium, Palla- dium, Iridium. Osmium. Der Band umfasst incl. dem guten und ausfhrlichen Register 895 Seiten. Ueberall finden sich fr den- jenigen, der von der Originallitteratur Kenntniss zu nehmen wnscht, kurze diesbezgliche Angaben. Dr. Ferdinand Fischer. Handbuch der chemischen Technologie. (Zugleich 14. vllig umgearbeitete Aufl. von R. von Wagner's Handb. d. ehem. Techn.) Mit 716 Abb. Otto Wigand. Leipzig 1893. Preis 15 M. Das treffliche Handbuch hat in der Fischer'schen Bearbeitung den Umfang von 1164 Seiten erreicht. Seit der 12. Aufl. ist das Werk in dieses Autors Hnden, der als Nachfolger Wagner's fr die zeitgemsse Umarbeitung, die bei jeder Auflage nthig ist, zu den Berufendsten zhlt. Die vorliegende, 14. Aufl. kann als vollstndige Neuarbeit bezeichnet werden: von Aufl. zu Aufl. ist der Wagner'sche Text geschwunden. Auch die Disposition des bekannten Buches hat eine wesentliche, der jetzigen Wissen- schaft entsprechende Aenderung erfahren, wie aus der folgenden Aufzhlung der Abschnitte hervorgeht: I. Brennstoff, II Metall- gewinnung, III. u. IV. Chemische Fabrikindustrie, V. Glas, Thon- waaren, Cement und Mrtel, VI. Nahrungs- und Genussmittel, VII. Chemische Technologie der Faserstoffe, VIII. Sonstige organisch- chemische Gewerbe, IX. Mechanische Hlfsmittel fr Chemiker. An einem so einzig dastehenden Buche zu mkeln, liegt uns ganz fern: ein jeder Fachmann, der sich an die Bearbeitungeines noch so kleinen Kompendiums gemacht hat, weiss, dass Fehler unvermeidlich sind, und welche grosse Aufgabe es ist, ein so ge- waltiges Gebiet, wie das in dem Wagner-Fischer'schen Handbuch zur Darstellung gebrachte, zu bewltigen. Wenn wir dennoch diesen Punkt berhren, so geschieht es nur im Interesse des Buches, an welchem vielleicht mancher Specialist gern berathend mit- arbeiten helfen wrde. Man muss, es ist dem Kenner gar nicht anders mglich, die Leistung Fischer's bewundern, aber das ganze ge- sammte Gebiet in alle Einzelheiten beherrschen, ist einem Menschen einfach unmglich. Knnten daher fr bestimmte Gebiete einige Berather gewonnen werden, so msste eine neue Auflage auf Grund des in dieser Geleisteten, einzig in der Reihe der bisherigen dastehen. Es ist selbstverstndlich, dass der jetzige Bearbeiter ebensogut von der mehr oder minder grossen Mangelhaftigkeit, welche allen menschlichen Erzeugnissen anhaftet, berzeugt ist, aber wir wollten unseren Vorschlag anbringen, weil man ein un- entbehrliches Buch so exaet wnscht, als es die Umstnde nur gestatten. Lsst er sich nicht ausfhren, so ist billiger Weise von dem Werke nicht mehr zu verlangen, als es leistet. J. Violle, Lehrbuch der Physik. Deutsche Ausgabe von E. Gumlich, L. Holborn, VV. Jaeger und St. Lindeck. 2. Theil. Acustik und Optik. 1. Bd. Aeustik. Mit 103 Textfiguren. Julius Springer, Berlin 1893. Preis 8 M. Der 1. Theil des trefflichen Lehrbuches (Mechanik) findet sich besprochen in der Naturw. Wochenschr." Bd. VII, S. 80 und VIII, S. 303. Ein gutes Lehrbuch der Physik muss jeder, der sich ernstlicher mit Nal urwissenschaften beschftigt, in Hnden haben: wir knnen kein besseres empfehlen als das des Professors an der Ecole normale zu Paris. Der vorliegende Band erschpft seinen Stoff in 10 Capiteln: 1. Wesen und Eigenschaften der Tne, 2. Musikalische Intervalle, 3. Fortpflanzung des Schalles, 4. Inter- ferenz des Schalles, 5. Pfeifen, 6. Schwingungen von Saiten, 7. Schwingende Stbe, 8. Membranen und Platten, 9. Zusammen- setzung von Wellenbewegungen, 10. Intensitt, Klangfarbe. Die ausserordentliche Klarheit der Auseinandersetzungen, die schon bei Besprechung des ersten Bandes hervorgehoben wurde, isl auch in vorliegendem Bande zu constatiren; es ist eine wahre Freude, in dem Buche zu lesen. Wo nur mglich, knpft Violle an alltgliche, allbekannte Erscheinungen an; das tief in den Gegenstand eindringende Werk ist daher keineswegs allein dem Physiker ein vorzgliches Handbuch, der auch berall Litteratur- Angaben findet, sondern auch fr den Anfnger, den Studirendon, der den Gegenstand nicht nur oberflchlich zu tangiren wnscht, trefflich geeignet. Contributions from the botanical laboratory of the Uni- versity of Pennsylvania. Vol. 1, No. 2. Philadelphia 1893 Das Heft bringt eine botanische und conomische Studie ber den Mais aus der Feder von John W. Harschberger, der I Tafeln beigegeben sind. Die eine derselben veranschaulicht die Heimath der Maispflanze und die geographische Verbreitung ihrer Cultur in der neuen Welt zu verschiedenen Zeiten. TheCalendar for the Tear XXV XXVI Meiji. (1892-1893.) Imperial University of Japan. (Teikoku Daigaku.) Published by the University. Sold by Z. P. Maruya and Co. Tokyo. Meiji XXVI (1893). Das Heff giebt uns Aufschluss ber die Einrichtungen der Kaiserlich Japanischen Universitt Tokyo. Diese Sttte der Wissenschaft im fernsten Osten lsst in ihren Leistungen nicht erkennen, dass sie das Product einer Culturepoche ist, von welcher jetzt noch lange nicht das vierte Decennium vollendet ist. Man muss staunen, auf welch hohe nach abendlndischen Be- griffen Stufe der Entwiekelung Japan in noch nicht einem halben Jahrhundert sich geschwungen hat welche Zukunft steht diesem intelligenten Volke noch bevor! Mge Natur und Politik ihm gleich gnstig sein und gewaltsame Strungen ihm fern bleiben! Der reiche Inhalt des IV und 204 und 12 Seiten starken OctavHeftes gliedert sich im Grossen wie folgt: Kalendarium, historischer Ueberblick ber die Grndung und Entwiekelung der Universitt, die akademischen Behrden, allgemeine Verordnungen fr die Colleges (akademisches Jahr, Zulassung., Besuch, Erwerbung der Grade etc. etc.), Einrichtung der einzelnen Colleges, Biblio- thek, Statistisches u. a. m. Mehrere statistische Tabellen geben eine Uebersicht ber die Zahl der Studirenden, ihre Nationalitt, Vertheilung auf die verschiedenen Colleges etc., whrend ein Plan die Lage der Universitt und der damit verbundenen Institute veranschaulicht Dirichlet, P. G. Iiejeune, Vorlesungen ber Zahlentheorie. Braun- schweig. 14 M. Ehlers, Otto E., An indischen Frstenhfen. 1. Bd. '-'. Aufl. Berlin. 7 M. Heyne Alex., Die exotischen Kfer in Wort und Bild. 1. Lfg. Leipzig. 4 M. Kobell's, Frz. v., Tafeln zur Bestimmung der Mineralien mittelst einfacher chemischer Versuche auf trockenem und nassem Wege. 13. Aufl. Mnchen. 2,20 M. Liebe's, Hofr. Prof. Dr. K. Th., Ornithologische Schriften. Leipzig. 18 M. Lingg, Ingen.-Hauptm. a. D., 1. Assist., Ferd., Construction des Meridian-Quadranten auf dessen Sehne. Mnchen. 10 M. Luggin, H, Ueber das Potential der Metalle bei sehr kurz dauern- der Berhrung mit Elektrolyten. Wien. 0,30 M. Steinen, Prof. Dr. Karl v. den, Unter den Naturvlkern Zen- tral-Brasiliens. Berlin. 12 M. Steinmann, G., Ueber triadische Hydrozoen vom stlichen Balkan und ihre Beziehungen zu jngeren Formen. Wien. 1,50 M. Stuhlmann, Dr. Frz., Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. Berlin. 40 M. Spengel, Prof. Dr. J. W., XVIII. Enteropneusten. Berlin. 150 M. Westermaier, Lyc.-Prof. Dr. Max, Kompendium der allgemeinen Botanik fr Hochschulen. Freiburg. i./Hr. 0,40 M. Wiesner, J., Ueber ombrophile und ombrophobe Pflanzenorgane. Wien. 0,40 M. Willkomm, Prof. em., Mor., Prodromus florae hispanicae. Stutt- gart. 20 M Zittel, Prof. Karl A., Handbuch der Palaeontologie. Fortsetzung. Mnchen. 7,50 M. Inhalt: Zur Naturgeschichte des Wassernetzes. (Mit Abbild.) Beobachtungen ber das Vorkommen des Pfeifferschen [ufluenza- bacillus. Die bacteriose Gummosis der Zuckerrben. Beitrag zur Naturgeschichte der Leuchtbacterien. Ueber die Ent- stehung des Sugethiers. Der Einfluss der Feuchtigkeit auf das Zustandekommen chemischer Reactionen. Aus dem wissen- schaftlichen Leben. Litteratur: Kreisphysikus Dr. J. Borntraeger: Desinfection oder Verhtung und Vertreibung an- steckender Krankheiten. Johannes Mller: Beitrge zur Anatomie holziger und sueculenter Compositen. G. Krss: Specielle Methoden der Analyse. Prof. Dr. Ernst Koken: Die Vorwelt und ihre Entwickelungsgeschichte. -- Richard Andree's allgemeiner Handatlas. -- Dr. C. E. Brewer: Katechismus der Naturlehre. Dr. O. Dammer: Handbuch der an- organischen Chemie. Dr. Ferdinand Fischer: Handbuch der chemischen Technologie. -- J. Violle: Lehrbuch der Physik. Contributions from the botanical laboratory of the University of Pennsylvania. - The Calendar for Iho l'ear XXV XXVI meiji. (1892-1893.) - Liste. 52 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. Zur Lieferung; aller Arten preiswfirdiger Uhren, besonders in verschiedenen Tempe- raturen und Lagen re- gulirter Ankeruhren, empfiehlt sieh bei Zusicherung strenger Reellitt C. Baker, Uhrmacher in Nauen b. Berlin. Mitgl. d. Vereinig, v. Fr. d. Astronomie u. kosm. Physik. Goldene Herren- und Damenuhren unter iugale des (loldgewiehts der Minse. Unbekannte Besteller werden um gefl. Angabe von Referenzen gebeten. Sauerstoff j jin Stahlcylind.ei-n.1 Dr. Th. Elkan, j | Berlin N., Tegeler Str. 15.1 Eine kleine Sammlung Seeigel, Seesterne mit Conchylien verkaufe billigst unterm Einkaufspreis bei frank. Zusendung. C. Bartels in Jena. Genannte Sachen sind alle richtig bestimmt. atent- u.techn. Bureau Fritz Schmidt BERLIN N., Chaussee-Str. 2a. In Ferd. DDimlers Verlagsbuchhand- lung: in Berlin. 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Dmmlers Verlagsbuchhandlung. 1808-1892. Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12. Soeben erschien in unserm Verlage: Lehrbuch der Differentialrechnung. Zum Gebrauch bei Vorlesungen an Universitten und technischen Hochschulen Dr. Harry Gravelius. 331 Seiten gr. 8. Preis broschirt 6 Mark, gebunden 7 Mark. Dynamomaschinen fr Handbetrieb mit Gramme 'schein King, fr Laboratorien und Lehrzwecke. 10 Volt. 2 Amp. Mk. 65 3,5 80 . 5 ,< n 100 ., 7 n 120 Th. Lehmbeck, &Mecke, BERLIN NW., Spenerstr. 23. Fr emdln (Tische Zierfische Macropoden, Telescop-Schleierschwanz-Goldfische und andere Arten, sowie Wasserpflanzen fr Aquarien und Gartenbassins, (auch Einrichtung derselben), Uurehlftungs-Apparate, Hlfsmittel, Fischfutter etc. empfiehlt Lankwitz a. d. Berl. Anh. Bahn. Paul Matte, (Von Berlin in 12 Min. zu erreichen.) Zchterei fremdl. Zierfische. (Besichtigung ist gestattet.) I|l|l|l|l|l|l|l|l|'|l|'|l|l|'|l|l|l|l|l|l|l|l|l|l|l|l|'|l -I Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12. Soeben erschien: Einfhrung in die Kenntnis der Insekten. Von H. J. Kolbe, Custos an der zoolog. Sammlung des Kgl. Mus. fr Naturk. in Berlin. Mit 324 Holzschnitten. 724 Seiten gr. 8. -^ Preis 14 Mk. =- l'l'l'l'|l|'l'l'l' I|'|l|'l'|l|l|l|'|l|l|l|l|l|l 3rt'ib. Mmntfers lcrl'aflslhtdjfwnfunfl in 23crfin SW. 12. Soeben erfdjtcn: (Scfcfyicfyte ber g?riertd)s -^'httt>erft Son D. Dr. piiljclm Snjrnrr, ei). Dber=31eaienma&rat imb Uiucerfittgfncator. puici iciCc. 5rei: Srofdjiert 31 2JI., in 2 eleganten ^albfraiibnbeu 36 3)i. 5 li r i i c 1| c ii t> ii i- .1r alle & u rl) h a n M u n o * n. PATENTE i MaxM y |ius ' X XX X J_l J. 1 J. .11 I Tl : 1 - 1"* in allen Lnde durch Teodorovic & C f * BKRLIX X. Thurmstr. 14. Seit 1877 ber 1 1000 Patente. Hempel's Klassiker- Ausgaben. Ausfhrl. Specialverzeichnisse gratis. Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandl. A Wumbran, Quits&Co., BERLIN C, Niederlage eigener GlasMttenwerke und Dampfschleifereien. Mechanische Werksttten, Schriftmalerei und Emaillir- Anstalt. 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Abdruck ist nnr mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Hygienische Reiseeindrcke aus Hamburg. Von Dr. med. Karl L. Schaefer. Wenn ich es hier unternehme, einen Theil von dem Vielen, was Hamburg einem Arzte an Lehrreichem und Interessantem bietet, zu skizzireu, so geschieht es mit dem Bedauern, dass die Dauer meines Aufenthaltes bei weitem zu kurz bemessen war, um alles Sehenswerthe mit ge- ngender Msse und Grndlichkeit in Augenschein zu nehmen. Ich hatte mir zunchst vorgenommen, mglichst ein- gehend die neuen Wasserwerke, ferner die sehens- wertheren Krankenhuser, vor allem die Cholerabaracken, das Crematorium und den Ohlsdorfer Kirchhof, jenen stummen und doch beredtesten Zeugen der furchtbaren Epidemie des Jahres 1892, zu besichtigen. Allein die ausserordentlichen Entfernungen von meinem Quartier, die bereits recht merkliehe Krze der ersten Octobertage, die notwendigen Erholungspausen gestatteten mir die Aus- fhrung meines Programines nur theilweise. So sah ich von den vieleu Krankenhusern nur das grosse Eppendorfer. Ich werde indessen nicht allzu viel versumt haben, wenn ich hiernach die anderen unbesucht Hess; denn ein grossartigeres Etablissement, ein reich- licher und besser den modernen Anforderungen an Hygiene und Comfort entsprechendes Krankenhaus ist nicht wohl denkbar. Wenn man den Vorort Eppendorf hinter sich hat, sieht man bereits zur Linken der breiten Chaussee Ge- bude aus rothem Sandstein auftauchen. Sie sind das St. Joseph -Stift und das Krankenhaus Bethanien, die nicht mit zum Allgemeinen Krankenhause gehren. Dieses liegt noch ein wenig weiter draussen und zwar einst- weilen noch auf freiem Felde. Iudess entbehrt darum die unmittelbare Nachbarschaft nicht einer gewissen land- schaftlichen Anmuth. In wenigen Jahren wird die An- stalt einem ansehnlichen, geschmackvoll angelegten Parke gegenber liegen, der sich allerdings gegenwrtig noch im Jugendstadium befindet, auf dem aber das Auge dennoch schon jetzt mit Wohlgefallen ruht, bis der Blick auf einen links gelegenen Complex dsterer, niedriger Holzbaracken fllt, die alsbald an die ernste Bestimmung der so freundlichen Umgebung mahnen. Der Mahnung folgend, betrat ich die Einfahrt, eine sulengetragene Halle, welche das Untergeseboss des Ver- waltungsgebudes halbirt, des Hauptgebudes, worin sich Beamten Wohnungen, Garderobeni'ume, Consultationszimmer und die sechs Apotheker beschftigende Apotheke befinden. Ein sogleich heraustretender Portier brachte mich, da der Direetor Rumpf abwesend, ins Inspectorat, wo ich meinen Wunsch, die Anstalt in Augenschein zu nehmen, wieder- holte. In liebenswrdigster AVeise bernahm einer der Herren selbst die Fhrung und war mir, wie gewiss schon manchem frheren der sehr hufigen Besucher, ein un- ermdlicher Mentor whrend der fast zwei Stunden dauern- den und doch nichts weniger als erschpfenden Be- sichtigung. Nicht etwa Fusswege, sondern Fahrstrassen ver- mitteln den Verkehr zwischen den einzelnen, eigent- lichen Krankenhusern, Pavillons genannt, deren das Grundstck ber 50 umfasst, und deren Preis beilufig 80 150 0U0 Mark pro Haus betrgt. Auf dereinen Seite der Hauptstrasse liegen die Pavillons fr Mnner, wiederum in Gruppen fr Chirurgie einerseits und innere Krank- heiten andererseits abgetheilt, eine besondere Augen- station ist nicht da. Auf der anderen Seite liegen die Frauenrume. Eine Wanderung durch einen der Pavillons gengte, um die Einrichtung aller zu kennen. Dieselbe unterscheidet sich von der anderer guter Krankenhuser nur in einem, aber recht bcmerkeuswertlien Punkte : der durchweg steinerne Fussboden ist heizbar! Ein dichtes Netz von Dampfheizungsrhren (ein jedes Haus hat bri- gens aus guten Grnden seine Separat -Heizanlage) zieht sieh unter dem Fussboden hin und der Patient kann auch bei bitterster Klte mit blossen Fssen das Zimmer be 54 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5 treten. - - Vom Pavillon gingen wir hinber in die Privat- stationen, welche sich in eine dritte, zweite und erste Classe scheiden. Zeichnete sich auch nur die letztere durch eine gewisse Eleganz, z. B. durch teppichbelegte und mit geflligem Mobiliar ausgerstete Besuchszimmer fr Angehrige der Kranken, aus, so ist doch die bis ins Einzelne gehende Frsorge fr die Patienten berall un- verkennbar. Dieser Eindruck erhhte sich noch beim Durchschreiten des Badehauses. Auch hier besteht eine Mnner- und eine Frauenabthciluug. Die Wannen der- selben sind gleichzeitig fr permanente Bder eingerichtet. Zu diesem Zwecke schwebt ber dem Bassin an einem Flaschenzug eine Stellage, die man wohl am besten mit einer eisernen Bettstelle ohne Fsse vergleichen darf. Sie wird mit Gummikissen gepolstert, der Kranke hinauf- gehoben und dann nach Belieben tief in das Wasser, das fortwhrend zu- und abfliesst, hineingelassen. Ich traf gerade eine solche Patientin im strmenden Wasserbade vor. Sie ruhte in halb liegender Stellung, eine Tischplatte mit Bchern und Medikamenten vor sich, einen Klingel- zug zum augenblicklichen Gebrauch zur Seite. Fr elektrische Bder ist ein besonderes Zimmer vor- handen. Die unteren Rume enthalten ein Zimmer fr Kopfdouchen, Sitzdouchen, Rckendouchen und totale Douchen. Rechts davon liegt die Dampfschwitzkammer, auf der anderen Seite das Gelass fr Heissluft- Trocken- bder. Schliesslich wurde ich dann noch auf die Massage- Abtheilung aufmerksam gemacht. Sie enthlt mehrere Tische, die jederzeit in Betten verwandelt und zur Massage- behandlung fertig hergerichtet werden knnen. Auch Kurse im Massiren werden hier ertheilt. Wir wandten uns nunmehr einem anderen Theile des Krankenhauses zu, der durch ein hohes Gitter von dem brigen getrennt war und mir als das Viertel fr ansteckende Krankheiten bezeich- net wurde. Ueber der Thr der Einfriedigung las ich eben mit Bedauern die recht deutliche Inschrift: Durch- gang strengstens verboten", als die Pforte sich auch schon bereitwillig ffnete. Wieder lag eine stattliche Zahl von Baulichkeiten vor uns. Es findet sich hier ein Pavillon fr Erysipelas, fr Diphtheritis und, mit roth- weissem Sonder-Gelnder eingezunt, ein solcher fr Pocken. Wie ich hier gleich einschalten will, zeigte man mir spter auch noch ein Separatgebude fr Deliranten. Was mich fr den Augenblick aber begreiflicher Weise am meisten interessirte, waren sechs Baracken, schmale, lange, graue Holzbauten, vor denen sich weissgekleidete Wrter und Patienten bewegten. Meine Vermuthung: Cholera- Ab- theilung" traf zu. Mir wurde erlaubt, einen Blick hinein zu werfen, und mit einem eigenen Respektgefhl betrat ich einen der verhngnissvollen Rume. Hatte ich indess halb unwillkrlich etwas Besonderes erwartet, so war ich ent- tuscht: Cholera -Reconvalescenten und leicht Erkrankte sehen nicht anders aus, als andere auch, und die Baracken- einrichtung hat ebenso wenig etwas Spezifisches. Ob Choleraleichen noch vorhanden, wusste mein Fhrer nicht zu sagen, zeigte sich jedoch sofort bereit, mich in den Leichcnkeller zu geleiten. Wir gingen also nach der sog. Anatomie; ehe wir jedoch das langgestreckte Gebude selbst betraten, unterrichtete er mich ber die interessante Art der Desinfection und Beseitigung der Anatomie-Ab- wsser. Diese gelangen nmlich, ehe sie in das Siel ein- gelassen werden, in einen Brunnen von nicht unbedeuten- den Dimensionen. Ueber demselben ist ein Brunnenhaus aufgefhrt, das der Herstellung einer desinfizireuden Kalk- mischung dient. Durch Einflussffnungen im Fussboden wird diese zu den Abwssern zugelassen und mittelst einer sinnreichen Maschinerie, welche ein Rad im Brunuen- huschen in Bewegung setzt, innig damit gemischt. Dann erst erfolgt der definitive Abfluss nach aussen. Ein paar Schritte, brachten uns von hier nach jenem Flgel der Anatomie, in dem sich die, einem Prosektor unter- stellten, Seeirrume befinden. Des wichtigste ist der grosse Secirsaal selbst, in dem 4 oder 5 Obductionen gleichzeitig stattfinden knnen, und von dem aus die Leichen dann sofort per Fahrstuhl in den unmittelbar darunter liegenden Leichenkeller gelangen. Auch wir selbst stiegen alsbald auf einer dunklen Wendeltreppe in diesen hinab. Den blichen Instanzenweg hinter sich, harrten hier mehrere Todte der Einsargung, die, falls die Angehrigen nicht besondere Dispositionen treffen, immer im Krankenhause selbst geschieht. Dementsprechend waren die Nischen des Kellergewlbes auch mit Srgen verschiedenster Form und Grsse auf Vorrath gefllt. Wir eilten hindurch zum anderen Ende des Kellers und wurden hier gerade Zeugen der Vorbereitungen zu einer Beerdigungs-Feier- lichkeit. Zwei Mnner waren beschftigt, eine schon auf- gebahrte Leiche mit Blumen zu schmcken; in einem Nebenzimmer wurde Stimmengemurniel laut: Die Leid- tragenden versammelten sich dort bereits. Schweigend ffnete mein Fhrer eine grosse Flgelthr, und ich trat in die Anstaltskirche, einen hohen und grossen Raum, der mit seinen, im farbigen Dmmerschein daliegenden Kirchen- sthlen, seinem Chor und seiner Kanzel einen feierlich- ernsten Eindruck macht. Lange durften wir jedoch nicht verweilen, die beginnende Dmmerung mahnte zur Eile. Nur einen flchtigen Blick schenkte ich dem Saal fr die chemischen Untersuchungen, dem mit dem ganzen Rst- zeug moderner Technik ausgestatteten bakteriologischen Laboratorium und den beiden grossen Mikroskopirslen fr die Direktoren und die ca. 33 brigen Anstaltsrzte. Die chirurgischen Operationssle waren nun das nchste Ziel. Im Augenblicke unseres Eintrittes flammten gerade die elektrischen Bogenlampen auf, mit ihrem Mondscheinlicht durch die hohen Fenster das Treppen- haus des mehrstckigen Gebudes erleuchtend. Dass die innere Einrichtung allen Anforderungen in Bezug auf Anti- und Aseptik sowie in Bezug auf Bequemlichkeit der Opera- teure und Operirten in einfacher und sehr vollkommener Weise gerecht wird, bedarf kaum besonderer Erwhnung. Mir neu waren die heizbaren Operationstische und die Construction der Waschtische. Der Operateur braucht hier nicht mit blutigen Hnden den Wasserhahn zu ffnen: Zu jeder Waschschssel gehren drei aus dem Fussboden her- vorragende Metallzapfen, und ein Druck mit dem Fuss auf einen derselben lsst je nach Wunsch entweder kaltes oder warmes Wasser oder ein Desinfiziens dem Hahn ent- strmen. in das Fremdenbuch eingetragen, wurde auch die Verbandkammer und die Verband f ab rik zu be sehen. Namentlich die letztere ist bemerkenswerth. Hier werden alle mglichen Rohmaterialien verarbeitet; Kissen aus Holzwolle und anderen aufsaugenden Substanzen ge- fertigt ; Cambricbiuden geschnitten und mit Maschinen ge- wickelt u. a. m. Die fertiggestellten Sachen kommen in Weidenkrbe, werden in besonderen Apparaten sterilisirt und dann in einem Heissluftraum grndlieh getrocknet. Jeder Weideukorb enthlt das zu einer Operation Wich- tigste; whrend der Austrocknung stehen immer mehrere zusammen auf einem rollenden Gestell, um in krzester Zeit aus dem Trockenschrauk heraus oder hinein gefahren werden zu knnen. Nach dieser lehrreichen Besichti- gung der Operationsabtheilung waren noch die Kchen-, Wasch- und Desinfektionsanlagen brig. Um von der Grsse und dem Umfang der ersteren einen Begriff zu geben, wird die Angabe gengen, dass in jeden der Suppen-Kessel, der ausschliesslich mit Dampf betriebenen Mnnerkche, wenn er gescheuert werden muss, ein Mann hinein steigt und dass dieser Mann fast oder ganz darin Nachdem ich noch als 1168igster meinen Namen ich eingeladen, Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 55 verschwindet. Die Frauenkche ist ein grosser Raum fr sich; die Cholerabaracken haben ihre eigene Kche. Neben der Dampfkehe liegt eine besondere Kartoffel- kammer, worin die Kartoffeln mit Maschinen gesubert, geschlt und zerschnitten werden. Waschhaus und Trockenboden waren des Sonntags wegen geschlossen. Durch die Fenster sah man aber verschiedene maschinelle Einrichtungen. Zu dem Betrieb gehren 70 Personen. Wsche, die besonderer Desinfektion bedarf, wird mit einer kleinen Eisenbahn in die Desinfek- tionsanstalt berfhrt. Schmutzige Verbandstoffe werden je- doch verbrannt, wofr noch wieder ein Extraofen da ist. In dem Lapidarstil der letzten Beschreibungen spiegelt sich noch etwas von der Abspannung, welche allmhlich das unausgesetzte Treppauf und Treppab, das Sehen, Fragen und Notiren erzeugte. Sie erleichterte mir den Verzicht auf die besondere Inaugenscheinnahme des Eis- hauses, des elektrischen Maschinenhauses, sowie des Feld- lazareths, das dem Krankenandrang gegenber noch im Herbst des Jahres 1892 erbaut, auch mit Wasserleitung und elektrischem Licht bestens ausgerstet wurde, aber nicht mehr in Function trat. Nach einem Blick aus der Ferne auf die Directorialwobngebude verabschiedete ich mich, wieder im Verwaltungshaus angelangt, von meinem liebens- wrdigen Begleiter mit aufrichtigem Danke. Ich mchte hier einschalten, dass die kleine Epi- demie von 1893 auf die Bevlkerung gar keinen Ein- druck gemacht hat. Nirgends sah man etwas von Des- infection der Strassen, von ffentlichen Warnungen oder dergleichen, und wo von Cholera die Rede war, handelte es sich um Schilderungen aus dem Jahre 1892, wo allerdings die Zustnde entsetzlich gewesen sein mssen. So habe ich mir selbst denn auch keine besonderen ditetischen Maassregeln auferlegt; nur in Bezug auf das Wasser verhielt ich mich dem Wort jenes alten Professors gemss, der behauptete, es sei dies eine Flssigkeit, die im Alterthum als Getrnk benutzt wre. Es sei mir nun gestattet, mit wenigen Worten zu einem anderen Theil meiner Erlebnisse berzugehen. Ich habe mir vor dem Krankenhausbesuche auch die Hauptherde der Cholera, die Gngewohnungen und Hinter- huser der Steinstrasse, Niedernstrasse und Spittalerstrasse angesehen. Auf die Zugnge rnusste ich zuerst thatsch- lich aufmerksam gemacht werden. Meist wo zwei Nachbar- huser zusammenstossen, ffnen sich dunkle, verrucherte Durchgnge, oft geradezu an Bergwerkstollen erinnernd. Unter dem Hochparterre oder der ersten Etage weg fhren sie zu besagten Hinterwohnungen. Kurze, engste Gsschen ziehen sich zwischen diesen hin; der Streifen Himmel, der hier sichtbar wird, ist recht schmal, besonders wo die oberen Stockwerke ber die unteren vorspringen, und wo in mglichster Ausnutzung jedes, auch des geringsten Raumes an Stangen zwischen den Fenstern und zwischen den Husern Wsche trocknet. Die Zimmer, in die hier und da ein Blick mglich war, imponirten durch Mangel an Licht, Luft und Raum. Trotzdem spielten hier Kinder, mit dem ganzen Frohsinn und der unkritischen Harmlosig- keit ihres Alters und in der an solchen Orten nun einmal blichen Menge. Eines vermisste ich hier: die erwartete Unsauberkeit. Ich gewann nicht den Eindruck, als sei dies lediglich auf Rechnung des Feiertages zu setzen; aber wenn auch zehnmal ordentliche Hausfrauen versuchen mgen, diesen Behausungen Wohnlichkeit zu verleihen, vom hygienischen Standpunkt aus bleiben es Wohnhhlen , ganz abgesehen davon, dass sie meist berhaupt nur fr einen guten Turner zugnglich sind. In schroffem Gegensatz zu dem unhygienischen, un- modernen Eindruck, den diese Aufenthaltsorte fr Lebende machen, steht der Anblick des grossen Ohlsdorfer Kirch- hofes; dies ist ein Fleck Erde, und kein unbetrchtlicher, der sich sehen lassen kann. Hier durchschritt ich grosse, ihrer Bestimmung noch nicht bergebene Partien, die mit ihren Teichen, ihren zierlichen Brcken, den wohl- gepflegten Wegen, Rasenpltzen und Boskets, vor allem alier mit ihrem Rosenflor dem Luxuspark manches Frsteu- schlosses ebenbrtig an die Seite zu stellen sind. Ganz allmhlich, wenigstens auf der .Seite, von der wir kamen, ging dieser Park in den eigentlichen Kirchhof ber, ohne aber dadurch wesentlich seinen Charakter einzubssen. Wir kreuzten mehrere breite Fahrstrassen, gingen an der fr Leidtragende, die hier den Leichenzug erwarten wollen, erbauten Wartehalle vorber, nahmen die grosse, schne, mitten im Grnen liegende Capelle in Augenschein und nherten uns dann dem Viertel, wo die Cholera -Massen- grber liegen. Whrend die unmittelbare Umgebung immer einfacher wurde und die Gartenanlagen deren Strecken Platz zu machen begannen, erreichten wir end- lich die ominsen, quadratischen, unter sich wieder in sehmale Streifen abgetheiltcn Felder. Hier liegen die Opfer der mrderischen Krankheit, dicht gedrngt, Seite an Seite, Kopf an Kopf; Erwachsene und zahllose Kinder; ohne Hgel, ohne Schmuck, ohne Denkstein, ja ohne Namen. Das einzige Kennzeichen der Grber ist ein Brettchen mit der Jahreszahl 1892 und einer Nummer: 5000, 10 000, 20 000 und darber. Fr gewhnlich wer- den nach meiner Schtzung hier circa 10 000 Personen jhrlich begraben: die Cholera hat diese Zahl verdoppelt. Trotzdem bereits, im wahrsten Sinne des Wortes Gras darber zu wachsen beginnt, kann man diese Leicheu- felder nicht durchwandern, ohne ernst gestimmt zu wer- den und doch sollte sich auch uns der Satz bewahr- heiten, dass vom Ernsten zum Komischen nur ein Schritt sei. In einer Ecke fanden wir einen vereinzelten Grab- stein, in den eine Photographie unter Glas und Rahmen eingelassen war, das bartlose Gesicht eines jungen Soldaten darstellend. Diese hervorragende Geschmack- losigkeit veranlasste mich unwillkrlich, auch die Inschrift in hbschen Goldbuchstaben zu betrachten. Ich las: Dich, theurer Gatte, den Gott mir gab, Umsehliesset, ach, zu frh dies Grab. Verlassen, einsam steh' ich hier, Und denke sehnsuchtsvoll an Dir." Allmhlich trafen wir mehr und mehr Grabsteine und traten zugleich auf das Gebiet der diesjhrigen Beerdi- gungen ber. Hier bemerkte ich mit Interesse, dass die Vorstellungen, welche man sich als Leser verschiedener Familienbltter von den Cholerabeerdigungen macheu musste, als seien sie nmlich etwas besonders Furchtbares, Exceptionelles, Piettloses gewesen, wieder einmal dich- terischer Licenz ihren Ursprung verdanken. An dieser Stelle dieses Kirchhofes werden die Todten heute ebenso bestattet, wie zur Zeit der Epidemie; sind die allermeisten Grber in derselben Weise, wie damals, nur an den Nummerbrettchen kenntlich. Am ussersten Ende des Kirchhofes konnte ich mich noch besser ber die herr- schenden Verhltnisse informiren. Wir traten hier an den Rand eines Massengrabes von ca. 2 m Tiefe und von der Lnge und Breite eines mittelgrossen Zimmers. Auf dem Boden desselben stand eine Reihe von Srgen, grosse und kleine, rmliche und bessere; fast mit Hnden zu greifen, unbeaufsichtigt, erschienen sie jedem Angriff und jeder Witterung preisgegeben. Ich habe nicht erfahren, wie lange diese Srge so stehen bleiben; ob sie erst mit Erde bedeckt werden, wenn ein bestimmter Theil, oder gar erst, wenn die ganze Grube gefllt ist; ich weiss es nicht, will mir auch keinerlei Kritik dieser Bestattungsweise er- lauben: der Gedanke jedoch tauchte recht bestimmt in mir auf, dass ich in dieser Weise weder mich noch die Meinigen begraben wissen mchte. 56 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5 Ich hin brigens von jeher ein Anhnger der Leichen- verbrennung gewesen, ebenso aus sthetischen wie aus hygienischen Grnden; und bin darin womglich noch be- strkt worden, nachdem ich mich auch durch den Augen- schein von ihren berwiegenden Vorzgen berzeugte. Das Ohlsdorfer Crematorium liegt auf einem zum Garten um- gewandelten Grundstck, am Wege zum Kirchhof und ist ein in ernstem Styl gehaltenes aber dabei doch geflliges Gebude. Man tritt von aussen unmittelbar in die von schiin gemalter Kuppel berwlbte Haupthalle und hat dann vor sich den Katafalk, whrend rechts und links sich die grossen Nischen zur Aufnahme der Aschenurnen dem Blick darbieten. Findet eine Feuerbestattung statt, so wird der Sarg unter Orgelklang auf den Katafalk ge- tragen; die Angehrigen nehmen zu beiden Seiten Platz; der Geistliche oder dessen Stellvertreter steht auf einem kleineu Podium am Kopfende. Sobald das Gebet ge- sprochen ist, schiebt sich unhrbar der Boden des Kata- falks, eine Wellblech -Eoll- Jalousie, zurck, und whrend die Orgel aufs neue ertnt, verschwindet der Sarg laug- sam in der Versenkung, die sich gleich darauf wieder ebenso geruschlos schliesst. Damit ist die feierliehe Handlung zu Ende. Im Untergeschoss aber wird inzwischen der Sarg auf den, seiner am Boden des Fahrschachtes harrenden, niedrigen Wagen herabgelassen und in krzester Zeit auf Schienen in den bereits weissglhenden < )fen gefahren. Mechanische Vorrichtungen ermglichen einem einzigen Beamten die Ausfhrung aller nthigen Mani- pulationen. Nachdem der Wagen leer wieder hervor- gezogen, wird die mit Chamottesteinen gedichtete, eiserne Verschlussklappe niedergelassen und nun von Zeit zu Zeit der Fortschritt der Verbrennung beobachtet. Zinksrge schmelzen fast augenblicklich, Holzsrge gebrauchen lngere Zeit zur Veraschung, und die ganze Dauer der Verbrennung berhaupt belief sich bei den, whrend des bisherigen 7monatlichen Betriebes stattgefundenen, 34 Verbrennungen auf 3 / 4 bis 2 Stunden. Eine Verbrennung erfordert jedes- mal 10 bis 1 1 Centuer Feuerung und kostet fr Mitglieder, wenn ich mich recht entsinne, 100 Mark, fr Nichtmitglieder 150 Mark. Whrend er uns diese Details mittheilte, fhrte uns der Castellan weiter umher. Wir besahen noch ge- nauer den Ofen und den Raum fr den bereits in Aus- sicht genommeneu zweiten, Hessen uns die Secirkammer und den Aufbewahrungsraum fr die Leichen, welche aus irgend welchen Grnden nicht sofort verbrannt wer- den knnen, zeigen und warfen zum Schluss auch noch einen Blick in das Dienstzimmer des Beamten. Das Ganze der zuletzt beschriebenen Einrichtungen, vor allem das auch hier schon vorhandene Telephon, deuten auf die bestimmte Erwartung seitens der Erbauer und Erhalter dieser Anstalt hin, dass die Feuerbestattung, unaufgehalten durch grsstentheils thrichte Vorurtheile, sich die Sym- pathie des Publicums erwerben wird. Mchte diese Erwartung nicht enttuscht werden. Zur Naturgeschichte des Wassernetzes. (Schluss.) Wie aus den vorstehenden Mittheilungen hervorgeht, offenbart sich der Beginn der Zoosporenbildung, soweit er dem beobachtenden Auge zugnglich ist, dadurch, dass die Zellen ein ganz charakteristisches Aussehen annehmen, indem sie von einer feinkrnigen, trbgrnen Schicht ein- genommen werden, in welcher zahlreiche Zellkerne in gleichmssiger Vertheilung wahrzunehmen sind. (Fig. 4.) Der Bildungsprocess der Zoosporen. Beim Wassernetz erfolgt die Bildung der Zoosporen durch jene Form der freien Zellbildung, bei welcher der Protoplast durch simultane Theilung in eine grosse Anzahl freier Tochterzellen zerfllt. Dieser Process konnte aber bei seinem raschen Verlauf nicht mit der erwnschten Genauig- keit bisher verfolgt werden. Klebs ist es au der Hand des geeigneten Materials gelungen, in der Erforschung desselben weiter vorzudringen, als dies seiner Zeit AI. Braun mglich war. Zu diesem Zweck hatte er Zellen verwendet, welche aus einer 1 procentigen Nhrsalzlsung nach Knop'scher Vorschrift in eine verdunkelte 2 procentige Maltosclsung bei einer Temperatur von 26 28 gebracht worden war, um innerhalb 1 bis 2 Tagen zur Bildung von durchaus strkefreien Zoosporen berzugehen. Auf diese Weise wurde der Bildungsprocess derselben der Beobachtung mehr erschlossen, zumal da diese in der feuchten Kammer vorgenommen werden konnte. Derselbe wird damit eingeleitet, dass die grne, die Zellkerne ent- haltende Plasmaschicht von langen, schmalen und an ihren Enden spitz auslaufenden Spalten durchsetzt wird, welche anfangs nur die Chlorophyllschicht zu zertheilen scheinen. Es lsst sich dies am ehesten in verdunkelten Maltoseeulturen beobachten, ausserdem aber auch durch die Einwirkung von schwacher Wasserentziehung ver- mittelst einer 3 procentigen Knopf sehen Nhrlsung oder einer 5 procentigen Rohrzuckerlsung. (Fig. 5.) Durch das Auftreten weiterer Spalten, welche sich mit den bereits vorhandenen vereinigen, wird die Chlorophyllschicht und mit ihr wohl auch die ganze zwischen Hautschicht und Vacuolenwand befindliche Plasmaschicht in zahlreiche einzelne Stcke zertheilt, welche durch feine Plasmafden miteinander in gegenseitigem Verbnde bleiben. Whrend- dem findet eine Zusammenziehung der mittleren Plasma- schicht statt, wodurch in derselben hellere, rundliche und scheinbar inhaltslose Rume (Fig. 6e) auftreten, deren Zahl und Grsse sich nach der Dicke des Wandbeleges richtet, welche bei inhaltsreicheren Zellen bedeutender zu sein pflegt als in inhaltsarmeren. (Fig. 6.) Diese hellen Rume, welche von der Hautschicht gegen die Zellwand und von der Vacuolenwand gegen den Zellsaft abge- schlossen werden, enthalten noch Plasma, was schon daraus hervorgeht, dass bei der Plasmolyse auch diese Stellen mit der Zellwand durch feine Fden in Ver- bindung bleiben. Bei strkerer Wasserentziehung lsst sich der Protoplast von der Wandschicht umgeben auch hier von seiner Zellhlle vollstndig loslsen. Es unter- liegt daher wohl keinem Zweifel, dass die soeben ge- schilderte Zerstckelung der mittleren Plasmaschicht auf einer Sonderung des Protoplasmas in mehr oder minder dichten Massen beruht. Die Stcke, welche durch Spaltenbildung aus der mittleren Plasmaschicht hervorgegangen sind, besitzen meistens bandartige Form. Sie sind theils gerade, theils gekrmmt und knnen .von einander getrennt oder noch mit einander verbunden sein. (Fig. 7.) Zuweilen findet man neben krzeren und lngeren, sowie neben schmleren und breiteren noch solche, welche sich der Lnge oder der Quere nach spalten, um in kleinere Theil- stcke zu zerfallen. (Fig. 8 a c.) Denn besonders in lang- gestreckten Zellen fllt die ganze Plasmaschicht nicht auf einmal, sondern vielmehr nach und nach ihrer Zerlegung anheim, sodass man in ein und derselben Zelle Theil- stcke von verschiedener Ausbildung vorfindet. Durch den weiteren Verlauf dieses Spaltungsprocesses werden Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 57 dieselben je nach ihrer Form und Grsse einer aber- maligen Zerlegung - durch Lngs- und Quertheilung unter- worfen. Bei langen und schmalen Stcken namentlich erfolgt dies in der Weise, dass sie in Hlften zerfallen, welche sich ihrerseits schon wieder zerlegen, noch bevor die vorhergehende Theilung ihr Ende erreicht hat oder dass die Spaltung an einem Ende beginnt und unter fort- schreitender Ablsung einzelner Stcke am anderen abschliesst. (Fig. 8c.) Auf solche Art und Weise kommen die mannigfaltigsten Uebergnge zwischen succedaner und simultaner Theilung zu Stande. Die Theilung an sich scheint durch eine meistens einseitige, wohl aber auch von innen nach aussen oder von aussen nach innen vorschreitende Abschnrung zu geschehen, wobei die Theilungsebene in Form einer helleren Furche erkennbar wird. Dieselbe ist keine vollstndige, da die in Trennung begriffenen Theil- hlften durch feine Plasmafden miteinander verbunden bleiben. Auch die Zerlegung der grsseren Theilstcke in die kleineren muss wohl auf die gleichen Vorgnge zurckgefhrt werden, welche die Entstehung der ersteren aus der einheitlichen Plasmaschicht veranlasst haben. Das Ganze ist wohl auch als eine Sonderung mehr oder minder dichter Protoplasmamassen aufzufassen, deren Zu- standekommen sich jeder Einsicht verschliesst. Die als hellere Linien erkennbaren Spalten, welche die Trennung der kleineren Theilstcke von einander herbeifhren, stimmen ihrer Natur nach nicht mit jenen hellen Rumen, welche in der einheitlichen Plasmaschicht beim Beginn der Zoosporenbildung auftreten, berein, sondern enthalten eine homogene Protoplasmamasse, welche die abgetheilten Stcke gegen diese Rume abschliesst und feine Plasma- fortstze in dieselben hineinschickt. (Fig. 9.) Schon vor der Beendigung der letzten Theilungen dehnen sich durch inzwischen eingetretene Quellung die Theilstcke aus und kommen auf diese Weise miteinander in Berhrung, wobei sie sich gegeneinander abplatten mssen. (Fig. 10.) Hierdurch kommt die polygonale Gestalt, sowie die regelmssige Lage der entstandenen Zoosporen zu Stande, welche den Anschein erweckt, als seien diese aus simultaner Theilung hervorgegangen. Ihre gegenseitige Abgrenzung erfolgt durch hellere Linien, welche von Berthold als zarte Anlagen einer feinen Um- hllung betrachtet werden, whrend sie sich Klebs durch die gegenseitige Berhrung ihrer Hautschichten entstanden denkt. Bei ihrer letzten Ausbildung rckt der Zellkern aus seiner centralen Lage heraus an eine an der einen Seite des Polygons befindliche hellere Stelle. Ausserdem erhalten sie zwei contractile Vacuolen und zwei Gilien, ber deren Entstehung nichts Nheres ermittelt werden konnte. Die Zwischensubstanz, welche als farbloses und homogenes Protoplasma die bei der Zertheilung der mittleren Plasmaschicht entstandenen hellen Rume aus- fllte, ist, bis auf einen kleinen Theil, welcher in die bei der Entleerung stets vorhandenen periplasmatischen Massen verwandelt wird, aufgebraucht. Bis zur Reife der Zoosporen bildet die Zelle noch eine Einheit, indem ihr Inhalt sich trotz seiner Zerlegung in einzelne, nicht mehr von einander abhngige Theile bei der Plasmolyse als Ganzes zusammenzieht, wobei er noch durch feine Protoplasmafden mit der Zellwand in Verbindung bleibt, Bis zu ihrer vollstndigen Reife bleiben die Zoosporen dicht zusammengedrngt zwischen der Haut- schicht und der Vacuolenwand liegen. Es muss daher bei ihrer Entlassung zunchst die Hautschicht beseitigt werden, damit sie in den beweglichen Zustand bergehen knnen. In welcher Weise dies geschieht, entzieht sich vorerst noch unserer Kenntniss. Dem verndernden Einfluss des Bildungsprocesses bleibt offenbar auch der Zellsaft kaum entzogen. Es lsst sich dies daraus entnehmen, dass die Druckspannung desselben vom Beginn der Zertheilung bis zur Reife der Zoosporen in stetiger Abnahme begriffen ist. Sobald nm- lich zur Fortpflanzung geneigte Netzstcke in eine 3pro- centige Nhrlsung gebracht werden, tritt die Plasmolyse in denjenigen Zellen, welche in Zoosporenbildung begriffen sind, viel eher ein, als bei den im vegetativen Zustande befindlichen. Die Druckkraft des Zellsaftes sinkt bis zu einer gewissen Grenze herab und hlt sich alsdann bis zum Schluss auf der gleichen Hhe. Eine Zusammenziehung der Zellwand in Folge der Abnahme des Zellsaftdruckes drfte wohl kaum eintreten, denn es vollziehen sich um diese Zeit Vernderungen an ihr, welche dies verhindern. Sie fngt nmlich an auf- zuquellen. (Fig. 6.) Durch die cutieulare Beschaffenheit ihrer Oberflche ist sie jedoch gezwungen, auf ihrer Innen- seite damit den Anfang zu machen. In Folge dieses Um- standes dehnt sie sich nach innen zu aus, so lange ihr nicht durch die Druckspannung des Zellsaftes, welcher ihrem Ausdehnungsbestreben das Gleichgewicht hlt, ein Hinderniss geboten ist. In solchen Fllen, wo durch Wasserentziehung der Turgor strker herabgedriiekt wird, wie bei Culturen in Zuckerlsungen, schreitet die Quellung viel rascher vorwrts, so dass die Zellwand schon lngst vor der Reife der Zoosporen eine betrchtlichere Dicke erlangt hat, als dies sonst der Fall wre. Dadurch, dass unter gewhnlichen Umstnden ein bedeutender Spannungs- zustand zwischen Zellwand und Zellsaft bis zum Schlsse herrscht, werden die Zoosporen derart zusannnengepresst, dass sie eine polygonale, tafelfrmige Gestalt annehmen, obgleich sie durch ihr Bestreben, sieh abzurunden, einen Gegendruck ausben mssen, welcher aber jenem keines- wegs das Gleichgewicht halten kann. Die Befreiung der Zoosporen und die Netz- bildung. Wenn die Zoosporeu zu vollstndiger Reife gekommen sind, gehen sie in eiuem gegebenen Moment in eine langsam hin und her gleitende Bewegung ber, wobei sie auseinandertreten und sich abrunden mssen. Es ist der Eintritt dieser Bewegung darauf offenbar zurck- zufhren, dass der Druck, welcher bisher in der Zelle geherrscht hat, aufgehoben worden ist. Sie lsst sich nmlich schon vor beendeter Reife herbeifhren, sobald man durch einen knstlichen Eingriff die Zelle ffnet und dadurch eine Aufhebung ihres Spannungszustandes ver- anlasst. Unter gewhnlichen Bedingungen ist dies nur durch die Zerreissung der Cuticula mglich, welche durch die Quellung der inneren Zellwandpartien schon zum grssten Theil vorbereitet ist. Die Zoosporen des Wasser- netzes stimmen in ihrem Bau mit denen anderer Algen berein. Es sind nackte Protoplasmakrper von grner Farbe, die an ihrem Vorderende zwei Cilien und zwei pulsirende Vacuolen besitzen. In anderen Beziehungen weisen sie aber gegenber anderen Schwrmsporen sehr wesentliche Unterschiede auf. So ist ihre Bewegungs- flligkeit eine usserst beschrnkte. Denn sie sind nicht im Stande, sich von ihrer Stelle fortzubewegen, sondern mssen auf derselben verharren. Die Form ihrer Be- wegung entspricht im Allgemeinen einem raschen Hin- und Herpendeln. Ausserdem bleiben sie niemals vereinzelt, sondern treten stets zur Bildung eines jungen Netzes zu- sammen. Dies geschieht unter der Mitwirkung verschie- dener frderlicher Umstnde. Schon wurde hervorgehoben, dass sie nicht wie andere Schwrmsporen im Stande sind, umherzuschwnnen, sondern selbst wenn sie durch einen gewaltsamen Eingriff auseinander gebracht worden sind, unter stetem Hin- und Herpendeln an demjenigen Platze verbleiben, wohin sie zufllig verschlagen wurden. Mehr jedoch wirkt dabei ihre auch schon mehrmals zur Sprache 58 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5 gekommene gegenseitige Verkettung mit. Denn durch die Anordnung der polygonalen Tfelchen, von welchen ein jedes mit seinen Nachbarn durch feine Protoplasmafden verbunden ist, ist schon lngst vor beendigter Reife der Zelle die Anlage zu einem neuen Netz gegeben. Diese Verbindung, welche auch whrend der Bewegung fort- bestehen bleibt, lsst sich nur mit grossen Schwierig- keiten nachweisen, aber auch aus einem Grunde miisste sich nothwendigerweise ihr Vorhandensein ergeben, selbst wenn dieser Nachweis ganz unmglich wre. Wenn nm- lich durch die Quellung der Zellwand der Raum in der Zelle sich erweitert, dass die Zoosporen sich ausdehnen knnten, so sieht man sie nichtsdestoweniger auch noch ferner- hin in unmittelbarer Berhrung mit der Zellsaftvacuole, was zum Theil ihrer losen Anheftnng an der Wand der- selben zuzuschreiben ist. Wrde aber ausser dieser keine weitere und zwar gegenseitige Verbindung unter ihnen bestehen, so miisste die von ihnen umschlossene Vacuole nach Aufhebung des Druckes ihrer Oberflchenspannung nachgebend Kngelform annehmen. Sie behlt aber ihre ursprngliche Form bei, woraus sich ergiebt, dass die mit einander verketteten Zoosporen whrend der Bewegung immer noch einen derartigen Druck auf sie ausben, dass dieser ihrer Oberflchenspannung gerade das Gleichgewicht zu halten vermag. Die Bewegung der Zoosporen ist nach einer Stunde beendigt. Es hat inzwischen vielleicht durch die Ver- krzung der verbindenden Plasmafden eine gegenseitige Annherung und Berhrung derselben stattgefunden, worauf sie sich mit festen Zellwnden umgeben, welche an ihren Beriihrungsstellen miteinander verkleben. Unterbleibt jedoch die Annherung, so knnen sich die ausgespannten Plasmafden in Cellulose verwandeln, sodass der gegen- seitige Verband der Zoosporen durch kurze und schmale Strnge vermittelt wird. Bei Culturen in Lsungen anorganischer und orga- nischer Verbindungen verluft die Zoosporenbildung viel- mals unter mehr oder minder bedeutenden Abweichungen. So geht dieser Process in 5 10% Rohrzuckerlsungen infolge der Erniedrigung des Zellsaftdruckes durch die wasserentziehende Wirkung derselben hufig sehr un- regelmssig von Statten und fhrt auf diese Weise zur Entstehung von Missbildungen. Die meisten Unregel- mssigkeiten zeigen sich bei der Entleerung der Zoosporen, indem einzelne hierzu nothwendige Bedingungen dabei unerfllt bleiben. So kann beispielsweise die Cuticula so fest gebaut sein, dass sie nicht gesprengt zu werden ver- mag. Es dehnt sich alsdann die auf ihrer Innenseite quellende Zellwand auf Kosten des Zellinhaltes aus. Die Zellsaftvacuole wird dadurch zerdrckt und die Zoosporen- masse wird auseinandergerissen und nach allen Richtungen zeitheilt, so dass sie nach kurzer Zeit der Bewegung in dem engen Raum zur Ruhe kommen mssen, ohne zu einem Netz zusammengetreten zu sein. Zuweilen geht auch die Cuticula nicht an verschiedenen Stellen zu gleicher Zeit auseinander, sondern ffnet sich nur an einer einzigen Stelle. Es drngt dort der Zellsaft, welcher dem im Innern der Zelle herrschenden Druck nachgeben muss, die Zoosporenmasse heraus, wodurch oftmals eine ganz unregelmssige Gestaltung der entstehenden Netze herbei- gefhrt wird. Unter anderen Strungen des normalen Verlaufes ist noch diejenige anzufhren, welche in Cul- turen mit Rohrzucker oder mit 0,5 1/ Nhrsalzlsungen zu beobachten ist. Es kommt nmlich hier niemals ein vollstndiges Netz zu Stande, weil durch die wasserent- ziehende Wirkung der Lsung eine Contraetion herbei- gefhrt wird, infolge deren die gegenseitige Verbindung der Zoosporen aufgelst wird. Einzeln oder zu kleineren Gruppen vereinigt bewegen sich daher die Zoosporen einige Zeit fr sich umher, um hierauf auch fr sich zur Ruhe zu kommen. Whrend der Netzbildung schreitet die Verquellung der Zellwand ununterbrochen fort, bis sie um das Netz einen zarten Schlauch bildet, welcher erst nach einigen Tagen vollstndig verschwindet. Diese Vernderung, welche die Zellwand erfhrt, ist jedenfalls auf eine be- sondere Wirkung des Protoplasten zurckzufhren, welche kurz vor der Entleerung der Zoosporen beginnt. Es ist anzunehmen, dass durch die Zoosporenmasse eine Substanz ausgeschieden wird, welche wie ein Ferment zersetzend auf die Zellwand wirkt. Denn es braucht noch nicht einmal der Protoplast mit derselben in unmittelbarer Be- rhrung zu stehen, so sehreitet dennoch die Verquellung un- gehindert fort. Es zeigt sich dies am deutlichsten, wenn die Zelle kurz vor Beendigung derZoosporenbildung in eine 10% Rohrzuckerlsung gebracht wird. Trotzdem sich der Proto- plast von der Zellwand zurckgezogen hat, schreitet deren Verquellung unbehindert fort, bis sie vollstndig aufgelst ist. Die zur Ruhe gekommenen Zoosporen nehmen eine etwas in die Lnge gestreckte Gestalt an und schreiten alsbald zu einer Umlagernng ihres Inhaltes. Die Chloro- phyllschicht, welche, aus einzelnen zusammenhngenden Stcken bestehend, ihre innere Auskleidung bildet und durch Freilassung eines farblosen Raumes an beiden Enden die Zellsaftvacuole deutlich erkennen lsst, muss wohl eine Umgestaltung in der Weise erfahren, dass sie aus ihrer ursprnglich plattcnhnlichen Form durch Verwachsung ihrer Rnder in diejenige eines Cylindermautels bergeht. Nach Artary's Beobachtungen vollzieht sich dieser Vor- gang in der jungen Zelle. Das Schicksal der pulsirenden Vacuolen hat Klebs mit besonderer Aufmerksamkeit ver- folgt, was wegen ihrer unscheinbaren Grsse mit beson- deren Schwierigkeiten verknpft war. Er hat dabei ge- funden, dass sie noch mehrere Stunden, nachdem die Zoosporen zur Ruhe gekommen waren, sich in voller Thtigkeit befanden und diese auch noch fernerhin unter- hielten, whrend schon die Ausbildung der knftigen Zellsaftvacuole im Gange war. Es scheint daraus hervor- zugehen, dass diese mit den eontractilen Vacuolen, welche fr sich entstehen und vergehen, in keinerlei Beziehungen stehen und in jeder jungen Zelle aufs neue gebildet werden, um nach ihrem Heranwachsen bei der Fortpflanzung wieder zu Grunde zu gehen. Die Gametenbildung. Unsere seitherige Betrach- tung galt dem Bildungsprocess derjenigen Schwrmsporen, welche auf ungeschlechtlichem Wege entstanden sind und wir knnen nunmehr noch die Entwiekelung der ge- schlechtlichen Schwrmer, der Gameten ins Auge fassen. Wir brauchen darauf nur in Krze einzugehen , weil sie in hnlicher Weise wie die Zoosporenbildung verluft. Durch die Herbeifhrung der erforderlichen usseren Bedingungen ist es Klebs gelungen, die Zellen des Wassernetzes zur geschlechtlichen Vermehrungsweise in hnlicher Weise zu veranlassen, wie zur ungeschlecht- lichen und er konnte daher an der Hand weitgehender Culturversuehe den Vorgang der Gametenbildung in seinen erkennbaren Einzelheiten verfolgen. Auch hier entzogen sich wieder die ersten Anfnge dieses Processes jeder Einsicht und es mssen daher die Ursachen, welche ge- rade diese Fortpflanzungsweise herbeifhren, fr uns ein unenthiillbarcs Geheimniss bleiben. Der weitere Verlauf der Gametenbildung befindet sich mit der Zoosporenbil- dung in wesentlicher Uebereinstimmung und zeigt erst gegen das Ende hin deutliche Unterschiede von derselben. Wenn die Stromastrke in ihrer charakteristischen fein- krnigen Form abgelagert, die Pyrenoidstike aufgelst ist und die Zellkerne getheilt sind, fngt die mittlere Proto- plasmasehicht an, sich durch Bildimg von Spalten in Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift: ;.'.i einzelne Stcke zu zertheilen. Die Anzahl der entstellenden Theilstcke ist in diesem Falle viel grsser als bei der Zoosporenbildung und die Zusammenziehung derselben eine viel strkere, wodurch die Plasmaschicht das Aus- sehen einer grobnetzfrmigen, von zahlreichen farblosen Rumen durchbrochenen Masse erhlt. Zur Zeit der Reife herrscht in den gametenbildenden Zellen ein hnlicher Spannungsznstand, wie in den zoospo- renbildenden. Obgleich der Zellsaftdmek an und fr sieh etwas abgenommen hat, so wird doch die Gameten- masse sehr stark zusammengepresst, weil die Zellsaftva- cuole dem Quellungsbestreben der Zellwand das Gleich- gewicht hlt. Die nun eintretende Eutleeruug der reifen Gameten bietet auffallende Unterschiede gegenber der- jenigen der Zoosporen dar, indem nicht wie hier die ganze Zellwand auf ihrer Innenseite aufzuquellen beginnt, uud die starre Cuticula in einzelne Fetzen zerrissen wird, sondern nur an einer einzigen Stelle derselben eine Quel- lung eintritt und eine Rissspalte entsteht. Ist dies infolge der sich immer mehr vergrssernden Druckspannung im Innern der Zelle eingetroffen, so folgt die von ihrem Druck befreite Zellsaftvacuole ihrer Oberflchenspannung und zieht sich zusammen. Sie wird durch die nachqucl- lenden Zellwandsehichten zur Rissspalte hinausgeschoben und bleibt noch mehrere Stunden in der Regel erhalten, bis sie abstirbt und vergeht. Die Gameten, welche zwischen Zell- und Vacuolenwand fest eingekeilt lagen, liegen in einer Blase, welche aus den verquollenen Schichten der Zellwand hervorgegangen ist, eingeschlossen und gehen vorerst noch nicht in eine selbststndige Be- wegung ber, bevor ihnen durch die Zerstrung der- selben der nthige Raum hierzu geboten ist. Zuweilen constatirt man Missbilduugen, die durch eiue unvollstn- dige Zertheilung der aus der mittleren Plasmaschicht her- vorgegangenen Theilstcke entstanden sind. Derartige Bildungen, welche aus Gruppen von zwei, drei oder mehreren Gameten zu bestehen pflegen, fhrten wahr- scheinlich zu der Annahme, dass mehr als zwei Gameten sich miteinander vereinigen knnen, um eine Zygote zu bilden. Indessen drfte die Verschmelzung zweier Gameten die allgemeine Regel bilden. Das Schicksal der Zygote hat Pringsheim vor lngerer Zeit genauer verfolgt und dabei gefunden, dass sie whrend der Ruhezeil mehrere Entwickelungszustnde durchlaufen muss. Aus ihrer ur- sprnglich kugeligen form geht sie nach und nach in eine unregelmssig tetraedrische ber und mit Beginn der nchstjhrigen Vegetationsperiode schreitet sie zur Zoospo- renbildung, welche bekanntermaassen mit der Bildung eines jungen Netzes abschliesst. Auf diese Aufeinander- folge einer ungeschlechtlichen Generation auf eine ge- schlechtliche grndete sich die Annahme, dass bei dem Wassernetz ein Generationswechsel, wie er den Moosen und Farnen eigen ist, stattfinde, worin zugleich unzwei- deutig ausgesprochen liegt, dass die Fortpflanzung auf die eine oder die andere Art und Weise lediglich eine Folge innerer, der Beobachtung unzugnglicher Ursachen sei. Durch die verdienstvollen Untersuchungen, welche Georg Klebs gerade ber die Vermehrung des Wassernetzes in dieser Richtung angestellt hat, werden wir indessen eines anderen belehrt, denn er hat den sicheren Beweis gefhrt, dass man diese Pflanze nach seinem Belieben zur einen oder zur anderen Fortpflanzungsweise zwingen kann, so- bald man sie unter die hierzu erforderlichen Bedingungen bringt. Dem gleichen Verfahren lsst sich auch Vaucheria sessilis mit Leichtigkeit unterwerfen, worber wir in aus- fhrlicher Weise bereits berichtet haben. Vergl. Natur- wissenschaftliche Wochenschr." VIII, Nr. 36, S. 381386. Es kann daher kaum mehr ein Zweifel darber bestehen, dass die Fortpflanzung von dem Einfluss der Aussenwelt abhngig ist. ( x .) Dr. A. J. Schilling. Antliropopithecus erectus Eng. Dubois (Tijdsehrift van het Kon. Nederlandsch Aardrijkskundig Genootschap, Tweede Serie, Deel X, No. 2. Leiden, 31. Mrz 1893). Die von wissenschaftlicher Seite geleiteten Ausgrabungen an der durch das Vorkommen bemerkenswerther Reste fossiler Wirbelthiere bekannten Localitt Trinil auf Java frderten whrend des 4. Quartales 1892 unter anderem zu Tage eine Unterkieferhlfte von dem Typus des Sus verrucosus (Warzenschwein), den Unterkiefer einer klei- neren mit Sus celebensis nahe verwandten Suiden-Art, ein bedeutendes Schdelfragmeut von Bos elephas und endlich als belangreichsten Fund den linken Oberschenkel- knochen (Feinur) eines Antliropopithecus. Letzterer er- wies sich nach sorgfltiger Vergleichung zu demselben Exemplare gehrend, von welchem ein Jahr frher ein Zahn und die Schdeldecke gefunden worden war. Die Skelett- theile lagen in demselben Niveau (altdiluvialer Tuff) eines alten Strombettes, dessen ehemalige Wasser die Schdel- fragmente 15 m stromabwrts gefhrt hatten, und gehren wahrscheinlich einem alten weiblichen Individuum an. Die bekannten Skelettreste weisen der neuen Form ihren Platz bei der Gattung Antliropopithecus an, lassen jedoch auch eine Verwandtschaft mit Hylobates erkennen. EigenthUinlich sind der Schdeldecke ihre bedeutende Grsse (Lnge = 185 mm, Breite im hinteren Drittel der Lnge = 130 mm), sowie die starke Wlbung und ganz geringe Entwickelung der Augenbraucnbogen. Hierin gleicht diese Form dem A. troglodytes in einem Alter, welches dem eines siebenjhrigen Kindes entspricht und worin der das Gehirn unischliessende Theil, welcher bei allen Allen am kleinsten ist, noch weiter nach vorn reicht als beim ausgewachsenen Thier. Die Schdel -Capacitt war etwa 2,4 mal so gross als im Durchschnitt beim Schimpanse, und das Gehirn betrug etwa das 2,3 fache von demjenigen des Gorilla, welcher unter den Menschenaffen das grsste ('/ 3 eines durchschnittlichen Menschenhirnes) besitzt. Die beiden hinteren Hcker der Krone des dritten Molaren sind noch strker reducirt als bei A. troglodytes und A. sivalensis. Die Rckbildung ist soweit vorgeschritten, als es gewhnlich am obersten Weisheitszahn des Menschen der Fall ist; im Gegensatz zum Menschen jedoch ist der hintere Seitenhcker weniger entwickelt als der mittlere. Hierin stimmt A. erectus mit den beiden anderen Ange- hrigen der Gattung berein. Der Schenkel stimmt, abgesehen von geringen Unter- schieden, in Dimensioneu und Gestalt gut mit dem beim Menschen berein und unterscheidet sich durch seine Lnge und Schlankheit von dem Femur der grossen lebenden Anthropoiden. Seine Lnge betrgt 455 mm uud verhlt sich zur Dicke der Schaftmitte wie 16 1 /. 2 : 1 (wie beim Menschen). Aus diesem Verhltniss ist der Schluss zu ziehen, dass da die Tragfhigkeit der Last des Rumpfes entsprechen muss der Oberkrper nicht schwerer als der beim Menschen war; ferner da die Femur-Lnge bei den Anthropoiden und beim Menschen im selben Ver- hltniss zur ganzen Unterextremitt steht verhielt sich das Bein zum Rumpf wie beim Menschen, whrend es bei den grossen lebenden Anthropoiden gegen den Oberkrper an Lnge bedeutend zurcksteht. Anthrop. erectus ver- mochte daher auch nicht nach Art des Schimpanse, Gorilla oder Orang-Utang zu klettern (letztere besitzen dazu kurze 60 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5 Beine mit Greiffssen und lange Arme, sowie einen sehr schweren und langen Rumpf). Der ganze Bau des Feumr gestattet den Schluss, dass dem Beine des A. erectus die- selbe mechanische Rolle zukam, wie am menschlichen Krper. Der Gelenkkopf ist ebenso geformt und sein Hals bildet mit dem Schafte denselben Winkel, wie bei einem gleichlangen menschlichen Femur. Das untere Ende des Femurs ist ebenfalls breit, die Mitte der Gelenkflche, welche der Articulation mit dem Schienbein dient, liegt wie bei den Anthropoiden nach hinten. In ihren Ab- messungen, ihrer Aushhlung und Gestalt stimmt diese Gelenkflche, sowie die fr die Kniescheibe mit der ent- sprechenden menschlichen bereiu. Die gleichfalls schrge Stellung des Femurs deutet breite Hften an. Der Femur- krper ist gross, die Kante ist deutlich entwickelt und die beiden oberen Fortstze sind von den entsprechenden Tbeilen beim Menschen nicht zu unterscheiden. Der Femur unterscheidet sich von einem menschlichen durch die gerundetere Form des Schaftes an der Innen- seite, die geringere Entwickelung des untersten Theiles der schiefen Linie an der Vorderseite, die grssere Con- cavitt der Partie zwischen den beiden oberen Fortstzen und die geringere Ausbildung der Articulationsflche fr die Kniescheibe. Hierin stimmt er mit dem der Anthro- poiden berein. Aus dem gesammten Bau des Femurs ergiebt sich, dass die Haltung des Authropopithecus erectus eine auf- rechte war, worauf auch die hohe Lage und Differenzirung der rauhen Stelle hindeutet, welche dem zur Hacke gehen- den Muskel zur Insertion diente. Diese letztere Thatsache stimmt ganz mit der beim Menschen beobachteten berein und fehlt allen Affen und anderen Sugethieren. Die bisher bekannt gewordenen Skeletttheile weisen auf eine Form hin, welche auf einer hheren Entwicke- luugsstufe stand, als smmtliche Anthropoiden, und die sich durch die aufrechte Haltung des Krpers, welche bislang als ausschliessliche Eigenthmlichkeit des Menschen angesehen wurde, diesem letzteren am meisten nhert. Wenn Lamarck und nach ihm Darwin als ersten Schritt zur Menschwerdung die Annahme der aufrechten Krper- haltung bezeichneten, so haben wir dieses Stadium hier vor uns. Daraus ist der weitere Schluss gestattet, dass Authropopithecus erectus die Beine ausschliesslich fr die Bewegung gebrauchte und dementsprechend auch menschen- artig differenzirte Vorderextremitten besass, die ihm zum Beschaffen der Nahrung, des Unterschlupfes und zur Ver- teidigung dienten. Man knnte leicht noch weiter schliessen, dass die fossile Form bereits hchstwahrscheinlich gewisse Werkzeuge anwandte, um in der Erlangung ihrer Lebens- bedrfnisse schneller und sicherer zum Ziele zu gelangen; indessen wollen wir es hier bei der Constatirung der bis jetzt erkundeten Thatsachen bewenden lassen hoffent- lich liefern die fortgesetzten Ausgrabungen weiteres, voll- kommeneres Material. Ueber die Entstehung der Geschlechtszellen bei den Insecten verffentlicht R. Heymons in den Sitzungs- berichten der Gesellschaft naturforschender Freunde eine vorlufige Mittheilung. Nach der jetzt allgemein herr- schenden Anschauung sind die Geschlechtsorgane der In- secten mesodermaler Abkunft. Fast alle Untersuchungen fhrten zu dem bereinstimmenden Resultat, dass die Genitaldrsen aus localen Wucherungen oder Verdickungen hervorgehen, die sich an den Wandungen der Clom- sckchen bilden. Derartige Verdickungen befinden sich zumeist an den dorsalen, dem Dotter zugewendeten Theilen der Sckchen und kommen in der Regel bei mehreren aufeinander folgenden Urseamenten zur Anlse. Nur fr wenige Insecten darf ein anderer Entstehungs- modus als erwiesen gelten. So z. B. fr die Aphiden und Dipteren. Bei ihnen tritt die erste Anlage der Genital- organe bereits in einem Zeitpunkt auf, in welchem die Keimbltter noch nicht gesondert sind. Bei den Aphiden ist es eine Zelle, welche am hinteren Ende des Eies von der noch undifferenzirten Blastodermschiclit sich abschnrt, die durch weitere Theilung die spteren Fortpflanzungs- drsen liefert. Bei den Dipteren kommen die Geschlechts- zellen sogar noch vor der Bildung des Blastoderms zur Anlage, und zwar am hinteren Eipole als sog. Polzellen. Allein das Verhalten bei diesen beiden Insecten- gruppen durfte um so weniger entscheidend ins Gewicht fallen, als sowohl die Aphiden wie die Dipteren als relativ einseitig entwickelte und isolirt stehende Formen aufzu- fassen sind, bei welchen die eine schnelle Aufeinander- folge der einzelnen Generationen bedingende rasche Ver- mehrung (Parthenogenese, Pdogenese) sehr wohl die Ent- wickelung der Geschlechtsdrsen beeinflusst haben konnte. Gerade fr sehr ursprngliche Vertreter der jetzt lebenden Insecten, fr die Orthopteren, und zwar fr ver- schiedene Abtheilungen der Orthoptera geuuina, war da- gegen die mesodermale Entstehung der Sexualdrseu sicher nachgewiesen worden. Die Entstehung der Sexualzellen bei den Orthopteren drfte um so mehr Interesse beanspruchen, als auch bei Anneliden die Entwickelung der Geschlechtsorgane in ganz entsprechender Weise au den Wandungen der Clomscke vor sich geht. Hierzu kommt, dass noch fr einen an- deren Zweig des Arthropoden-Stammes, fr die Crustaceen und Spinnen, mehrfache Belege fr die mesodermale Ab- kunft der Geschlechtsdrsen beigebracht worden sind. Die Abstammung der Geschlechtszellen von der Meso- dermschicht schien daher auch fr die Insecten sicher gestellt. Die Untersuchungen, "welche H. an den Eiern des Ohrwurms (Forticula auricularia L.), sowie an denen einer Anzahl von Orthopteren angestellt hat, sind indessen ge- eignet, die jetzigen Anschauungen von der Entstehung der Geschlechtszellen bei den Insecten zu moditiciren. Bei For- ficula treten nach seinen Beobachtungen dieSexualzellen auf, ehe noch das Mesoderm gebildet ist, und zwar wandern sie am hinteren Ende der Embryonalanlage von der noch undifferenzirten Blastodermschicht in das Innere des Eies ein. Die Verhltnisse liegen hier also hnlich wie bei den Aphiden, nur findet sich nicht, wie bei den letzteren, eine einzige Urgenitalzelle, sondern man beobachtet gleich eine grssere Anzahl von Geschlechtszellen. Zu dem Meso- derm haben dieselben keine Beziehung, indem sich letzteres erst spter bildet. Bei der Feldgrille (Gryllus campestris L.) entsteht zunchst durch eine Art Invaginationsprocess das Meso- derm (unteres Blatt", Entomesoderm" der Autoren). Erst spter, und zwar gleichzeitig mit dem Auftreten der Amnionfalten, bildet sich am hinteren Ende des Embryos eine kleine Einseukung, eine Geschlechtsgrube" aus, von deren Boden sich Zelten loslsen. Diese geben sich durch ihre charakteristischen Kerne mit deutlich differenzirtem Chromatingerst sogleich als Geschlechtszellen zu erkennen. Es zeigt sich somit auch hier, dass eine Ableitung der Genitalzellen von Mesodermzellen nicht mglich ist. Ganz hnlich wie bei der Feldgrille liegen die Ver- hltnisse bei der Hausgrille, dem Heimchen (Gryllus do- mesticus L.). Doch findet sich bei dieser Form der eine interessante Unterschied, dass die Zellen, welche sich von dem Boden der Geschlechtsgrube ablsen, sich zunchst in keiner Weise von den gewhnlichen Mesodermzellen unterscheiden lassen. Erst viel spter, nachdem sie in die Wandungen der Clomsckchen gelangt sind, gewinnen Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 61 sie die charakteristischen Merkmale von Geschlechtszellen. Wrde man die Entwickelung des Heimchens verfolgen, ohne Kenntniss von den Vorgngen bei der Feldgrille zu haben, so knnte man sehr leicht die Geschlechtszellen des ersteren Insects irrthmlich vom Mesoderm ableiten. Die Entwickelung der Genitalzellen bei der Kchen- schabe (Periplaneta orientalis L.) vollzieht sich in ganz derselben Weise wie bei Gryllus campestris. Auch hier findet sich am hinteren Ende des Keim- streifens eine Geschlechtsgrube und von dieser wandern die Geschlechtszellen ein. Die Einwanderung lsst sich an Querschnitten deutlich beobachten. Eine directe Be- ziehung der Genitalzellen zu dem Mesoderm ist bei Peri- planeta anscheinend nicht vorhanden. Fr einen nahen Verwandten der Kchenschabe, nm- lich fr die deutsche Schabe (Phyllodroniia germanica L.), hat H. die mesodermale Entstehung der Geschlechtszellen ebenfalls nachgewiesen. Um eine nahezu vllige Ueber- einstimmung mit dem bei Periplaneta beschriebenen Ver- halten zu gewinnen, braucht man indessen nur anzunehmen, dass bei Phyllodroniia, hnlich wie beim Heimchen, die vom hinteren Ende her einwandernden Geschlechtszellen sich erst in spterer Zeit differenziren. Ein directer Be- weis fr diese Annahme lsst sich allerdings bei Phyllo- droniia insofern schwerer wie bei Gryllus domesticus fhren, als die Geschlechtszellen des ersteren Inseets keine compacte Genitalanlage bilden, sondern einzeln zwischen den Mesodermzellen zerstreut nach vorn wan- dern. Fr das thatschliche Vorhandensein einer solchen Wanderung von Geschlechtszellen spricht aber vor Allem sehr berzeugend der Umstand, dass sich bei Phyllodroniia am hinteren Ende des Keimstreifens eine grubeufrmige Einsenkung vorfindet, welche in jeder Hinsicht der Ge- schlechtsgrube bei den Grillen und der Kchenschabe entspricht. Aehnlich wie bei Hiyllodromia und Gryllus domesticus liegen die Verhltnisse auch bei der Maulwurfsgrille (Gryl- lotalpa vulgaris Latr.). Aus den H. 'sehen Beobachtungen geht hervor, dass die Geschlechtszellen der Inseeten in verschiedenen Stadien der Entwickelung zur Dift'erenzirung kommen knnen. Treten die Genitalzellen bereits sehr frhzeitig auf, wie bei Forficula, den Aphideu und im extremen Fall den Dipteren, so sind die Keimbltter noch nicht gesondert und die Geschlechtszellen gehen aus der Blastoderinschicht hervor oder zeigen sich sogar noch vor der Bildung der letzteren. Wenn dagegen die Geschlechtszellen etwas spter sich differenziren, so hat sich von einer oberflchlichen Zellenschicht (Ektoderm) eine tiefere Zellenlage (Meso- derm) abgesondert und die Geschlechtszellen wandern vom Boden der Geschlechtsgrube ein. Insofern als die letztere eine Einsenkung des Ektoderms darstellt, nisste man hier folgerichtig von einem ektodermalen Ursprung der Geschlechtszellen sprechen. Dieser Fall trifft zu fr Gryllus campestris und Periplaneta orientalis. Endlich knnen die Geschlechtszellen noch spter be- merkbar werden und aus der Mesodermschicht resp. den Wandungen der Ursegmente sich differenziren. Dies wird veranschaulicht durch Gryllus domesticus und Phyllodroniia germanica. Hier htten wir dann also einen mesodermalen Ursprung der Geschlechtszellen vor Augen. Durch den Nachweis einer Geschlechtsgrube am hinteren Ende des Keimstreifens von Phyllodroniia und Gryllus domesticus geht indessen hervor, dass im Falle einer mesodermalen Abkunft der Geschlechtszellen nur die Differenzirung der Zellen selbst in eine sptere Zeit verlegt ist, dass aber die Verhltnisse sonst in jeder Beziehung den bei den oben beschriebenen Inseeten gleich sein knnen. H. ist somit der Meinung, dass die Geschlechts- zellen der Inseeten berhaupt nicht von diesem oder jenem Keim blatte " abzuleiten sind, son- dern nur scheinbar je nach dem Zeitpunkt ihres Hervortretens bald dieser, bald jener Zellen- schicht angehren. Wenn auch die Trennung zwischen somatischen Zellen und Geschlechtszellen bei den meisten Inseeten erst spt bemerkbar wird, so werden wir somit doch annehmen mssen, dass ein solcher Unterschied bereits vom Beginne der Entwickelung an vorhanden ist. ( x .) Ueber das Vorkommen von Spaltpilzen in Hhner- eiern berichtet Stephen Artault in den C. r. Soc. de Biol. de Paris, '.). ser. t. 5. S. 78. In dem grn fluores- cirenden Weissen eines Eis konnte er eine Cultur von Bacillus pyoeyaneus entwickeln, ein anderes Ei enthielt Aetinoniyces, ein drittes Cysten eines Didyinium nahe stehenden Myxomyceten. C. M. Eine Verbesserung des Verfahrens zur Gewinnung metallischen Lithiums hat Guntz (Comptes rendus, tome CXVII No. 22, S. 732) krzlich mitgetheilt. Die bisher erzielte Ausbeute erschien mit Rcksicht auf die Strke des angewendeten Stromes auffallend gering. Die Thatsache, dass die Ausbeute sich ver- grsserte, wenn einerseits die Temperatur der Eleetrolyten erniedrigt wurde und andererseits das verwendete Li Ol mit NaCl und KCl verunreinigt war, veranlasste G., die Schmelztemperaturen von Gemischen dieser 3 Chloride festzustellen. Reines Li Cl schmilzt bei 600, whrend 1 LiCl + 2 KCl bei etwa 550, 1 LiCl -+- 1 KCl schon bei etwa 450 und 1 NaCl + 1 KCl sogar schon bei 380 schmilzt. Am besten eignet sich ein Gemisch von 1 LiCl + 1 NaCl + 1 KCl, dessen unter 450 liegender Schmelz- punkt whrend der Eleetrolysc bestndig sinkt, in dem Maassc, wie das beigemischte LiCl zersetzt wird. Das so erhaltene Metall ist frei von Fe und SiCL, enthlt aber 1 2 Gewichtsprocent K, was hchstens ei nein Atom K auf 273 Li entspricht". Die Schwierigkeiten bei der Darstellung aus r< 'nein LiCl erklrt sich G. in der Weise, dass sich durch Aus- scheidung des metallischen Li die Temperatur des Schmelz- flusses auf 700 erhht, wobei sich dann Lithitiin-Subehlorid (LLC1) bildet. Dieses leitet schlechter und vermindert, wie G. constatirte, die Stromstrke. Dass bei der Electrolyse Subchloride entstehen, scheint bei den Alkalien die Regel zu sein; doch hat G. durch diese Methode noch nicht gengend reine Verbindungen erhalten. R. M. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Es wurden ernannt: Mi'. W.Scott zum Diroctor der Forsten und des Botanischen Gartens auf Mauritius. Der Privatdocent der Philosophie an der Universitt Wien Alfred von Bergei zum ausserordentlichen Professor. Der Professor der Philosophie an der Universitt Berlin Dr. Zeller zum Wirklichen Geheimen Eath mit dem Titel Excellenz. Der Vorsteher im Institute fr Infectionskrankheiten an der Charite in Berlin Stabsarzt Dr. Pfeiffer zum Professor. Der Assistent am Botanischen Garten in Gttingen Dr. Giessler zum Assistenten fr Bakteriologie an der Centralmolkerei Lauterbach bei Fulda. An der Universitt Rostock der Privatdocent fr Physik Dr. Mnnich und der Privatdocent fr Zoologie Dr. Will zu ausserordentlichen Pro- fessoren. Der Privatdocent fr Anatomie au det Universitt Wien Di". Joseph Schaff er zum ausserordentlichen Professor. Der Prosector am stdtischen Krankenhause in Brunn Dr. Ludwig Kerscher zum Professor fr Entwickelungsgoschicbtc au der 62 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5 Universitt Innsbruck. Dr. Charles E. Coates zum Professor fr Chemie an der Universitt des Staates Louisiana. Dr. J. N. Swen zum Professor fr Chemie am Monmouth College, Illinois. Dr. M. M. Metcalf zum Professor fr Biologie am Woman'a College, Baltimore. Der Inspector an der zoologischen Sammlung in Mnchen Konrad Wilt ist von seiner Stellung zurckgetreten. Es sind gestorben: Der Elektriker Anton Rockonzaun in London. Der Kliniker Quinquaud in Paris. Der auf butanischem Gebiete thtig gewesene Ingenieur Alexander Stephan Wilson, in Aberdeen. Der Moosforscher Olof Leopold Sillen in Gene, Schweden. Zur Errichtung eines Charcot - Denkmals ist eine Sb- scription erffnet worden. Ein Botanischer Garten ist durch Herrn M. C. Thays in Buenos Ayres errichtet worden. Eine grosse wissenschaftliche Expedition ist soeben in Brasilien ausgerstet worden, um die weniger bekannten Thcile des Amazonenstrom-Gebietes ethnographisch und naturwissenschaft- lich zu durchforschen. Berliner Gewerbe-Aussetllung 1896. - Die Gruppe XI wissenschaftliche Instrumente hat sich nunmehr auch wie folgt eonstituirt: Das Ehrenprsidium hat in der Gruppe Geh Rath von Helmholtz bernommen; als sein Stellvertreter fungirt Professor Dr. Hagen, Direetor der physical-technischen Reichs- anstalt. Den Vorsitz in dieser Gruppe fhrt Commerz ienrath Paul Drffel, und die Vorsitzenden der drei Unterabtheilungen sind: 1. fr wissenschaftliche Apparate und Instrumente Herr H. Haensch, in Firma Franz Schmidt & Haensch: 2. fr Uhren Herr Hofuhrmacher Engelbrecht, Vor- sitzender des Central Verbandes Deutseher Uhrmacher; 3. fr chirurgische Apparate und Instrumente Herr C. Gef - fers, Obermeister der Chirurg. Instrumentenmacher. Weitere Mitglieder des Gruppen- Vorstandes sind die Mechaniker W. Handke und Ed. Sprenger, die Uhrmacher H. Ernst und F. Neuhofer und die Verfertiger chirurgischer Instrumente G. Windler und Carl Mller. Da in diesen 3 Unterabtheilungen der lebhafte Wunsch aus- gesprochen ist, den Rahmen fr die Gruppe im Sinne des Pro- gramms auszudehnen, und zum Theil feste Abmachungen bereits vorliegen, so ist begrndete Aussicht vorhanden, dass bei der 1896er Ausstellung die Gruppe Wissenschaftliche Instrumente ein glnzendes Bild ihres Knnens vorfhren wird. Diese Gruppe war besonders in Chicago hervorragend gut vertreten; es lebt in allen Betheiligten das lebhafte Verlangen, auf der 1896er Aus- stellung alles Frhere vollstndig in den Schatten zu stellen. Jeder aber, der mit dem Stande der Leistungsfhigkeit dieser Gruppe einigermaassen vertraut ist, weiss, dass gerade sie den Kampf mit keinem Lande der Erde zu scheuen hat. Excellenz von Helmholtz, sicher der berufenste Beurtheiler dieses Gewerbe- zweiges, besttigt das durch Uebernahme des Ehrenprsidiums. Deutsche Mathematiker - Vereinigung. Dem Bedrfniss nach einem engeren Zusammenschluss der Mathematiker Deutsch- lands ist eine Vereinigung entsprungen, die auf den Naturforscher- Versammlungen zu Heidelberg (1890), zu Bremen (1891) und zu Halle (1892) feste Gestalt angenommen hat. Die bisherige Thtig- keit dieser ,. Deutschen Mathematiker-Vereinigung" be- grndet die sichere Hoffnung auf eine fr die Wissenschaft und fr den persnlichen Verkehr ihrer Jnger segensreiche Entwicke- lung. Gerade das verflossene Jahr hat den Beweis geliefert, dass die genannte Vereinigung thatkrftig und lebensfhig ist, und es drfte daher nicht unangemessen erscheinen, auch weiteren Kreisen ein Bild von dem Wirken und den Erfolgen derselben zu geben. Wie die Deutsche Mathematiker-Vereinigung aus der mathe- matisch-astronomischen Abtheilung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte hervorgegangen ist, so hlt sie auch ihre jhrlichen Zusammenknfte zugleich mit den Naturforscher- Versammlungen ab. Ihren Zweck: in gemeinsamer Arbeit die Wissenschaft nach allen Richtungen zu frdern und auszubauen, ihre verschiedenen Theile und zerstreuten Organe in lebensvolle Verbindung und Wechselwirkung zu setzen", erreicht die D.M. -V. einmal durch die alljhrlich stattfindenden Versammlungen und sodann durch die Herausgabe eines Jahresberichtes. In das Pro- gramm der auf den Versammlungen zu haltenden Vortrge und Mittheilungen werden nach Mglichkeit Referate ber die Ent- wickelung einzelner Gebiete der Wissenschaft aufgenommen. Der Jahresbericht bringt, dementsprechend ausser den geschftlichen Mittheilungen, Biographien gestorbener Mitglieder u. dgl. kurze Mittheilungen ber die auf den Jahresversammlungen gehaltenen Specialvortrge und die grsseren wissenschaftlichen Referate. Es sei gestattet, auf die beiden ersten Bnde dieses Jahresberichtes*) hinzuweisen, welche bisher vorliegen und wohl meist nur in Hnden von Mitgliedern (diese erhalten sie zu Vorzugspreisen) sich befinden. Der erste Band (189091) enthlt in der Chronik" u. a. Nekrologe auf Benno Klein und Paul Gnther, die ersten Mit- glieder, welche die D. M.-V. durch Dahinscheiden verloren hat. Der zweite Abschnitt umfasst die kurzen Referate ber die Vor- trge, welche auf der Hallenser Versammlung gehalten worden sind; ihre Zahl beluft sich auf 24. Den Hauptinhalt aber macht das Referat des Professor Franz Meyer aus: Bericht ber den gegenwrtigen Stand der Invariantentheorie. Derselbe umfasst nahezu drei Viertel des ganzen Bandes. Inhaltlich ist dieses Referat als eino bedeutende Leistung anerkannt worden ; in der That ist die zur Bewltigung der ungemein umfangreichen und fast nicht mehr zu bersehenden Litteratur aufgewendete Mhe und Energie geradezu imponirend. Dieser Bericht beweist so recht, wie sehr es au der Zeit ist, die Entwickelung einzelner Gebiete der Mathematik zusammenfassend darzustellen. Im Jahre 1892 sollte die Zusammenkunft, der D. M.-V. (zugleich mit der Naturforscher-Versammlung) in Nrnberg abgehalten wer- den; es versprach diese Versammlung besonders interessant zu werden, da nicht nur zahlreiche Vortrge angemeldet waren, son- dern auch eine Ausstellung mathematischer und mathematisch- physikalischer Modolle, Apparate und Instrumente mit dieser Versammlung verbunden sein sollte. Die Vorbereitungen waren aufs beste getroffen, doch musste die Zusammenkunft wegen der Choleragefahr abgesagt werden. Demgcmss ist der zweite Band des Jahresberichtes (1891 92) an Umfang geringer ausgefallen als der erste. Er enthlt in der Chronik" als besonders erwhnenswerth Nekrologe auf Kronecker und Schrter, im zweiten Theile sind einige Berichte ber Vor- trge verffentlicht worden, die fr die Nrnberger Versammlung angemeldet worden waren. Den Beschluss des Bandes bildet ein Berieht des Dr. Fritz Ktter ber die Entwickelung der Lehre vom Erddruck. Dieses etwa die Hlfte des Bandes fllende sehr sorgfltige Referat ist nicht nur fr Techniker, sondern auch fr Mathematiker von Interesse. Was das Jahr 1892 in Folge der ungnstigen Gesundheits- verhltnisse Deutschlands nicht zur Ausfhrung kommen Hess, das wurde im Jahre 1893 in noch schnerer Weise verwirklicht. Die Zusammenkunft fand in Mnchen (eine Woche vor der Natur- forscher-Versammlung zu Nrnberg) statt, und mit ihr war eine in hervorragendem Maasse lehrreiche und interessante mathe- matische Ausstellung verbunden, die in der Technischen Hoch- schule zu Mnchen untergebracht und whrend des ganzen Sep- tember zugnglich war. Bei einer Mitgliederzahl von etwa 250 ist es gewiss fr das Interesse der Ausstellung und die Bedeutung der Versammlung zeugend, dass letztere von 105 Theilnehmern besucht war! Ein sehr sorgfltig gearbeiteter Katalog nebst Nach- trag ist seitens der Deutschen Mathematiker-Vereinigung verfasst und herausgegeben worden, der dauernden wissenschaftlichen Werth hat. Wir werden spter vielleicht Gelegenheit nehmen, auf diese mathematische Ausstellung zurckzukommen, welche so recht ein Bild menschlichen Scharfsinnes bot! Schliesslich unterlassen wir es nicht, noch auf eine andore Schrift aufmerksam zu machen, welche durch die D. M.-V. heraus- gegeben und weiteren Kreisen zugnglich gemacht worden ist; wir meinen das Verzeichniss der seit 1850 an den Deutsehen Universitten erschienenen Doctor-Dissertationen und Habilitations- schriften aus der reinen und angewandten Mathematik". Wer selbst genthigt gewesen ist, eine umfangreichere Litteratur durch- zusehen, wird wissen, dass gerade die Dissertationen und Habili- tationsschriften am wenigsten bekannt und zugnglich sind: dor Werth des vorliegenden Verzeichnisses ist deshalb durchaus nicht gering zu schtzen. So sehen wir die junge D. M.-V. bereits nach allen Seiten neue Anregungen verbreiten und grssere Unternehmungen ins Werk setzen. Mge sie, gesttzt auf eine grosse Zahl von Mit- gliedern, weiter wirken zum Besten der Wissenschaft! DieAuspicien sind gnstig. Litteratur. Hermann Piper, Zur Aetiologie der Idiotie. Mit einem Vorwort von Medicinalrath Dr. W. Sander. Fischer's medic. Buchhandl. (H. Kornfeld). Berlin 1893. Verf. ist Erziehungs-Inspector an der stdt. Idiotenanstalt *) Die Jahresberichte erscheinen im Verlage von Georg Reimer zu Berlin. Kassenfhrer der Vereinigung ist Prof. Dr. W. Dyck in Mnchen, der Jahresbeitrag betrgt 2 Mk. zu Dalidorf bei Nr. 5. Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. 63 Berlin; er bringt in dem Buche ein grosses Material vor, das ihn zu folgenden Resultaten fhrt: Als urschliche Umstnde bei angeborener" Idiotie lassen sich nachweisen: Krankheiten bei Eltern oder sonstigen Verwandten wie Schwindsucht, Geisteskrankheit, Krumpfe, Syphylis, Schwach- sinn. Herz-, Nieren-, Nervenkrankheit, Taubstummheit. Veran lassung zur Idiotie kann auch sein: gewohnheitsmssiges Trinken beim Vater, Sorgen, Fall, Schreck, Krankheit, Starrkrampf und Misshandlung der Mutter whrend der Schwangerschaft. 2 % unter 310 Fllen waren Frhgeburten, bei '/a % war die Mutter unterleibsleidend. Unter 10li Fllen erworbener" Idiotie sind die Veranlassungen zu derselben meist berstandene Krankheiten; es wurden constatirt: Scharlach res]). Diphteritis oder Scharlach resp. Typhus (27%), Fall (20%), Masern (11%), Khachitis (9%), Ge- hirnentzndung (9 /,.), schwere resp. lang andauernde Geburt ((5 %)> Schreck (5 %), Schlag (8 %) Gastrisches Fieber (3 %), Ueber- fahren werden (1 %) u. s. w. Mittheilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern aus dem Jahre 1892. No. 1279-1304. Redaction: Prof. Dr. J. H. Graf. Verlag von K. J. Wyst. Bern 1893. Das XXXII u. 208 Gross-Octav-Seiten starke Heft enthlt zunchst die Berichte ber Gesellschaftsangelegenheiten und Referate ber die in den Sitzungen gehaltenen Vortrge, in seinem weitaus grsseren Theile Abhandlungen, deren einige theilweise in den Versammlungen vor- getragen worden sind. Von den Vortrgen sei hier genannt der- jenige von Freudenreich, Ueber die Widerstandsfhigkeit der Bacterien gegen hohen Druck coinbinirt mit einer Erhhung der Temperatur. Der Vortragende hat in Gemeinschaft mit Dr. Schaffer eine Anzahl von Experimenten ausgefhrt, bei denen mit Mikro- organismen behaftete Milch in einer Sauerstoff- oder Kohlensure- Atmosphre bei einer Temperatur von 60 70 einem hohen Drucke ausgesetzt wurde. Die Erwartung, dass die Milch auf diese Weise wrde sterilisirt werden knnen, hat sich nicht erfllt; es zeigte sich vielmehr, dass resistente Bacterien" Milzbrand- und Milch- bacillus einem Kohlensure-Druck von ca. 80 90 Atm. und einem solchen in Sauerstoff von ca. 60 Atm., vereint mit einer Erhhung der Temperatur auf ca. 65, leicht widerstehen." Die Milzbrandbacillen schienen nicht einmal geschwcht zu sein; denn damit geimpfte Meerschweinchen starben schon vor Ablauf von 48 Stunden. Von Abhandlungen sind folgende enthalten: Anderegg: Generationswechsel bei Insecten. Biologisehe Studien. Kaufmann, Die Ostracoden der Umgebung Berns. Aufzhlung und Synonymik von 16 Schalenkrebsen, darunter einer neuen Art. Baltzer, Glacialgeologisches von der Sdseite der Alpen. Untersuchungen ber die vom Verfasser im Herbst 1890 besuchten glacialen Aufschlsse an mehreren Lokali- tten im Sden der Alpen (Pianico-Sellere, Stresa am Lago Mag- giore etc.). Studer. Zwei grosse Hunderassen aus der Steinzeit der Pfahlbauten. Beschrieben werden zwei Formen, welche bisher in den westeuropischen Pfahlbauten noch nicht gefunden wurden. Die eine (von Font am Neuenburger See) davon zeigt Aehnlichkeit mit dem Canis familiaris Inostranzewi Anutschin, die andere (von Bodman am Ueberlinger See) steht dem Canis matris optimae Jeitteles nahe, zeigt aber auch wieder davon abweichende Cha- raktere. 3 Tafeln. Graf, der Astronom Joh. Jakob Huber (1733 1798) aus Basel. Diese biographische Skizze ist eine Fest- gabe der Berner Naturw. Ges. an die Baseler Naturf. Ges. ge- legentlich ihres 75 -jhrigen Bestehens. 1 Tafel. Fankhauser, die Kolonie von Alpenpflanzen auf dem Napf. Die weit in die schweizerische Hochebene vorgeschobene Insel des Napfes, dessen Hhe ca. 1000 m betrgt, zeigt eine Anzahl typischer Alpen- pflanzen, unter denen das sonst nur bis tiefst e.ns 1400 m hinab- steigende Hieracium aurantiacum das aufflligste ist. Verfasser glaubt, dass sich diese Fremdlinge zur Gletscherzeit hierher ge- flchtet und nach deren Ende sich dort bleibend niedergelassen haben. Rollier, Bericht ber die palontologischen Samm- lungen des Naturhistorischen Museums in Bern. II. Theil. Ueber- sicht der im Museum befindlichen thierischen Fossilien aus den Formationen der Kreide, des Tertirs und des Diluviums. Der L, 1891 verffentlichte Theil umfasste das Palozoicutn und Meso- zoieum bis einschliesslich des Juras; der jetzt noch ausstehende III. Theil wird die fossilen Pflanzen enthalten. Graf, Notizen zur Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften in der Schweiz. Zeitschrift fr praktische Geologie mit besonderer Berck- sichtigung der Lagerstttenkunde. Bd. 1. Herausgegeben von Max Krahmann. Julius Springer. Berlin 1893. Original-Bei- trge in dem Bande sind: Fr. Beyschlag: Geologische Special- aufnahme von Preussen und den Thringischen Staaten. Geologische Kartenaufnahmen von Oesterreich-Ungarn und einigen Nachbarlndern. J. H. 1.. Vogt: Bildung von Erzlagersttten durch Differentiationsprocesse in basischen Eruptivmagmata. I'. Wahnschaffe: Geologie und Ackerbau. A. Baltzer: Be rieht ber einleitende Arbeiten am unteren Grindelwaldgletscher zur empirischen Bestimmung der Eiserosion. Th. Breidenbach: Das Goldvorkommen im nrdlichen Spanien. P. Groth: Ueber neuere Untersuchungen ostalpiner Erzlagersttton. 1>. Beck: Das Steinkohlenbecken des Plauenschen Grundes bei Dresden. R. Helmhacker: Die Mineralkohlen in Russisch-Asien. COch- senius: Ueber unterirdische Wasseransammlungen. Bedeutung des orographischen Elementes Barre" in Hinsicht auf Bildungen und Vernderungen von Lagersttten und Gesteinen. - Die Bil- dung des Kalisalpeters aus Mutterlaugensalzen. Ungarischer Kalisalpeter. A. Brun 1 echner: Das Grundwasser im Becken von Klagenfurt. E. Diekmann: Zur Entstehung des sog. Fichtel- sees. A. Goldberg: Ueber Entstehung der Mineralquellen, ins- besondere ber die dabei stattfindenden chemischen Processe. A. Leppla: Ueber das Vorkommen natrlicher Quellen in den pflzischen Nord-Vogesen (Hartgebirge). A. Denckmann: Hoher das Vorkommen von Mergel in den mesozoischen Schichten einiger Gegenden Nordwest- und Mittel-Deutschlands. W. M ric k e: Betrachtungen und Beobachtungen ber die Entstehung von Gold- lagersttten. J. H. Kloos: Die Tropfsteinhhlen bei Kbeland im Harz und ihre Entstehung durch unterirdische Wasserwirkung. E. Geinitz: Die Grossherzogl. Meckenburgisehe Geologische Landesanstalt zu Rostock. L. Litschauer: Die Vertheilung der Erze in den Lagersttten der metallischen Mineralien. System der bergbau-geologischen Aufnahmen in Ungarn. F. M. Stapft': Taraspit. Ein neuer Ornamentstein. Ein paar Worte ber Bodentemperatur und artesische Strmung. - - Was kann das Studium der dynamischen Geologie im praktischen Leben ntzen, besonders in der Berufs thtigkeit des Bauingenieurs'? A. Hof- mann: Einiges ber die Aufstellung von Lagersttteneammlungen. Chr. Tarnuzzer: Die Manganerze bei Roffna im Oberhalbstein (Graubnden). H. Credner: Die geologische Landesuntersuchung des Knigreiches Sachsen. A Brunl echn er: Die Form der Eisenerzlagersttten in Httenberg (Krnten). J. Habe r feiner: Das Erzvorkommen von Cinque valle bei Roncegno in Sdtirol. M. Lodin: Die Erzgnge von Pontgibaud. A. Sauer: Die neue ideologische Landesaufnahme des Grossherzogthums Baden. W. Ule: Heber die Beziehungen zwischen den Mansfelder Seeen und dem Mansfelder Bergbau. C. Blmeke: Erglagersttten im Odenwald. A. Jentzsch: Ueber den artesischen Brunnen in Schneidemhl. K. Endriss: Die geognostische Specialkarte und die geognostische Uebersichtskarte des Knigreichs Wrttemberg. G. Grich: Die Kupfererzlagersttte von Wernersdorf bei Rado- wenz in Bhmen. B. Lotti: Die geologischen Verhltnisse der Thermalquellen im toscanischen Erzgebirge. L. Rosenthal: Die metamorphosirende Einwirkung der Basalte auf die Braunkohlen lager bei Cassel. F. Klockmann: Beitrge zur Erzlagersttten- kunde des Harzes. R. Lepsius: Die geologische Landesauf- nahme des Grossherzogthums Hessen. R. Zuber: Die wahr- scheinlichen Resultate einer Tiefbohrung in Lemberg (Galizien). Fric, Prof. Dr. Ant., 1. Studien im Gebiete der bhmischen Kreideformation. Prag. 6 M. Messtischbltter des Preussischen Staates. 828. Midlum. - 829. Westerwanna. 918. Dornum. 925. Dornm. 926. Neuen- walde. 1014. Westerholt, 1022. Bramel. - 1 195. Loquard. 1559. Schnfliess. 1565. Wugarten. 1567. Friedrichsdorf. 1780. Birnbaum. 1781. Zirke. 1851.Prittisch. 1852. Kahme. 1853. Kwiltsch. 2483. Quaritz. 2571. Straelen. - 2714. Elmpt. Berlin. 1 M. Michalitschke, Assist. Ant., Ein Monochord mit spiralfrmigem Stege zur Darstellung der pythagorischen, der physikalischen und der gleichscbwebend temperirten Tonintervalle. Prag. _ 2 M. Molenbroek, Privatdoc. Dr. P., Anwendung der Quaternionen auf die Geometrie Leiden. 7 M. Mnch, Arth., Heber ein exaetes Verfahren zur Ermittlung der Entzndungstemperatur brennbarer Gasgemische. Berlin. 1 M. Schmeil, Dr. Otto, 15, IL Deutschlands freilebende Ssswasser Copepoden. IL Tbl.: Harpaeticidae. Stuttgart. 25 M. Schroeter, Dr. J., 3. Filze. IL Hlfte. 2. Ll'g. Breslau. 3.20 M. Sievers, Prof. Dr. Wilh., Amerika. Leipzig. 15 M. Zimmermann, Privatdoc. Dr. A., Beitrge zur Morphologie und Physiologie der Pflanzenzelle. 2. Bd. I.Heft. Tbingen. 2 M. Inhalt: Dr. R. L. Schaefer: Hygienische Reiseeindrcke aus Hamburg. Zur Naturgeschichte des Wassernetzes. (Schluss.) Anthropopithecus erectus. Ueber die Entstehung der Geschlechtszellen bei den Insecten. Vorkommen von Spaltpilzen in Hhnereiern. Eine Verbesserung des Verfahrens zur Gewinnung metallischen Lithiums. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Hermann Piper: Zur Aetiologie der Idiotie. -- Mittheilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. - Zeitschrift fr praktische Geologie mit besonderer Bercksichtigung der Lagerstttenkunde, Liste. 64 Naturwissenschaftliche Wochenschrift, Nr. 5. fr^h^X Zur Lieferung aller Arten preiswttrdiger Uhren, besonders in verschiedenen Tempe- raturen und Lagen re- gulivter Ankeruhren, empfiehlt sich bei Zusicherung strenger Reellitt C. Baker, Uhrmacher in Nauen b. Berlin. Mitgl. d. Vereinig, v. Fr. d. Astronomie u. kosm. Physik. Goldene Herren- und Damenuhren unter Augalie dos lloldgowiclits der Gehuse Unbekannte Besteller werden um gefl Angabe von Referenzen gebeten. In Fcrd. Dmmlers Terlagshuclihainl lung in Berlin SW. l'J ist erschienen: Studien zur Astrometrie. Gesammelte Abhandlungen von Wilhelm Foerster, I'i-of. ii. Dircctor der Kgl. Sternwarte zu Bi Preis 7 Mark. Eine kleine Sammlung Seeigel, Seesterne mit Conchylien verkaufe billigst unterm Einkaufspreis bei frank. 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Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- austalten. wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 4. Bringegeld bei der Post IS 4 extra Postzeitungsliste Nr. 4575. Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 40 -vS. Grssere Auftrge ent- sprechenden Rabatt. LSeilagennach Uebereinkunl't. lnserateiiannahiiie bei allen Anuonceubureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vll<'iiiiij:s<> gestattet. Aus der Insectenkunde. Nach H. J. Kolbe, Custos an der zool Sammlung des Knigl. Museums fr Naturkunde zu Berlin.*) Die Mundwerkzeuge. Die Mundtlieile (Fresswerkzeuge) der Insekten er- seheinen zwar in grosser Mannigfaltigkeit, knnen aber stets auf einen gemeinsamen Grundtypus zurckgefhrt werden. Als Beispiel von elementaren Fresswerkzeugen, wie sie sieh namentlich bei Heuschrecken und Kfern finden, seien hier (Fig. 1) diejenigen der grnen Laubheu- scbrecke (Loeusta viridissima) im Hilde mitgetheilt. Um diese Fresswerkzeuge in natrlicher Lage zu zeigen, ist noch folgende Figur (2) von einer verwandten Laubheuschreekenart hinzugefgt. Die Deutung und der Zweck der Mundtlieile in der gegebenen Form und Ausbildung ergiebt sich unschwer. Die Nahrungsaufnahme wird bei Thieren von ge- strecktem Krperbaue passend mit Organen bewerkstelligt, welche sich am vordersten Krperende, befinden. Und nicht vermittelst einer einfachen Mundffnung knnen ge- whnlich die Speisen aufgenommen werden; diese mssen vielmehr auch zerkleinert, beziehungsweise muss die Beute gefasst und zerrissen werden. Zur Besorgung dieser not- wendigen Arbeit erschienen gewhnliche Segmentanhnge passend, welche der Mundffnung zunchst lagen, die sich also hier zu Mundtheilen, an den Brustsegmenten zu Beinen ausbildeten. *) Das krzlich im Ferd. Dmmler'schen Verlage in Berlin erschienene Buch Einfhrung in die Kenntniss der fnsecten" von II. .1. Kolbe bietet uns einen geeigneten Anlass, auf manche interessante Punkte in der Insectenwolt aufmerksam zu machen, und wir glauben dies am besten an der Hand les Kolbe'schen Buches thun zu mssen, um zugleich auf dieses fr alle Inseeten- freunde, Laien, Gelehrte und Sammler, empfehlenswefthe Werk die Aufmerksamkeit zu lenken. Um nun ein eii. Einblick in den Inhalt des Buches i nd in die Darlegung des Stoffes zu gewhren, sind im folgenden einige Auszge aus dem Werke mitgetheilt, von Illustrationen aus dem- selben begleitet. Die Mundorgane sind in der einfachsten Form zu 3 oder 4 Paar vorhanden, von denen aber das dritte und vierte verwachsen sind. In manchen Gruppen sind die Mundtlieile zum Theil verkmmert oder einseitig zu einem Rssel oder einem Stechorgan umgebildet. Je nach ihrer Bildung eignen sich die Anhangsgebilde des Kopfes zum Pressen, Trinken oder Saugen; sie sind so zueinander gestellt und zusammengedrngt, dass sie ihre Arbeit mg- lichst erfolgreich ausfhren knnen. Eine natrliche Folge von der Concentrirung der die Mundtlieile bildenden Segmentanhnge ist die Verwachsung ihrer Segmente, und durch eine solche Verschmelzung zu einem Ganzen entstand der Kopf, an dem die ihn bildenden Segmente, welche als Ursegmente des Kopfes bezeichnet werden, nicht oder kaum mehr zu unterscheiden sind. Ein in das Gebiet der Physiologie gehriger Abschnitt aus dem umfangreichen Capitel ber die Mundwerkzeuge isl der folgende: Die Bedeutung der Taster. Wenn ein mit kauenden Mundwerkzeugen versehenes tnsect, etwa eine Ib Lischrecke oder ein Kfer, im Begriff steht, Nahrung zu sich zu nehmen, so treten die Taster in Thtigkeit, indem sie zitternd oder tastend, gleichsam eifrig prfend, sieb bewegen, so dass es scheint, dass sie bei der Nahrungsaufnahme eine Rolle spielen'. Es wird auch die Meinung ausgesprochen, dass die Taster, den Fingern gleich, bestimmt seien, bei der Zufhrung zum Munde behilflich zu sein. Indess wird ein Kfer nicht immer daran gehindert, Speise aufzunehmen, wenn ihm die Taster abgenommen worden sind. Plateau hat zahl- reiche Versuche in dieser Beziehung angestellt; er schnitt bald die Taster der Unterkiefer, bald diejenigen der Unter lippe, bald beide Tasterpaare ab, um aus der Wirkung des Defects in Beziehung auf die Nahrungsaufnahme sich 66 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 6 ein Urtheil zu bilden. Aber die Fortnahme der Taster blieb ohne Einfluss auf die Fhigkeit, die Nahrung zu erkennen und zu ergreifen. Weder der Verlust der Unter- kiefertastcr, noch der Unterlippentaster, noch beider Taster- paare zusammen hindert die Insecteu, in normaler Weise zu fressen. Auch der Geruchssinn, dessen Sitz in den Tastern gesucht wurde, wird durch die Fortnahme der- selben nicht beeintrchtigt; ohne Zweifel deshalb, weil er meist nicht hier, sondern in den Fhlern seinen Sitz hat. Wenn wir jedoch die Taster und deren grosse Mannig- faltigkeit betrachten, so drngt sich uns die Ueberzeugung den Insecten verdanken, gelangt nmlich zu der Ansicht, dass die Taster bei der selbststndigen Nahrungsaufnahme eine wichtige Aufgabe zu erfllen haben. Zu solchem Schlsse leitete diesen Beobachter schon die auffallende Thatsache, dass bei denjenigen Kfern und Hautflglern, welche die selbststndige Ernhrungsweise mehr oder weniger aufgegeben haben und von anderen Insecten ge- fttert werden, sich stets eine entsprechende Reduction der Taster bis zur gnzlichen Verkmmerung derselben zeigt, z. B. bei den echten Gsten der Ameisen und Ter- miten und bei den sclavenhaltenden Ameisen. Zu jenen Figur 1. Die Mundwerkzeuge der grnen Laubheuschrecke, Locusta viridsima. Orig. I. Oberkiefer (mandibulae). a und , Gelenkvorrichtungen. U. Unterkiefer (maxillae). st, der Stamm des Unterkiefers; cd, die Angel; mi, innere Lade; me, ussere Lade; t, Taster; pm, Tastertrger. III. Iunenlijipe oder Zunge (endolabium). IV. Unterlippe (labium oder ectolabium). m, Kinn; g, Unterkinn; me, ussere Lade; mi, innere Lade; t, Taster; pm, Tastertrger. 3^567 8 9 10 11 12 13 et 1 tb tb Figur 3. Larve des Eichenbockkfers, Cerantbyx heros Scop. 1 bis 14, Zahl der Segmente; et, Kopf; p, die sehr kurzen Beine; tb, zur Fortbewegung dienende Rckenschwielen am 4. bis 11. Segment und Bauchschwielen am 5. bis II. Segment. Origin. I hl Figur 2. Kopf einer Heuschrecke (Locustide), von unten gesehen. Orig. 1, Ober- lippe (labrum); k,, Oberkiefer (mandibula); k.. Unterkiefer (maxilla); k 3 m, die innere Lade der Unterkiefer; k n m, die zweigliedrige ussere Lade; k 2 t, Taster der Unterkiefer (palpus maxillarum) ; ks, stamm der Unterkiefer; k Unterlippe (labium); k,l, Laden der Unterlippe: k,t, Unterlippentaster (palpus labialis); k,s, der jederseitige Stamm der Unterlippe; g, Kehle; sohl, Schlfen (tempore). Bi B 2 B 3 i c ! P2 Pa Figur 4. Ein Laufkfer, Calosoma. Orig. A, Kopf; B,, Vorder- brust; B 3 , Mittelbrust; B :l . Hinterbrust; C, HiDterleib; a, ein ein- gezogenes verstecktes Segment desselben; a, Fhler; k,, Ober- kiefer; k 3 t, Kiefertaster; k,t, Lippentaster; p ein Vorderbein; p,, ein Mittelbein; p, ein Hinterbein; aa, Flgeldecken. auf, dass sie in irgend einer Weise dem Insect beim Ein- nehmen der Nahrung, wo sie ja auch in sichtbare Function treten, ntzlich sind. Ein unntzes Organ wird rudimen- tr, und thatschlich sind auch bei vielen Insecten die Taster sehr verkrzt oder verschwunden; aber bei hundert- tausenden verschiedener Insectenarten sind sie gut aus- gebildet. finden es daher bee-reiflich Untersuchungen Wir Richtung verlaufende ruugen dahin fhren, den Tastern eine in dem beregten Sinne zuzusprechen Wasmann, dem wir bereits die Ziehungen zwischen Form und Function eines Ch- ili anderer Schlussfolge- wenn und gewisse Bedeutung Deutung vieler Be- ans bei gehren aus der Familie der Pselaphiden fr die euro- pische Fauna Batrisus, Abatrisops, Centrotoma und Chen- nium. Diese haben ihren normalen Wohnort nur in Anieisen- nestern und besitzen ohne Ausnahme krzere Kiefertaster, als ihre nicht oder nicht ausschliesslich bei Ameisen lebenden Verwandten, welche gut entwickelte viergliedrige Taster aufweisen. Auch die mit der ebengeiiannten Familie nahe ver- wandten Clavigeriden gehren, wie schon seit langer Zeit bekannt ist, zu den Ameisenfreunden. Sie sind echte Gste der Ameisen, von denen sie gefttert werden; und dementsprechend sind ihre Fresswerkzeuge, namentlich die Taster, so sehr verkmmert, dass letztere nur aus Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 67 Stamm der Unterkiefer einem einzigen, kaum ber den vorragenden Gliedc bestehen. In Bezug auf die Reduction der Taster der sclaven- lialtendeu Ameisen fhrt Wasmann an, dass, whrend die nicht selavenhaltende Formica sanguinea und deren Ver- wandte lange, sechsgliedrige Kiefertaster und viergliedrige Lippentaster besitzen, die gewhnlich auf die Ftterung durch Sclaven angewiesene Art Polyergus rufescens im Ver- hltniss dreimal krzere Taster aufweist, von denen die Kiefertaster ausserdem auf vier, die Lippentaster auf zwei Glieder reducirt sind. Anergates atratulus, der vollstndig abhngig ist von den ihn ftternden sogenannten Selaven- ameiseu, ist durch fast ganz verkmmerte Taster ausge- sie vorzugsweise zum Aufsuchen und zur Prfung geeigneten Nahrung dienen. Hydrophilus piceus ge- dass der braucht seine Kiefertaster regelmssig als Finger, um den Bissen leichter in den Mund zu schieben. Staphylinus cacsareus berhrt wenigstens mit den Kiefertastern jeden Bissen bei jeder neuen Bewegung der Kiefer. Manche Kfer vermgen nach Verlust smmtlicher Taster keine Nahrung mehr zu sieh zu nehmen und mssen verhungern (Hydrophilus piceus), whrend andere noch die Nahrung auflinden, aber nur unbeholfen fressen, z. B. Dytiscus mar- ginalis und Cybister virens. Die Function der Taster wird jedenfalls durch die kegelfrmigen, zum Tasten oder Riechen dienenden Pa- Figur 5. Seitlicher Lngsschnitt durch ein Insect, um die Lage und Anordnung eines Theiles der inneren Orgaue zu zeigen. L>ie Flgel und Beine sind ver- krzt dargestellt. Schemat. A, Kopf; a, Fhler; au, Auge; cl, Kopfscbild; 1, Oberlippe; k Ober- kiefer; kj, Unterkiefer; k Unterlippe; t, Taster. B B a , B, Vorder-, Mittel- und Hinter brst; b b., b^, Vorder-, Mittel- und Hinterbein; f, Schenkel; h, Hfte; tr, Schenkelring. C, Hinterleib; 1 lu, die zehn Segmente desselben. Der Nahrungskanal reicht von der Mundhhle (ph) bis zum After (an) am Ende des letzten Hinterleibsringes. Die einzelnen Theile des Darmes sind von vorn an gezhlt: oe, der Schlund; ig, dessen kropfartige Anschwel- lung; chl, der Magen; i, der Dnndarm; r, der Dickdarm. Die Malpighischen Gefsse (vm) mnden vorn in den Dnndarm. Die Speicheldrsen (gl) mnden in die Mundhhle. Das langgestreckte Rcken gefss (Herz) vd, das Centrum des Blut- cirkulationssystems, liegt in der Mittellinie unter der Rckenhaut und erstreckt sich von dem Hinterleibsende bis in den Vorderkrper. Der Centralnervenstrang verluft an der Bauchseite und besteht aus den knotenfrmigen Anschwellungen g, den diese verbindenden Nervenstrngen cm und den abgezweigten Nerven n; gs, oberer Schlundnervenknoten (Gehirn); gi, unterer Schlundnervenknoten; cms. Schlundcouimissur. Der Fortpflanzungsapparat liegt unterhalb und zu beiden Seiten des Darms. Von den beiden Eierstcken (o) ist der rechte fortgelassen, ov, Ei- leiter; v, Scheide; bc, Begattungstasche; gl, Anhangsdrse. ap, Gabelfrmige Chitinfortstze (Apophysen), welche die Centralnervenkette sttzen. zeichnet; die Kiefertaster sind zweigliedrig, die Lippen- taster eingliedrig. Diese Wechselbeziehungen fhrten den genannten Forscher zu der Annahme, dass die Selbst- stndigkeit der Nahrungsaufnahme in einer gesetzmssigen Beziehung zur Entwickelung der Taster steht. Bei den Curculioniden und Tomiciden ist die Kleinheit der Taster verkmmert kann man sie nicht nennen dadurch bedingt, dass diese Kfer mit ihrem meist rsselfrmig verlngertem Kopfe in Pflanzcntheile sich einbohren ; lngere Taster wren in diesem Falle unmglich, weil sie verletzt wrden." Auch die Larven der meisten Coleopteren, der Lepidopteren etc. besitzen sehr kurze Taster, welche wohl als unentwickelt zu betrachten sind. Was nun die functionelle Bedeutung der Taster an- belangt, so ermittelte Wasmann aus einigen Beobachtungen, pillen, die am Ende des letzten Tastergliedes sitzen, ver- mittelt. Graber fand, dass die Taster einiger Insecten auch auf Riechstoffe reagiren. Die Bewegungsorgane. In Fig. 3 ist die Larve eines Bockkfers (Cerainbyx heros Scop.) dargestellt, um deren Bewegungsorgane zu zeigen. Wie sich zahlreiche Wrmer vermittelst seitlicher Borsten oder borstentragender Stummeln vorwrtsbewegen, so vermgen auch die Larven vieler Insecten nur ver- mittelst kurzer fussartiger Stummeln oder schwielenfrmiger Hcker, welche den einzelnen Segmenten aufsitzen, sich iortzube wegen. Das ist namentlich der Fall bei den holzbewohncnden 68 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 6 Larven der Bockkfer, deren sehr verkmmerte Brustbeine fr tue Fortbewegungsfhigkeit wenig zu bedeuten haben. Bei den Raupen der Schmetterlinge sitzen am Rande der stummelartigen Hcker Drnchen, welche die Bewegung auf ebener Erde, an Wnden oder auf Blattern sehr be- gnstigen; sie werden Selirinins.se genannt und finden sieh nur an den Segmenten des Hinterleibes, whrend sich an den drei auf den Kopf fol- genden Segmenten drei Paar kurzer Beine befinden, welche die Fortbewegung' des lang- gestreckten Raupenkrpers unmglich allein ausfuhren knnen. Nichtsdestoweniger sind wohlausgebildete, nur an der vorderen Krperhlfte ange- brachte Bewegungsorgane viel tauglicher zur Fortbewegung, als kurze Fsse oder Stum- meln an den meisten Segmen- ten, also auch des Hinterlei- bes, in Folge dessen der hin- tere Krp6rtheil einfach mit- gezogen oder getragen wird. Solche wohlausgebildete Be- wegungsorgane sind die meist schlanken oder krftigen Beine, die den Brustseg- menteu der entwickelten Iu- secten angefgt sind. Schein- fsse oder zur Fortbewegung dienende Schwielen, Borsten, Hcker oder andere Bildungen kommen bei den entwickelten Insecten nicht vor, ausser bei deu Borstenschwnzen und Springschwnzen, welche zu den niedrig organisirten un- echten Insecten (Apterygo- genea) gehren. Wirkliche, aus dem ge- dachten Grunde nur am Vor- derkrper befindliche Beine (Fig. 4) bewahren bei allen Insecten eine grosse Uebereiu Stimmung dadurch, dass sie stets an den gleichen Brust- ringeln und in der gleichen Zahl von drei Paaren vorhan- den sind. Abgesehen wird hier z. B. von nachtrglicher der Schwerpunkt mehr nach vorn verlegt und die Be- wegung erleichtert wird. , innere Chitinhaut mit den in Form von Querstreifen auftretenden Verdickungen (sp). welche sich als einlacher Spiralfaden ausziehen lassen (spj; ep, ussere Zellen- schicht; c, Kerne derselben. siel den tnsectenlarven, welche nur an der Hinterleibsspitze oder nur hier und am Vorderkrper je ein Stigmenpaar besitzen, in welches die beiden Rhren mnden (Dipteren, Dytisciden). Die Tracheen sind rhrenfrmig um! von sehr verschiedener Strke. Mii Luft gefllt erscheinen sie wegen der vollkommenen I urchsichtigkeii ihrer Wandungen silber- glnzend. An der i T rs|priiugsstelle bei den Stigmen sind die Tracheen braun, roth oder blau. Ihrer Zusammen- setzung nach bestehen sie aus einer usseren Zellenschicbl (Peritouealhaut) (Fig. 7 ep) und der Intima oder inneren Chitinhaut (ip). Die merkwrdigste Beschaffenheii der letzteren besieht darin, dass sie im Lichten spiralfrmig vorspringende und fortlaufende Verdickungen besitz! s|i . derart, dass sieh die Chitinhaut in Form eines Spiral- fadens ausziehen lsst (sp,). Der Spiralfaden i-t an den Tracheen in der Form von Querstreifen zu erkennen. Die Tracheen sind elastisch; Druck und Biegung ben daher keinen nachtheiligen Einfluss auf sie aus. Die Elasticitl ist bedingt durch die spiralige Verdickung der Intima. Die letzten Auslufer der Traeheenendzweige (Tracheencapillaren genannt) haben keinen Spiralfaden, die Intima ist einfach. Die Tracheen sind im frischen Zustande mit Luft gelullt, die letzten, des Spiralfadens ermangelnden Auslufer aber, wie v. Wistinghausen mittheilt, mit einer Flssigkeit. Bei einigen Inseeten erscheinen die Tracheen roth oder violett, nmlich bei Heuschrecken, oder rthlich braun, nmlich bei den Larven von Aescbna. Dies rhrt daher, dass die ussere Zellenschicht ein feinkrniges Pigment enthlt, welches diese Farbe besitzt. Die grsseren Tracheenstmme von Lampyris sind durch frei in das Lumen hineinragende Chitinborsten ausgezeich- net (Gerstaecker), und Leydig fand an deren Stelle bei Procrustes Chitinvor- sprnge. Bei manchen Inseeten verbinden die beiderseitigen Aeste der Lngsstmme netz- niiteinander, Anastomosen bildend. Das ist z. B. in der Mittellinie des Kopfes von Carabus- Arten der Fall. Diese Anastomosen sind aber nicht zu verwechseln mit den letzten Auslufern zweier Tracheenzweige, welche durch Anastomose das Trachcencapillarendnetz bilden; sie bedi